GÜTERVERKEHRSBRANCHE

Was bewegt die Güter­ver­kehrsbran­che? Ver­schie­de­ne Fak­to­ren wir­ken sich auf die Güter­ver­kehrs­bran­che aus. Wir machen uns als Stim­me der ver­la­den­den Wirt­schaft für ein wett­be­werbs­fä­hi­ges Güter­bahn­sys­tem stark. Dafür beob­ach­ten wir unter ande­rem die Ver­la­ge­rung und set­zen uns bei der Poli­tik für eine dis­kri­mi­nie­rungs­freie Bahn ein.

Zukunft des Binnengüterverkehrs

Wei­ter­ent­wick­lung des Güter­ver­kehrs: Vari­an­ten des Bun­des­ra­tes grei­fen zu kurz

Wettbewerb

Interoperabilität

Die Opti­mie­rung von Pro­zes­sen und Schnitt­stel­len und der Zusam­men­hang mit dem 4. EU-Bahnpaket.

Nachhaltigkeit

Die Moti­on von Stän­de­rat Josef Ditt­li ver­langt ein Gesamt­kon­zept, wie Schie­nen­gü­ter­ver­kehr und mul­ti­mo­da­le Logis­tik­lö­sun­gen zur Sen­kung des CO2-Aus­stos­ses bei­tra­gen können.

Digitalisierung

Was trägt dazu bei, dass der euro­päi­sche Schie­nen­gü­ter­ver­kehr die nächs­te Dimen­si­on der Moder­ni­sie­rung erreicht?

Flyer Schienengüterverkehr 2050

INFORMATIV

Zukunft Schienengüterverkehr in der Fläche / Wagenladungsverkehr

 

Energiekrise
 
Vision

 

Kurzfassung einer Studie im Auftrag der verladenden Wirtschaft

 

Verlagerungsbericht 2021

 

Gefahrguttransporte

 

Rechtliches

 

Grundlagenstudien des Bundes
 
Unterirdischer Gütertransport
Archiv
Der Güterverkehr in der Covid-19-Krise

 

Verlagerungsbericht 2019 – Branche fordert zusätzliche Massnahmen

Betrieb

 

Eisenbahnverkehrsunternehmen EVU

DB Cargo GATX  Hupac rail­Ca­re
 
SRT swiss rail traffic TR Trans Rail WRS  
DB Cargo GATX  Hupac
SRT swiss rail traffic TR Trans Rail WRS
   
rail­Ca­re    

Wagenvermieter

VTG was­co­sa erme­wa Grou­pe Millet
VTG was­co­sa erme­wa
   
Grou­pe Millet  

Verlader (Beispiele)

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Die Post Hol­cim Pan­log Has­tag
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Die Post Hol­cim Pan­log
   
Has­tag    

Standorte

Erste und letzte Meile

In der Schweiz wer­den über 850 Anschluss­glei­se genutzt. Lei­der ist ein ste­ter Abgang zu ver­zeich­nen. Wie sich der VAP für den Erhalt der Stand­or­te ein­setzt und wei­te­re nütz­li­che Infor­ma­tio­nen fin­den Sie im Kapi­tel Standorte.

Netz

Beim Netz geht es um den Zugang zu den Schie­nen­we­gen, den Tras­sen. Für eine opti­ma­le Aus­las­tung benö­tigt es weit­sich­ti­ge Bau­pla­nung, faire Prei­se und eine gute Organisation.

Wie wir uns dafür enga­gie­ren und wei­te­re nütz­li­che Infor­ma­tio­nen fin­den Sie unter fol­gen­dem Link.

Strommangel (Teil 3): Sparappelle mittragen

Strommangel (Teil 3): Sparappelle mittragen

Der Strom­man­gel ist ein dring­li­ches poli­ti­sches und wirt­schaft­li­ches Thema. Des­halb ist es uns ein Anlie­gen, dass unse­re Mit­glie­der top­ak­tu­ell infor­miert sind. In die­ser drit­ten Blog­e­pi­so­de erör­tern wir, wie die Bahn­bran­che den Spar­ap­pel­len des Bun­des­ra­tes mit frei­wil­li­gen Ener­gie­spar­mass­nah­men Folge leis­ten kann.

Der Bund hat die Auf­ga­ben zur Bewäl­ti­gung einer mög­li­chen Ener­gie­kri­se fest­ge­legt. Je nach­dem, wie sich die Ener­gie­la­ge ent­wi­ckelt, kann er Ener­gie­spar­mass­nah­men ergrei­fen. Dabei sind vier Levels mög­lich. Zur­zeit befin­den wir uns auf Level 1 «frei­wil­li­ge Spar­ap­pel­le». Das Bun­des­amt für Ver­kehr nimmt die zen­tra­le Koor­di­na­ti­ons­auf­ga­be in Ver­kehrs­be­lan­gen wahr. Das Eid­ge­nös­si­sche Depar­te­ment für Umwelt, Ver­kehr und Kom­mu­ni­ka­ti­on (UVEK) hat die «Ener­gie­spar-Alli­ance» mit einer breit ange­leg­ten Kam­pa­gne ins Leben geru­fen. Diese Alli­anz for­dert Orga­ni­sa­tio­nen in der gan­zen Schweiz auf, die Bemü­hun­gen für Ver­sor­gungs­si­cher­heit im Win­ter zu unter­stüt­zen und frei­wil­lig Ener­gie­spar­mass­nah­men zu ergrei­fen. Ziel muss es sein, in der Schweiz bran­chen­weit mög­lichst ein­heit­li­che Mass­nah­men umzu­set­zen. Das ist für die Nut­zer von Ver­kehrs­leis­tun­gen am bes­ten nachvollziehbar.

VAP zieht mit

Wir vom VAP schlies­sen uns der Emp­feh­lung an, der «Ener­gie­spar-Alli­ance» bei­zu­tre­ten. Damit geben wir den Weck­ruf des Ver­bands öffent­li­cher Ver­kehr (VöV) an unse­re Mit­glie­der wei­ter. An sei­ner Vor­stands­sit­zung vom 9. Sep­tem­ber 2022 hat die­ser sein Emp­feh­lungs­pa­pier für die Bahn­bran­che ver­öf­fent­licht. Darin emp­fiehlt er der Bahn­bran­che, sich aktiv auf mög­li­che Sze­na­ri­en einer Ener­gie­man­gel­la­ge vor­zu­be­rei­ten und rasch erste kon­kre­te Umset­zungs­mass­nah­men zu realisieren.

Damit sich die Ener­gie­spar­mass­nah­men aller Akteu­re der Bahn­bran­che abge­stimmt umset­zen las­sen, über­nimmt die Arbeits­grup­pe «Strom­man­gel­la­ge im öV» deren Koor­di­na­ti­on. Hier brin­gen wir uns aktiv ein. Die Arbeits­grup­pe arbei­tet eng mit den SBB und Post­Au­to AG Schweiz als Sys­tem­füh­re­rin­nen zusam­men. Gemein­sa­mes Ziel ist es, Betriebs­ein­schrän­kun­gen sowohl beim Per­so­nen­ver­kehr als auch beim Güter­ver­kehr zu ver­mei­den. Die Kapa­zi­tä­ten sol­len erst bei ent­spre­chen­dem Nach­fra­ge­rück­gang redu­ziert wer­den. Auf wei­te­re Eska­la­ti­ons­le­vels berei­ten wir uns in diver­sen Arbeits­grup­pen inten­siv vor. Die öffent­li­che Hand soll unse­re Bran­che als kom­pe­tent und koope­ra­tiv wahrnehmen.

Weil Energie knapp ist

«Ener­gie ist knapp. Ver­schwen­den wir sie nicht.» Unter die­sem Kam­pagn­en­ti­tel hat das UVEK Spar­tipps für Pri­va­te und Unter­neh­men zusam­men­ge­fasst. Auch die Bahn­bran­che soll frei­wil­lig Ener­gie spa­ren. Die­ser Auf­ruf umfasst Umset­zungs­mass­nah­men für zahl­rei­che von den Bah­nen genutz­te Bau­ten. Sie schrän­ken das Ange­bot des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs nicht ein. Aktu­ell liegt der Fokus auf der Absen­kung der Heiz­tem­pe­ra­tur sowie der Reduk­ti­on von Warm­was­ser und Beleuch­tung. Zudem ist jedes Trans­port­un­ter­neh­men auf­ge­for­dert, ener­ge­ti­sche Betriebs­op­ti­mie­run­gen in sei­nen Büro- und Betriebs­ge­bäu­den durch­zu­füh­ren. Adres­sa­ten­ge­rech­te Spar­mass­nah­men für Mit­ar­bei­ten­de  (Lok­füh­re­rIn­nen, Büro­mit­ar­bei­ten­de, Werk­stät­ten­per­so­nal) wer­den das Paket ergänzen.

«Wer keinen Mut hat, hat schon verloren.»

«Wer keinen Mut hat, hat schon verloren.»

Dr. Heiko Fischer prä­si­diert die Inter­na­tio­nal Union of Wagon Kee­pers UIP. Mit dem VAP spricht der ehe­ma­li­ge VTG-Chef über die Zukunft des euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs und die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on des Bahn­sek­tors. Für die­sen wünscht er sich mehr Begeis­te­rung und erläu­tert, warum er das Ein­stel­len des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs in der Schweiz für fatal hält.

 

Herr Dr. Fischer, wo sehen Sie die grössten Herausforderungen und wo die Stellschrauben für den europäischen Bahnmarkt?

Da gibt es eine ganze Reihe. Die Bahn­in­fra­struk­tur ist ver­al­tet oder vie­ler­orts ein his­to­risch gewach­se­ner Fli­cken­tep­pich. Noch immer exis­tie­ren Gren­zen zwi­schen den Teil­sys­te­men. Mit jedem Jahr, in dem nichts geschieht, wird das Pro­blem grös­ser, denn die Infra­struk­tur altert unbe­irrt wei­ter. Hier sehe ich die Stell­schrau­be in der mit­tel­eu­ro­pa­wei­ten Koor­di­na­ti­on von Aus­bau­plä­nen, Ent­las­tungs­stre­cken und ent­spre­chen­den bau­li­chen Mass­nah­men. Zwar ver­fol­gen die trans­eu­ro­päi­schen Netze die­sen inte­gra­ti­ven Ansatz. Doch Neben­stre­cken und Fein­ver­tei­lungs­net­ze dür­fen nicht aus­ge­nom­men wer­den, wenn es um Inves­ti­ti­ons­al­lo­ka­ti­on, Aus­bau- und Erneue­rungs­pla­nung, Zug­steue­rungs­sys­te­me sowie Regu­lie­rung geht.

Eine wei­te­re Steu­er­grös­se sehe ich in der kom­plet­ten Durch­di­gi­ta­li­sie­rung des Bahn­sek­tors, ange­fan­gen bei der Ver­net­zung der Infra­struk­tur über das Roll­ma­te­ri­al bis hin zum ope­ra­ti­ven Betrieb. Hier soll­te es eine ver­ein­heit­lich­te Logik mit ent­spre­chen­den Schnitt­stel­len geben. In der Folge kann eine Elek­tri­fi­zie­rung mit Mass und Ziel statt­fin­den. Gering belas­te­te Stre­cken könn­ten auch von was­ser­stoff­be­trie­be­nen Hybrid­locks bedient werden.

«Für gewis­se Dring­lich­kei­ten ist der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr auf öffent­li­che Gel­der ange­wie­sen, zum Bei­spiel für die Basis­di­gi­ta­li­sie­rung, den Infra­struk­tur­aus­bau, die Elek­tri­fi­zie­rung, die Imple­men­tie­rung der digi­ta­len auto­ma­ti­schen Kupp­lung DAK und ande­re zeit­kri­ti­scher Sprung­in­no­va­tio­nen.»

Das ver­füg­ba­re Kapi­tal ist eben­falls ein Eck­pfei­ler. Der Bahn­markt braucht nicht nur aus­rei­chend Pri­vat­ka­pi­tal. Für gewis­se Dring­lich­kei­ten ist er auf öffent­li­che Gel­der ange­wie­sen, zum Bei­spiel für die Basis­di­gi­ta­li­sie­rung, den Infra­struk­tur­aus­bau, die Elek­tri­fi­zie­rung, die Imple­men­tie­rung der digi­ta­len auto­ma­ti­schen Kupp­lung DAK und ande­re zeit­kri­ti­scher Sprung­in­no­va­tio­nen. Sol­che Inves­ti­tio­nen über­stei­gen die finan­zi­el­len Kräf­te der Pri­vat­wirt­schaft und der meis­ten Staats­bah­nen. Schliess­lich möch­te nie­mand in Tech­no­lo­gien inves­tie­ren, die erst im nächs­ten Jahr­zehnt Früch­te abwer­fen, viel­leicht sogar bei ande­ren Akteu­ren des Bahn­sys­tems. Damit bin ich bei einer wei­te­ren Stell­schrau­be ange­langt: Wir brau­chen auch bei Regie­run­gen, Regu­lie­rern und Poli­ti­kern ein ver­an­ker­tes öko­no­mi­sches Ver­ständ­nis für die Wirk­me­cha­nis­men des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Das bedingt ein Umden­ken aller Systembeteiligten.

Inwiefern?

Der Bahn­sek­tor ist nicht gera­de bekannt dafür, pro­ak­tiv zu den­ken und Neues schnell zu imple­men­tie­ren. Viele sehen sich als Opfer, sei es von der Ver­gan­gen­heit, von fal­schen Ent­schei­dun­gen, von der Stras­se, vom Wet­ter oder von irgend­et­was ande­rem. Das muss sich mei­nes Erach­tens unbe­dingt ändern. Schliess­lich zie­hen wir nicht Güter­zü­ge durch die Gegend, weil es uns Spass macht, son­dern weil wir einen Mehr­wert für die Ver­la­der und unser Gemein­we­sen erwirt­schaf­ten wol­len. Die Akteu­re des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs müs­sen den Kun­den zurück in den Mit­tel­punkt rücken und sich des­sen zukünf­ti­ge Bedürf­nis­se ver­ge­gen­wär­ti­gen. Damit sich der anste­hen­de Wan­del tat­säch­lich voll­zie­hen las­sen, brau­chen wir mehr Auf­bruchs­men­ta­li­tät, eine «can do»-Attitüde.

Welche Innovationen haben Sie in den letzten Jahren bei der VTG vorangetrieben, welche davon waren bahnbrechend? 

Spon­tan fällt mir da VTG Con­nect ein. Diese Tele­ma­tik­tech­no­lo­gie erhebt rele­van­te Daten über die gesam­te Flot­te und viele Trans­por­te. Sie schafft die Basis für ein effi­zi­en­tes digi­ta­les Flot­ten­ma­nage­ment, denn sie macht Daten für Kun­den, Güter­bah­nen und Instand­hal­tungs­zwe­cke nutz­bar. Mit die­ser Inno­va­ti­on haben wir den Ein­stieg in die Echt­zeit-Daten­über­mitt­lung im Güter­ver­kehr wie von der DAK ange­strebt sozu­sa­gen aufgegleist.

Welchen zukünftigen Stellenwert räumen Sie der DAK ein? 

Für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on des Bahn­sek­tors ist die DAK ein Kata­ly­sa­tor. Damit las­sen sich eine neue Steue­rungs­lo­gik und Echt­zeit­da­ten­strö­me abbil­den. Davon sind wir heute weit ent­fernt. Die DAK macht mehr als den Kupp­lungs­vor­gang zu auto­ma­ti­sie­ren. Sie ver­netzt Lok­füh­rer, Ladung, Ladungs­trä­ger und Ener­gie, also Strom. Das Poten­zi­al dar­aus kom­bi­niert mit neuen digi­ta­len Tech­no­lo­gien ist immens. Die DAK ist nicht nur eine intel­li­gen­te Zug- und Ladungs­steue­rung, son­dern auch Mög­lich­ma­cher für ande­re Digi­ta­li­sie­rungs­of­fen­si­ven wie zum Bei­spiel digi­ta­le Daten‑, Zug­steue­rungs- und Buchungsplattformen.

«Es wird sicher­lich meh­re­re Platt­for­men geben, denn nach wie vor wird jedes Unter­neh­men Infor­ma­tio­nen sam­meln, die es nicht tei­len kann oder darf. Eine oder auch meh­re­re die­ser Platt­for­men wer­den sich als zen­tra­le Dreh­schei­ben her­vor­tun, die den ope­ra­ti­ven Bahn­be­trieb steuern.»

Welche Rolle werden diese in Zukunft spielen? 

Es wird sicher­lich meh­re­re Platt­for­men geben, denn nach wie vor wird jedes Unter­neh­men Infor­ma­tio­nen sam­meln, die es nicht tei­len kann oder darf. Eine oder auch meh­re­re die­ser Platt­for­men wer­den sich als zen­tra­le Dreh­schei­ben her­vor­tun, die den ope­ra­ti­ven Bahn­be­trieb steu­ern. Als sol­che lie­fern sie den Güter­ver­kehrs­ak­teu­ren ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen, mit denen sich die Abstän­de zwi­schen den Zügen ver­rin­gern, Zeit­fens­ter errech­nen und mehr Ton­na­gen pro Zeit­ein­heit aufs Gleis brin­gen las­sen. Ein euro­pa­wei­tes elek­tro­ni­sches Güter­ver­kehrs­steue­rungs­sys­tem darf nicht von einem Tech-Riese à la Goog­le kom­men, son­dern soll­te sich aus dem Bahn­sek­tor selbst her­aus­ent­wi­ckeln. Damit zei­gen wir Inno­va­ti­ons­stär­ke gegen­über ande­ren Verkehrsträgern.

Viel­leicht gibt es in Zukunft sogar eine über­ge­ord­ne­te Instanz in der Art von Euro­con­trol für die zen­tra­le Koor­di­na­ti­on der Luft­ver­kehrs­kon­trol­le. Ein der­ar­ti­ges Cock­pit könn­te den euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr steu­ern, den Lok­füh­rern gewis­se Vor­ga­ben machen, gege­be­nen­falls ein­grei­fen und spä­ter auto­no­me Züge fah­ren las­sen. Sol­che Quan­ten­sprün­ge sind aller­dings nur mög­lich, wenn digi­ta­le Tech­no­lo­gien mit künst­li­cher Intel­li­genz imple­men­tiert wer­den und grei­fen. Nur sie brin­gen Dyna­mik und sor­gen für das nöti­ge Tempo, das für den Erfolg der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on abso­lut zen­tral ist.

Wie liesse sich der Schienengüterverkehr in Europa nachhaltig weiterentwickeln?

Mit etwas, das die öko­no­mi­sche Wir­kung des Güter­ver­kehrs auf einen Nen­ner bringt und wozu sich alle Akteu­re ver­pflich­ten. Ich kann mir vor­stel­len, dass es eines Tages einen lang­fris­ti­gen Mas­ter­plan im Sinne einer selbst­re­gu­lie­ren­den und doch ver­pflich­ten­den Absichts­er­klä­rung gibt. Alle betei­lig­ten staat­li­chen und nicht­staat­li­chen Bah­nen müss­ten sie mit­un­ter­zeich­nen. Die­ser Mas­ter­plan könn­te fest­hal­ten, dass man gemein­sam auf eine Ver­kehrs­ver­la­ge­rung hin­ar­bei­tet. Ich erin­ne­re an den all­ge­mei­nen Ver­wen­dungs­ver­trag AVV von 2006. Die­ser regelt das Zusam­men­spiel zwi­schen Wag­gon­hal­tern und Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men als Wagen­be­trei­bern. Der Vor­teil einer supra­na­tio­na­len Ver­ein­ba­rung ohne Geset­zes­cha­rak­ter besteht darin, dass sie sich schnell und unkom­pli­ziert ergän­zen oder anpas­sen lässt. Die Zuläu­fe zur NEAT sind das beste Bei­spiel dafür, was nicht pas­sie­ren soll­te: Die Bahn­staa­ten­ge­mein­schaft inklu­si­ve Schweiz hat sich ver­pflich­tet, die Nord-Süd-Achse aus­zu­bau­en. Als die Schweiz den NEAT-Tun­nel eröff­ne­te, hat­ten ande­re Staa­ten noch nicht ein­mal mit der Pla­nung begon­nen. Ein Mas­ter­plan für den euro­päi­schen Güter­ver­kehr könn­te diese Absicht ver­bind­li­cher aus­ge­stal­ten und klar­stel­len, dass Green Deal und Ver­la­ge­rungs­zie­le ernst gemeint sind. Heute ist er noch Zukunfts­mu­sik. Den Grund­for­de­run­gen stim­men meis­tens alle zu. Sobald es dann aber darum geht, etwas Kon­kre­tes aus einem Guss zu erar­bei­ten, diver­gie­ren die Mei­nun­gen auseinander.

Was meinen Sie zum bundesrätlichen Bericht zum ‹Schienengüterverkehr in der Fläche›? Was würde es bedeuten, wenn der Bundesrat diesen abschaffte?

Das wäre mei­ner Mei­nung nach der gröss­te ver­kehrs­po­li­ti­sche Feh­ler seit Jahr­zehn­ten. Die Schweiz beweist, dass Wagen­la­dungs­ver­kehr funk­tio­niert. Aller­dings ist er noch zu teuer. Wenn jedoch Zug­bil­dung und ‑tren­nung auto­ma­tisch erfol­gen, die Zug­rei­he digi­tal gesteu­ert wird und der Markt von den vie­len Vor­tei­len digi­ta­ler Ange­bo­te pro­fi­tiert, dann wer­den auch die Kos­ten sin­ken – und der Bedarf an Sub­ven­tio­nen wird zurück­ge­hen. Der Bun­des­rat soll­te dar­über nach­den­ken, wie sich die Ange­bo­te für Güter­bahn­kun­den attrak­ti­ver gestal­ten las­sen. Das Ganze abzu­bre­chen, noch bevor die Digi­ta­li­sie­rung Früch­te trägt, wäre sträf­lich. Bahn­fracht auf LKWs umla­den kos­tet auch Geld und nicht jede Fracht lässt sich für Ganz­zü­ge con­tai­ne­ri­sie­ren. In die­sem Thema müss­te sich die Schwei­zer Regie­rung mei­ner Ansicht nach zuver­sicht­li­cher zei­gen. Wer kei­nen Mut hat, hat schon verloren.

Wir vom VAP sind Mitglied der UIP. Wie würden Sie den VAP beschreiben?

Er ist ein wert­vol­ler Mit­glieds­ver­band unse­rer euro­päi­schen Wag­gon­hal­ter­fa­mi­lie. Ich nehme ihn als inno­va­tiv und mei­nungs­stark wahr. Auf­grund sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Mit­glie­der­struk­tur hat er bei uns ein beson­de­res Gewicht. Der VAP ver­tritt nicht nur die fünf gröss­ten Schwei­zer Wagen­hal­ter, son­dern die Inter­es­sen von Ver­la­dern, Gleis­an­schlies­sern und Ver­tre­tern mul­ti­mo­da­ler Logis­tik­ket­ten. Diese Viel­falt erzeugt bei uns Wir­kung und Ideen­reich­tum, ich erach­te sie als wert­vol­le Stär­ke. Mit sei­ner Mit­glie­der­di­ver­si­tät kann der VAP seine For­de­run­gen ganz­heit­li­cher auf die Nut­zer aus­rich­ten und mit einer grös­se­ren Auto­ri­tät plat­zie­ren. Ich unter­stüt­ze den kun­den­zen­trier­ten Ansatz des VAP, der den End­nut­zer in den Dis­kus­si­ons- und Ent­schei­dungs­pro­zess ein­bin­det. Euro­pa kann von den Schwei­zer Erfah­run­gen mit dem Wagen­la­dungs­ver­kehr oder der Leis­tungs­ab­hän­gi­gen Schwer­ver­kehrs­ab­ga­be pro­fi­tie­ren. Sie gilt für uns oft als «Mini­lab», das The­men für uns spie­gelt. Im Wei­te­ren zeigt uns der VAP vor­bild­lich auf, wie man die Bevöl­ke­rung über­zeugt oder etwas als Gemein­we­sen posi­tiv gestaltet.

Was kann der VAP besser machen?

Bes­ser geht immer. Mein Appell ist nicht nur an den VAP, son­dern an alle Ver­bän­de und ver­kehrs­po­li­tisch Invol­vier­ten gerich­tet. Wir brau­chen enga­gier­te Men­schen, die bereit sind, Inter­es­sen mit Sicht nach vorne zu for­mu­lie­ren. Sol­che, die in Quar­tals­bi­lan­zen den­ken, gibt es genug. Aber damit kann man die Zukunft nicht gewinnen.

Was wünschen Sie sich für ebendiese Zukunft?

Noch mehr Inter­es­se, mehr Zuver­sicht. Mehr Begeis­te­rung. Ver­la­der soll­ten dar­auf bren­nen, noch mehr Ton­nen auf die Schie­ne zu brin­gen. Nur so kön­nen wir die ambi­tio­nier­ten Ver­la­ge­rungs- und Kli­ma­zie­le errei­chen. Der Bevöl­ke­rung soll­te klar sein, wie wich­tig der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist – und dass das Geld kos­tet. Eine unge­hemm­te LKW-Flut ist näm­lich keine Alter­na­ti­ve. Ich wün­sche mir, dass Sie vom VAP und wir von der UIP wei­ter­hin Tag für Tag für die­sen Auf­bruch eintreten.

Herr Dr. Fischer, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Dr. Heiko Fischer

Dr. Heiko Fischer war bis 2021 ins­ge­samt mehr als 25 Jahre in den Diens­ten der VTG tätig, davon über 17 Jahre als Vor­sit­zen­der des Vor­stands. Seit 2015 ist er – wie schon von 2004 bis 2007 – Prä­si­dent des Dach­ver­bands der Wag­gon­hal­ter UIP, Inter­na­tio­nal Union of Wagon Kee­pers UIP mit Sitz in Brüs­sel. Diese ver­tritt mehr als 250 Güter­wa­gen­hal­ter und Instand­hal­tungs­stel­len mit mehr als 223’000 Güter­wa­gen, die 50% der Ton­nen­ki­lo­me­ter im euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zurück­le­gen. Dr. Heiko Fischers ehe­ma­li­ge Arbeit­ge­be­rin VTG AG betreibt die gröss­te pri­va­te Güter­wa­gen­flot­te in Euro­pa mit rund 88’500 Eisen­bahn­gü­ter­wa­gen. Neben der Ver­mie­tung von Güter­wa­gen und Tank­con­tai­nern bie­tet VTG mul­ti­mo­da­le Logis­tik­dienst­leis­tun­gen und inte­grier­te Digi­tal­lö­sun­gen an.

VAP-Generalversammlung vom 19. August 2022

VAP-Generalversammlung vom 19. August 2022

Unse­re Gene­ral­ver­samm­lung mach­te deut­lich: 2050 rückt schnell näher. Vor Ort und vir­tu­ell ver­folg­ten zahl­rei­che VAP-Mit­glie­der und Gäste den sta­tu­ta­ri­schen Teil mit einer denk­wür­di­gen Eröff­nungs­re­de von Prä­si­dent Josef Ditt­li. Ein beson­de­res High­light war die Rede von Bun­des­rä­tin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga über die Bedeu­tung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs für die Schweiz.

Gene­ral­ver­samm­lung, Ver­band, Güter­ver­kehr – nach die­sen Wor­ten sind die meis­ten Men­schen geis­tig weg. Heute ist Wei­ter­le­sen emp­foh­len. Denn anläss­lich unse­rer Gene­ral­ver­samm­lung ging es nicht nur um sta­tu­ta­ri­sche Ange­le­gen­hei­ten der ver­la­den­den Wirt­schaft. In ihrem Gast­re­fe­rat gab Bun­des­rä­tin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga der Logis­tik­wirt­schaft ein beach­tens­wer­tes Signal: «Für den Bun­des­rat ist klar: Wir wol­len das Poten­zi­al, das die Bahn für den Güter­trans­port hat, wei­ter stärken.»

Denkwürdiges zu damals, heute und übermorgen

Die Eröff­nungs­re­de von VAP-Prä­si­dent Josef Ditt­li gab den Teil­neh­men­den wert­vol­le Denk­an­stös­se für alles, was im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr war, ist und sein soll­te. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr habe wesent­lich dazu bei­getra­gen, dass die Schweiz Coro­na ver­sor­gungs­tech­nisch schad­los über­stan­den hat, weil er auf­grund per­so­nen­ver­kehrs­ar­mer Stre­cken plötz­lich so fah­ren konn­te, wie er es auch in nor­ma­len Zei­ten kön­nen müss­te. Ditt­li bezeich­ne­te die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung als Inbe­griff der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr, da sie für jene Art von inno­va­ti­ver Wei­ter­ent­wick­lung steht, die wir drin­gend brau­chen. Zum Bei­spiel, damit alle Güter­bah­nen gemein­sam und ohne Benach­tei­li­gung einen koope­ra­ti­ven und fle­xi­blen Netz­werk­ver­kehr in der Flä­che eta­blie­ren kön­nen. Besorgt blickt der Prä­si­dent auf Euro­pa. Sei­ner Ansicht nach darf die Schweiz den Anschluss an den euro­päi­schen Bahn­sek­tor und die EU-Inno­va­ti­ons­pro­gram­me auf kei­nen Fall verpassen.

Wegweisender Entscheid bevorstehend

Wir haben uns sehr dar­über gefreut, dass sich Ver­kehrs­mi­nis­te­rin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga für ein Gast­re­fe­rat anläss­lich unse­rer Gene­ral­ver­samm­lung bereit erklärt hat. Sie beton­te in ihrer Rede, dass der Bund die Bahn wei­ter stär­ken und das Augen­merk dabei auch mehr dem Bin­nen­ver­kehr schen­ken wolle, der für die Ver­sor­gung der Schweiz eben­falls von gros­ser Bedeu­tung sei.

«Wir müs­sen das Sys­tem ver­bes­sern und wei­ter­ent­wi­ckeln», mein­te die Vor­ste­he­rin des UVEK. Der Bun­des­rat werde dazu im Herbst eine Vor­la­ge in die Ver­nehm­las­sung schi­cken. «Wir ste­hen vor einem weg­wei­sen­den Ent­scheid. Darum soll­ten wir nicht aus den Augen ver­lie­ren, was das Erfolgs­re­zept der Schweiz ist, was unser Land seit je stark gemacht hat: Dass wir die nöti­gen Ver­än­de­run­gen am bes­ten gemein­sam anpa­cken, dass wir gemein­sam Ver­ant­wor­tung über­neh­men: Bahn, Bran­che und natür­lich auch der Bund.» Ihrer Auf­for­de­rung, uns in den Dis­kurs ein­zu­brin­gen, kommt der VAP nicht zuletzt mit sei­nem Dis­kus­si­ons­bei­trag «Schie­nen­gü­ter­ver­kehr 2050» und dem Film «Kun­den­ori­en­tiert, inno­va­tiv, ren­ta­bel – der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr der Zukunft» gerne nach.

Wahlen erfolgreich durchgeführt

Von den Trak­tan­den, die im sta­tu­ta­ri­schen Teil zur Abstim­mung stan­den, wur­den alle ange­nom­men. Neu im Vor­stand heis­sen wir die fol­gen­den Mit­glie­der will­kom­men: Titus Büt­ler (Post CH AG), Bern­hard Hoff­mann (Erme­wa SA, Frank­reich), Bern­hard Kunz (HUPAC Inter­mo­dal SA). Wir gra­tu­lie­ren allen zur Neu- oder Wie­der­wahl und freu­en uns auf eine kon­struk­ti­ve Zusam­men­ar­beit im Vorstand.

Strommangel (Teil 2): Jetzt für später vorbereiten

Strommangel (Teil 2): Jetzt für später vorbereiten

Soll­te auf­grund der geo­po­li­ti­schen Krise und Ver­sor­gungs­eng­päs­se auch in der Schweiz tat­säch­lich ein Strom­man­gel ein­tref­fen, müs­sen die Güter­ver­kehrs­kun­den unbe­dingt wei­ter bedient wer­den kön­nen. Das bedingt, dass die trans­por­tie­ren­den Unter­neh­men ihren Ener­gie­be­darf im Man­gel­fall klä­ren und heute eini­ge Schlüs­sel­fra­gen beantworten.

Die Schwei­zer Bah­nen tra­gen mass­ge­bend zur Bewäl­ti­gung der gros­sen Nach­fra­ge im Per­so­nen­ver­kehr als auch im Güter­trans­port bei. Sie sind auf die gesi­cher­te Ver­sor­gung mit elek­tri­scher Ener­gie angewiesen.

Versorgung über Schiene sicherstellen

Soll­te irgend­wann der ver­füg­ba­re Bahn­strom nicht mehr für alle plan­mäs­si­gen Züge aus­rei­chen, wären ent­spre­chend Fahr­ten zu strei­chen. Die Frage ist nur: Wel­che? Wir vom VAP machen uns ent­schie­den dafür stark, dass unse­re Mit­glie­der alle Güter­ver­kehrs­kun­den wei­ter bedie­nen kön­nen. Bevöl­ke­rung und Wirt­schaft sind auf zuver­läs­si­ge Trans­port­ket­ten ange­wie­sen. Des­halb müs­sen die Züge der Güter­bah­nen auch in einer Strom­man­gel­la­ge so lange wie mög­lich wei­ter­fah­ren –  wie sie das übri­gens im aus­ge­dünn­ten Fahr­plan wäh­rend Covid-19 taten.

Politische Führung gefragt

Das Schwei­zer Bahn­sys­tem wird fast aus­nahms­los elek­trisch betrie­ben. Der benö­tig­te Bahn­strom (16,7 Hz) stammt gröss­ten­teils aus eige­nen Was­ser­kraft­wer­ken. Die Trans­por­te bei knap­pem Bahn­strom von der Schie­ne auf die Stras­se zu ver­la­gern, ist wenig erfolg­ver­spre­chend. Denn bei einem gra­vie­ren­den Eng­pass wür­den auch fos­si­le Treib­stof­fe knap­per. Damit sich funk­tio­nie­ren­de Trans­port­ket­ten auf­recht­erhal­ten las­sen, benö­ti­gen die am Bahn­trans­port betei­lig­ten Unter­neh­men auch Indus­trie­strom (50 Hz). Auch hier ist auf Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu ach­ten. Sicher­heit und Ver­läss­lich­keit sind gefragt: Der Trans­port­sek­tor und die Güter­bah­nen müs­sen sich im Kri­sen­fall auf die poli­ti­sche Füh­rung ver­las­sen kön­nen. Denn auch dann müs­sen Güter­zü­ge rol­len, solan­ge eine Nach­fra­ge besteht. Die­ses Bewusst­sein möch­ten wir bei den Ent­schei­dungs­trä­gern stärken.

Energiemangel nicht ausgeschlossen

Machen wir uns nichts vor: Ein ungüns­ti­ges Zusam­men­fal­len wirk­lich nega­ti­ver Ent­wick­lun­gen könn­te die Schweiz schon im kom­men­den Win­ter in eine ernst­haf­te Ener­gie­man­gel­la­ge manö­vrie­ren. Wie Ver­tre­ter der Strom- und Gas­bran­che am Eco­no­mie­su­is­se-Web­i­nar vom 9. August 2022 dar­leg­ten, ist die Ener­gie­be­reit­stel­lung hoch kom­plex und abhän­gig von vie­len Einflüssen.

Bund übernimmt Verantwortung

Der Bund ist sich sei­ner Ver­ant­wor­tung bewusst. Er trifft Mass­nah­men zur Sicher­stel­lung der Ener­gie­ver­sor­gung und Vor­be­rei­tun­gen für kri­ti­sche Sze­na­ri­en einer aku­ten Strom­man­gel­la­ge. Diese sehen je nach Situa­ti­on abge­stuf­te Mass­nah­men von frei­wil­li­gen, bran­chen­be­zo­ge­nen
Spar­ap­pel­len bis zu ver­ord­ne­ten Bewirt­schaf­tungs­mass­nah­men (Kon­tin­gen­tie­rung) vor.

Bedarf und Sparpotenzial eruieren

Wer sich jetzt über den eige­nen Ener­gie­be­darf Gedan­ken macht, ist für den Fall einer tat­säch­li­chen Strom­man­gel­la­ge vor­be­rei­tet und wird weni­ger über­rascht. Es ist also an der Zeit, den Ener­gie­be­darf, die Reser­ven, Alter­na­ti­ven und das Spar­po­ten­zi­al zu beur­tei­len. Diese Ein­schät­zung hilft zu ent­schei­den, wie man im Fall einer Strom­man­gel­la­ge den Ver­brauch ent­spre­chend der über­ge­ord­ne­ten Vor­ga­ben redu­zie­ren und trotz­dem einen Bei­trag zur Ver­sor­gung mit wich­ti­gen Gütern leis­ten kann. Kon­kre­te Fra­gen im Unter­neh­men lau­ten beispielsweise:

  • Wel­che Akti­vi­tä­ten benö­ti­gen wie viel Ener­gie, wel­che Bedeu­tung haben sie in der Produktion?
  • Wel­ches ist das wirk­sams­te Energiesparpotenzial?
  • Wie gross sind die Reser­ven, auf wie viel Ener­gie kann man wie lange verzichten?
  • Wo kann man wie rasch auf ande­re Ener­gie­trä­ger umstellen?
  • Ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on in den Pro­duk­ti­ons­ket­ten gut? Sind die Kon­tak­te aktuell?
  • Wel­che Beschrän­kun­gen set­zen wir zur Erfül­lung einer Kon­tin­gen­tie­rung um?
Kooperation und Kommunikation

Diese Über­le­gun­gen soll­ten die Unter­neh­men offen gestal­ten. Denn es ist nicht vor­her­seh­bar, wel­che Sze­na­ri­en zu wel­chem Zeit­punkt tat­säch­lich ein­tre­ten. Die Akteu­re der Bran­che kön­nen die Ver­sor­gung mit wich­ti­gen Gütern dann mög­lichst gut auf­recht­erhal­ten, wenn sie unter­neh­mens­über­grei­fend zusam­men­ar­bei­ten und aktiv kom­mu­ni­zie­ren. Darum brin­gen wir vom VAP uns als Ver­tre­ter der Ver­la­der in diver­sen Gre­mi­en und Arbeits­grup­pen schon heute aktiv ein.

«Wir wollen auch in Zukunft schneller und besser sein als die anderen.»

«Wir wollen auch in Zukunft schneller und besser sein als die anderen.»

Im Juni 2022 wurde die Über­nah­me des Fami­li­en­un­ter­neh­mens WASCOSA durch Swiss Life und Vau­ban bekannt­ge­ge­ben. Vom ehe­ma­li­gen Inha­ber und zukünf­ti­gen Ver­wal­tungs­rats­prä­si­den­ten Phil­ipp Mül­ler woll­ten wir mehr über den Hin­ter­grund die­ses Ver­kaufs und die Visi­on der WASCOSA wissen.

Herr Müller, die Meldung des Verkaufs Ihres erfolgreichen Familienunternehmens kam überraschend. Was wird sich ändern?

Phil­ipp Mül­ler: Weni­ger als man auf den ers­ten Blick denkt. Mit die­sem Schritt haben wir die Zukunft der WASCOSA abge­si­chert. Natür­lich wird es eine Umstel­lung von einem fami­li­en­ge­führ­ten zu einem inves­ti­ti­ons­ge­trie­be­nen Unter­neh­men geben. Aber der Spi­rit der WASCOSA wird blei­ben. Wir wol­len auch in Zukunft schnel­ler und bes­ser als ande­re agie­ren, als Team erfolg­reich sein und die Kun­den- vor Eigen­in­ter­es­sen stel­len. Diese Ziele sind anspruchs­voll, aber machbar.

Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Die Nach­fol­ge­re­ge­lung und die Zukunfts­si­che­rung des Unter­neh­mens. Kei­nes unse­rer Kin­der war daran inter­es­siert, meine Nach­fol­ge anzu­tre­ten. Also muss­ten wir in die­ser Frage eine exter­ne Lösung fin­den. Bereits vor acht Jah­ren hat­ten wir mit Peter Bal­zer einen fami­li­en­ex­ter­nen CEO enga­giert. Hinzu kommt, dass unser Markt gera­de eine enor­me Markt­be­rei­ni­gung erfährt. Von den euro­pa­weit zehn gröss­ten Wagen­ver­mie­tern haben wir als Ein­zi­ge keine Fusi­on oder Über­nah­me erlebt. Wer noch mit­spielt, wird lau­fend grös­ser, macht lang­fris­tig aus­ge­leg­te Gross­in­ves­ti­tio­nen und geht hohe finan­zi­el­le Risi­ken ein. Wir brauch­ten für die WASCOSA schlicht mehr Finanz­kraft, um als KMU in die­sem Markt bestehen zu kön­nen. Diese star­ken Finanz­part­ner haben wir mit Swiss Life und Vau­ban gefunden.

Welche anderen Lösungen lagen noch auf dem Tisch?

Zuerst zogen wir eine Min­der­heits­be­tei­li­gung von Drit­t­ak­tio­nä­ren in Betracht. Aller­dings ergab das keine opti­ma­le Lösung für die Betei­lig­ten. Der Ver­kauf an einen Kon­kur­ren­ten stand nie zur Debat­te. Schliess­lich erwies sich die lang­fris­ti­ge Zusam­men­ar­beit mit einem star­ken Finanz­part­ner als die zukunftsfähigste.

«Die WASCOSA hat sich von einem klei­nen, unbe­kann­ten Ver­miet­un­ter­neh­men durch Inno­va­ti­on, Kun­den­nä­he und Agi­li­tät zu einem euro­pa­weit erfolg­rei­chen Anbie­ter von Güter­wa­gen­sys­te­men eta­bliert.»

Welche Erfahrungen aus der Vergangenheit werden die Zukunft des Unternehmens prägen?

Die WASCOSA hat sich von einem klei­nen, unbe­kann­ten Ver­miet­un­ter­neh­men durch Inno­va­ti­on, Kun­den­nä­he und Agi­li­tät zu einem euro­pa­weit erfolg­rei­chen Anbie­ter von Güter­wa­gen­sys­te­men eta­bliert. Diese letz­te­re Posi­ti­on wol­len wir bei­be­hal­ten. Ein Bei­spiel für unse­re Inno­va­ti­ons­kraft: Aktu­ell zeigt sich ein star­ker Trend zu modu­la­ren Güter­wa­gen­kon­zep­ten. Sol­che haben wir schon vor 15 Jah­ren ein­ge­führt. Jetzt, wo sich der Trend durch­setzt, sind wir für den Markt bereit. In den letz­ten 60 Jah­ren unse­res Unter­neh­mens hat eine kom­pro­miss­lo­se Kun­den­ori­en­tie­rung den Unter­schied im Tages­ge­schäft gemacht. Auch das soll so blei­ben. Es ist im Inter­es­se der neuen Eigen­tü­mer, dass die WASCOSA im Kern das bleibt, was es immer war: ein inno­va­ti­ves und kun­den­ori­en­tier­tes Unternehmen.

Wie werden Sie diesen Changeprozess meistern?

Die Betei­li­gung von Swiss Life und Vau­ban als Drit­t­ak­tio­nä­re hat sich aus einem inten­si­ven Stra­te­gie­pro­zess mit rund 15 Mit­ar­bei­ten­den abge­lei­tet. Nach­dem der Ent­scheid gefal­len war, führ­ten wir das neue Aktio­na­ri­at im Rah­men einer Tages­ver­an­stal­tung im Unter­neh­men ein. Über den gesam­ten Stra­te­gie­pro­zess hin­weg woll­ten wir Unsi­cher­heit, Miss­trau­en und fal­sche Ver­mu­tun­gen von Manage­ment und Mit­ar­bei­ten­den ver­mei­den. Das ist uns gelun­gen und wir set­zen alles daran, dass uns das auch unter der neuen Eigen­tü­mer­schaft gelingt. CEO Peter Bal­zer und ich wer­den nach wie vor im Ver­wal­tungs­rat ver­tre­ten sein. Das ist eine star­ke Bot­schaft im Hin­blick auf die Kon­ti­nui­tät und die Zukunft der WASCOSA.

«Die DAK ist ein Schlüs­sel­pro­jekt mit einem enor­men Poten­zi­al, das den Güter­wa­gen­ver­kehr vor­wärts­bringt.»

Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf im Schienengüterverkehr?

Da gibt es unter­schied­li­che Ansatz­punk­te. Wir brau­chen aus­rei­chend Kapa­zi­tä­ten auf dem Netz, also mehr Tras­sen. Zudem soll­ten län­der­spe­zi­fi­sche Hemm­nis­se abge­baut wer­den. Und schliess­lich ist der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr auf eine geziel­te finan­zi­el­le För­de­rung ange­wie­sen, um Inno­va­tio­nen ins Rol­len zu brin­gen, zum Bei­spiel die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK).

Apropos DAK: Was meinen Sie dazu?

Sie ist ein Schlüs­sel­pro­jekt mit einem enor­men Poten­zi­al, das den Güter­wa­gen­ver­kehr vor­wärts­bringt. Aller­dings haben wir wenig Ein­fluss auf die­ses hoch­po­li­ti­sche Thema. Seit eini­gen Jah­ren beschäf­ti­gen wir uns mit der Elek­tri­fi­zie­rung der Güter­wa­gen. Hier gibt uns die DAK natür­lich zusätz­li­chen Auftrieb.

Wird der echte Mehrwert der DAK von der Branche erkannt?

Unse­re Bran­che ist nicht allzu inno­va­ti­ons­freu­dig und auch nicht sehr zukunfts­ori­en­tiert. Die Auto­ma­ti­sie­rung des Kup­pelns durch die DAK ist ange­kom­men. Bei ihrem Poten­zi­al für die Digi­ta­li­sie­rung bin ich mir nicht so sicher. Wie immer braucht es ver­mut­lich zuerst jeman­den, der als Vor­rei­ter vor­an­geht und die Effi­zi­enz­stei­ge­rung klarmacht.

Sie haben sich jahrelang im Geschäftsleitenden Ausschuss (GLA) des VAP engagiert. Wie beschreiben Sie die Arbeit des VAP?

Der VAP zeich­net sich durch eine hohe Kom­pe­tenz und ein ange­neh­mes Zusam­men­ar­beits­ver­hält­nis aus. Die Tätig­keit des Ver­bands ist von der Sache geprägt und nicht vom Ego ein­zel­ner Per­so­nen. Der VAP hält in eini­gen Berei­chen die The­men­füh­rer­schaft. Das zeigt sich an der hohen in- und aus­län­di­schen Betei­li­gung bei Ver­an­stal­tun­gen wie den Foren. Die­ses Inter­es­se beweist, dass der VAP poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che oder recht­li­che The­men pro­ak­tiv und kon­struk­tiv auf­greift. Ich emp­fand das Zusam­men­kom­men im GLA als sehr posi­tiv. Im Dia­log mit der SBB zeigt der Ver­band einen lan­gen Atem. Hier steht der Per­so­nen­ver­kehr an ers­ter Stel­le, dann die Infra­struk­tur, dann die Immo­bi­li­en und erst dann der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr. Umso wich­ti­ger ist es, dran­zu­blie­ben. Die Geduld und kon­stan­te Mit­ar­beit des Teams von Frank Fur­rer zeich­nen sich aus.

Welche Stärken schreiben Sie dem VAP zu?

Zu den Haupt­stär­ken zählt die hohe Anzahl von Ver­la­dern unter den Mit­glie­dern. Der VAP ver­netzt alle Akteu­re des Güter­ver­kehrs. Zudem bie­tet er der Bran­che der ver­la­den­den Wirt­schaft eine höchst inter­es­san­te und rele­van­te Platt­form. Ich meine, dass man nur dann erfolg­rei­che Poli­tik machen kann, wenn man alle Inter­es­sen vertritt.

Wie hat der VAP Sie und Ihre WASCOSA unterstützt?

Wir haben sehr gute Erfah­run­gen mit dem VAP gemacht. Er hat uns sogar bis vor Bun­des­ge­richt kom­pe­tent und mit Erfolg unterstützt.

Was wünschen Sie sich zusätzlich vom VAP?

Dass er medi­al mehr in Erschei­nung tritt. Der VAP könn­te pro­mi­nen­ter als mei­nungs­füh­ren­der Exper­te für den Schie­nen­ver­kehr auf­tre­ten und damit an Bekannt­heit auch in der Öffent­lich­keit zule­gen, so wie der TCS oder ASTAG.

Wem würden Sie eine Zusammenarbeit mit dem VAP empfehlen?

Allen, die sich für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr inter­es­sie­ren. Dabei denke ich vor allem an Ver­bän­de von ande­ren Ver­kehrs­trä­gern. Es geht schon lange nicht mehr nur um Schie­ne ver­sus Stras­se, son­dern um eine sinn­vol­le mul­ti­mo­da­le Ko-Existenz.

Was kam in diesem Gespräch noch nicht zur Sprache?

Das Thema Nach­hal­tig­keit. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr gehört zu den wich­tigs­ten Trei­bern und Trä­gern eines nach­hal­ti­gen Trans­ports. Das war übri­gens auch einer der Beweg­grün­de, warum ich vor 30 Jah­ren bei der WASCOSA die Nach­fol­ge mei­nes Schwie­ger­va­ters ange­tre­ten habe.

 

Herr Müller, vielen Dank für das interessante Gespräch.
Volkwirtschaftliche Vorteile einer wettbewerbsfähigen Güterbahn

Volkwirtschaftliche Vorteile einer wettbewerbsfähigen Güterbahn

Der Güter­ver­kehr spielt eine ent­schei­den­de Rolle für die Volks­wirt­schaft, da er den Aus­tausch von Waren und Dienst­leis­tun­gen ermög­licht. Ange­sichts der Her­aus­for­de­run­gen wie begrenz­te Kapa­zi­tät der Stras­sen und Kli­ma­wan­del gewinnt die Ver­la­ge­rung des Güter­ver­kehrs auf die Schie­ne zuneh­mend an Bedeu­tung. Wel­che volks­wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le eine Ver­la­ge­rung bringt, erläu­tern wir hier.

Begrenzte Kapazität der Strassen:

Die Stras­sen­in­fra­struk­tur ist begrenzt und stösst in vie­len Regio­nen bereits an ihre Gren­zen. Durch den ver­mehr­ten Ein­satz von LKWs im Güter­ver­kehr steigt der Ver­kehr auf den Stras­sen wei­ter an, was zu Staus, Ver­zö­ge­run­gen und erhöh­ten Trans­port­kos­ten führt. Die Ver­la­ge­rung des Güter­ver­kehrs auf die Schie­ne ent­las­tet die Stras­sen. Dies ermög­licht eine effi­zi­en­te­re Nut­zung der vor­han­de­nen Infra­struk­tur und redu­ziert die Not­wen­dig­keit teu­rer Strassenerweiterungen.

Klimawandel und Umweltbelastung:

Der Ver­kehrs­sek­tor trägt erheb­lich zur CO2-Emis­si­on und ande­ren schäd­li­chen Umwelt­aus­wir­kun­gen bei. Der Schie­nen­ver­kehr ist im Ver­gleich zum Stras­sen­ver­kehr umwelt­freund­li­cher, da Züge im Durch­schnitt weni­ger Emis­sio­nen pro Ton­nen­ki­lo­me­ter erzeu­gen. Dar­über hin­aus ver­rin­gert der Schie­nen­ver­kehr den Lärm­pe­gel und mini­miert die Luft­ver­schmut­zung in städ­ti­schen Gebie­ten, was zu einer ver­bes­ser­ten Lebens­qua­li­tät für die Bevöl­ke­rung führt.

Effizienz und Wirtschaftlichkeit:

Die Schie­ne bie­tet im Güter­ver­kehr eine hohe Effi­zi­enz, da Züge grös­se­re Las­ten auf­neh­men kön­nen als LKWs. Durch den Ein­satz von Güter­zü­gen kön­nen gros­se Men­gen an Waren in einem Durch­gang trans­por­tiert wer­den, was zu einer Opti­mie­rung der Trans­port­kos­ten führt. Dies ermög­licht Unter­neh­men, ihre Logis­tik­pro­zes­se zu ver­bes­sern und die Effi­zi­enz ihrer Lie­fer­ket­ten zu stei­gern. Eine effi­zi­en­te­re Güter­ver­kehrs­an­bin­dung führt zu gerin­ge­ren Trans­port­kos­ten, was wie­der­um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Unter­neh­men stei­gert und posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Volks­wirt­schaft hat. Durch die Digi­ta­li­sie­rung kön­nen die erfor­der­li­chen Güter­wa­gen effi­zi­ent ver­netzt wer­den, wodurch Fix­kos­ten ver­mie­den wer­den können.

Sicherheit und Unfallvermeidung:

Die Ver­la­ge­rung des Güter­ver­kehrs auf die Schie­ne trägt zur Erhö­hung der Ver­kehrs­si­cher­heit bei. Im Ver­gleich zum Stras­sen­ver­kehr sind Unfäl­le im Schie­nen­ver­kehr sel­te­ner und haben in der Regel gerin­ge­re Aus­wir­kun­gen auf Leben, Gesund­heit und Umwelt. Durch die Redu­zie­rung des LKW-Ver­kehrs auf den Stras­sen wer­den poten­zi­el­le Gefah­ren­quel­len mini­miert und die Sicher­heit für ande­re Ver­kehrs­teil­neh­mer erhöht.

Versierte Logistiker notwendig

Unab­hän­gi­ge und bran­chen­spe­zi­fi­sche Logis­tik­ex­per­ten sind erfor­der­lich, die sich auf spe­zi­fi­sche Pro­duk­te spe­zia­li­siert haben. Die Bahn soll­te sich auf den Betrieb der Züge kon­zen­trie­ren, wäh­rend die Gesamt­lo­gis­tik in den spe­zia­li­sier­ten Hän­den der Logis­ti­ker liegt.

Strommangel: Vorsorgen und Szenarien entwickeln

Strommangel: Vorsorgen und Szenarien entwickeln

Ener­gie­wen­de, geo­po­li­ti­sche Kri­sen, Ver­sor­gungs­eng­päs­se – diese und wei­te­re Fak­to­ren könn­ten zu einer Strom­man­gel­la­ge füh­ren. Die Gross­ver­brau­cher sind ange­hal­ten, Sze­na­ri­en für eine Kon­tin­gen­tie­rung zu ent­wi­ckeln. Wir vom VAP arbei­ten hier tat­kräf­tig mit.

Strom ist vor­han­den – das galt in der Schweiz jahr­zehn­te­lang als Selbst­ver­ständ­lich­keit. Diese steht nun in Frage: Einer­seits schränkt die Ablö­sung fos­si­ler durch nach­hal­ti­ge Ener­gie­trä­ger die ver­füg­ba­ren Ener­gie­res­sour­cen in den kom­men­den Jah­ren ein. Ande­rer­seits kön­nen geo­po­li­ti­sche Kon­flik­te und Ver­sor­gungs­eng­päs­se deren Ver­füg­bar­keit zusätz­lich nega­tiv beein­flus­sen, wie uns das die Aktua­li­tät vor Augen führt.

Aktives Mitwirken gefordert

Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Bund alle Gross­ver­brau­cher auf­ge­for­dert, bei den Vor­be­rei­tun­gen auf eine mög­li­che Strom­man­gel­la­ge mit­zu­wir­ken. Kommt es tat­säch­lich zu einer Strom­kon­tin­gen­tie­rung, so muss der Bahn­sek­tor das Per­so­nen­ver­kehrs­an­ge­bot ein­schrän­ken. Der Güter­ver­kehr soll ent­spre­chend der Nach­fra­ge auf­recht­erhal­ten werden.

Güterverkehr spielt Schlüsselrolle

Die Bahn spielt im Güter­ver­kehr mit dem Binnen‑, Import- und Export­ver­kehr für die Ver­sor­gung von Wirt­schaft und Gesell­schaft eine sys­tem­re­le­van­te Rolle. Tritt ein mas­si­ver Strom­man­gel auf, soll die Güter­lo­gis­tik­fä­hig­keit grund­sätz­lich bestehen blei­ben. Aller­dings muss sie sich der ver­än­der­ten Nach­fra­ge anpassen.

Diese stellt denn auch die gros­se Unbe­kann­te dar. Aktu­ell ist es nicht mög­lich, gesi­cher­te Sze­na­ri­en zur Nach­fra­ge­ent­wick­lung für den Fall einer Strom­man­gel­la­ge zu ent­wer­fen. Gewiss wird sich die Nach­fra­ge nach Trans­port­ka­pa­zi­tät sowohl in der Schweiz als auch in unse­ren Nach­bar­län­dern merk­lich ver­än­dern. Doch je nach Bran­che kann sie sowohl sin­ken als auch steigen.

Bahnbetrieb als System betrachten

Damit der Güter­bahn­ver­kehr auch in einer Kri­sen­si­tua­ti­on wei­ter­rol­len kann, muss der Sek­tor auf die ver­än­der­ten Nach­fra­gen frist­ge­recht mit einem ange­pass­ten Trans­port­an­ge­bot reagie­ren. Das ist nur dann mög­lich, wenn der gesam­te Bahn­be­trieb als Sys­tem betrach­tet wird. Mit ande­ren Wor­ten: Alle betriebs­re­le­van­ten Funk­tio­nen müs­sen funk­ti­ons­fä­hig bleiben.

Szenarien in Arbeit

Um im Kri­sen­fall den Ener­gie­ver­brauch zu dros­seln, ori­en­tiert sich der Per­so­nen­ver­kehr an den redu­zier­ten Fahr­plä­nen, die er bereits im Pan­de­mie­jahr 2020 erar­bei­tet und rea­li­siert hat. Im Güter­ver­kehr ent­ste­hen mög­li­che Sze­na­ri­en im engen Dia­log mit dem Logis­tik­sek­tor und mit Blick auf die wirt­schaft­li­che Lan­des­ver­sor­gung. Gemäss Auf­trag sol­len abge­stimm­te Sze­na­ri­en bis Ende 2022 vor­lie­gen. In die­sem Pro­zess brin­gen wir vom VAP unser Wis­sen und unse­re Erfah­rung tat­kräf­tig ein.

Mit der DAK in die Zukunft investieren

Mit der DAK in die Zukunft investieren

Die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK) ist weit mehr, als was ihr Name in Aus­sicht stellt. Sie ist Grund­la­ge für eine voll­stän­di­ge Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Schweiz – und damit eine weit­sich­ti­ge Inves­ti­ti­on in die Zukunft. 

Schienengüterverkehr 4.0 

Wir von VAP enga­gie­ren uns für ein wett­be­werbs­fä­hi­ges Güter­bahn­sys­tem, um unse­ren Mit­glie­dern die freie Ver­kehrs­mit­tel­wahl zu sichern. Dafür sind wir auf ver­schie­de­nen Ebe­nen aktiv. Eine ist die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung, kurz DAK. Mit die­ser kann der euro­päi­sche Schie­nen­gü­ter­ver­kehr die nächs­te Dimen­si­on der Moder­ni­sie­rung errei­chen.  

Die DAK erlaubt den auto­ma­ti­schen Kupp­lungs­vor­gang, wie es der Name andeu­tet. Doch das ist bei wei­tem nicht alles. Wir soll­ten den Schwei­zer Schie­nen­gü­ter­ver­kehr mit sei­nen sys­tem­über­grei­fen­den Pro­zes­sen als Gan­zes neu den­ken. In die­ser Betrach­tung ermög­licht die DAK einen durch­ge­hen­den Strom- und Daten­trans­fer im Zug. Ein sol­cher ist die Vor­aus­set­zung für die Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Sie kommt einem Quan­ten­sprung in Qua­li­tät und Kun­den­nut­zen gleich, da sämt­li­che Daten über alle Schnitt­stel­len und Logis­tik­be­tei­lig­te digi­tal vor­lie­gen. Die digi­ta­le Zug­steue­rung wird zudem zu einer bahn­bre­chen­den Fle­xi­bi­li­sie­rung der Netz­nut­zung und damit zu einer mar­kan­ten Erhö­hung der Netz­ka­pa­zi­tät füh­ren. Das bie­tet dem Schie­nen­gü­ter­ver­kehr die ein­ma­li­ge Chan­ce, eine Schlüs­sel­rol­le in der mul­ti­mo­da­len Logis­tik zu spie­len. 

Echte Innovation seit 100 Jahren 

Die letz­te echte Inno­va­ti­on im euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr erfolg­te durch die Elek­tri­fi­zie­rung. Sie liegt 100 Jahre zurück. In der Folge ist die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs ste­tig gesun­ken. Mit der Inves­ti­ti­on in die DAK kann der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr nun meh­re­re Ent­wick­lungs­stu­fen auf ein­mal nach­ho­len. Denn sie bie­tet neue Funk­tio­nen mit bahn­bre­chen­den Vor­tei­len (vgl. Abbil­dung 1).  

Abbil­dung 1: Die DAK bringt mehr Vor­tei­le als die Auto­ma­ti­sie­rung des Kuppelvorgangs.

Schienengüterverkehr als Rückgrat der Versorgung

Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist zen­tra­ler Bestand­teil der Güter­ver­sor­gung. Allein in der Schweiz rech­nen wir mit einem Wachs­tum des Güter­ver­kehrs­auf­kom­mens von 30 Pro­zent bis 2050. Die Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten auf Stras­se und Schie­ne sind begrenzt. Ein Kapa­zi­täts­aus­bau ist vor­wie­gend durch ver­bes­ser­te Schnitt­stel­len der mul­ti­mo­da­len Logis­tik­ket­ten mög­lich. Und auch punk­to Nach­hal­tig­keit hat der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr eini­ges zu bie­ten. Ein Drit­tel der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ent­fal­len jähr­lich auf den Ver­kehr. Mit dem Green Deal in Euro­pa und der lang­fris­ti­gen Kli­ma­stra­te­gie 2050 in der Schweiz hat sich die Poli­tik ambi­tio­nier­te Ziele gesetzt. Da erweist sich die emis­si­ons­ar­me Schie­ne als äus­serst wettbewerbsfähig.

Unterstützung gefragt

Den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr mit der DAK in eine neue Ära des Fort­schritts zu füh­ren gelingt nicht im Allein­gang. Unse­re Bran­che ist auf Unter­stüt­zung ange­wie­sen. Dazu gehört zum einen das poli­ti­sche Enga­ge­ment, damit eine naht­lo­se Koor­di­na­ti­on zwi­schen der Schweiz und der EU sicher­ge­stellt wird. Dazu gehört ande­rer­seits finan­zi­el­le Hilfe. Denn die Bran­chen­ak­teu­re kön­nen die hohen Anfangs­in­ves­ti­tio­nen nicht allein tra­gen. Der Mehr­wert der DAK ist lang­fris­tig aus­ge­legt und auf meh­re­re Markt­teil­neh­mer ver­teilt (vgl. Abbil­dung 2). Eine bewuss­te Anschub­fi­nan­zie­rung durch den Bund ist unse­rer Ansicht nach zwin­gend. Doch das über­ge­ord­ne­te Ziel muss die Eigen­wirt­schaft­lich­keit bleiben.

Abbil­dung 2: Der Nut­zen der DAK zeigt sich lang­fris­tig und ver­teilt sich auf meh­re­re Marktteilnehmer.

Überlegt nachrüsten

Wir erach­ten es als sinn­voll, den bestehen­den Wagen­park restrik­tiv nach­zu­rüs­ten und sich dabei auf junge und markt­re­le­van­te Wagen zu kon­zen­trie­ren. Wagen­hal­ter soll­ten ihre Wagen nur dann nach­rüs­ten, wenn dies über die Zeit gerech­net güns­ti­ger aus­fällt als eine Neu­an­schaf­fung. Aus­ser­dem soll­te der Bund eine Abwra­ck­ent­schä­di­gung für nicht abge­schrie­be­ne Wagen vor­se­hen, über deren Ver­wen­dung der Wagen­hal­ter selbst ent­schei­den kann. Tat­sa­che ist, dass eine hohe Anzahl von Wagen in einem kur­zen Zeit­raum koor­di­niert umge­rüs­tet wer­den muss, damit die Wagen unter­ein­an­der kom­pa­ti­bel blei­ben und die DAK ihren Mehr­wert bald­mög­lichst entfaltet.

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Interoperabilität Schweiz–EU sicherstellen

Interoperabilität Schweiz–EU sicherstellen

Der Gemisch­te Land­ver­kehrs­aus­schuss hat am 24. Juni 2022 die Bedeu­tung har­mo­ni­sier­ter Vor­schrif­ten für den Land­ver­kehr Schweiz–EU gewür­digt. Wir mei­nen: Für nach­hal­ti­ge Inter­ope­ra­bi­li­tät braucht es mehr. Jetzt ist eine koor­di­nier­te Ver­kehrs­po­li­tik gefragt.

1999 hat die Schweiz mit der Euro­päi­schen Union (EU) ein Land­ver­kehrs­ab­kom­men abge­schlos­sen. Die­ses garan­tiert Trans­por­teu­ren von dies- und jen­seits der Schwei­zer Lan­des­gren­zen einen gegen­sei­ti­gen Markt­zu­tritt. Die Vor­schrif­ten für den grenz­über­schrei­ten­den Güter­ver­kehr auf Schie­ne und Stras­se wur­den harmonisiert.

Schweiz teilweise aussen vor

Mit der NEAT baute die Schweiz den euro­päi­schen Schie­nen­kor­ri­dor zur Flach­bahn aus und setz­te ihre Ver­la­ge­rungs­po­li­tik mit der leis­tungs­ab­hän­gi­gen Schwer­ver­kehrs­ab­ga­be (LSVA) sowie Kabotage‑, Nacht- und Sonn­tags­fahr­ver­bot erfolg­reich um. Der Modal­split im alpen­que­ren­den Tran­sit­ver­kehr liegt bei über 70% zuguns­ten der Schie­ne, was als inter­na­tio­na­ler Bench­mark gilt. Die­ser erfreu­li­che Leis­tungs­aus­weis darf jedoch nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Schweiz ver­gli­chen mit Mit­glied­staa­ten aktu­ell über kei­nen voll­wer­ti­gen Markt­zu­gang ver­fügt. Das Schwei­zer Bahn­netz ist noch kein inte­grier­ter Teil des euro­päi­schen Interop-Netzes.

Am Landverkehrsabkommen festhalten
Der Gemisch­te Land­ver­kehrs­aus­schuss hat anläss­lich des Halb­jah­res­tref­fens vom 24. Juni 2022 die Bedeu­tung des Abkom­mens betont. Aller­dings blo­ckie­ren unge­lös­te poli­ti­sche Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Schweiz und der EU des­sen Wei­ter­ent­wick­lung. Eine sol­che ist im Rah­men der tech­ni­schen Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets drin­gend erfor­der­lich. Seit 2019 wird die Zusam­men­ar­beit der Schweiz mit der euro­päi­schen Eisen­bahn­agen­tur ERA in einer befris­te­ten Über­gangs­lö­sung gere­gelt. Der Gemisch­te Aus­schuss dis­ku­tier­te eine wei­te­re Ver­län­ge­rung die­ser Über­gangs­lö­sung. Das würde der Schweiz sowohl die ver­fah­rens­mäs­si­ge Ein­bin­dung zu ver­ein­fach­ten Zulas­sun­gen im grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr erleich­tern als auch das fach­li­che Mit­wir­ken an Inno­va­ti­ons­pro­jek­ten zur Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung der Bah­nen ermög­li­chen.
Bundesrat gefragt
Wir vom VAP sind über­zeugt, dass der Schwei­zer Bahn­gü­ter­ver­kehr den Markt­zu­gang aus­bau­en muss und den Anschluss an die euro­päi­sche Inno­va­ti­on nicht ver­pas­sen darf. Mit die­sem Credo hat Stän­de­rat Josef Ditt­li am 9. Juni 2022 die Inter­pel­la­ti­on 22.3566 ein­ge­reicht. Damit for­dert er den Bun­des­rat auf, die fol­gen­den Fra­gen zu beantworten: 
  1. Wie will der Bun­des­rat die not­wen­di­ge Wei­ter­füh­rung der Bahn­pa­ke­te im Rah­men des Land­ver­kehrs­ab­kom­mens EU–CH sicherstellen?
  2. Wie will der Bun­des­rat die Umset­zung der tech­ni­schen Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets in der Schweiz errei­chen und den frei­en grenz­über­schrei­ten­den Bahn­ver­kehr nach­hal­tig sichern?
  3. Wie will der Bun­des­rat die bal­di­ge volle Mit­glied­schaft der Schweiz in der euro­päi­schen Eisen­bahn­agen­tur ERA erreichen?
  4. Wie will der Bun­des­rat den Schwei­zer Ein­sitz im EU-RISC als wich­ti­ges Füh­rungs- und Ent­schei­dungs­gre­mi­um sicher­stel­len und vervollständigen?
Vollständige Interoperabilität sicherstellen
Für die Wirt­schaft im All­ge­mei­nen und für unse­re Mit­glie­der im Beson­de­ren ist es ent­schei­dend, dass bis­he­ri­ge Errun­gen­schaf­ten nach­hal­tig gesi­chert wer­den. Wir erach­ten es als abso­lut not­wen­dig, dass die Schweiz bald­mög­lichst als gleich­wer­ti­ger Part­ner in zen­tra­len euro­päi­schen Gre­mi­en ver­tre­ten ist und dass die Ver­kehrs­po­li­tik im grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr koor­di­niert wird. 
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