Der VAP fördert den Güterverkehr
auf der Schiene.

Der VAP Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft macht sich für markt­ge­rech­te Rah­men­be­din­gun­gen und ein zug­kräf­ti­ges Schwei­zer Güter­bahn­sys­tem stark. Rele­van­te Themen:

Güterverkehrsbranche

  • Was bewegt die Güterverkehrsbranche?
  • Wie gestal­ten wir die Zukunft des Güterverkehrs?
  • Ein Über­blick der Akteu­re des Schienengüterverkehrs.

Netz

Hier fin­den Sie nütz­li­che Infor­ma­tio­nen zu den Schie­nen­we­gen, deren Orga­ni­sa­ti­on und dem Netzzugang.

Finanzierung

Infor­ma­tio­nen zu finan­zi­el­ler För­de­rung und Abga­ben im Güter­ver­kehr.

Standorte

Alles zu Frei­ver­la­den, Ter­mi­nals, Anschluss­gleis­an­la­gen oder auch mul­ti­mo­da­len Logis­tik­hubs.

Interoperabilität

Der VAP enga­giert sich für die Har­mo­ni­sie­rung der Rah­men­be­din­gun­gen, damit Züge mühe­los auf euro­päi­schen Schie­nen­net­zen ver­keh­ren können.

Nachhaltigkeit

Für eine weit­sich­ti­ge Zukunft gilt es ver­schie­de­ne Berei­che nach­hal­tig zu gestalten.

Innovation

Wie kön­nen wir Inno­va­ti­on im Güter­ver­kehr vor­wärts trei­ben?

Betrieb

Zuguns­ten eines fai­ren Wett­be­werbs wol­len wir die Stär­ke aller Ver­kehrs­trä­ger nut­zen und opti­mal kom­bi­nie­ren. Denn so wird die Stre­cke für jeden Ein­zel­nen kür­zer – und wirtschaftlicher.

Veranstaltungen

Hier fin­den Sie wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen und Unter­la­gen zu unse­ren Ver­an­stal­tun­gen Forum Güter­ver­kehr, unse­rer Gene­ral­ver­samm­lung und weiteren.

Wintersession 2022

Wintersession 2022

Am 6. Dezem­ber 2022 hat der Stän­de­rat in zwei­ter Instanz zwei Motio­nen ange­nom­men. Sie sind für die Ver­kehrs­ver­la­ge­rung im Tran­sit wich­tig, betref­fen aber auch die für den Import- und Export­ver­kehr zen­tra­le Stre­cke Basel-Nord­hä­fen. Wir vom VAP unter­stüt­zen beide Vor­stös­se und regen eine Aus­deh­nung der staat­li­chen För­de­rung auf kon­ven­tio­nel­le Bahn­gü­ter­ver­keh­re an.

Darum geht’s:
  • Stän­de­rat nimmt zwei Motio­nen zuguns­ten des Güter­ver­kehrs­kor­ri­dors durch die Schweiz an
  • Wir vom VAP unter­stüt­zen die Moti­ons­in­hal­te – und set­zen Akzente
  • Denn kon­ven­tio­nel­le Bahn­gü­ter­ver­keh­re wer­den der­zeit noch ausgegrenzt
 
Förderung des Güterverkehrskorridors durch die Schweiz

Mit der Moti­on 22.3013 «Attrak­ti­vi­tät und Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Güter­ver­kehrs­kor­ri­dors durch die Schweiz stär­ken» soll der Bun­des­rat die För­der­mass­nah­men im Tran­sit auf bestimm­te Regio­nen und Güter­grup­pen gezielt aus­deh­nen. Wir vom VAP unter­stüt­zen diese Moti­on. Aller­dings grenzt sie kon­ven­tio­nel­le Bahn­gü­ter­ver­keh­re und deren brach­lie­gen­des Poten­zi­al aus. Die­ser Man­gel soll­te so bald als mög­lich kor­ri­giert werden.

Arti­kel 8 des Güter­ver­kehrs­ver­la­ge­rungs­ge­set­zes erlaubt die För­de­rung des gesam­ten – also alpen­que­ren­den – Güter­ver­kehrs im Tran­sit. Ent­spre­chend soll­te der Bun­des­rat beauf­tragt wer­den, den gesam­ten Güter­ver­kehr zu för­dern und das För­der­instru­men­ta­ri­um bestehend aus finan­zi­el­ler För­de­rung, Qua­li­täts­mo­ni­to­ring und Aus­bau der Zulauf­stre­cken auch für kon­ven­tio­nel­le Ver­keh­re vor­zu­se­hen. Denn auch für diese ist die geziel­te Aus­deh­nung der För­der­mass­nah­men auf bestimm­te Regio­nen und Güter­grup­pen sinn­voll. Mit dem Fest­hal­ten am Dogma «Kom­bi­nier­ter Ver­kehr» ver­gibt die Schweiz inter­es­san­te Chan­cen für die zusätz­li­che Ver­la­ge­rung von der Stras­se auf die Schiene.

Der Bun­des­rat soll­te das För­der­instru­men­ta­ri­um tech­no­lo­gie­neu­tral kon­zi­pie­ren und auf alle Güter­ver­keh­re im Tran­sit aus­wei­ten, unab­hän­gig von deren Produktionsart.

Ausbau des linksrheinischen Neat-Zubringers Wörth-Strassburg

Die Moti­on 22.3000 «Wei­ter­füh­rung der erfolg­rei­chen Ver­la­ge­rungs­po­li­tik und Gewähr­leis­tung der Ver­sor­gungs­si­cher­heit dank Aus­bau des links­rhei­ni­schen Kor­ri­dors Wörth-Stras­bourg» for­dert vom Bun­des­rat, sich um die Elek­tri­fi­zie­rung und Auf­rüs­ten des betrof­fe­nen Stre­cken­ab­schnitts auf NEAT-Stan­dards zu küm­mern. Er zieht die Mög­lich­keit einer Finan­zie­rung von Sei­ten der Schweiz in Betracht.

Wir vom VAP tra­gen diese Moti­on mit, wie wir das auch bei der Moti­on 20.3003 «Staats­ver­trag für eine links­rhei­ni­sche Neat-Zulauf­stre­cke» getan haben. Eine effi­zi­en­te Stre­cken­füh­rung der Flach­bahn im Nord­zu­lauf zur NEAT ist im Hin­blick auf Ver­sor­gungs­si­cher­heit, Aus­weich­ka­pa­zi­tät für Bau­stel­len­pha­sen, Pünkt­lich­keit und Qua­li­tät drin­gend not­wen­dig. Die Elek­tri­fi­zie­rung und Ein­füh­rung des NEAT-Stan­dards auf dem betrof­fe­nen Stre­cken­ab­schnitt bei gleich­zei­ti­gem Aus­bau des Kan­nen­feld- und Schüt­zen­matt­tun­nels auf 4 Meter erlaubt eine erste erheb­li­che Kapa­zi­täts­stei­ge­rung im nörd­li­chen NEAT-Zulauf.

 

Hier geht’s zur SDA-Mel­dung vom 6. Dezem­ber 2022

Forum Anschlussgleise 2022 – Rückblick

Forum Anschlussgleise 2022 – Rückblick

Zum ers­ten Mal seit 2018 fand am 15. Novem­ber 2022 das Forum Anschluss­glei­se wie­der statt. Die Refe­ren­ten waren sich einig: Anschluss­glei­se las­sen sich sehr wohl erfolg­reich betrei­ben, sofern die Betrei­ber Geld und Zeit in Pla­nung, Fach­wis­sen und Sicher­heit investieren.

Darum geht’s:
  • Anschluss­glei­se las­sen sich erfolg­reich betrei­ben. Doch das erfor­dert Geld und Planung.
  • Prag­ma­ti­sche Sicher­heits­kon­trol­len ermög­li­chen den Ver­gleich von Theo­rie und Praxis.
  • Der Erfah­rungs­aus­tausch inner­halb der Bran­che und die Fach­un­ter­stüt­zung durch den VAP wer­den begrüsst.
Kritischer Blick

Im ers­ten Teil des Forums brach­ten wir die neuen Rol­len im Wagen­la­dungs­ver­kehr zur Spra­che. In sei­ner Begrüs­sung warf VAP-Gene­ral­se­kre­tär Frank Fur­rer einen kri­ti­schen Blick auf die aktu­el­le Ver­nehm­las­sung. Er for­dert die Anwe­sen­den auf, ihre Ideen für einen erfolg­rei­chen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in Bran­chen­ge­sprä­chen ein­zu­brin­gen. Nötig sei eine Neu­ord­nung der Rol­len der Akteu­re auf der letz­ten Meile, im Ver­trieb und in der Pro­duk­ti­on. Eben­so brau­che es einen fle­xi­ble­ren Ein­satz der Res­sour­cen wie Wagen und Loks durch neue Geschäfts­mo­del­le. Eine Stu­die des VAP von 2013 zeig­te schon damals auf, dass wett­be­werbs­ori­en­tier­te Koope­ra­ti­on zu einem Sys­tem mit effi­zi­en­te­rer Leis­tungs­er­brin­gung und mehr Ver­keh­ren führt.

Betrieb

Tho­mas Kel­ler, Lei­ter Logis­tik bei der Per­len Papier AG, sprach über den erfolg­rei­chen Betrieb der Anschluss­glei­se. Als gros­se Her­aus­for­de­rung für seine Anschluss­glei­se in Gisikon/Root bezeich­ne­te er die Rekru­tie­rung qua­li­fi­zier­ter Mit­ar­bei­ten­der. Die erfor­der­li­che Aus­bil­dung koste viel Geld und bedin­ge eine weit­sich­ti­ge Pla­nung. Wei­te­re Fak­to­ren seien die kom­ple­xen Betriebs­vor­schrif­ten und die War­tung der eige­nen Loks. Tho­mas Kel­ler teilt mit den Gäs­ten seine Erfah­run­gen mit Arti­kel 6a der Güter­trans­port­ver­ord­nung und der Rail­Com. Dank guter Bera­tung durch den VAP liess sich eine adäqua­te Son­der­lö­sung für den Zugang zum Anschluss­gleis der Per­len Papier AG fin­den, wonach keine Nut­zung von Drit­ten mög­lich ist, da die Anla­gen hier­für nicht geeig­net seien und Aus­bau­pro­jek­te bestehen.

Sicherheitskontrollen

Ueli Remund, Mit­glied des Stabs Anschluss­glei­se bei der Plan­zer Trans­port AG, zeig­te anhand der Orga­ni­sa­ti­on und Pro­zes­se auf, wie wich­tig eine sau­be­re Doku­men­ta­ti­on und Sicher­heits­kon­trol­len sind, z.B. um die Sicher­heit und Rück­ver­folg­bar­keit zu gewähr­leis­ten. Eine sol­che sei essen­zi­ell, um erfolg­reich Anschluss­glei­se zu betrei­ben. Plan­zer muss­te die inter­nen Kon­trol­len der Anschluss­glei­se ver­fei­nern. Ueli Remund emp­fahl, den VAP fach­kun­di­gen Dienst­leis­ter damit zu beauf­tra­gen, wenn die Fach­kom­pe­tenz im eige­nen Haus fehlt.

Instandhaltung

Hein­rich Mau­rer, Lei­ter Immo­bi­li­en bei der mobi­log AG, beleuch­te­te die Instand­hal­tung und deren ver­läss­li­che Pla­nung mit Unter­stüt­zung des VAP am Bei­spiel des fir­men­ei­ge­nen Gleis­an­schlus­ses. Die­ser ist ein wich­ti­ger Bestand­teil der Trans­port­lo­gis­tik; immer­hin wird gera­de im Inbound 70% des Volu­mens mit der Bahn ange­lie­fert. Die mobi­log AG ent­schied sich, auf den Zug zu ver­la­den, nach­dem der Gott­hard­tun­nel infol­ge eines Unfalls über län­ge­re Zeit gesperrt war. Hein­rich Mau­rer beur­teilt diese Ent­schei­dung als nach­hal­tig richtig.

Aufsichtspflicht

Im zwei­ten Teil berich­te­te Hen­rik Lipp­mann, lei­ten­der Audi­tor bei der Sek­ti­on Sicher­heits­über­wa­chung des BAV, über die Erfah­run­gen aus der Sicher­heits­über­wa­chung von Anschlies­sern. Diese Auf­sichts­pflicht brin­ge den Unter­neh­men einen Mehr­wert. Viele Anschlies­ser seien nicht bahn­af­fin, wes­halb die Audits oft einer Bera­tung gleich­kom­men wür­den. Ein wich­ti­ges Instru­ment stel­le das Online-Ver­zeich­nis Anschluss­glei­se dar. Die­ses kön­nen Anschluss­gleis­be­sit­zer nut­zen, um Doku­men­te digi­tal abzu­le­gen, auto­ma­ti­sche Benach­rich­ti­gun­gen ein­zu­rich­ten und für wei­te­re nütz­li­che Funk­tio­nen. Hen­rik Lipp­mann infor­mier­te zudem über die im Ände­rungs­zy­klus 2024 anste­hen­den Neue­run­gen bei den Fahr­dienst­vor­schrif­ten (FDV), die zu Ver­ein­fa­chun­gen im Ran­gier­be­reich der Anschluss­glei­se füh­ren werden.

Dialog

In der Gesprächs­run­de auf dem Podi­um dis­ku­tier­ten die Refe­ren­ten über das Thema «Sicher­heit in Rea­li­tät und Theo­rie – bestehen Unter­schie­de?». Am Forum nah­men inter­es­sier­te Ver­la­der, Güter­bah­nen und Dienst­leis­ter teil. Aus den Vor­trä­gen und aus der Dis­kus­si­on konn­ten sie wert­vol­le Erkennt­nis­se und prak­ti­sche Tipps mit­neh­men. Und natür­lich kam auch die Pfle­ge des Netz­werks beim anschlies­sen­den Steh­lunch nicht zu kurz.

 

Der Bahnsektor muss sich neu erfinden

Der Bahnsektor muss sich neu erfinden

Die Schie­ne ist nicht gera­de berühmt für ihre Erneue­rungs­freu­dig­keit. Das muss und wird sich ändern, wenn sie als Ver­kehrs­trä­ger zukunfts­fä­hig blei­ben will. Am 7. Inter­na­tio­na­len Eisen­bahn-Forum IRFC 2022 prä­sen­tier­ten die Exper­ten einen brei­ten Fächer an Initia­ti­ven, Inno­va­tio­nen und Neu­ord­nun­gen. Die wich­tigs­ten haben wir hier kurz­ge­fasst und kri­tisch gewürdigt.

 

Darum geht’s:
  • Zur Umset­zung des Green Deal braucht es Inno­va­ti­on, neue Tech­no­lo­gien und eine umfas­sen­de Moder­ni­sie­rung des Bahnsektors
  • Die Ska­lier­bar­keit von Inno­va­tio­nen gelingt nur mit Koope­ra­ti­on und Koordination
  • Die Schweiz darf den Anschluss an EU-Inno­va­ti­ons­pro­gram­me nicht verpassen

 

Unter der tsche­chi­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft lud der EU-Ver­kehrs­mi­nis­ter vom 5. bis 7. Okto­ber 2022 zur IRFC nach Prag ein. Der Kon­gress stand unter dem Motto: «Gemein­sam eine neue Gene­ra­ti­on von Eisen­bah­nen bauen». Der tsche­chi­sche Ver­kehrs­mi­nis­ter Mar­tin Kupka beton­te die Schlüs­sel­rol­le der Bahn für die erfolg­rei­che Umset­zung des Green Deal. Mit die­sem hat die EU eine klare Ant­wort auf den fort­schrei­ten­den Kli­ma­wan­del defi­niert. Bis 2050 sol­len Ver­kehr und Trans­port in Euro­pa CO2-neu­tral wer­den. Mit den Kli­ma­zie­len 2050 strebt der Bun­des­rat in der Schweiz die Ablö­sung von fos­si­len Ener­gie­trä­gern in einem ver­gleich­ba­ren Zeit­rah­men an. Seit ein paar Jah­ren zeich­net sich im Bahn­sek­tor ein Para­dig­men­wech­sel ab. Die Poli­tik setzt ter­mi­nier­te Ziele und erteilt den Spar­ten kon­kre­te Auf­trä­ge. Damit die euro­päi­schen Bah­nen gemäss den Auf­trä­gen reagie­ren kön­nen, braucht es mehr Zusam­men­ar­beit in der Wei­ter­ent­wick­lung neuer Tech­no­lo­gien und deren Umset­zung. Die tech­ni­sche Säule des 4. Bahn­pa­kets bil­det die Grund­la­ge für die Schaf­fung des geplan­ten ein­heit­li­chen euro­päi­schen Bahnsystems.

Bis neue Tech­no­lo­gien ihre Anwen­dungs­rei­fe erreicht haben, braucht es zunächst eine Koor­di­na­ti­on der Inno­va­ti­on (vgl. Abbil­dung) und eine geziel­te For­schung zur Erar­bei­tung der wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen. Dazu hat die EU in den ver­gan­ge­nen Jah­ren leis­tungs­fä­hi­ge und kom­pe­ten­te Orga­ni­sa­tio­nen auf­ge­baut: Das Pro­gramm «Hori­zon» führt und finan­ziert diver­se For­schungs­pro­jek­te. Dank bran­chen­über­grei­fen­der Ver­net­zung sol­len die Ergeb­nis­se und Resul­ta­te zeit­nah einem brei­ten Nut­zungs­feld zur Ver­fü­gung ste­hen. Im Rah­men der Inno­va­ti­ons­part­ner­schaft Europe’s Rail Joint Under­ta­king (EU-Rail) wer­den inno­va­ti­ve neue Ansät­ze auf Grund­la­ge von For­schungs­er­geb­nis­sen kon­kre­ti­siert. Die wich­ti­gen Pro­jek­te für den Bahn­be­trieb bezie­hungs­wei­se für die Tech­nik basie­ren auf den bei­den Säu­len «Sys­tem Pil­lar» und «Tech­ni­cal Pil­lar». Die Eisen­bahn­agen­tur ERA defi­niert die neuen ein­heit­li­chen Spe­zi­fi­ka­tio­nen für euro­päi­sche Bahn­an­wen­dun­gen und stellt so die Inter­ope­ra­bi­li­tät sicher. Dank die­ser Wis­sens­bün­de­lung las­sen sich in kur­zer Zeit inter­na­tio­nal anwen­dungs­rei­fe Lösun­gen erarbeiten.

Energie der Zukunft ist erneuerbar

Indus­tria­li­sier­te Volks­wirt­schaf­ten nutz­ten bis­her haupt­säch­lich fos­si­le Ener­gie­trä­ger. Diese waren auf dem inter­na­tio­na­len Markt lange güns­tig erhält­lich. Mit dem Green Deal will die EU die ver­kehrs­be­ding­ten Emis­sio­nen bis 2050 um 90% redu­zie­ren und 75% des Trans­port­vo­lu­mens von der Stras­se auf die Schie­ne oder Was­ser­stras­sen ver­la­gern. Die künf­tig wich­ti­gen Ener­gie­trä­ger sind Was­ser­stoff und Elek­tri­zi­tät, bei­des her­ge­stellt aus erneu­er­ba­ren Ressourcen.

Moderne Datenkommunikation erfolgt digital

Indus­tria­li­sier­te Pro­zes­se funk­tio­nie­ren dann erfolg­reich, wenn die not­wen­di­gen Daten für alle Betei­lig­ten direkt und unmit­tel­bar ver­füg­bar sind. Die aktu­el­le Daten­nut­zung ist noch ein­ge­schränkt, für viele Teil­pro­zes­se wer­den die Daten immer wie­der neu erfasst. Sol­che Allein­gän­ge sind res­sour­cen- und zeit­in­ten­siv sowie feh­ler­an­fäl­lig. In Zukunft sol­len Daten allen auto­ri­sier­ten Teil­neh­mern medi­en­bruch­frei und zeit­nah zur Ver­fü­gung ste­hen. Der direk­te Zugriff auf Daten ist zen­tral für die Rea­li­sie­rung von auto­ma­ti­sier­ten Pro­zes­sen, eben­so ein wirk­sa­mer Daten­schutz. Cyber­si­cher­heit wird zum Kern­the­ma der moder­nen Datenkommunikation.

Neuordnung des Bahnsystems gefragt 

Die Bahn war im 19. und begin­nen­den 20. Jahr­hun­dert wesent­lich für die Indus­tria­li­sie­rung. Erst ab Mitte des 20. Jahr­hun­derts dräng­ten Stras­se und Luft­fahrt dank ihren erfolg­rei­chen Inno­va­ti­ons­schrit­ten die Schie­ne im Trans­port zurück. Ent­schei­dend dabei waren der intra­mo­da­le Wett­be­werb und die rigo­ro­se Kun­den­ori­en­tie­rung. Die wich­tigs­te Frage der Kun­den lau­te­te: Wie kön­nen wir unse­re Bedürf­nis­se ein­fa­cher, beque­mer und güns­ti­ger erfül­len? Und sie erhiel­ten auf der Stras­se pas­sen­de Ant­wor­ten. Diese Frage müs­sen sich die Bah­nen heute end­lich auch stel­len. Die Bahn stellt ein leis­tungs­fä­hi­ges und res­sour­cen­scho­nen­des Trans­port­sys­tem mit zahl­rei­chen Vor­tei­len dar. Im direk­ten Ver­gleich des benö­tig­ten Ener­gie­be­darfs schnei­det die elek­tri­fi­zier­te Bahn gegen­über der Stras­se als ein­deu­ti­ge Sie­ge­rin ab. Die Bahn benö­tigt bei glei­chen Rah­men­be­din­gun­gen 10-mal weni­ger Ener­gie als die Stras­se. Wich­ti­ge euro­päi­sche Bahn­stre­cken sind bereits elek­tri­fi­ziert, sodass die benö­tig­te Trak­ti­ons­en­er­gie mit hohem Wir­kungs­grad genutzt wer­den kann. Ein weit ver­zweig­tes Stre­cken­netz ver­bin­det heute die wich­ti­gen Regio­nen Euro­pas, ein Gross­teil der Stre­cken sind nor­mal­spu­rig, nur in weni­gen euro­päi­schen Regio­nen sind heute abwei­chen­de Spur­wei­ten in Betrieb. Damit die geplan­te Ver­la­ge­rung des Ver­kehrs auf die Schie­ne tat­säch­lich rea­li­siert wer­den kann, braucht es zunächst einen Kul­tur­wan­del bei den Bah­nen hin zu intra­mo­da­lem Wett­be­werb und Kun­den­ori­en­tie­rung sowie eine umfas­sen­de und sys­te­ma­ti­sche Erneue­rung des Bahnsystems:

  • TEN‑T: Die EU hat das trans­eu­ro­päi­sche Schie­nen­netz zur Ver­bin­dung aller bedeu­ten­den euro­päi­schen Zen­tren defi­niert. Auf einer ein­heit­li­chen, har­mo­ni­sier­ten Infra­struk­tur sol­len die Züge hin­der­nis­frei ver­keh­ren kön­nen, auf Neben­stre­cken kann Was­ser­stoff- oder Bat­te­rie­be­trieb für die ange­streb­te CO2-Neu­tra­li­tät sor­gen. Der Aus­bau des Bahn­net­zes erfolgt mit zwei unter­schied­li­chen Schwer­ge­wich­ten: Für den Per­so­nen­ver­kehr ist ein Hoch­ge­schwin­dig­keits­netz auf­zu­bau­en, das die wich­ti­gen Zen­tren ver­bin­det und attrak­ti­ve Rei­se­zei­ten ermög­licht. Für den Güter­ver­kehr sind die erfor­der­li­chen Tras­sen bereit­zu­stel­len, sodass der Bahn­gü­ter­ver­kehr gemäss den poli­ti­schen Vor­ga­ben wach­sen kann. Die Güter­bah­nen müs­sen in den nächs­ten Jahr­zehn­ten ihre Trans­port­ka­pa­zi­tät mehr als ver­dop­peln. Die­ses hoch­ge­steck­te Ziel kön­nen sie nur mit­hil­fe von Inno­va­ti­on errei­chen. Zudem müs­sen die Kor­ri­dor­ma­na­ger mit umfas­sen­den Kom­pe­ten­zen aus­ge­stat­tet wer­den, damit die heu­ti­ge Rosi­nen­pi­cke­rei der natio­na­len inte­griert geführ­ten Staats­bah­nen ein Ende hat.
  • Inter­ope­ra­bi­li­tät und Stan­dar­di­sie­rung: Noch gilt bei den ver­schie­de­nen euro­päi­schen Bahn­sys­te­men eine Viel­zahl von oft unter­schied­li­chen natio­na­len Vor­schrif­ten. Deren Ein­hal­tung schränkt den frei­zü­gi­gen grenz­über­schrei­ten­den Bahn­ver­kehr bis heute signi­fi­kant ein und ermög­licht unlau­te­re Wett­be­werbs­vor­tei­le im natio­na­len Markt. Trotz der tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen der Inter­ope­ra­bi­li­tät (TSI) behin­dern natio­na­le Vor­schrif­ten immer noch den grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr mas­siv. Die EU hat die Besei­ti­gung die­ser natio­na­len Vor­schrif­ten mit dem «rules clea­ning-up pro­gram­me» zu einer wich­ti­gen Füh­rungs­auf­ga­be erko­ren. Dies ist ein ent­schei­den­des Pro­gramm der tech­ni­schen Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets zur Schaf­fung der Sin­gle Euro­pean Rail­way Area (SERA). Wäh­rend die Euro­päi­sche Eisen­bahn­agen­tur ERA für die Wei­ter­ent­wick­lung der Tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen der Inter­ope­ra­bi­li­tät (TSI) ver­ant­wort­lich ist, muss der Bahn­sek­tor die dazu­ge­hö­ri­gen Stan­dards und Nor­men aktua­li­sie­ren und wei­ter­ent­wi­ckeln. Im ange­streb­ten Ide­al­fall sol­len die TSI und die Nor­men alle bahn­tech­ni­schen Teil­sys­te­me in allen betei­lig­ten euro­päi­schen Län­dern aus­rei­chend spe­zi­fi­zie­ren. Auch die Schweiz setzt im Nor­mal­spur­be­reich kon­se­quent auf die TSI. Sie hat im Rah­men des gel­ten­den Land­ver­kehrs­ab­kom­mens erste Ele­men­te der tech­ni­schen Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets über­nom­men. Da der Dia­log zwi­schen der EU und der Schweiz der­zeit still­steht, ist die geplan­te Wei­ter­füh­rung aktu­ell lei­der nicht möglich.
  • Digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK): Die Bahn muss ihre his­to­risch gewach­se­nen, aber über­al­ter­ten Stan­dards wie die klas­si­sche Schrau­ben­kupp­lung zuguns­ten moder­ner digi­ta­li­sier­ter Sys­te­me – etwa der DAK4 – flä­chen­de­ckend ablö­sen. Dies bil­det eine ent­schei­den­de Grund­la­ge für eine künf­ti­ge umfas­sen­de Auto­ma­tis­a­ti­on im Bahn­sek­tor. Noch wich­ti­ger aber ist die Ver­net­zung aller Akteu­re ent­lang der gesam­ten Logis­tik­ket­te – über den rei­nen Schie­nen­lauf hin­aus – dank der Mög­lich­kei­ten der Digi­ta­li­sie­rung. Frei zugäng­li­che Daten- und Buchungs­platt­for­men eröff­nen unge­ahn­te Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen und Qua­li­täts­ver­bes­se­run­gen. Auch die Mit­glie­der des VAP und die SBB tra­gen mit ihrem Know-how aktiv zum Gelin­gen die­ses wich­ti­gen Pro­jekts bei.
  • Ener­gie: Beim Thema Ener­gie wer­den die erfor­der­li­chen Pro­zes­se zu der CO2-neu­tra­len Gewin­nung, der Ver­tei­lung und der ein­fa­chen Nut­zung von Was­ser­stoff bear­bei­tet. Für den Betrieb auf län­ge­ren nicht elek­tri­fi­zier­ten Bahn­stre­cken bil­det Was­ser­stoff eine viel­ver­spre­chen­de Ener­gie­quel­le, um rasch fos­si­le Treib­stof­fe abzulösen.
Marathon mit Hürden

Die EU hat mit dem Green Deal ein umfas­sen­des Pro­gramm zur Gestal­tung eines CO2-neu­tra­len Euro­pas defi­niert. Aller­dings haben die Mit­glied­län­der unter­schied­li­che Aus­gangs­la­gen, Prio­ri­tä­ten und Inter­es­sen. Für die Umset­zung die­ses anspruchs­vol­len Pro­gram­mes wer­den folg­lich eini­ge Hür­den zu über­win­den sein. Es wird sich zei­gen, ob die natio­na­len Inter­es­sen der Staats­bah­nen zuguns­ten einer gemein­sa­men euro­päi­schen Lösung genü­gend zurück­tre­ten kön­nen. Die Bahn soll im euro­päi­schen Per­so­nen­ver­kehr und Güter­trans­port künf­tig eine Schlüs­sel­rol­le spie­len. Sie über­zeugt durch eini­ge bestechen­de Vor­tei­le. Aber sie muss auch eine über viele Jahr­zehn­te ent­stan­de­ne Abnei­gung gegen Erneue­run­gen, Ver­än­de­run­gen und Wett­be­werb über­win­den. Die Abschot­tung der Märk­te, ins­be­son­de­re durch die Staats­bah­nen, bil­det nach wie vor vie­ler­orts ein gros­ses Hin­der­nis. Durch das Fest­hal­ten an natio­na­len Vor­schrif­ten, oft unter dem Vor­wand von Sicher­heits­über­le­gun­gen, wol­len sich Staats­bah­nen wei­ter­hin vor uner­wünsch­ter inter­na­tio­na­ler Kon­kur­renz schüt­zen. Es liegt an den Mit­glied­staa­ten, der euro­päi­schen Idee zum Durch­bruch zu ver­hel­fen und unlau­te­ren Metho­den ihrer Staats­bah­nen den Rie­gel zu stos­sen. Der Bahn­sek­tor muss mit Inno­va­ti­on neue Stan­dards set­zen. Er muss seine Vor­schrif­ten­welt inter­na­tio­nal ver­ein­heit­li­chen und ent­schla­cken. Gros­se Lie­fe­ran­ten des Bahn­sek­tors dür­fen bei der Ent­wick­lung neuer Sys­te­me nicht ver­su­chen, sich durch exklu­si­ve, inkom­pa­ti­ble Pro­duk­te einen ein­sei­ti­gen Markt­vor­teil zu ver­schaf­fen. Für einen nach­hal­ti­gen Migra­ti­ons­er­folg benö­tigt der Sek­tor kom­pa­ti­ble, aus­ge­reif­te und zuver­läs­si­ge inno­va­ti­ve Pro­duk­te. Damit haben sich die Her­stel­ler in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht gera­de aus­ge­zeich­net. Ob die ange­streb­te Ver­la­ge­rung der Ver­keh­re auf die Schie­ne im geplan­ten Umfang mach­bar wird, hängt von den ein­setz­ba­ren Finanz­mit­teln ab. Es wird für die Migra­ti­on keine prall gefüll­te EU-Geld­scha­tul­le daste­hen, aus der sich die ein­zel­nen Unter­neh­men nach Bedarf bedie­nen kön­nen. Die ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten wer­den hier mit kräf­ti­gen Anschub­fi­nan­zie­run­gen zur Erneue­rung und Erwei­te­rung der Bahn­in­fra­struk­tur bei­tra­gen müs­sen. Das gilt auch für die Schweiz. Kern­pro­jek­te wie die DAK müs­sen inter­na­tio­nal abge­stimmt sein, sonst wird ihre Wir­kung sang- und klang­los verpuffen.

Schweiz ist Teil von Europa

Auch die Schweiz kann mit einer akti­ven Betei­li­gung an die­sen EU-Pro­gram­men nur gewin­nen. Das Schwei­zer Nor­mal­spur­netz trägt mit sei­nen gros­sen Tran­sit­ach­sen zum trans­eu­ro­päi­schen Schie­nen­netz der EU bei. Es bil­det einen wich­ti­gen Teil des ein­heit­li­chen inter­ope­ra­blen euro­päi­schen Sys­tems SERA. Da viele der Schwei­zer Ver­keh­re grenz­über­schrei­tend geführt wer­den, sind inter­ope­ra­ble Lösun­gen unab­ding­bar. Die Schweiz hat ihr Plan­soll mit dem durch­ge­hen­den Aus­bau der Nord-Süd-Trans­ver­sa­len wie ange­sagt erfüllt. Das Schwei­zer Bahn­netz muss für den Bin­nen­ver­kehr wei­ter aus­ge­baut wer­den, um das Wachs­tums­ziel im Güter­ver­kehr Zukunft bewäl­ti­gen zu kön­nen. Unse­re Exper­ten kön­nen aktiv wert­vol­le Ent­wick­lungs­bei­trä­ge leis­ten und sich mit den Bes­ten inter­na­tio­nal mes­sen. Unse­re Bahn­un­ter­neh­men kön­nen mit neuen Kon­zep­ten ihre Markt­po­si­ti­on, ins­be­son­de­re auch im Import- und Export­ver­kehr stär­ken. Der VAP unter­stützt die gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten, um den Bahn­sek­tor zu einem wich­ti­gen Part­ner des mul­ti­mo­da­len Trans­port­sys­tems wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Dabei ist die Zusam­men­ar­beit auf euro­päi­scher Ebene und intra­mo­da­ler Wett­be­werb eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung, um die poli­ti­schen Ziele frist­ge­recht zu errei­chen. Wir sind ver­kehrs­tech­nisch so eng mit den Nach­bar­staa­ten ver­knüpft, dass unse­re Wirt­schaft hin­der­nis­freie grenz­über­schrei­ten­de Ver­kehrs- und Trans­port­leis­tun­gen braucht. Gera­de für grös­se­re Distan­zen ist aus Ener­gie­sicht die Schie­ne prä­de­sti­niert. Die poli­ti­schen Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Schweiz und der EU behin­dern nach wie vor die drin­gend not­wen­di­ge inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit. Die Bahn­bran­che ist gut bera­ten, trotz der Hür­den den fach­li­chen Aus­tausch aktiv zu suchen und zu pfle­gen. Eine erfolg­rei­che Bahn­zu­kunft haben wir nur gemeinsam.

Schienengüterverkehr in der Fläche: Branche entwickelt gemeinsam eine Lösung

Schienengüterverkehr in der Fläche: Branche entwickelt gemeinsam eine Lösung

Zur anste­hen­den Neu­or­ga­ni­sa­ti­on und Moder­ni­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che und zu des­sen nach­hal­ti­gen För­de­rung füh­ren die Güter­bah­nen des Dach­ver­bands öffent­li­cher Ver­kehr (VöV) und wir vom VAP inten­si­ve Gesprä­che. Hier ein Abriss über den Stand der Debat­te und die Vor­tei­le eines anreiz­ba­sier­ten Fördermodells.

Die Güter­bahn­ver­ant­wort­li­chen des VöV und wir vom VAP als Stim­me der ver­la­den­den Wirt­schaft wol­len gemein­sam auf­zei­gen, dass sich der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Flä­che (SGV) lang­fris­tig erfolg­reich betrei­ben lässt. Die Gesprä­che der Bran­chen­ver­tre­ter über die Zukunft der Bin­nen­ver­kehrs­lo­gis­tik lau­fen auf Hoch­tou­ren und sol­len in einer gemein­sa­men Hal­tung zum SGV resul­tie­ren, wenn der Bun­des­rat seine Bot­schaft zur «Zukünf­ti­gen Aus­rich­tung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che» in die Ver­nehm­las­sung schickt.

Zukunftsfähiges Netzwerkangebot aufbauen

Die Bran­chen­ak­teu­re stre­ben ein leis­tungs­fä­hi­ges Netz­werk­an­ge­bot (Hub and Spoke) an. Von die­sem sol­len die Betrei­ber von Bahn­gü­ter­ver­kehr und Kun­den im Bin­nen­ver­kehr in glei­cher Art und Weise pro­fi­tie­ren. Dazu braucht es eine neue Rol­len­ver­tei­lung in der Pro­duk­ti­on und ein nach­hal­ti­ges finan­zi­el­les För­der­mo­dell mit aus­ge­präg­ten Anreiz­me­cha­nis­men. Die­ses muss wett­be­werbs­neu­tral und gleich­zei­tig mög­lichst ein­fach aus­ge­stal­tet sein. Es darf keine Markt- und Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zwi­schen sub­ven­tio­nier­ten und nicht­sub­ven­tio­nier­ten Güter­bah­nen und Leis­tun­gen oder ähn­li­che Benach­tei­li­gun­gen zulas­sen. Das För­der­mo­dell soll weni­ge, aber umsetz­ba­re Anreiz­me­cha­nis­men mit maxi­ma­ler Wir­kung ent­hal­ten. Aus­ser­dem soll es sich den Ent­wick­lun­gen anpas­sen; der Abbau­pf­ad der För­der­mit­tel läuft idea­ler­wei­se par­al­lel zum AS 2035 und der Umfah­rungs­li­nie Zürich.

Verbesserte Rahmenbedingungen

Damit der SGV seine Stär­ken ent­fal­ten kann, sind bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen nötig – unab­hän­gig von För­der­mo­dell und Rol­len­ver­ständ­nis. Dazu gehören:

  • Sen­kung des Tras­sen­prei­ses auf euro­päi­sches Niveau
  • Aus­deh­nung der Rück­erstat­tung der LSVA auf alle Ver­keh­re Strasse–Schiene–Schiff
  • Aus­deh­nung der Inves­ti­ti­ons­för­de­rung an Anschluss­gleis­be­sit­zer und ‑betrei­ber
  • Automatisierung/Digitalisierung, ins­be­son­de­re durch die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK)
  • Frei zugäng­li­che Daten- und Infor­ma­ti­ons­platt­form für eine effi­zi­en­te­re ope­ra­ti­ve Abwicklung
Hochwirksame Anreizmechanismen

Die Bran­chen­ver­tre­ter sehen Anrei­ze an Ver­la­der und die Finan­zie­rung sowie Neu­tra­li­sie­rung der ers­ten und letz­ten Meile vor. Anrei­ze an Ver­la­der umfas­sen Ent­schä­di­gun­gen für Neu­ver­keh­re, die Wie­der­in­be­trieb­nah­me von Anschluss­glei­sen nach län­ge­ren Betriebs­un­ter­brü­chen, Effi­zi­enz­stei­ge­rungs­mass­nah­men im Ran­gier­be­trieb und für eige­ne Manö­ver auf der letz­ten Meile. Die Bedie­nung der ers­ten und letz­ten Meile soll durch eine Ent­schä­di­gung an den Leis­tungs­er­brin­ger finan­ziert wer­den. Die­ser bie­tet Nah­zu­stel­lun­gen für alle Güter­bahn­un­ter­neh­men zu defi­nier­ten (stark kos­ten­un­ter­de­cken­den) Prei­sen an.

Neue Rolle von SBB Cargo

SBB Cargo über­nimmt nach wie vor die Funk­ti­on des Netz­werk­an­bie­ters. Sie wickelt Haupt­läu­fe und Ran­gie­rung ab, zeich­net für die Pla­nung der Netz­werk­ver­keh­re ver­ant­wort­lich und stellt eine effi­zi­en­te Bün­de­lung von Ver­keh­ren mit ein­zel­nen Wagen oder Wagen­grup­pen sicher. Dazu steht SBB Cargo im allei­ni­gen Kon­takt mit den Ver­la­dern, die Trans­por­te im Netz­werk­ver­kehr beauf­tra­gen, und im Dia­log mit dem Leis­tungs­er­brin­ger, der die erste/letzte Meile bedient.

In der Gunst des Wettbewerbs

Die Ver­tre­ter von VöV und VAP machen sich für eine nach­hal­ti­ge Bran­chen­lö­sung stark, die mehr Pla­nungs- und Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit bie­tet und die Attrak­ti­vi­tät des Güter­bahn­mark­tes erhöht. Sie sehen einen wett­be­werbs­neu­tra­len För­der­me­cha­nis­mus vor, der bestehen­de Struk­tu­ren und Abgel­tungs­an­sät­ze nutzt. Das För­der­mo­dell der Bran­che kann seine Ver­kehrs­ver­la­ge­rungs­wir­kung erhö­hen, indem es Drit­ten mit einer güns­ti­gen ers­ten und letz­ten Meile zusätz­li­che Anrei­ze bie­tet. Damit ent­fällt für die Güter­bah­nen die Make-or-Buy-Ent­schei­dung. SBB Cargo kann das Netz­werk eigen­wirt­schaft­lich betrei­ben. Die Lösung, die sich aus dem Dia­log von Güter­bah­nen und ver­la­den­der Wirt­schaft her­aus­kris­tal­li­siert, soll die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Akteu­re stär­ken und Inno­va­ti­on sowie Kun­den­ori­en­tie­rung ermöglichen.

 

Inter­es­sant dazu: Schon 2014 hatte sich in unse­rer Stu­die die Emp­feh­lung einer «dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Bedie­nung der letz­ten Meile für alle Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men» herauskristallisiert.

«BAHN 2050» – kritischer Blick auf die Langfristperspektive des Bundes

«BAHN 2050» – kritischer Blick auf die Langfristperspektive des Bundes

Der Bun­des­rat möch­te die Bahn lang­fris­tig wei­ter stär­ken. Er hat dafür seine Lang­frist­stra­te­gie Bahn über­ar­bei­tet. Neu setzt er seine Schwer­punk­te bei einem ver­bes­ser­ten Zugang zur Bahn und mehr Kapa­zi­tä­ten auf der Ost-West-Achse mit neuen mul­ti­mo­da­len Umschlags­platt­for­men und Anla­gen für die City-Logis­tik. Hier eine kri­ti­sche Wür­di­gung die­ser Perspektive.

Im Hin­blick auf künf­ti­ge Aus­bau­schrit­te der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur hat der Bun­des­rat seine Lang­frist­per­spek­ti­ve Bahn aus dem Jahr 2012 ange­passt und Details aus der Sit­zung vom 22. Juni 2022 publi­ziert. Bis anhin hat sich der Bun­des­rat in ers­ter Linie auf Eng­pass­be­sei­ti­gun­gen und Takt­ver­dich­tun­gen kon­zen­triert. Mit den kom­men­den Aus­bau­schrit­ten im Rah­men der Per­spek­ti­ve BAHN 2050 will er das Bahn­an­ge­bot pri­mär auf kur­zen und mitt­le­ren Distan­zen ver­bes­sern, etwa mit zusätz­li­chen S‑Bahn-Ange­bo­ten und einer Auf­wer­tung der Vor­stadt­bahn­hö­fe. Damit trägt er dem Umstand Rech­nung, dass das gröss­te Ver­la­ge­rungs­po­ten­zi­al auf die Schie­ne inner­halb der Agglo­me­ra­tio­nen sowie bei Ver­bin­dun­gen zwi­schen regio­na­len Zen­tren und Agglo­me­ra­tio­nen steckt.

Im Güterverkehr Verlagerung vorantreiben

Im Güter­ver­kehr soll der Zugang zur Bahn ver­bes­sert und Kapa­zi­tä­ten auf der Ost-West-Achse gestei­gert wer­den. Dies mit neuen mul­ti­mo­da­len Umschlags­platt­for­men und Anla­gen für die City-Logis­tik. Mit der ange­streb­ten Ver­kehrs­ver­la­ge­rung will der Bun­des­rat seine Stra­te­gie zum Errei­chen der Kli­ma­zie­le stär­ken sowie Raum- und Ver­kehrs­pla­nung bes­ser auf­ein­an­der abstim­men. Die­sen Anspruch bringt er in sei­ner Visi­on zum Aus­druck: «Die Bahn leis­tet dank effi­zi­en­ter Nut­zung ihrer Stär­ken einen gros­sen Bei­trag zum Kli­ma­ziel 2050 und stärkt den Lebens- und Wirt­schafs­stand­ort Schweiz».

Zielkonflikt freie Verkehrsmittelwahl

Als eines der Haupt­zie­le von BAHN 2050 defi­niert der Bun­des­rat die Erhö­hung des Bahn­an­teils im Modal­split sowohl im Per­so­nen- als auch im Güter­ver­kehr. Die­ses Ziel wider­spricht der Ver­fas­sung, die im Bin­nen­ver­kehr die freie Ver­kehrs­mit­tel­wahl garan­tiert. Eben­falls besteht ein Wider­spruch zu den bis­he­ri­gen Zie­len des Bun­des­rats, ins­be­son­de­re zu Ziel 7 des UVEK-Ori­en­tie­rungs­rah­mens 2040, «Zukunft Mobi­li­tät». Dem­nach kön­nen Ver­kehrs­teil­neh­men­de in der Schweiz frei ent­schei­den, wel­che Mobi­li­täts­an­ge­bo­te sie nut­zen und kombinieren.

Intramodaler Wettbewerb und marktwirtschaftliche Angebote

Für uns vom VAP geht der Modal­split aus einer durch­dach­ten Infrastruktur‑, Ver­kehrs- und Raum­ord­nungs­po­li­tik her­vor. Als Stim­me der ver­la­den­den Wirt­schaft set­zen wir uns für güns­ti­ge Rah­men­be­din­gun­gen ein, die den intra­mo­da­len Wett­be­werb auf der Schie­ne ankur­beln und mit markt­wirt­schaft­li­chen Ange­bo­ten für Kun­den­ori­en­tie­rung und Inno­va­ti­on sor­gen. Damit sol­che Ange­bo­te ihr Poten­zi­al ent­fal­ten kön­nen, sind aus­rei­chend Kapa­zi­tä­ten auf dem Netz mit qua­li­ta­tiv hoch­ste­hen­den und güns­ti­gen Tras­sen sowie genü­gend gut erschlos­se­ne Logis­tik­stand­or­te nötig. Nur so lässt sich der Anteil des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs am Modal­split erhö­hen. Des­halb war­nen wir vor Ideen wei­te­rer Netz­wer­ke und abge­stimm­ter Sys­tem­tras­sen durch SBB Cargo. Diese behin­dern den ange­streb­ten intra­mo­da­len Wett­be­werb und wir­ken sich ent­spre­chend nega­tiv auf Kun­den­ori­en­tie­rung und Inno­va­ti­on aus.

Anschluss an Europa sicherstellen

Wir begrüs­sen den Fokus des Bun­des­ra­tes auf kurze und mitt­le­re Distan­zen. Aller­dings blen­det er das viel­schich­ti­ge Poten­zi­al des inter­na­tio­na­len Ver­kehrs aus. Das ist bedau­er­lich. Die Per­spek­ti­ve BAHN 2050 müss­te unse­res Erach­tens eine güns­ti­ge Anbin­dung des Schwei­zer Bahn­net­zes an die inter­na­tio­na­len Kor­ri­do­re und die Rhein­hä­fen sowie Süd­hä­fen im Ziel­be­reich vor­se­hen. Zu die­sem Anspruch wird der Bun­des­rat durch die Moti­on 22.3000 «Wei­ter­füh­rung der erfolg­rei­chen Ver­la­ge­rungs­po­li­tik und Gewähr­leis­tung der natio­na­len Ver­sor­gungs­si­cher­heit dank Aus­bau des links­rhei­ni­schen Neat-Zubrin­gers Wörth-Strass­burg» und die Moti­on 20.3003 «Staats­ver­trag für eine links­rhei­ni­sche Neat-Zulauf­stre­cke» expli­zit aufgefordert.

Klares Ja zur Digitalisierung

Als posi­tiv wer­ten wir die Absicht, Effi­zi­enz­ge­win­ne durch Auto­ma­ti­sie­rung und neue Tech­no­lo­gien kon­se­quent zu nut­zen, sowie das Ziel, das Bahn­an­ge­bot als Teil der Gesamt­mo­bi­li­tät fle­xi­bel und opti­mal mit den ande­ren Ver­kehrs­trä­gern und ‑ange­bo­ten zu ver­net­zen. Hier spie­len neben den erwähn­ten mul­ti­mo­da­len Umschlags­platt­for­men vor allem die Rah­men- und Markt­be­din­gun­gen für Güter­bah­nen eine ent­schei­den­de Rolle. Dazu gehö­ren neben der digi­ta­len auto­ma­ti­schen Kupp­lung (DAK) ins­be­son­de­re offe­ne Daten- und Buchungs­platt­for­men. Mit deren Hilfe wer­den Daten aus der gesam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te erfasst und trans­pa­rent aus­ge­tauscht, sodass Güter­bahn­kun­den ihre Sen­dun­gen ein­fach buchen und die Güter­strö­me in Echt­zeit ver­fol­gen können.

Strommangel (Teil 3): Sparappelle mittragen

Strommangel (Teil 3): Sparappelle mittragen

Der Strom­man­gel ist ein dring­li­ches poli­ti­sches und wirt­schaft­li­ches Thema. Des­halb ist es uns ein Anlie­gen, dass unse­re Mit­glie­der top­ak­tu­ell infor­miert sind. In die­ser drit­ten Blog­e­pi­so­de erör­tern wir, wie die Bahn­bran­che den Spar­ap­pel­len des Bun­des­ra­tes mit frei­wil­li­gen Ener­gie­spar­mass­nah­men Folge leis­ten kann.

Der Bund hat die Auf­ga­ben zur Bewäl­ti­gung einer mög­li­chen Ener­gie­kri­se fest­ge­legt. Je nach­dem, wie sich die Ener­gie­la­ge ent­wi­ckelt, kann er Ener­gie­spar­mass­nah­men ergrei­fen. Dabei sind vier Levels mög­lich. Zur­zeit befin­den wir uns auf Level 1 «frei­wil­li­ge Spar­ap­pel­le». Das Bun­des­amt für Ver­kehr nimmt die zen­tra­le Koor­di­na­ti­ons­auf­ga­be in Ver­kehrs­be­lan­gen wahr. Das Eid­ge­nös­si­sche Depar­te­ment für Umwelt, Ver­kehr und Kom­mu­ni­ka­ti­on (UVEK) hat die «Ener­gie­spar-Alli­ance» mit einer breit ange­leg­ten Kam­pa­gne ins Leben geru­fen. Diese Alli­anz for­dert Orga­ni­sa­tio­nen in der gan­zen Schweiz auf, die Bemü­hun­gen für Ver­sor­gungs­si­cher­heit im Win­ter zu unter­stüt­zen und frei­wil­lig Ener­gie­spar­mass­nah­men zu ergrei­fen. Ziel muss es sein, in der Schweiz bran­chen­weit mög­lichst ein­heit­li­che Mass­nah­men umzu­set­zen. Das ist für die Nut­zer von Ver­kehrs­leis­tun­gen am bes­ten nachvollziehbar.

VAP zieht mit

Wir vom VAP schlies­sen uns der Emp­feh­lung an, der «Ener­gie­spar-Alli­ance» bei­zu­tre­ten. Damit geben wir den Weck­ruf des Ver­bands öffent­li­cher Ver­kehr (VöV) an unse­re Mit­glie­der wei­ter. An sei­ner Vor­stands­sit­zung vom 9. Sep­tem­ber 2022 hat die­ser sein Emp­feh­lungs­pa­pier für die Bahn­bran­che ver­öf­fent­licht. Darin emp­fiehlt er der Bahn­bran­che, sich aktiv auf mög­li­che Sze­na­ri­en einer Ener­gie­man­gel­la­ge vor­zu­be­rei­ten und rasch erste kon­kre­te Umset­zungs­mass­nah­men zu realisieren.

Damit sich die Ener­gie­spar­mass­nah­men aller Akteu­re der Bahn­bran­che abge­stimmt umset­zen las­sen, über­nimmt die Arbeits­grup­pe «Strom­man­gel­la­ge im öV» deren Koor­di­na­ti­on. Hier brin­gen wir uns aktiv ein. Die Arbeits­grup­pe arbei­tet eng mit den SBB und Post­Au­to AG Schweiz als Sys­tem­füh­re­rin­nen zusam­men. Gemein­sa­mes Ziel ist es, Betriebs­ein­schrän­kun­gen sowohl beim Per­so­nen­ver­kehr als auch beim Güter­ver­kehr zu ver­mei­den. Die Kapa­zi­tä­ten sol­len erst bei ent­spre­chen­dem Nach­fra­ge­rück­gang redu­ziert wer­den. Auf wei­te­re Eska­la­ti­ons­le­vels berei­ten wir uns in diver­sen Arbeits­grup­pen inten­siv vor. Die öffent­li­che Hand soll unse­re Bran­che als kom­pe­tent und koope­ra­tiv wahrnehmen.

Weil Energie knapp ist

«Ener­gie ist knapp. Ver­schwen­den wir sie nicht.» Unter die­sem Kam­pagn­en­ti­tel hat das UVEK Spar­tipps für Pri­va­te und Unter­neh­men zusam­men­ge­fasst. Auch die Bahn­bran­che soll frei­wil­lig Ener­gie spa­ren. Die­ser Auf­ruf umfasst Umset­zungs­mass­nah­men für zahl­rei­che von den Bah­nen genutz­te Bau­ten. Sie schrän­ken das Ange­bot des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs nicht ein. Aktu­ell liegt der Fokus auf der Absen­kung der Heiz­tem­pe­ra­tur sowie der Reduk­ti­on von Warm­was­ser und Beleuch­tung. Zudem ist jedes Trans­port­un­ter­neh­men auf­ge­for­dert, ener­ge­ti­sche Betriebs­op­ti­mie­run­gen in sei­nen Büro- und Betriebs­ge­bäu­den durch­zu­füh­ren. Adres­sa­ten­ge­rech­te Spar­mass­nah­men für Mit­ar­bei­ten­de  (Lok­füh­re­rIn­nen, Büro­mit­ar­bei­ten­de, Werk­stät­ten­per­so­nal) wer­den das Paket ergänzen.

«Wer keinen Mut hat, hat schon verloren.»

«Wer keinen Mut hat, hat schon verloren.»

Dr. Heiko Fischer prä­si­diert die Inter­na­tio­nal Union of Wagon Kee­pers UIP. Mit dem VAP spricht der ehe­ma­li­ge VTG-Chef über die Zukunft des euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs und die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on des Bahn­sek­tors. Für die­sen wünscht er sich mehr Begeis­te­rung und erläu­tert, warum er das Ein­stel­len des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs in der Schweiz für fatal hält.

 

Herr Dr. Fischer, wo sehen Sie die grössten Herausforderungen und wo die Stellschrauben für den europäischen Bahnmarkt?

Da gibt es eine ganze Reihe. Die Bahn­in­fra­struk­tur ist ver­al­tet oder vie­ler­orts ein his­to­risch gewach­se­ner Fli­cken­tep­pich. Noch immer exis­tie­ren Gren­zen zwi­schen den Teil­sys­te­men. Mit jedem Jahr, in dem nichts geschieht, wird das Pro­blem grös­ser, denn die Infra­struk­tur altert unbe­irrt wei­ter. Hier sehe ich die Stell­schrau­be in der mit­tel­eu­ro­pa­wei­ten Koor­di­na­ti­on von Aus­bau­plä­nen, Ent­las­tungs­stre­cken und ent­spre­chen­den bau­li­chen Mass­nah­men. Zwar ver­fol­gen die trans­eu­ro­päi­schen Netze die­sen inte­gra­ti­ven Ansatz. Doch Neben­stre­cken und Fein­ver­tei­lungs­net­ze dür­fen nicht aus­ge­nom­men wer­den, wenn es um Inves­ti­ti­ons­al­lo­ka­ti­on, Aus­bau- und Erneue­rungs­pla­nung, Zug­steue­rungs­sys­te­me sowie Regu­lie­rung geht.

Eine wei­te­re Steu­er­grös­se sehe ich in der kom­plet­ten Durch­di­gi­ta­li­sie­rung des Bahn­sek­tors, ange­fan­gen bei der Ver­net­zung der Infra­struk­tur über das Roll­ma­te­ri­al bis hin zum ope­ra­ti­ven Betrieb. Hier soll­te es eine ver­ein­heit­lich­te Logik mit ent­spre­chen­den Schnitt­stel­len geben. In der Folge kann eine Elek­tri­fi­zie­rung mit Mass und Ziel statt­fin­den. Gering belas­te­te Stre­cken könn­ten auch von was­ser­stoff­be­trie­be­nen Hybrid­locks bedient werden.

«Für gewis­se Dring­lich­kei­ten ist der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr auf öffent­li­che Gel­der ange­wie­sen, zum Bei­spiel für die Basis­di­gi­ta­li­sie­rung, den Infra­struk­tur­aus­bau, die Elek­tri­fi­zie­rung, die Imple­men­tie­rung der digi­ta­len auto­ma­ti­schen Kupp­lung DAK und ande­re zeit­kri­ti­scher Sprung­in­no­va­tio­nen.»

Das ver­füg­ba­re Kapi­tal ist eben­falls ein Eck­pfei­ler. Der Bahn­markt braucht nicht nur aus­rei­chend Pri­vat­ka­pi­tal. Für gewis­se Dring­lich­kei­ten ist er auf öffent­li­che Gel­der ange­wie­sen, zum Bei­spiel für die Basis­di­gi­ta­li­sie­rung, den Infra­struk­tur­aus­bau, die Elek­tri­fi­zie­rung, die Imple­men­tie­rung der digi­ta­len auto­ma­ti­schen Kupp­lung DAK und ande­re zeit­kri­ti­scher Sprung­in­no­va­tio­nen. Sol­che Inves­ti­tio­nen über­stei­gen die finan­zi­el­len Kräf­te der Pri­vat­wirt­schaft und der meis­ten Staats­bah­nen. Schliess­lich möch­te nie­mand in Tech­no­lo­gien inves­tie­ren, die erst im nächs­ten Jahr­zehnt Früch­te abwer­fen, viel­leicht sogar bei ande­ren Akteu­ren des Bahn­sys­tems. Damit bin ich bei einer wei­te­ren Stell­schrau­be ange­langt: Wir brau­chen auch bei Regie­run­gen, Regu­lie­rern und Poli­ti­kern ein ver­an­ker­tes öko­no­mi­sches Ver­ständ­nis für die Wirk­me­cha­nis­men des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Das bedingt ein Umden­ken aller Systembeteiligten.

Inwiefern?

Der Bahn­sek­tor ist nicht gera­de bekannt dafür, pro­ak­tiv zu den­ken und Neues schnell zu imple­men­tie­ren. Viele sehen sich als Opfer, sei es von der Ver­gan­gen­heit, von fal­schen Ent­schei­dun­gen, von der Stras­se, vom Wet­ter oder von irgend­et­was ande­rem. Das muss sich mei­nes Erach­tens unbe­dingt ändern. Schliess­lich zie­hen wir nicht Güter­zü­ge durch die Gegend, weil es uns Spass macht, son­dern weil wir einen Mehr­wert für die Ver­la­der und unser Gemein­we­sen erwirt­schaf­ten wol­len. Die Akteu­re des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs müs­sen den Kun­den zurück in den Mit­tel­punkt rücken und sich des­sen zukünf­ti­ge Bedürf­nis­se ver­ge­gen­wär­ti­gen. Damit sich der anste­hen­de Wan­del tat­säch­lich voll­zie­hen las­sen, brau­chen wir mehr Auf­bruchs­men­ta­li­tät, eine «can do»-Attitüde.

Welche Innovationen haben Sie in den letzten Jahren bei der VTG vorangetrieben, welche davon waren bahnbrechend? 

Spon­tan fällt mir da VTG Con­nect ein. Diese Tele­ma­tik­tech­no­lo­gie erhebt rele­van­te Daten über die gesam­te Flot­te und viele Trans­por­te. Sie schafft die Basis für ein effi­zi­en­tes digi­ta­les Flot­ten­ma­nage­ment, denn sie macht Daten für Kun­den, Güter­bah­nen und Instand­hal­tungs­zwe­cke nutz­bar. Mit die­ser Inno­va­ti­on haben wir den Ein­stieg in die Echt­zeit-Daten­über­mitt­lung im Güter­ver­kehr wie von der DAK ange­strebt sozu­sa­gen aufgegleist.

Welchen zukünftigen Stellenwert räumen Sie der DAK ein? 

Für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on des Bahn­sek­tors ist die DAK ein Kata­ly­sa­tor. Damit las­sen sich eine neue Steue­rungs­lo­gik und Echt­zeit­da­ten­strö­me abbil­den. Davon sind wir heute weit ent­fernt. Die DAK macht mehr als den Kupp­lungs­vor­gang zu auto­ma­ti­sie­ren. Sie ver­netzt Lok­füh­rer, Ladung, Ladungs­trä­ger und Ener­gie, also Strom. Das Poten­zi­al dar­aus kom­bi­niert mit neuen digi­ta­len Tech­no­lo­gien ist immens. Die DAK ist nicht nur eine intel­li­gen­te Zug- und Ladungs­steue­rung, son­dern auch Mög­lich­ma­cher für ande­re Digi­ta­li­sie­rungs­of­fen­si­ven wie zum Bei­spiel digi­ta­le Daten‑, Zug­steue­rungs- und Buchungsplattformen.

«Es wird sicher­lich meh­re­re Platt­for­men geben, denn nach wie vor wird jedes Unter­neh­men Infor­ma­tio­nen sam­meln, die es nicht tei­len kann oder darf. Eine oder auch meh­re­re die­ser Platt­for­men wer­den sich als zen­tra­le Dreh­schei­ben her­vor­tun, die den ope­ra­ti­ven Bahn­be­trieb steuern.»

Welche Rolle werden diese in Zukunft spielen? 

Es wird sicher­lich meh­re­re Platt­for­men geben, denn nach wie vor wird jedes Unter­neh­men Infor­ma­tio­nen sam­meln, die es nicht tei­len kann oder darf. Eine oder auch meh­re­re die­ser Platt­for­men wer­den sich als zen­tra­le Dreh­schei­ben her­vor­tun, die den ope­ra­ti­ven Bahn­be­trieb steu­ern. Als sol­che lie­fern sie den Güter­ver­kehrs­ak­teu­ren ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen, mit denen sich die Abstän­de zwi­schen den Zügen ver­rin­gern, Zeit­fens­ter errech­nen und mehr Ton­na­gen pro Zeit­ein­heit aufs Gleis brin­gen las­sen. Ein euro­pa­wei­tes elek­tro­ni­sches Güter­ver­kehrs­steue­rungs­sys­tem darf nicht von einem Tech-Riese à la Goog­le kom­men, son­dern soll­te sich aus dem Bahn­sek­tor selbst her­aus­ent­wi­ckeln. Damit zei­gen wir Inno­va­ti­ons­stär­ke gegen­über ande­ren Verkehrsträgern.

Viel­leicht gibt es in Zukunft sogar eine über­ge­ord­ne­te Instanz in der Art von Euro­con­trol für die zen­tra­le Koor­di­na­ti­on der Luft­ver­kehrs­kon­trol­le. Ein der­ar­ti­ges Cock­pit könn­te den euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr steu­ern, den Lok­füh­rern gewis­se Vor­ga­ben machen, gege­be­nen­falls ein­grei­fen und spä­ter auto­no­me Züge fah­ren las­sen. Sol­che Quan­ten­sprün­ge sind aller­dings nur mög­lich, wenn digi­ta­le Tech­no­lo­gien mit künst­li­cher Intel­li­genz imple­men­tiert wer­den und grei­fen. Nur sie brin­gen Dyna­mik und sor­gen für das nöti­ge Tempo, das für den Erfolg der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on abso­lut zen­tral ist.

Wie liesse sich der Schienengüterverkehr in Europa nachhaltig weiterentwickeln?

Mit etwas, das die öko­no­mi­sche Wir­kung des Güter­ver­kehrs auf einen Nen­ner bringt und wozu sich alle Akteu­re ver­pflich­ten. Ich kann mir vor­stel­len, dass es eines Tages einen lang­fris­ti­gen Mas­ter­plan im Sinne einer selbst­re­gu­lie­ren­den und doch ver­pflich­ten­den Absichts­er­klä­rung gibt. Alle betei­lig­ten staat­li­chen und nicht­staat­li­chen Bah­nen müss­ten sie mit­un­ter­zeich­nen. Die­ser Mas­ter­plan könn­te fest­hal­ten, dass man gemein­sam auf eine Ver­kehrs­ver­la­ge­rung hin­ar­bei­tet. Ich erin­ne­re an den all­ge­mei­nen Ver­wen­dungs­ver­trag AVV von 2006. Die­ser regelt das Zusam­men­spiel zwi­schen Wag­gon­hal­tern und Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men als Wagen­be­trei­bern. Der Vor­teil einer supra­na­tio­na­len Ver­ein­ba­rung ohne Geset­zes­cha­rak­ter besteht darin, dass sie sich schnell und unkom­pli­ziert ergän­zen oder anpas­sen lässt. Die Zuläu­fe zur NEAT sind das beste Bei­spiel dafür, was nicht pas­sie­ren soll­te: Die Bahn­staa­ten­ge­mein­schaft inklu­si­ve Schweiz hat sich ver­pflich­tet, die Nord-Süd-Achse aus­zu­bau­en. Als die Schweiz den NEAT-Tun­nel eröff­ne­te, hat­ten ande­re Staa­ten noch nicht ein­mal mit der Pla­nung begon­nen. Ein Mas­ter­plan für den euro­päi­schen Güter­ver­kehr könn­te diese Absicht ver­bind­li­cher aus­ge­stal­ten und klar­stel­len, dass Green Deal und Ver­la­ge­rungs­zie­le ernst gemeint sind. Heute ist er noch Zukunfts­mu­sik. Den Grund­for­de­run­gen stim­men meis­tens alle zu. Sobald es dann aber darum geht, etwas Kon­kre­tes aus einem Guss zu erar­bei­ten, diver­gie­ren die Mei­nun­gen auseinander.

Was meinen Sie zum bundesrätlichen Bericht zum ‹Schienengüterverkehr in der Fläche›? Was würde es bedeuten, wenn der Bundesrat diesen abschaffte?

Das wäre mei­ner Mei­nung nach der gröss­te ver­kehrs­po­li­ti­sche Feh­ler seit Jahr­zehn­ten. Die Schweiz beweist, dass Wagen­la­dungs­ver­kehr funk­tio­niert. Aller­dings ist er noch zu teuer. Wenn jedoch Zug­bil­dung und ‑tren­nung auto­ma­tisch erfol­gen, die Zug­rei­he digi­tal gesteu­ert wird und der Markt von den vie­len Vor­tei­len digi­ta­ler Ange­bo­te pro­fi­tiert, dann wer­den auch die Kos­ten sin­ken – und der Bedarf an Sub­ven­tio­nen wird zurück­ge­hen. Der Bun­des­rat soll­te dar­über nach­den­ken, wie sich die Ange­bo­te für Güter­bahn­kun­den attrak­ti­ver gestal­ten las­sen. Das Ganze abzu­bre­chen, noch bevor die Digi­ta­li­sie­rung Früch­te trägt, wäre sträf­lich. Bahn­fracht auf LKWs umla­den kos­tet auch Geld und nicht jede Fracht lässt sich für Ganz­zü­ge con­tai­ne­ri­sie­ren. In die­sem Thema müss­te sich die Schwei­zer Regie­rung mei­ner Ansicht nach zuver­sicht­li­cher zei­gen. Wer kei­nen Mut hat, hat schon verloren.

Wir vom VAP sind Mitglied der UIP. Wie würden Sie den VAP beschreiben?

Er ist ein wert­vol­ler Mit­glieds­ver­band unse­rer euro­päi­schen Wag­gon­hal­ter­fa­mi­lie. Ich nehme ihn als inno­va­tiv und mei­nungs­stark wahr. Auf­grund sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Mit­glie­der­struk­tur hat er bei uns ein beson­de­res Gewicht. Der VAP ver­tritt nicht nur die fünf gröss­ten Schwei­zer Wagen­hal­ter, son­dern die Inter­es­sen von Ver­la­dern, Gleis­an­schlies­sern und Ver­tre­tern mul­ti­mo­da­ler Logis­tik­ket­ten. Diese Viel­falt erzeugt bei uns Wir­kung und Ideen­reich­tum, ich erach­te sie als wert­vol­le Stär­ke. Mit sei­ner Mit­glie­der­di­ver­si­tät kann der VAP seine For­de­run­gen ganz­heit­li­cher auf die Nut­zer aus­rich­ten und mit einer grös­se­ren Auto­ri­tät plat­zie­ren. Ich unter­stüt­ze den kun­den­zen­trier­ten Ansatz des VAP, der den End­nut­zer in den Dis­kus­si­ons- und Ent­schei­dungs­pro­zess ein­bin­det. Euro­pa kann von den Schwei­zer Erfah­run­gen mit dem Wagen­la­dungs­ver­kehr oder der Leis­tungs­ab­hän­gi­gen Schwer­ver­kehrs­ab­ga­be pro­fi­tie­ren. Sie gilt für uns oft als «Mini­lab», das The­men für uns spie­gelt. Im Wei­te­ren zeigt uns der VAP vor­bild­lich auf, wie man die Bevöl­ke­rung über­zeugt oder etwas als Gemein­we­sen posi­tiv gestaltet.

Was kann der VAP besser machen?

Bes­ser geht immer. Mein Appell ist nicht nur an den VAP, son­dern an alle Ver­bän­de und ver­kehrs­po­li­tisch Invol­vier­ten gerich­tet. Wir brau­chen enga­gier­te Men­schen, die bereit sind, Inter­es­sen mit Sicht nach vorne zu for­mu­lie­ren. Sol­che, die in Quar­tals­bi­lan­zen den­ken, gibt es genug. Aber damit kann man die Zukunft nicht gewinnen.

Was wünschen Sie sich für ebendiese Zukunft?

Noch mehr Inter­es­se, mehr Zuver­sicht. Mehr Begeis­te­rung. Ver­la­der soll­ten dar­auf bren­nen, noch mehr Ton­nen auf die Schie­ne zu brin­gen. Nur so kön­nen wir die ambi­tio­nier­ten Ver­la­ge­rungs- und Kli­ma­zie­le errei­chen. Der Bevöl­ke­rung soll­te klar sein, wie wich­tig der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist – und dass das Geld kos­tet. Eine unge­hemm­te LKW-Flut ist näm­lich keine Alter­na­ti­ve. Ich wün­sche mir, dass Sie vom VAP und wir von der UIP wei­ter­hin Tag für Tag für die­sen Auf­bruch eintreten.

Herr Dr. Fischer, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Dr. Heiko Fischer

Dr. Heiko Fischer war bis 2021 ins­ge­samt mehr als 25 Jahre in den Diens­ten der VTG tätig, davon über 17 Jahre als Vor­sit­zen­der des Vor­stands. Seit 2015 ist er – wie schon von 2004 bis 2007 – Prä­si­dent des Dach­ver­bands der Wag­gon­hal­ter UIP, Inter­na­tio­nal Union of Wagon Kee­pers UIP mit Sitz in Brüs­sel. Diese ver­tritt mehr als 250 Güter­wa­gen­hal­ter und Instand­hal­tungs­stel­len mit mehr als 223’000 Güter­wa­gen, die 50% der Ton­nen­ki­lo­me­ter im euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zurück­le­gen. Dr. Heiko Fischers ehe­ma­li­ge Arbeit­ge­be­rin VTG AG betreibt die gröss­te pri­va­te Güter­wa­gen­flot­te in Euro­pa mit rund 88’500 Eisen­bahn­gü­ter­wa­gen. Neben der Ver­mie­tung von Güter­wa­gen und Tank­con­tai­nern bie­tet VTG mul­ti­mo­da­le Logis­tik­dienst­leis­tun­gen und inte­grier­te Digi­tal­lö­sun­gen an.

VAP-Generalversammlung vom 19. August 2022

VAP-Generalversammlung vom 19. August 2022

Unse­re Gene­ral­ver­samm­lung mach­te deut­lich: 2050 rückt schnell näher. Vor Ort und vir­tu­ell ver­folg­ten zahl­rei­che VAP-Mit­glie­der und Gäste den sta­tu­ta­ri­schen Teil mit einer denk­wür­di­gen Eröff­nungs­re­de von Prä­si­dent Josef Ditt­li. Ein beson­de­res High­light war die Rede von Bun­des­rä­tin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga über die Bedeu­tung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs für die Schweiz.

Gene­ral­ver­samm­lung, Ver­band, Güter­ver­kehr – nach die­sen Wor­ten sind die meis­ten Men­schen geis­tig weg. Heute ist Wei­ter­le­sen emp­foh­len. Denn anläss­lich unse­rer Gene­ral­ver­samm­lung ging es nicht nur um sta­tu­ta­ri­sche Ange­le­gen­hei­ten der ver­la­den­den Wirt­schaft. In ihrem Gast­re­fe­rat gab Bun­des­rä­tin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga der Logis­tik­wirt­schaft ein beach­tens­wer­tes Signal: «Für den Bun­des­rat ist klar: Wir wol­len das Poten­zi­al, das die Bahn für den Güter­trans­port hat, wei­ter stärken.»

Denkwürdiges zu damals, heute und übermorgen

Die Eröff­nungs­re­de von VAP-Prä­si­dent Josef Ditt­li gab den Teil­neh­men­den wert­vol­le Denk­an­stös­se für alles, was im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr war, ist und sein soll­te. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr habe wesent­lich dazu bei­getra­gen, dass die Schweiz Coro­na ver­sor­gungs­tech­nisch schad­los über­stan­den hat, weil er auf­grund per­so­nen­ver­kehrs­ar­mer Stre­cken plötz­lich so fah­ren konn­te, wie er es auch in nor­ma­len Zei­ten kön­nen müss­te. Ditt­li bezeich­ne­te die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung als Inbe­griff der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr, da sie für jene Art von inno­va­ti­ver Wei­ter­ent­wick­lung steht, die wir drin­gend brau­chen. Zum Bei­spiel, damit alle Güter­bah­nen gemein­sam und ohne Benach­tei­li­gung einen koope­ra­ti­ven und fle­xi­blen Netz­werk­ver­kehr in der Flä­che eta­blie­ren kön­nen. Besorgt blickt der Prä­si­dent auf Euro­pa. Sei­ner Ansicht nach darf die Schweiz den Anschluss an den euro­päi­schen Bahn­sek­tor und die EU-Inno­va­ti­ons­pro­gram­me auf kei­nen Fall verpassen.

Wegweisender Entscheid bevorstehend

Wir haben uns sehr dar­über gefreut, dass sich Ver­kehrs­mi­nis­te­rin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga für ein Gast­re­fe­rat anläss­lich unse­rer Gene­ral­ver­samm­lung bereit erklärt hat. Sie beton­te in ihrer Rede, dass der Bund die Bahn wei­ter stär­ken und das Augen­merk dabei auch mehr dem Bin­nen­ver­kehr schen­ken wolle, der für die Ver­sor­gung der Schweiz eben­falls von gros­ser Bedeu­tung sei.

«Wir müs­sen das Sys­tem ver­bes­sern und wei­ter­ent­wi­ckeln», mein­te die Vor­ste­he­rin des UVEK. Der Bun­des­rat werde dazu im Herbst eine Vor­la­ge in die Ver­nehm­las­sung schi­cken. «Wir ste­hen vor einem weg­wei­sen­den Ent­scheid. Darum soll­ten wir nicht aus den Augen ver­lie­ren, was das Erfolgs­re­zept der Schweiz ist, was unser Land seit je stark gemacht hat: Dass wir die nöti­gen Ver­än­de­run­gen am bes­ten gemein­sam anpa­cken, dass wir gemein­sam Ver­ant­wor­tung über­neh­men: Bahn, Bran­che und natür­lich auch der Bund.» Ihrer Auf­for­de­rung, uns in den Dis­kurs ein­zu­brin­gen, kommt der VAP nicht zuletzt mit sei­nem Dis­kus­si­ons­bei­trag «Schie­nen­gü­ter­ver­kehr 2050» und dem Film «Kun­den­ori­en­tiert, inno­va­tiv, ren­ta­bel – der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr der Zukunft» gerne nach.

Wahlen erfolgreich durchgeführt

Von den Trak­tan­den, die im sta­tu­ta­ri­schen Teil zur Abstim­mung stan­den, wur­den alle ange­nom­men. Neu im Vor­stand heis­sen wir die fol­gen­den Mit­glie­der will­kom­men: Titus Büt­ler (Post CH AG), Bern­hard Hoff­mann (Erme­wa SA, Frank­reich), Bern­hard Kunz (HUPAC Inter­mo­dal SA). Wir gra­tu­lie­ren allen zur Neu- oder Wie­der­wahl und freu­en uns auf eine kon­struk­ti­ve Zusam­men­ar­beit im Vorstand.

Strommangel (Teil 2): Jetzt für später vorbereiten

Strommangel (Teil 2): Jetzt für später vorbereiten

Soll­te auf­grund der geo­po­li­ti­schen Krise und Ver­sor­gungs­eng­päs­se auch in der Schweiz tat­säch­lich ein Strom­man­gel ein­tref­fen, müs­sen die Güter­ver­kehrs­kun­den unbe­dingt wei­ter bedient wer­den kön­nen. Das bedingt, dass die trans­por­tie­ren­den Unter­neh­men ihren Ener­gie­be­darf im Man­gel­fall klä­ren und heute eini­ge Schlüs­sel­fra­gen beantworten.

Die Schwei­zer Bah­nen tra­gen mass­ge­bend zur Bewäl­ti­gung der gros­sen Nach­fra­ge im Per­so­nen­ver­kehr als auch im Güter­trans­port bei. Sie sind auf die gesi­cher­te Ver­sor­gung mit elek­tri­scher Ener­gie angewiesen.

Versorgung über Schiene sicherstellen

Soll­te irgend­wann der ver­füg­ba­re Bahn­strom nicht mehr für alle plan­mäs­si­gen Züge aus­rei­chen, wären ent­spre­chend Fahr­ten zu strei­chen. Die Frage ist nur: Wel­che? Wir vom VAP machen uns ent­schie­den dafür stark, dass unse­re Mit­glie­der alle Güter­ver­kehrs­kun­den wei­ter bedie­nen kön­nen. Bevöl­ke­rung und Wirt­schaft sind auf zuver­läs­si­ge Trans­port­ket­ten ange­wie­sen. Des­halb müs­sen die Züge der Güter­bah­nen auch in einer Strom­man­gel­la­ge so lange wie mög­lich wei­ter­fah­ren –  wie sie das übri­gens im aus­ge­dünn­ten Fahr­plan wäh­rend Covid-19 taten.

Politische Führung gefragt

Das Schwei­zer Bahn­sys­tem wird fast aus­nahms­los elek­trisch betrie­ben. Der benö­tig­te Bahn­strom (16,7 Hz) stammt gröss­ten­teils aus eige­nen Was­ser­kraft­wer­ken. Die Trans­por­te bei knap­pem Bahn­strom von der Schie­ne auf die Stras­se zu ver­la­gern, ist wenig erfolg­ver­spre­chend. Denn bei einem gra­vie­ren­den Eng­pass wür­den auch fos­si­le Treib­stof­fe knap­per. Damit sich funk­tio­nie­ren­de Trans­port­ket­ten auf­recht­erhal­ten las­sen, benö­ti­gen die am Bahn­trans­port betei­lig­ten Unter­neh­men auch Indus­trie­strom (50 Hz). Auch hier ist auf Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu ach­ten. Sicher­heit und Ver­läss­lich­keit sind gefragt: Der Trans­port­sek­tor und die Güter­bah­nen müs­sen sich im Kri­sen­fall auf die poli­ti­sche Füh­rung ver­las­sen kön­nen. Denn auch dann müs­sen Güter­zü­ge rol­len, solan­ge eine Nach­fra­ge besteht. Die­ses Bewusst­sein möch­ten wir bei den Ent­schei­dungs­trä­gern stärken.

Energiemangel nicht ausgeschlossen

Machen wir uns nichts vor: Ein ungüns­ti­ges Zusam­men­fal­len wirk­lich nega­ti­ver Ent­wick­lun­gen könn­te die Schweiz schon im kom­men­den Win­ter in eine ernst­haf­te Ener­gie­man­gel­la­ge manö­vrie­ren. Wie Ver­tre­ter der Strom- und Gas­bran­che am Eco­no­mie­su­is­se-Web­i­nar vom 9. August 2022 dar­leg­ten, ist die Ener­gie­be­reit­stel­lung hoch kom­plex und abhän­gig von vie­len Einflüssen.

Bund übernimmt Verantwortung

Der Bund ist sich sei­ner Ver­ant­wor­tung bewusst. Er trifft Mass­nah­men zur Sicher­stel­lung der Ener­gie­ver­sor­gung und Vor­be­rei­tun­gen für kri­ti­sche Sze­na­ri­en einer aku­ten Strom­man­gel­la­ge. Diese sehen je nach Situa­ti­on abge­stuf­te Mass­nah­men von frei­wil­li­gen, bran­chen­be­zo­ge­nen
Spar­ap­pel­len bis zu ver­ord­ne­ten Bewirt­schaf­tungs­mass­nah­men (Kon­tin­gen­tie­rung) vor.

Bedarf und Sparpotenzial eruieren

Wer sich jetzt über den eige­nen Ener­gie­be­darf Gedan­ken macht, ist für den Fall einer tat­säch­li­chen Strom­man­gel­la­ge vor­be­rei­tet und wird weni­ger über­rascht. Es ist also an der Zeit, den Ener­gie­be­darf, die Reser­ven, Alter­na­ti­ven und das Spar­po­ten­zi­al zu beur­tei­len. Diese Ein­schät­zung hilft zu ent­schei­den, wie man im Fall einer Strom­man­gel­la­ge den Ver­brauch ent­spre­chend der über­ge­ord­ne­ten Vor­ga­ben redu­zie­ren und trotz­dem einen Bei­trag zur Ver­sor­gung mit wich­ti­gen Gütern leis­ten kann. Kon­kre­te Fra­gen im Unter­neh­men lau­ten beispielsweise:

  • Wel­che Akti­vi­tä­ten benö­ti­gen wie viel Ener­gie, wel­che Bedeu­tung haben sie in der Produktion?
  • Wel­ches ist das wirk­sams­te Energiesparpotenzial?
  • Wie gross sind die Reser­ven, auf wie viel Ener­gie kann man wie lange verzichten?
  • Wo kann man wie rasch auf ande­re Ener­gie­trä­ger umstellen?
  • Ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on in den Pro­duk­ti­ons­ket­ten gut? Sind die Kon­tak­te aktuell?
  • Wel­che Beschrän­kun­gen set­zen wir zur Erfül­lung einer Kon­tin­gen­tie­rung um?
Kooperation und Kommunikation

Diese Über­le­gun­gen soll­ten die Unter­neh­men offen gestal­ten. Denn es ist nicht vor­her­seh­bar, wel­che Sze­na­ri­en zu wel­chem Zeit­punkt tat­säch­lich ein­tre­ten. Die Akteu­re der Bran­che kön­nen die Ver­sor­gung mit wich­ti­gen Gütern dann mög­lichst gut auf­recht­erhal­ten, wenn sie unter­neh­mens­über­grei­fend zusam­men­ar­bei­ten und aktiv kom­mu­ni­zie­ren. Darum brin­gen wir vom VAP uns als Ver­tre­ter der Ver­la­der in diver­sen Gre­mi­en und Arbeits­grup­pen schon heute aktiv ein.

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