STANDORTE

 

Unter «Stand­or­te» - oder auch multi­mo­da­le Logis­tik­hubs – fas­sen wir The­men zu Stand­or­ten mit hoch­ef­fi­zi­en­ten Schie­nen- und Stras­sen­an­bin­dun­gen und Infra­struk­tu­ren für Logis­tik­funk­tio­nen zusam­men. Dar­un­ter fal­len auch Frei­ver­la­de, Ter­mi­nals oder Anschluss­gleis­an­la­gen mit Lagerinfrastruktur.

Bei der ers­ten und letz­ten Meile sind uns eine aus­ge­wo­ge­ne Kräf­te­ver­tei­lung der Markt­mäch­te, rich­ti­ge Anrei­ze und ein Augen­merk für ange­mes­se­ne Sicher­heits­vor­schrif­ten ein Anlie­gen. Zur ers­ten und letz­ten Meile im Güter­bahn­sys­tem gehö­ren Anschluss­glei­se, Frei­ver­la­de­an­la­gen und Ter­mi­nals. Keine die­ser Umschlags­mög­lich­kei­ten soll den Miss­brauch von Markt­macht ermög­li­chen und den Wett­be­werb so unnö­tig ver­zer­ren. Das Güter­bahn­sys­tem braucht gera­de zur ers­ten und letz­ten Meile frei­en Zugang. Zum Bei­spiel hat es von einem für den Per­so­nen­ver­kehr umge­bau­ten Bahn­hof, der sich mit sei­ner Ver­la­de­pra­xis nicht mehr ver­ei­nen lässt, kei­nen Nut­zen – son­dern Mehraufwand.

Der VAP setzt sich für glei­che Ellen bei den Betriebs- und Sicher­heits­vor­schrif­ten für Güter- und Per­so­nen­trans­port ein. Stan­dard­er­hö­hun­gen im Per­so­nen­trans­port kön­nen sich nega­tiv auf Güter­trans­por­te aus­wir­ken. Hier hakt der VAP ein.

 

Akteure im Bereich Standorte

Anschluss­gleis­be­sit­zer

Ter­mi­nal­be­trei­ber, Ran­gier­bahn­hö­fe (erste/letzte Meile)

Ver­la­der

Kan­to­ne und Gemein­den (Raum­pla­nung)

INFORMATIV

Engagement

Wir sind Unter­stüt­zer der Gleis­an­schluss­char­ta. Ende Janu­ar 2024 wird die neus­te Ver­si­on der Char­ta veröffentlicht.

 

Politisches
 
Anschlussgleise

In der Schweiz wer­den über 850 Anschluss­glei­se genutzt. Lei­der ist ein ste­ter Abgang zu ver­zeich­nen. Um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, leis­tet das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV) für den Bau und die Erneue­rung von Anschluss­glei­sen Finanz­hil­fen. In den fol­gen­den Links fin­den Sie Leit­fa­den und Bestim­mung in Bezug auf Anschluss­glei­se. Bei Rail­Com fin­den Sie Infor­ma­tio­nen zum dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Netz­zu­gang sowie den Netznutzungsbedingungen.

 
Raumplanung Kanton und Gemeinde

Der VAP steht Kan­to­nen und Gemein­den bera­tend zur Seite. In den fol­gen­den Bei­spie­le inte­grie­ren die Kan­to­ne die Güter­ver­kehrs­lo­gis­tik in die Raumplanung:

EWLV-Neuausrichtung: VAP fordert Transparenz und Planungssicherheit

EWLV-Neuausrichtung: VAP fordert Transparenz und Planungssicherheit

SBB Cargo will den Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr per Dezem­ber 2026 mit einem neuen Pro­duk­ti­ons­mo­dell neu aus­rich­ten. Der VAP begrüsst das Bekennt­nis zum EWLV, for­dert aber eine trans­pa­ren­te und bran­chen­ver­träg­li­che Umset­zung. Ent­schei­dend ist, dass betrof­fe­ne Ver­la­der wei­ter­hin ver­läss­li­che und wirt­schaft­lich trag­ba­re Lösun­gen auf der Schie­ne nut­zen können.

SBB Cargo hat heute kom­mu­ni­ziert, wie sie den Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) per Dezem­ber 2026 mit einem neuen Pro­duk­ti­ons­mo­dell neu aus­rich­ten will. Der Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft (VAP) begrüsst grund­sätz­lich, dass SBB Cargo den EWLV nicht auf­gibt, son­dern als wich­ti­gen Bestand­teil der Güter­ver­sor­gung in der Schweiz wei­ter­füh­ren und wirt­schaft­lich stär­ken will. Gera­de für die ver­la­den­de Wirt­schaft bleibt der EWLV ein zen­tra­les Ele­ment eines leis­tungs­fä­hi­gen, resi­li­en­ten und kli­ma­freund­li­chen Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs (SGV).

Abbau von Bedien­punk­ten wirft Fra­gen auf
Die heute kom­mu­ni­zier­te Neu­aus­rich­tung wirft jedoch zen­tra­le Fra­gen auf. SBB Cargo kün­digt etwa an, künf­tig rund 50 von heute rund 280 Bedien­punk­ten im EWLV nicht mehr anzu­fah­ren, gleich­zei­tig aber wei­ter­hin 98 Pro­zent der bis­he­ri­gen Trans­port­men­gen beför­dern zu kön­nen. Aus Sicht des VAP ist diese Aus­sa­ge erklä­rungs­be­dürf­tig. Wenn Bedien­punk­te weg­fal­len, stellt sich für die betrof­fe­nen Ver­la­der kon­kret die Frage, wie ihre Ver­keh­re wei­ter­hin prak­ti­ka­bel, plan­bar und wirt­schaft­lich auf der Schie­ne abge­wi­ckelt wer­den kön­nen – oder ob fak­tisch eine Ver­la­ge­rung auf die Stras­se droht.

Schie­nen­gü­ter­ver­kehr bereits unter Druck
Die Zah­len zei­gen, wie anspruchs­voll die Aus­gangs­la­ge bereits heute ist. Die von INFRAS am Forum Güter­ver­kehr 2026 prä­sen­tier­te Ana­ly­se zeigt: Die Ver­kehrs­leis­tung im SGV ist zwi­schen 2000 und 2025 um 11 Pro­zent gesun­ken, der Anteil der Schie­ne am Land­ver­kehr ging von 42 Pro­zent im Jahr 2000 auf 37 Pro­zent im Jahr 2024 zurück. Beson­ders hoch ist der Druck im Wagen­la­dungs­ver­kehr, der seit 2008 um 36 Pro­zent zurück­ge­gan­gen ist.

Auch die Rück­mel­dun­gen aus der Bran­che sind deut­lich. In der INFRAS-Befra­­gung im Auf­trag des VAP wer­den stei­gen­de Kos­ten und Prei­se als gröss­te Her­aus­for­de­rung für die Schie­ne genannt. Die Haf­tungs­ver­la­ge­rung auf die Kun­den und die dar­aus ent­ste­hen­den Zusatz­kos­ten wer­den eben­falls sehr häu­fig als Belas­tung erwähnt. Zudem erwar­ten viele Unter­neh­men kurz- bis mit­tel­fris­tig einen wei­te­ren Rück­gang des Trans­port­vo­lu­mens auf der Schiene.

Wider­sprüch­li­che Signa­le von SBB Cargo
Vor die­sem Hin­ter­grund ist es wider­sprüch­lich, wenn SBB Cargo einer­seits den EWLV stär­ken will, ande­rer­seits aber mit ver­schie­de­nen Mass­nah­men die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ver­la­der und die Wagen­hal­ter ver­schlech­tert. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die geplan­te Haf­tungs­ver­la­ge­rung auf die Kun­den zusam­men mit der Reduk­ti­on des Ange­bots an SBB-eige­­nen Güter­wa­gen sowie die Ein­schrän­kung von Bedien­punk­ten. Wer den SGV stär­ken will, darf den Ver­la­dern nicht gleich­zei­tig zusätz­li­che Risi­ken, höhe­re Kos­ten und weni­ger Hand­lungs­spiel­raum aufbürden.

VAP for­dert trans­pa­ren­te Umsetzung
Der VAP for­dert des­halb von SBB Cargo eine trans­pa­ren­te, kun­den­ori­en­tier­te und bran­chen­ver­träg­li­che Umset­zung der ange­kün­dig­ten Neu­aus­rich­tung. Ent­schei­dend ist nicht allein, ob sta­tis­tisch 98 Pro­zent der bis­he­ri­gen Men­gen erhal­ten blei­ben kön­nen, son­dern auch, ob die betrof­fe­nen Unter­neh­men ihre kon­kre­ten Ver­keh­re auch zukünf­tig zuver­läs­sig, wirt­schaft­lich und ohne zusätz­li­che Hür­den auf der Schie­ne abwi­ckeln können.

Aus Sicht des VAP braucht es deshalb:

  • eine trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on, wel­che kon­kre­ten Alter­na­ti­ven auf der Schie­ne für die Ver­la­der bestehen, die von Schlies­sun­gen der Bedien­punk­te betrof­fen sind;
  • rea­lis­ti­sche Lösun­gen für klei­ne­re und mitt­le­re Ver­la­der, die nicht ohne Wei­te­res auf Ganz­zugs­ver­keh­re aus­wei­chen können;
  • einen sofor­ti­gen Ver­zicht auf zusätz­li­che Belastungen.

Die Schweiz hat sich poli­tisch klar zur Stär­kung des SGV bekannt. Damit diese Ziel­set­zung Wir­kung ent­fal­tet, müs­sen Ange­bot, Qua­li­tät, Preis und Ver­läss­lich­keit zusam­men­spie­len. Die Neu­aus­rich­tung des EWLV darf des­halb nicht zu einem so star­ken Rück­gang des SGV füh­ren, dass die betrof­fe­nen Ver­la­der keine ver­läss­li­chen und wirt­schaft­lich trag­ba­ren Lösun­gen auf der Schie­ne mehr nut­zen können.

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Für Güter die Bahn: Genug der Hiobsbotschaften!

Für Güter die Bahn: Genug der Hiobsbotschaften!

Die Ver­la­ge­rung von Gütern auf die Schie­ne wurde in der Ver­gan­gen­heit nicht nur von der Poli­tik unter­stützt, son­dern auch von der Stimm­be­völ­ke­rung mehr­fach an der Urne gut­ge­heis­sen. Ganz nach dem Motto «Für Güter die Bahn». Theo­rie und Pra­xis lau­fen jedoch aus­ein­an­der. Nur gut zwei Wochen nach Bekannt­ga­be der Ein­stel­lung der Rol­len­den Land­stras­se (Rola) folg­te eine wei­te­re Berei­ni­gung zulas­ten des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Die Bau­stel­len­si­tua­ti­on – ins­be­son­de­re bei unse­rem nörd­li­chen Nach­barn – setzt den Anbie­tern im kom­bi­nier­ten Ver­kehr zusätz­lich zu. Es ist nun höchs­te Zeit, eine Trend­wen­de zur Stär­kung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne einzuleiten.


Darum geht’s:

  • Zwei Mal schlech­te Nach­rich­ten in nur zwei Wochen
  • Weg und Geld frei für neue Angebote
  • Bau­ar­bei­ten als gros­se Knack­nuss beim grenz­über­schrei­ten­den KV
  • Bran­che fährt mit guten Ideen auf
  • Poli­tik hat mehr als ein Zei­chen gesetzt
  • Schweiz euro­pa­weit Spit­zen­rei­ter beim Schienennetz
  • Höchs­te Zeit, die Wei­chen neu zu stellen
Zwei Mal schlechte Nachrichten in nur zwei Wochen

Die Rola war im alpen­que­ren­den kom­bi­nier­ten Ver­kehr (KV) von Anfang an als Ergän­zungs­an­ge­bot gedacht. So konn­ten auch Lkw, die wegen feh­len­der kran­ba­rer Sat­tel­auf­lie­ger für den unbe­glei­te­ten Ver­kehr nicht geeig­net waren, die Alpen auf der Schie­ne durch­que­ren. Schon Ende 2025 soll das Geschich­te sein – drei Jahre frü­her als geplant. Und als wäre diese Nega­tiv­schlag­zei­le nicht genug, teil­te SBB Cargo nur gut zwei Wochen spä­ter mit, dass sie den KV neu aus­rich­ten werde. So harm­los die Mit­tei­lung klingt, so gra­vie­rend dürf­ten ihre Aus­wir­kun­gen sein: SBB Cargo will acht KV-Ter­mi­nals schlies­sen, die sie nicht ren­ta­bel betrei­ben kann. Betrof­fen sind die Stand­or­te Oen­sin­gen, Basel, Gos­sau, Wid­nau, Renens, St. Tri­phon, Caden­az­zo und Luga­no. Was im media­len Tages­dröh­nen fast unter­ging, könn­te für bestimm­te Regio­nen schmerz­haft wer­den. Das Ter­mi­nal Caden­az­zo zum Bei­spiel ist ein neur­al­gi­scher Punkt zur Ver­sor­gung des Tes­sins mit teils essen­zi­el­len Gütern.

Weg und Geld frei für neue Angebote

Aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht kann das Ein­stel­len der bei­den Ange­bo­te durch­aus Sinn machen. Denn unren­ta­ble Ange­bo­te künst­lich am Leben zu erhal­ten, lässt sich nur unter spe­zi­el­len Bedin­gun­gen recht­fer­ti­gen. Aller­dings ist es zukunfts­wei­send, dass dem Schie­nen­gü­ter­ver­kehr sowohl die frei wer­den­den finan­zi­el­len Res­sour­cen als auch die Ver­la­de­infra­struk­tur erhal­ten blei­ben. Damit las­sen sich neue Ange­bo­te schaf­fen und die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne grund­sätz­lich stär­ken. In einem funk­tio­nie­ren­den Markt garan­tiert das Ein­stel­len von unren­ta­blen Ange­bo­ten in der Regel, dass neue, meist kon­kur­renz­fä­hi­ge­re entstehen.

Bauarbeiten als grosse Knacknuss beim grenzüberschreitenden KV

So dring­lich der Aus­bau der Schie­nen­in­fra­struk­tur ins­be­son­de­re in Deutsch­land ist, so erschwe­rend sind für die Akteu­re im KV die zahl­lo­sen Bau­stel­len im Nord-Süd-Ver­kehr. Zum Bei­spiel ist es für gewis­se Anbie­ter wesent­lich, dass Bau­ar­bei­ten wäh­rend «Fer­ra­gos­to» statt­fin­den, ein Fei­er­tag und Som­mer­fe­ri­en in Ita­li­en. In die­sen Wochen kom­men Wirt­schaft und Güter­ver­kehr prak­tisch zum Erlie­gen. Für sol­che Anbie­ter ist es zwin­gend, dass man die Pla­nung und den Zeit­punkt der Bau­ar­bei­ten grenz­über­schrei­tend abspricht.

Branche fährt mit guten Ideen auf

An Ideen zur Stär­kung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs und des­sen Resi­li­enz fehlt es defi­ni­tiv nicht. Doch meis­tens schei­tern sie am feh­len­den Wil­len und an den finan­zi­el­len Mit­teln. Für den inter­mo­da­len Ver­kehr hat Hupac am haus­ei­ge­nen Inter­mo­dal Forum vom 16. Mai 2025 fünf Schlüs­sel­mass­nah­men zur Stär­kung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs aufgezeigt:

  • Koor­di­nier­te Bau­pla­nung im Schie­nen­netz mit aus­rei­chen­den Umlei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten und ohne Vollsperrungen
  • Schwei­zer Finan­zie­rung des Aus­baus der Voge­sen­tun­nel als Teil eines neuen 4‑Me­ter-Kor­ri­dors auf der lin­ken Rheinuferseite
  • Unter­stüt­zung des Ein­sat­zes hybri­der Loko­mo­ti­ven auf der Stre­cke Wörth–Strasbourg
  • Fort­füh­rung der Schwei­zer Betriebs­bei­trä­ge für den KV über das Jahr 2030 hinaus
  • Akti­ve Füh­rungs­rol­le der Schweiz im Güter­ver­kehrs­kor­ri­dor Nordsee–Rhein–Mittelmeer
Politik hat mehr als ein Zeichen gesetzt

Nicht nur die Wirt­schaft, son­dern auch die Poli­tik hat die hohe Prio­ri­tät des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs schon län­ger erkannt und för­dert die­sen ent­spre­chend. Mit dem im März ver­ab­schie­de­ten revi­dier­ten Güter­trans­port­ge­setz hat das Par­la­ment nam­haf­te finan­zi­el­le Beträ­ge zur Stär­kung des inlän­di­schen Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs gespro­chen. Stän­de­rat und VAP-Prä­si­dent Josef Ditt­li for­dert zusam­men mit Stän­de­rä­tin Heidi Z’graggen mit den Inter­pel­la­tio­nen 25.3540 («Stau­räu­me, Schwer­ver­kehrs­zen­tren, Ver­la­ge­rungs­druck – wie fängt der Bund den zusätz­li­chen Lkw-Ver­kehr nach Auf­ga­be der Rola auf?») und 25.3541 («Zukunft des Alpen­tran­sits: Wie begeg­net der Bund der Zunah­me des Lkw-Ver­kehrs nach dem Weg­fall der Rol­len­den Land­stras­se?») eine Stel­lung­nah­me des Bun­des­rats zur Frage, wie die zusätz­li­che Lkw-Lawi­ne als Folge der Rola-Ein­stel­lung kurz­fris­tig bewäl­tigt wer­den soll. Mit­tel­fris­tig braucht es drin­gend grif­fi­ge Anrei­ze, damit das Umrüs­ten von Lkw auf kran­ba­re Sat­tel­auf­lie­ger rasch erfolgt und die erfor­der­li­che Kapa­zi­tät im KV geschaf­fen wird, um die zusätz­li­che Güter­men­ge abzufangen.

Schweiz europaweit Spitzenreiter beim Schienennetz

Mit Blick auf ihre Schie­nen­in­fra­struk­tur hat die Schweiz in den letz­ten Jah­ren ihre Haus­auf­ga­ben gemacht – ganz im Gegen­teil zu eini­gen Nach­bar­län­dern. Für die Durch­que­rung der Alpen hat sie in die Eisen­bahn-Basis­tun­nels am Lötsch­berg, Gott­hard und Ceneri fast 20 Mrd. Schwei­zer Fran­ken inves­tiert. Damit sucht die Schwei­zer Qua­li­tät der Infra­struk­tur euro­pa­weit ihres­glei­chen. Um die­sen Podest­platz zu hal­ten, muss die Schweiz jedoch auch zukünf­tig einen kla­ren Fokus auf die Instand­hal­tung und den Aus­bau ihrer Bahn­in­fra­struk­tur haben.

Auch bei der Ver­la­ge­rung des alpen­que­ren­den Güter­trans­ports auf die Schie­ne ist die Schweiz mit einem Anteil von 70 Pro­zent topp­lat­ziert und in Euro­pa unan­ge­foch­ten. Die Pro­ble­me der Anbie­ter von KV in der Schweiz beim grenz­über­schrei­ten­den Tran­sit­ver­kehr las­sen sich haupt­säch­lich an den nörd­li­chen Zulauf­stre­cken festmachen.

Höchste Zeit, die Weichen neu zu stellen

Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr stand bereits vor den bei­den Hiobs­bot­schaf­ten stark unter Druck. Das zeig­te sich etwa an der zuneh­men­den Rück­ver­la­ge­rung des Güter­trans­ports von der Schie­ne auf die Stras­se. Dem­nach ist es wohl eher fünf nach als fünf vor zwölf, um die Wei­chen für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr neu zu stellen.

RailCom: Förderung eines wettbewerbsfähigen Bahnsystems durch Innovation und Transparenz

RailCom: Förderung eines wettbewerbsfähigen Bahnsystems durch Innovation und Transparenz

Patri­zia Danioth ist Rechts­an­wäl­tin und Nota­rin und seit 2013 Prä­si­den­tin der Rail­Com. Sie gibt uns im Inter­view einen Über­blick über die Auf­ga­ben der Rail­Com, ihre Posi­ti­on zur Geset­zes­vor­la­ge für den Güter­ver­kehr und spricht über die zukünf­ti­ge Mobi­li­täts­in­fra­struk­tur (MODI).

Darum geht’s:

  • Rail­Com stellt den dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Zugang zum Eisen­bahn­netz sicher
  • För­dert den Wett­be­werb im Bahnsystem
  • Unter­stützt die Stär­kung des EWLVs
  • Zugang zu Daten für mehr Trans­pa­renz und Innovation

 

Frau Danioth, wofür ist die Rail­Com zuständig?

Die Rail­Com stellt den dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Zugang zum Eisen­bahn­netz, zu den KV-Umschlags­an­la­gen sowie zu den Dienst­leis­tun­gen der Nah­zu­stel­lung sicher. Damit leis­tet die Rail­Com einen Bei­trag zu einem wett­be­werbs­fä­hi­gen Bahn­sys­tem Schweiz. Die Rail­Com äus­sert sich auch im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­pro­zes­ses zu The­men, wel­che ihre Zustän­dig­keit tan­gie­ren. Dies ist bei der aktu­el­len Geset­zes­vor­la­ge zur Zukunft des Schwei­zer Güter­trans­por­tes auf der Schie­ne der Fall.

Wie steht die Rail­Com zur aktu­el­len Geset­zes­vor­la­ge zur Zukunft des Schwei­zer Güter­trans­port auf der Schie­ne? Wo orten Sie Handlungsbedarf?

Die Rail­Com unter­stützt die Stär­kung des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs und die Wei­ter­ent­wick­lung der mul­ti­mo­da­len Trans­port­ket­ten. Die Rail­Com ortet in der Geset­zes­vor­la­ge Schwei­zer Güter­trans­port jedoch ins­be­son­de­re zwei kri­ti­sche Aspek­te, wel­che kohä­rent zur bis­he­ri­gen Rechts­set­zung zu regeln sind.

Um wel­che kri­ti­schen Aspek­te han­delt es sich? Wel­che Anfor­de­run­gen müss­te die Geset­zes­vor­la­ge erfül­len, um kohä­rent zur bis­he­ri­gen Recht­set­zung zu sein?

Ers­tens muss die staat­li­che För­de­rung des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs wett­be­werbs­neu­tral erfol­gen. Der Ganz­zug­ver­kehr, wel­cher eigen­wirt­schaft­lich erfolgt, darf näm­lich nicht durch den geför­der­ten Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr quer­sub­ven­tio­niert wer­den. Eine sol­che Ver­zer­rung des Wett­be­werbs ist mit dem vor­lie­gen­den Geset­zes­ent­wurf zum Schwei­zer Güter­trans­port zu ver­hin­dern. Sei es, dass die Anbie­te­rin des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs eine finan­zi­el­le, recht­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Tren­nung zwi­schen den eigen­wirt­schaft­li­chen Leis­tun­gen des Ganz­zug­ver­kehrs und dem Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr vor­nimmt. Sei es, dass strik­te­re Vor­ga­ben sowie Kon­troll- und Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten eine Quer­sub­ven­tio­nie­rung effek­tiv verhindern.

Mit der Vor­la­ge soll näm­lich ein inno­va­ti­ves Ange­bot im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr mit einer hohen Kun­den­ori­en­tie­rung geför­dert wer­den. Dazu sind faire Rah­men­be­din­gun­gen unabdingbar.

Zwei­tens gilt in der bestehen­den Recht­set­zung im Eisen­bahn­we­sen und im Güter­trans­port, dass wenn ein Unter­neh­men finan­zi­ell vom Staat geför­dert wird, die­ses seine Dienst­leis­tun­gen resp. den Zugang zu sei­nen Anla­gen Drit­ten dis­kri­mi­nie­rungs­frei zur Ver­fü­gung zu stel­len hat. Der Geset­zes­ent­wurf zum Schwei­zer Güter­trans­port sieht den dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Zugang zu den Dienst­leis­tun­gen des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs im Grund­satz zwar vor, kon­kre­ti­siert die Vor­ga­be aber noch nicht aus­rei­chend. Dies zeigt ein Ver­gleich mit der Gesetz­ge­bung zur För­de­rung der KV-Umschlags­an­la­gen oder das Gesetz für den unter­ir­di­schen Güter­trans­port: So regelt der Gesetz­ge­ber die Rech­te und Pflich­ten bei­spiels­wei­se der Betrei­ber der KV-Umschlags­an­la­gen detail­lier­ter als die­je­ni­gen der Netz­werk­an­bie­te­rin im Einzelwagenladungsverkehr.

Mit MODIG befin­det sich eine Geset­zes­vor­la­ge in Erar­bei­tung, damit die Infra­struk­tur und das Ange­bot des öffent­li­chen und pri­va­ten Ver­kehrs dank bes­se­rem Infor­ma­ti­ons­fluss opti­mal betrie­ben und genutzt wer­den kann. Mit­tels der Mobi­li­täts­in­fra­struk­tur (MODI) sol­len sich der­einst die ver­schie­de­nen Akteu­re ver­net­zen und Daten bereit­ge­stellt und aus­ge­tauscht wer­den. Wie beur­teilt die Rail­Com MODI?

Daten und der Daten­aus­tausch sind eine unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung für die Mobi­li­tät. Daten bil­den des­halb nebst Schie­ne und wei­te­ren Ver­kehrs­an­la­gen eine sys­tem­re­le­van­te Infra­struk­tur. Daten stel­len auch eine Vor­aus­set­zung für die Nut­zung der Infra­struk­tur dar: Daten, die bei­spiels­wei­se für den Zugang zum Bahn­netz, den KV-Umschlags­an­la­gen und der Dienst­leis­tung auf der letz­ten Meile rele­vant sind, müs­sen allen Nut­ze­rin­nen trans­pa­rent und mög­lichst nut­zer­freund­lich zur Ver­fü­gung ste­hen und leicht auf­find­bar sein. Die Daten sind dis­kri­mi­nie­rungs­frei, d.h. voll­stän­dig, kor­rekt und wider­spruchs­frei öffent­lich zugäng­lich zu machen. MODI kann hier­zu einen bedeu­ten­den Bei­trag leisten.

MODI und gene­rell Open Data stär­ken auch die Dis­kri­mi­nie­rungs­frei­heit durch erhöh­te Trans­pa­renz, Gleich­be­hand­lung und die Mög­lich­keit der Mit­wir­kung Drit­ter. Open Data för­dert damit Wirt­schaft­lich­keit und Kun­den­ori­en­tie­rung, indem der Wett­be­werb gestärkt wird. Das Inno­va­ti­ons­po­ten­zi­al in der Bran­che wird erhöht. Bei­spiels­wei­se die pri­vat betrie­be­ne Web­site www.puenktlichkeit.ch, lässt auf­schluss­rei­che Ver­glei­che zur Pünkt­lich­keit der Züge zu.

Frau Danioth, wir bedan­ken uns herz­lich für die­ses Interview!

Gleisanschluss-Charta 2024: Breit angelegte Initiative für eine starke Schiene

Gleisanschluss-Charta 2024: Breit angelegte Initiative für eine starke Schiene

Am 31. Janu­ar 2024 über­reicht der Bahn­sek­tor dem Ver­tre­ter der Bun­des­re­gie­rung in Ber­lin die Gleis­an­schluss-Char­ta. Die von euro­pa­weit 56 Ver­ei­ni­gun­gen unter­zeich­ne­te Initia­ti­ve unter­brei­tet kon­kre­te Mass­nah­men für eine erfolg­rei­che Trans­for­ma­ti­on des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs als Teil der mul­ti­mo­da­len Logis­tik auf der Grund­la­ge von Gleis­an­schlüs­sen und kun­den­na­hen Zugangsstellen.

Darum geht’s:

  • Bes­se­re Zukunft für Gleis­an­schlüs­se und Zugangsstellen
  • Zen­tra­le Hand­lungs­fel­der und kon­kre­te Umsetzungsvorschläge
  • Stär­ken der Bahn län­der­über­grei­fend nutzen

 

Bessere Zukunft für Gleisanschlüsse und Zugangsstellen

Am 31. Janu­ar 2024 wurde die neue Gleis­an­schluss-Char­ta an Micha­el Theu­rer, den par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tär und Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für den Schie­nen­ver­kehr, über­reicht. Das ist ein Mei­len­stein für die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in Euro­pa und der Schweiz. Die Mit­zeich­ner möch­ten damit die Zukunfts­chan­cen von Gleis­an­schlüs­sen und mul­ti­mo­da­len Zugangs­stel­len ver­bes­sern. Wir vom VAP haben uns hier in diver­sen Arbeits­grup­pen enga­giert und unser Wis­sen sowie unse­re Erfah­run­gen ein­ge­bracht. Ein sol­cher regel­mäs­si­ger Aus­tausch ist zen­tral, um die Ent­wick­lun­gen zur Zukunft des Schwei­zer Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs und seine inter­na­tio­na­le Anbin­dung zu verbessern.

Zentrale Handlungsfelder und konkrete Umsetzungsvorschläge

In der Char­ta wur­den fünf über­ge­ord­ne­te Ziele fest­ge­legt und Mass­nah­men kon­kre­ti­siert, die für die Attrak­ti­vi­tät und das Über­le­ben des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs ent­schei­dend sind.

  • Per­so­nen unter­stüt­zen, die Ent­schei­dun­gen tref­fen und umset­zen. Im Rah­men die­ses Anspruchs gilt es, das Sys­tem­wis­sen und die Mög­lich­kei­ten des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs für mul­ti­mo­da­le Logis­tik­ket­ten den poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern zu vermitteln.
  • Die Wirt­schaft bedarfs­ge­recht mit Zugangs­stel­len und vor­ge­la­ger­ter Infra­struk­tur aus­stat­ten. Dazu gehört neben der Siche­rung und dem all­fäl­li­gen Aus­bau von geeig­ne­ten Stand­or­ten auch die ziel­ge­rich­te­te finan­zi­el­le Förderung.
  • Rah­men­be­din­gun­gen für Gleis­an­schlüs­se und Ver­la­de­stel­len ver­bes­sern. Dar­un­ter ist in ers­ter Linie der Abbau von regu­la­to­ri­schen Vor­ga­ben und Büro­kra­tie zu verstehen.
  • Mul­ti­mo­da­le Trans­port­lö­sun­gen über Gleis­an­schlüs­se und Ver­la­de­stel­len anbie­ten. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist Teil einer mul­ti­mo­da­len Logis­tik­ket­te. Also brau­chen die Güter­kun­den Anrei­ze für Gesamt­an­ge­bo­te mit hohem Schie­nen­an­teil von ver­schie­de­nen Anbietern.
  • Moder­ne und inno­va­ti­ve Tech­ni­ken ein­set­zen. Für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist die Trans­for­ma­ti­on und Nut­zung neuer Errun­gen­schaf­ten wie die­je­ni­gen der digi­ta­len auto­ma­ti­schen Kupp­lung (DAK) oder von Daten­platt­for­men abso­lut not­wen­dig (vgl. Blog­bei­trag «Bereit fürs nächs­te Digi­ta­li­sie­rungs­le­vel»).
Stärken der Bahn länderübergreifend nutzen

Die Gleis­an­schluss-Char­ta 2024 wird von 56 Ver­bän­den, Ver­ei­ni­gun­gen und Initia­ti­ven aus den Berei­chen Indus­trie, Han­del, Logis­tik, Bau­we­sen, Agrar, Holz, Recy­cling und Kom­mu­nen getra­gen – dar­un­ter auch vom VAP. Diese Akteu­re wer­den sich auch in Zukunft an den Arbei­ten betei­li­gen, um die Lösun­gen zu ver­fei­nern und umzu­set­zen, nicht nur in Deutsch­land. Schliess­lich soll der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr seine Stär­ken län­der­über­grei­fend ent­fal­ten kön­nen. Inter­es­sier­te aus der Schweiz mel­den sich gerne bei Jür­gen Maier.

Statements:

Joa­chim Ber­ends, Vize­prä­si­dent des VDV Ver­band Deut­scher Ver­kehrs­un­ter­neh­men e.V.:
«Seit der Erst­auf­la­ge 2019 wur­den bereits viele Vor­schlä­ge der Char­ta umge­setzt oder befin­den sich in Umset­zung. Doch wir sind noch längst nicht am Ziel, und es sind wei­te­re The­men­fel­der hin­zu­ge­kom­men. 56 Unter­zeichner­or­ga­ni­sa­tio­nen unter­brei­ten Maß­nah­men­vor­schlä­ge, damit wir mit mehr und moder­nen Gleis­an­schlüs­sen den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land stär­ken – und das Klima schützen.»

Dr. Hele­na Mel­ni­kov, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin des Bun­des­ver­ban­des Mate­ri­al­wirt­schaft, Ein­kauf und Logis­tik e.V. (BME):
«Wir unter­stüt­zen die zen­tra­len For­de­run­gen der Char­ta nach Kräf­ten. Es geht jetzt vor allem darum, Büro­kra­tie abzu­bau­en und Regu­la­ri­en zu ver­ein­fa­chen. Gleich­zei­tig müs­sen die Gleis­an­schluss­för­de­rung ver­bes­sert, mehr Gewer­be­flä­chen an die Schie­ne ange­bun­den und neue Trans­port­kon­zep­te unter Ein­bin­dung von Gleis­an­schlüs­sen geschaf­fen werden.»

Dr. Frank Fur­rer, Gene­ral­se­kre­tär des VAP Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft:
«Die Kan­ton ent­wi­ckeln bereits Logis­tik- und Güter­ver­kehrs­kon­zep­te für güns­tig gele­ge­ne Stand­or­te mit guter Anbin­dung an Stras­se und Schie­ne. Die Bot­schaft zum Güter­trans­port­ge­setz will den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr aus archai­schen Pro­duk­ti­ons­ver­hält­nis­sen her­aus­füh­ren und fit machen, um in mul­ti­mo­da­len Logis­tik­ket­ten eine zen­tra­le Rolle spie­len zu kön­nen. Char­ta und Bot­schaft ergän­zen sich daher für Import- und Export­ver­kehr ideal.»

Fokus RailCom: Vorstellung der Schlüsselpersonen

Fokus RailCom: Vorstellung der Schlüsselpersonen

Darum geht’s:

  • Die Kom­mis­si­on sichert den dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Zugang
  • Wer steht hin­ter der Kom­mis­si­on? Wir stel­len vor.

 

Die Kom­mis­si­on für den Eisen­bahn­ver­kehr Rail­Com stellt in der Schweiz den dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Zugang zum Eisen­bahn­netz, zu den KV-Umschlags­an­la­gen und den Dienst­leis­tun­gen der Nah­zu­stel­lung sicher. Die Kom­mis­si­on setzt sich aktiv für eine offe­ne und faire Markt­zu­gangs­po­li­tik ein, um einen gesun­den Wett­be­werb zu för­dern und die Effi­zi­enz im Eisen­bahn­sek­tor zu steigern.

In die­sem Blog­ar­ti­kel stel­len wir die Mit­ar­bei­ter, die sich bei der Rail­Com enga­gie­ren, vor.

Präsidium:
  • Prä­si­den­tin: Patri­zia Danioth Hal­ter, lic.iur., Rechts­an­wäl­tin und Nota­rin, LL.M., Altdorf/UR
  • Vize­prä­si­dent: Mar­kus Kern, Prof. Dr. iur., LL.M., Pro­fes­sor für Staats‑, Ver­wal­tungs- und Euro­pa­recht an der Uni­ver­si­tät Bern/BE
Kommissionsmitglieder:
  • Cesa­re Brand, Für­spre­cher, Forel /FR
  • Anna Cia­ran­fi Zanet­ta, lic. iur., Rechts­an­wäl­tin, Finanz- und Wirt­schafts­de­par­te­ment Kan­ton Tes­sin, Dalpe/TI
  • Bar­ba­ra Fur­rer, Dr. iur., Rechts­an­wäl­tin, Head of Legal DHL Express (Schweiz) AG, Hedingen/ZH
  • Man­fred Hal­ler, EMBA, selbst­stän­di­ger Bera­ter, Unterkulm/AG

 

Das Fach­se­kre­ta­ri­at unter­stützt die Kom­mis­si­on fach­lich und tech­nisch. Es unter­steht den Wei­sun­gen der Kom­mis­si­on. Admi­nis­tra­tiv ist es dem Gene­ral­se­kre­ta­ri­at des Eid­ge­nös­si­schen Depar­te­ments für Umwelt, Ver­kehr, Ener­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on (UVEK) zuge­ord­net. Per­so­nell setzt sich das Fach­se­kre­ta­ri­at wie folgt zusammen:

Leitung:
  • Chris­tof Böh­ler, M.A. HSG Inter­nat. Beziehungen
  • Stv.: Melis­sa Rick­li, lic. phil. hist.
Mitarbeitende:
  • Ana Dett­wi­ler, Rechts­an­wäl­tin, Rechtliches
  • Ursu­la Erb, Dr. oec. publ., Marktmonitoring
  • Andre­as Opp­li­ger, lic. phil. nat., Marktmonitoring
  • Kat­rin Suter-Burri, Dr. sc. nat. ETH, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Events und Recherche
Titus Bütler von der Schweizerischen Post wünscht sich schnelle und pünktliche Güterzüge

Titus Bütler von der Schweizerischen Post wünscht sich schnelle und pünktliche Güterzüge

Titus Büt­ler ist Lei­ter Trans­por­te bei der Post CH AG und ver­ant­wor­tet seit Anfang 2022 sämt­li­che Brief‑, Paket- und Zei­tungs­trans­por­te auf Schie­ne und Stras­se in der Schweiz. Vor­her lei­te­te er über 20 Jahre das Paket­zen­trum Frau­en­feld, wo täg­lich bis zu einer hal­ben Mil­li­on Pake­te ver­ar­bei­tet wer­den. Zudem kon­zi­pier­te er den Netz­aus­bau mit den neuen Paket­zen­tren in Caden­az­zo, Vétroz, Unter­vaz sowie Oster­mun­di­gen. Im Inter­view mit dem VAP erläu­tert er die Bedeu­tung des Schie­nen­ver­kehrs für die Post. 

Darum geht’s:

  • Wie hoch ist der Anteil Bahn im Modal­split bei der Post?
  • Kun­den­nach­fra­ge nach schnel­ler Lie­fe­rung steigt
  • «Pain Points», oder Opti­mie­rungs­po­ten­zi­al im Schienengüterverkehr
  • Schwei­zer Post ist in Euro­pa füh­rend im Trans­port von Gütern auf der Schiene

 

VAP: Herr Bütler, die gelben Züge der Post fallen auf. Immer mehr sind auch gelbe Lkws auf den Strassen zu sehen. Täuscht dieser Eindruck? 

Titus Büt­ler: Unse­re Last­wa­gen mit den gel­ben Con­tai­nern fal­len auf. Unse­re Kun­din­nen und Kun­den ver­lan­gen ver­mehrt eine schnel­le Lie­fe­rung: am Abend abge­holt und am nächs­ten Mor­gen zuge­stellt. Wir spre­chen also nicht von einer 24h-Lie­fe­rung, son­dern von ca. 15 bis 20 Stun­den – und das in jeden Ort der Schweiz, ob Stadt oder Land. Somit ste­hen wir in der gan­zen Sup­p­ly-Chain unter Zeit­druck. Das erschwert die Bün­de­lung von Paket­men­gen, um ganze Züge zu fül­len. Wir wäh­len den Weg über die Schie­ne, wo immer es öko­lo­gisch und öko­no­misch sinn­voll ist. Unge­fähr 50 Pro­zent aller Brie­fe und Pake­te legen bereits heute min­des­tens einen Teil ihrer Reise im Zug zurück. Ein kur­zer Zug mit einem oder zwei Wag­gons macht kei­nen Sinn – auch nicht ökologisch.

Was hindert die Post, die Transporte, die wir auf der Strasse sehen, auf der Schiene durchzuführen? 

Wir sind mit unse­rem Trans­port­part­ner SBB-Cargo daran, wie­der mehr Paket­trans­por­te auf die Schie­ne zu ver­la­gern. Wir benö­ti­gen schnel­le und regel­mäs­si­ge Expresstras­sen. Die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit der Post­zü­ge ist teils unter 50km/h, obwohl wir schnel­les Roll­ma­te­ri­al haben und leich­te Züge fah­ren. Das ist zu langsam.

Wie sehen Sie die Zukunft der Postlogistik, kommt noch mehr auf die Schiene oder auf die Strasse?

Wir wol­len klar mehr Menge auf die Schie­ne brin­gen, vor allem auf der West-Ost-Achse.

Die neu geplanten Center der Post verfügen über keine Bahnanschlüsse. Weshalb?

In den letz­ten Jah­ren haben wir meh­re­re klei­ne Paket­zen­tren in Betrieb genom­men. Ter­mi­nals benö­ti­gen Land, ver­teu­ern das Pro­jekt und ver­zö­gern die Rea­li­sie­rung. Pla­nung und Bau erfolg­ten unter Zeit­druck: Zwi­schen Stand­ort­ent­scheid und Eröff­nung ver­gin­gen teils weni­ger als 2 Jahre. Wo mög­lich nut­zen wir aber Ter­mi­nals in der Nähe, z.B. im Fall von Caden­az­zo, den Ter­mi­nal der SBB. Die Pake­te von und nach der Süd­schweiz rol­len auf der Schiene.

Pakete und Briefe gelten nicht als sogenannte «bahnaffine» Güter. Welche Kompetenzen haben Sie als Post, als Verlader, dass diese Güter dennoch per Schienenweg transportiert werden?

Wir sind die ein­zi­ge Post in Euro­pa, wel­che sol­che Güter im gros­sen Stil auf der Schie­ne trans­por­tiert. Vor­aus­set­zung ist, dass der Ein­be­zug der Schie­ne bereits bei der Kon­zep­ti­on berück­sich­tigt wird und – noch wich­ti­ger – dass es eine Infra­struk­tur gibt, wel­che über­haupt schnel­le Güter­zü­ge mit hoher Pünkt­lich­keit zulässt. In unse­rem Team haben wir Fach­per­so­nen, wel­che sich mit dem Schie­nen­gü­ter­ver­kehr sehr gut auskennen.

Die Post hat denselben Eigner wie SBB Cargo. Ist dies für Sie eher eine Chance/Vereinfachung? Wie würden Sie diese Beziehung beschreiben?

Die Trans­por­te wur­den öffent­lich aus­ge­schrie­ben. Die Eig­ner­schaft spielt keine Rolle. Wir haben eine klare Kun­den-Lie­fe­ran­ten-Bezie­hung wie bei ande­ren Trans­port­un­ter­neh­mun­gen auch. Unse­re Anfor­de­run­gen an Pünkt­lich­keit und Ver­läss­lich­keit sind sehr hoch und wir sind mit den Leis­tun­gen von SBB Cargo sehr zufrieden.

Wenn die gute Fee Ihnen einen logistischen Wunsch erfüllen würde, welcher wäre dies?

Ich wünsch­te mir regel­mäs­si­ge und schnel­le Tras­sen auf der West-Ost-Achse.

Wie würden Sie den VAP beschreiben?

Wir sind einer der gröss­ten Anschluss­gleis­be­sit­zer und einer der gröss­ten Bahn­ver­la­der der Schweiz. Der VAP ver­tritt deren berech­tig­te Inter­es­sen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen und ver­netzt die Akteu­re untereinander.

Welche Stärken schreiben Sie dem VAP zu? 

Der VAP ist für die poli­ti­sche Arbeit aller Akteu­re im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr unabdingbar.

Wem würden Sie eine Zusammenarbeit mit dem VAP empfehlen?

Jedes Unter­neh­men, wel­ches Gelei­se oder Wag­gons besitzt oder im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr aktiv ist – sei es als Kunde oder als EVU – pro­fi­tiert vom VAP.

Was noch nicht gesagt wurde:

Unse­re Post­zü­ge sind uns wich­tig. Wir ver­bin­den damit schnell, zuver­läs­sig und öko­lo­gisch die Schweiz. Des­halb legen wir Wert dar­auf, dass nicht das Image der lang­sa­men und oft auch ver­spray­ten Güter­zü­ge auf unse­re Post­zü­ge abfärbt.

 

Herr Bütler, wir bedanken uns für das Gespräch und die interessanten Einblicke.
«Ein ausgezeichneter neutraler Verhandlungspartner»

«Ein ausgezeichneter neutraler Verhandlungspartner»

Die Vetro­pack-Grup­pe ist eine bör­sen­no­tier­te und fami­li­en­ge­führ­te Glas­ver­pa­ckungs­her­stel­le­rin in der Schweiz. Wir vom VAP haben Vetro­pack bei den Ver­hand­lun­gen über den neuen Anschluss­ver­trag und die Erneue­rung der Anschluss­glei­se beglei­tet. Über diese Zusam­men­ar­beit und über die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs spre­chen wir mit Phil­ip­pe Clerc, Lei­ter des Vetro­pack-Stand­orts in St-Prex. 

Herr Clerc, wie kam es zur Zusammenarbeit von Vetropack und VAP?

Phil­ip­pe Clerc: Zuerst führ­ten wir eine Betriebs­ana­ly­se durch, um nach­zu­wei­sen, dass der Vetro­pack zu viele Glei­se zuge­teilt wor­den waren. Die Exper­ti­se und das Ver­hand­lungs­ge­schick des VAP führ­ten dazu, dass wir beim Anschluss­ver­trag und der Erneue­rung erheb­li­che Ein­spa­run­gen vor­neh­men konnten.

Wie wichtig sind die Anschlussgleise für Vetropack?

Die Bedin­gun­gen unse­res Mark­tes wer­den immer schwie­ri­ger. Wenn wir hier wei­ter­hin eine füh­ren­de Posi­ti­on ein­neh­men wol­len, müs­sen wir agi­ler und schnel­ler wer­den. Der VAP hat uns dabei unter­stützt, das gesam­te Manage­ment der Bahn­in­fra­struk­tur und die Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se zu ver­bes­sern. Das hilft uns, unse­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit und die Ver­sor­gungs­si­cher­heit der Schweiz zu erhö­hen. Die Stra­te­gie von Vetro­pack basiert auf der Ent­wick­lung einer grü­nen Fabrik. Hier wol­len wir nach­hal­ti­ge Ener­gie best­mög­lich nut­zen, um unse­ren CO2-Aus­stoss deut­lich zu sen­ken. Die Bahn als Ver­kehrs­trä­ger ist ein wesent­li­cher Bestand­teil die­ser Stra­te­gie. Unse­re Kun­den wis­sen es zu schät­zen, dass wir ver­mehrt die Schie­ne nut­zen. Sie befür­wor­ten unse­re Art des Trans­ports im Bereich des Glasrecyclings.

Wie hat der VAP Sie begleitet?

Der VAP hat uns bei der Ver­hand­lung des Dos­siers Anschluss­glei­se mit SBB Infra­struk­tur tat­kräf­tig unter­stützt. Dank der her­vor­ra­gen­den juris­ti­schen Kom­pe­ten­zen gelang es, einen guten Ver­trag aus­zu­han­deln. Die­ser ermög­licht es uns, unse­re Umwelt­stra­te­gie durch den Aus­bau des Schie­nen­trans­ports fortzusetzen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit der VAP erlebt? 

Der VAP ver­tritt die Inter­es­sen der Eigen­tü­mer von Anschluss­glei­sen. Dank sei­ner Neu­tra­li­tät kann er seine Mit­glie­der effek­tiv unter­stüt­zen. Uns hat er gehol­fen, eine opti­ma­le Lösung zu fin­den, damit wir unse­re Bahn­glei­se wei­ter­hin nut­zen können.

Hatten Sie schon vorher Berührungspunkte mit dem VAP?

Wir sind seit meh­re­ren Jah­ren Mit­glied des VAP und wis­sen die Arbeit des Ver­bands zu schätzen.

Welche Stärken attestieren Sie dem VAP? 

Der Ver­band ist inno­va­tiv bei der Ent­wick­lung neuer Sys­te­me oder Infra­struk­tu­ren und hält sich dabei an die Richt­li­ni­en des Bun­des­am­tes für Ver­kehr BAV. Er enga­giert sich im Namen der Eigen­tü­mer von Anla­gen oder Wag­gons sowohl für den Aus­bau des Schie­nen­net­zes als auch für die Ver­bes­se­rung der Trans­port­leis­tun­gen durch die Güter­bah­nen. Dank der weit­rei­chen­den juris­ti­schen Kom­pe­tenz des VAP konn­ten wir einen idea­len Anschluss­ver­trag für unser Unter­neh­men und die Fort­füh­rung unse­rer Akti­vi­tä­ten auf der Schie­ne abschlies­sen. In der Folge konn­ten wir die Bahn­pro­duk­ti­on an unse­rem Stand­ort in St-Prex opti­mie­ren und die Betriebs­kos­ten mini­mie­ren. Ich erach­te den VAP als aus­ge­zeich­ne­ten neu­tra­len Verhandlungspartner.

Was haben Sie während der Zusammenarbeit am meisten geschätzt?

Den pro­fes­sio­nel­len Ansatz, die Kom­pe­ten­zen im Eisen­bahn- und Rechts­be­reich, das Wis­sen im Betriebs­be­reich sowie die Bezie­hun­gen zur Poli­tik. Das alles hat zu einer schnel­len und opti­ma­len Lösung beigetragen.

Was wünschen Sie sich noch zusätzlich vom VAP?

Dass er sich noch stär­ker für die Ent­wick­lung des Ein­zel­wa­gen­ver­kehrs ein­setzt. Die Lie­fer­fens­ter zum Bei­spiel sind viel zu eng. Die Kapa­zi­tä­ten für den Güter­trans­port auf dem Schie­nen­netz müs­sen ins­ge­samt erhöht werden.

Wem würden Sie empfehlen, mit dem VAP zusammenzuarbeiten?

Jedem Unter­neh­men, das in sei­nem Betriebs­zen­trum eine Bahn­an­la­ge bauen möch­te. Der VAP kann allen Unter­neh­men nütz­lich sein, die zwar über eine Bahn­in­fra­struk­tur ver­fü­gen, nicht aber über die not­wen­di­gen Kennt­nis­se, um Ver­trä­ge in die­sem Bereich aus­zu­han­deln und abzuschliessen.

Wo sehen Sie im Schienenverkehr den dringendsten Handlungsbedarf? 

Wie erwähnt brau­chen wir eine Öff­nung der Zeit­fens­ter für Güter­wa­gen. Die Zahl der Güter­zü­ge muss stei­gen, zum Bei­spiel durch einen Takt­fahr­plan. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr soll­te irgend­wann auf das Niveau des Per­so­nen­ver­kehrs kom­men. Zudem müs­sen wir unse­ren Anschluss an Euro­pa sicher­stel­len. Wir dür­fen von Euro­pa nicht iso­liert wer­den. 

Was sind die Vorteile des Schienengüterverkehrs?

Er gilt als sichers­ter Ver­kehrs­trä­ger, wes­halb er auch in ganz Euro­pa bevor­zugt wird. Die Schie­ne ist die beste Alter­na­ti­ve zur Stras­se, man betrach­te nur mal den CO2-Fuss­ab­druck. Auf der Schie­ne las­sen sich gros­se Men­gen mit nur einem Zug trans­por­tie­ren. Und das sogar bei Nacht oder am frü­hen Morgen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Schienengüterverkehrs in der Schweiz?

Dass sich das Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs­netz erhal­ten und aus­bau­en lässt. Nur so kön­nen wir die Umwelt­ver­träg­lich­keit des Güter­ver­kehrs erhö­hen. Es wäre zudem wün­schens­wert, dass Inno­va­tio­nen vor­an­ge­trie­ben wer­den. Damit kön­nen wir auch in Zukunft wett­be­werbs­fä­hig blei­ben, da sich mit Inno­va­tio­nen Kos­ten für Betrieb, Ran­gie­ren, Ver­wal­tungs­auf­ga­ben und ande­res redu­zie­ren las­sen. Ins­ge­samt gilt es, die Bedie­nung von Ein­zel­wa­gen und damit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Schie­nen­net­zes zu ver­bes­sern. Wir müs­sen den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr auf die Zukunft vor­be­rei­ten, damit wir nicht eines Tages von LKWs über­rollt werden.

  

Gut zu wissen: Der VAP berät und begleitet

VAP-Mit­glie­der pro­fi­tie­ren von unse­rem fun­dier­ten Fach­wis­sen in allen Berei­chen des Güter­ver­kehrs auf natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebene sowie von unse­rer Ver­net­zung mit Wirt­schaft und Poli­tik. In den Jah­ren 2020 bis 2022 haben wir unse­re Mit­glie­der mit den fol­gen­den Dienst­leis­tun­gen unterstützt:

  • 25 Bera­tun­gen zu regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen (zum Bei­spiel Abzweigungsabkommen)
  • 20 Bera­tun­gen zur Rechnungsprüfung
  • 53 Betriebs­vor­schrif­ten
  • 32 Ver­wal­tun­gen von Anschluss­glei­sen von Gemein­den und Verbänden
  • 117 Bau­be­ra­tun­gen wie Erneue­run­gen, Erwei­te­run­gen, Subventions‑, Bewil­li­gungs­ver­fah­ren, Qua­li­täts- und Kos­ten­kon­trol­le, lang­fris­ti­ge neu­tra­le Erhal­tungs- und Finanzplanung
Letzte Meile ausgliedern und diskriminierungsfrei gestalten

Letzte Meile ausgliedern und diskriminierungsfrei gestalten

Der freie Zugang zur letz­ten Meile ist für Güter­bah­nen ent­schei­dend. Der­zeit wird er per Gesetz ver­ord­net. Wir mei­nen: Er soll­te ermög­licht statt ver­fügt wer­den. Dazu müss­te die letz­te Meile aus SBB Cargo aus­ge­glie­dert und von einer unab­hän­gi­gen Instanz ver­ant­wor­tet wer­den. Letzt­lich braucht es Rah­men­be­din­gun­gen, die sich mit nur einem Begriff beschrei­ben las­sen: Marktwirtschaft.

Darum geht’s:
  • Warum der freie Zugang zur letz­ten Meile wich­tig ist
  • Dis­kri­mi­nie­rung ver­hin­dern statt bekämpfen
  • Kräf­te neu ver­tei­len und neu bündeln

 

Bedeutung der letzten Meile

Die Bedie­nung der letz­ten Meile (Nah­zu­stel­lung) liegt allein in Hän­den eines loka­len oder regio­na­len Anbie­ters. Ent­spre­chend ent­schei­det der dis­kri­mi­nie­rungs­freie Zugang zur letz­ten Meile dar­über, ob ein Ange­bot im Haupt­lauf wett­be­werbs­fä­hig ist oder nicht. Wer Dienst­leis­tun­gen in der Nah­zu­stel­lung auf der Schie­ne erbringt, ist ver­pflich­tet, diese dis­kri­mi­nie­rungs­frei zu leis­ten. So will es Arti­kel 6a der Güter­trans­port­ver­ord­nung (siehe Kasten).

Artikel 6a der Gütertransportverordnung (GüTV)

Sämt­li­che Unter­neh­men, die auf der letz­ten Meile (Teil-)Leistungen erbrin­gen, müs­sen ihre Dienst­leis­tung in der Nah­zu­stel­lung auf der Schie­ne dis­kri­mi­nie­rungs­frei erbrin­gen. Das heisst, dass sie ihre Dienst­leis­tun­gen auch für Drit­te erbrin­gen müs­sen, sofern dafür Kapa­zi­tä­ten vor­han­den sind. Diese Pflicht betrifft neben den Güter­bah­nen Anschluss­gleis­be­trei­ber mit eige­nem Roll­ma­te­ri­al und Per­so­nal, spe­zia­li­sier­te Per­so­nal­ver­lei­her und Ran­gier­dienst­leis­ter. Als Dienst­leis­tun­gen auf der letz­ten Meile gel­ten das Ran­gie­ren und wei­te­re mit der Nah­zu­stel­lung zusam­men­hän­gen­de Leis­tun­gen wie z.B. tech­ni­sche Kon­trol­len oder Bremsproben.

> Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen von der RailCom

 

Diskriminierung verhindern statt bekämpfen

Art. 6a GüTV setzt auf Vor­schrif­ten, Markt­kon­trol­len und Rechts­mit­tel. Sinn­vol­ler wäre es jedoch, die Dis­kri­mi­nie­rung zu ver­hin­dern, indem ein ein­zi­ger Anbie­ter die Bedie­nung der ersten/letzten Meile sicher­stellt. Idea­ler­wei­se ist das der Infra­struk­tur­be­trei­ber, der ansons­ten keine Ver­kehrs­leis­tun­gen erbringt.

In einem markt­wirt­schaft­li­chen Umfeld ist der Zugang des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs zu Gleis­an­schlüs­sen, loka­len und zen­tra­len Ran­gier­an­la­gen, Frei­ver­la­de­an­la­gen oder Ter­mi­nals dis­kri­mi­nie­rungs­frei gere­gelt. Die Tras­sen­ver­ga­be und der Betrieb von sys­tem­re­le­van­ten Infra­struk­tu­ren wer­den von unab­hän­gi­gen Insti­tu­tio­nen ver­ant­wor­tet. Eine Sys­tem­füh­rer­schaft durch einen ein­zel­nen Gross­be­trei­ber – wie dies der­zeit bei SBB Cargo der Fall ist – exis­tiert nicht. Die Gren­zen zwi­schen Ein­zel­wa­gen­la­dun­gen und Ganz­zü­gen sind auf­ge­ho­ben, die letz­te Meile wird durch einen Infra­struk­tur­be­trei­ber bewirtschaftet.

Neuordnung der Kräfte

Um den oben beschrie­be­nen Ide­al­zu­stand zu errei­chen, müs­sen die Rol­len neu ver­teilt und die Kräf­te gebün­delt wer­den. Eine der­ar­ti­ge Reor­ga­ni­sa­ti­on gelingt nur, wenn die fol­gen­den Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen werden:

  •  SBB Cargo behält vor­erst ihre Rolle als Netz­werk­an­bie­te­rin. Sie zeich­net ver­ant­wort­lich für die Pla­nung der Netz­werk­ver­keh­re und stellt eine effi­zi­en­te Bün­de­lung von Ver­keh­ren mit Ein­zel­wa­gen oder Wagen­grup­pen sicher. Bei der Leis­tungs­er­brin­gung beschränkt sie sich auf die Trans­port­haupt­läu­fe zwi­schen For­ma­ti­ons- und Ran­gier­bahn­hö­fen, soweit sie diese nicht bei Drit­ten beschafft.
  • Die gesam­te Bahn­in­fra­struk­tur wie Netz, Ter­mi­nals des kom­bi­nier­ten Ver­kehrs und loka­le Ran­gier­an­la­gen sind für Güter­bah­nen frei zugänglich.
  • Die Bedie­nung der ersten/letzten Meile ist für alle Güter­bah­nen ein dis­kri­mi­nie­rungs­frei­er Ser­vice der Infra­struk­tur­be­trei­ber. Die­sen ste­hen die sys­tem­re­le­van­ten Res­sour­cen von SBB Cargo wie Trieb­fahr­zeu­ge, Ran­gier­teams, Ran­gier­glei­se/-bahn­hö­fe, Ran­gier­leis­tun­gen oder betriebs­in­ter­ne Umstel­lun­gen zur Verfügung.
  • So ent­steht Wett­be­werb mit gleich­be­rech­tig­ten Akteu­ren und trans­pa­ren­ten Kosten.

Mehr dazu lesen Sie in unse­rer Publi­ka­ti­on «Von der inte­grier­ten zur markt­wirt­schaft­li­chen Bahn».

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Forum Anschlussgleise 2022 – Rückblick

Forum Anschlussgleise 2022 – Rückblick

Zum ers­ten Mal seit 2018 fand am 15. Novem­ber 2022 das Forum Anschluss­glei­se wie­der statt. Die Refe­ren­ten waren sich einig: Anschluss­glei­se las­sen sich sehr wohl erfolg­reich betrei­ben, sofern die Betrei­ber Geld und Zeit in Pla­nung, Fach­wis­sen und Sicher­heit investieren.

Darum geht’s:
  • Anschluss­glei­se las­sen sich erfolg­reich betrei­ben. Doch das erfor­dert Geld und Planung.
  • Prag­ma­ti­sche Sicher­heits­kon­trol­len ermög­li­chen den Ver­gleich von Theo­rie und Praxis.
  • Der Erfah­rungs­aus­tausch inner­halb der Bran­che und die Fach­un­ter­stüt­zung durch den VAP wer­den begrüsst.
Kritischer Blick

Im ers­ten Teil des Forums brach­ten wir die neuen Rol­len im Wagen­la­dungs­ver­kehr zur Spra­che. In sei­ner Begrüs­sung warf VAP-Gene­ral­se­kre­tär Frank Fur­rer einen kri­ti­schen Blick auf die aktu­el­le Ver­nehm­las­sung. Er for­dert die Anwe­sen­den auf, ihre Ideen für einen erfolg­rei­chen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in Bran­chen­ge­sprä­chen ein­zu­brin­gen. Nötig sei eine Neu­ord­nung der Rol­len der Akteu­re auf der letz­ten Meile, im Ver­trieb und in der Pro­duk­ti­on. Eben­so brau­che es einen fle­xi­ble­ren Ein­satz der Res­sour­cen wie Wagen und Loks durch neue Geschäfts­mo­del­le. Eine Stu­die des VAP von 2013 zeig­te schon damals auf, dass wett­be­werbs­ori­en­tier­te Koope­ra­ti­on zu einem Sys­tem mit effi­zi­en­te­rer Leis­tungs­er­brin­gung und mehr Ver­keh­ren führt.

Betrieb

Tho­mas Kel­ler, Lei­ter Logis­tik bei der Per­len Papier AG, sprach über den erfolg­rei­chen Betrieb der Anschluss­glei­se. Als gros­se Her­aus­for­de­rung für seine Anschluss­glei­se in Gisikon/Root bezeich­ne­te er die Rekru­tie­rung qua­li­fi­zier­ter Mit­ar­bei­ten­der. Die erfor­der­li­che Aus­bil­dung koste viel Geld und bedin­ge eine weit­sich­ti­ge Pla­nung. Wei­te­re Fak­to­ren seien die kom­ple­xen Betriebs­vor­schrif­ten und die War­tung der eige­nen Loks. Tho­mas Kel­ler teilt mit den Gäs­ten seine Erfah­run­gen mit Arti­kel 6a der Güter­trans­port­ver­ord­nung und der Rail­Com. Dank guter Bera­tung durch den VAP liess sich eine adäqua­te Son­der­lö­sung für den Zugang zum Anschluss­gleis der Per­len Papier AG fin­den, wonach keine Nut­zung von Drit­ten mög­lich ist, da die Anla­gen hier­für nicht geeig­net seien und Aus­bau­pro­jek­te bestehen.

Sicherheitskontrollen

Ueli Remund, Mit­glied des Stabs Anschluss­glei­se bei der Plan­zer Trans­port AG, zeig­te anhand der Orga­ni­sa­ti­on und Pro­zes­se auf, wie wich­tig eine sau­be­re Doku­men­ta­ti­on und Sicher­heits­kon­trol­len sind, z.B. um die Sicher­heit und Rück­ver­folg­bar­keit zu gewähr­leis­ten. Eine sol­che sei essen­zi­ell, um erfolg­reich Anschluss­glei­se zu betrei­ben. Plan­zer muss­te die inter­nen Kon­trol­len der Anschluss­glei­se ver­fei­nern. Ueli Remund emp­fahl, den VAP fach­kun­di­gen Dienst­leis­ter damit zu beauf­tra­gen, wenn die Fach­kom­pe­tenz im eige­nen Haus fehlt.

Instandhaltung

Hein­rich Mau­rer, Lei­ter Immo­bi­li­en bei der mobi­log AG, beleuch­te­te die Instand­hal­tung und deren ver­läss­li­che Pla­nung mit Unter­stüt­zung des VAP am Bei­spiel des fir­men­ei­ge­nen Gleis­an­schlus­ses. Die­ser ist ein wich­ti­ger Bestand­teil der Trans­port­lo­gis­tik; immer­hin wird gera­de im Inbound 70% des Volu­mens mit der Bahn ange­lie­fert. Die mobi­log AG ent­schied sich, auf den Zug zu ver­la­den, nach­dem der Gott­hard­tun­nel infol­ge eines Unfalls über län­ge­re Zeit gesperrt war. Hein­rich Mau­rer beur­teilt diese Ent­schei­dung als nach­hal­tig richtig.

Aufsichtspflicht

Im zwei­ten Teil berich­te­te Hen­rik Lipp­mann, lei­ten­der Audi­tor bei der Sek­ti­on Sicher­heits­über­wa­chung des BAV, über die Erfah­run­gen aus der Sicher­heits­über­wa­chung von Anschlies­sern. Diese Auf­sichts­pflicht brin­ge den Unter­neh­men einen Mehr­wert. Viele Anschlies­ser seien nicht bahn­af­fin, wes­halb die Audits oft einer Bera­tung gleich­kom­men wür­den. Ein wich­ti­ges Instru­ment stel­le das Online-Ver­zeich­nis Anschluss­glei­se dar. Die­ses kön­nen Anschluss­gleis­be­sit­zer nut­zen, um Doku­men­te digi­tal abzu­le­gen, auto­ma­ti­sche Benach­rich­ti­gun­gen ein­zu­rich­ten und für wei­te­re nütz­li­che Funk­tio­nen. Hen­rik Lipp­mann infor­mier­te zudem über die im Ände­rungs­zy­klus 2024 anste­hen­den Neue­run­gen bei den Fahr­dienst­vor­schrif­ten (FDV), die zu Ver­ein­fa­chun­gen im Ran­gier­be­reich der Anschluss­glei­se füh­ren werden.

Dialog

In der Gesprächs­run­de auf dem Podi­um dis­ku­tier­ten die Refe­ren­ten über das Thema «Sicher­heit in Rea­li­tät und Theo­rie – bestehen Unter­schie­de?». Am Forum nah­men inter­es­sier­te Ver­la­der, Güter­bah­nen und Dienst­leis­ter teil. Aus den Vor­trä­gen und aus der Dis­kus­si­on konn­ten sie wert­vol­le Erkennt­nis­se und prak­ti­sche Tipps mit­neh­men. Und natür­lich kam auch die Pfle­ge des Netz­werks beim anschlies­sen­den Steh­lunch nicht zu kurz.

 

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