Der VAP fördert den Güterverkehr
auf der Schiene.


 

Der VAP Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft macht sich für markt­ge­rech­te Rah­men­be­din­gun­gen und ein zug­kräf­ti­ges Schwei­zer Güter­bahn­sys­tem stark. Rele­van­te Themen:

Güterverkehrsbranche

  • Was bewegt die Güterverkehrsbranche?
  • Wie gestal­ten wir die Zukunft des Güterverkehrs?
  • Ein Über­blick der Akteu­re des Schienengüterverkehrs.

Netz

Hier fin­den Sie nütz­li­che Infor­ma­tio­nen zu den Schie­nen­we­gen, deren Orga­ni­sa­ti­on und dem Netzzugang.

Finanzierung

Infor­ma­tio­nen zu finan­zi­el­ler För­de­rung und Abga­ben im Güter­ver­kehr.

Standorte

Alles zu Frei­ver­la­den, Ter­mi­nals, Anschluss­gleis­an­la­gen oder auch mul­ti­mo­da­len Logis­tik­hubs.

Interoperabilität

Der VAP enga­giert sich für die Har­mo­ni­sie­rung der Rah­men­be­din­gun­gen, damit Züge mühe­los auf euro­päi­schen Schie­nen­net­zen ver­keh­ren können.

Nachhaltigkeit

Für eine weit­sich­ti­ge Zukunft gilt es ver­schie­de­ne Berei­che nach­hal­tig zu gestalten.

Innovation

Wie kön­nen wir Inno­va­ti­on im Güter­ver­kehr vor­wärts trei­ben?

Betrieb

Zuguns­ten eines fai­ren Wett­be­werbs wol­len wir die Stär­ke aller Ver­kehrs­trä­ger nut­zen und opti­mal kom­bi­nie­ren. Denn so wird die Stre­cke für jeden Ein­zel­nen kür­zer – und wirtschaftlicher.

Veranstaltungen

Hier fin­den Sie wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen und Unter­la­gen zu unse­ren Ver­an­stal­tun­gen Forum Güter­ver­kehr, unse­rer Gene­ral­ver­samm­lung und weiteren.

Mit der DAK in die Zukunft investieren

Mit der DAK in die Zukunft investieren

Die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK) ist weit mehr, als was ihr Name in Aus­sicht stellt. Sie ist Grund­la­ge für eine voll­stän­di­ge Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Schweiz – und damit eine weit­sich­ti­ge Inves­ti­ti­on in die Zukunft. 

Schienengüterverkehr 4.0 

Wir von VAP enga­gie­ren uns für ein wett­be­werbs­fä­hi­ges Güter­bahn­sys­tem, um unse­ren Mit­glie­dern die freie Ver­kehrs­mit­tel­wahl zu sichern. Dafür sind wir auf ver­schie­de­nen Ebe­nen aktiv. Eine ist die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung, kurz DAK. Mit die­ser kann der euro­päi­sche Schie­nen­gü­ter­ver­kehr die nächs­te Dimen­si­on der Moder­ni­sie­rung errei­chen.  

Die DAK erlaubt den auto­ma­ti­schen Kupp­lungs­vor­gang, wie es der Name andeu­tet. Doch das ist bei wei­tem nicht alles. Wir soll­ten den Schwei­zer Schie­nen­gü­ter­ver­kehr mit sei­nen sys­tem­über­grei­fen­den Pro­zes­sen als Gan­zes neu den­ken. In die­ser Betrach­tung ermög­licht die DAK einen durch­ge­hen­den Strom- und Daten­trans­fer im Zug. Ein sol­cher ist die Vor­aus­set­zung für die Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Sie kommt einem Quan­ten­sprung in Qua­li­tät und Kun­den­nut­zen gleich, da sämt­li­che Daten über alle Schnitt­stel­len und Logis­tik­be­tei­lig­te digi­tal vor­lie­gen. Die digi­ta­le Zug­steue­rung wird zudem zu einer bahn­bre­chen­den Fle­xi­bi­li­sie­rung der Netz­nut­zung und damit zu einer mar­kan­ten Erhö­hung der Netz­ka­pa­zi­tät füh­ren. Das bie­tet dem Schie­nen­gü­ter­ver­kehr die ein­ma­li­ge Chan­ce, eine Schlüs­sel­rol­le in der mul­ti­mo­da­len Logis­tik zu spie­len. 

Echte Innovation seit 100 Jahren 

Die letz­te echte Inno­va­ti­on im euro­päi­schen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr erfolg­te durch die Elek­tri­fi­zie­rung. Sie liegt 100 Jahre zurück. In der Folge ist die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs ste­tig gesun­ken. Mit der Inves­ti­ti­on in die DAK kann der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr nun meh­re­re Ent­wick­lungs­stu­fen auf ein­mal nach­ho­len. Denn sie bie­tet neue Funk­tio­nen mit bahn­bre­chen­den Vor­tei­len (vgl. Abbil­dung 1).  

Abbil­dung 1: Die DAK bringt mehr Vor­tei­le als die Auto­ma­ti­sie­rung des Kuppelvorgangs.

Schienengüterverkehr als Rückgrat der Versorgung

Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist zen­tra­ler Bestand­teil der Güter­ver­sor­gung. Allein in der Schweiz rech­nen wir mit einem Wachs­tum des Güter­ver­kehrs­auf­kom­mens von 30 Pro­zent bis 2050. Die Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten auf Stras­se und Schie­ne sind begrenzt. Ein Kapa­zi­täts­aus­bau ist vor­wie­gend durch ver­bes­ser­te Schnitt­stel­len der mul­ti­mo­da­len Logis­tik­ket­ten mög­lich. Und auch punk­to Nach­hal­tig­keit hat der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr eini­ges zu bie­ten. Ein Drit­tel der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ent­fal­len jähr­lich auf den Ver­kehr. Mit dem Green Deal in Euro­pa und der lang­fris­ti­gen Kli­ma­stra­te­gie 2050 in der Schweiz hat sich die Poli­tik ambi­tio­nier­te Ziele gesetzt. Da erweist sich die emis­si­ons­ar­me Schie­ne als äus­serst wettbewerbsfähig.

Unterstützung gefragt

Den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr mit der DAK in eine neue Ära des Fort­schritts zu füh­ren gelingt nicht im Allein­gang. Unse­re Bran­che ist auf Unter­stüt­zung ange­wie­sen. Dazu gehört zum einen das poli­ti­sche Enga­ge­ment, damit eine naht­lo­se Koor­di­na­ti­on zwi­schen der Schweiz und der EU sicher­ge­stellt wird. Dazu gehört ande­rer­seits finan­zi­el­le Hilfe. Denn die Bran­chen­ak­teu­re kön­nen die hohen Anfangs­in­ves­ti­tio­nen nicht allein tra­gen. Der Mehr­wert der DAK ist lang­fris­tig aus­ge­legt und auf meh­re­re Markt­teil­neh­mer ver­teilt (vgl. Abbil­dung 2). Eine bewuss­te Anschub­fi­nan­zie­rung durch den Bund ist unse­rer Ansicht nach zwin­gend. Doch das über­ge­ord­ne­te Ziel muss die Eigen­wirt­schaft­lich­keit bleiben.

Abbil­dung 2: Der Nut­zen der DAK zeigt sich lang­fris­tig und ver­teilt sich auf meh­re­re Marktteilnehmer.

Überlegt nachrüsten

Wir erach­ten es als sinn­voll, den bestehen­den Wagen­park restrik­tiv nach­zu­rüs­ten und sich dabei auf junge und markt­re­le­van­te Wagen zu kon­zen­trie­ren. Wagen­hal­ter soll­ten ihre Wagen nur dann nach­rüs­ten, wenn dies über die Zeit gerech­net güns­ti­ger aus­fällt als eine Neu­an­schaf­fung. Aus­ser­dem soll­te der Bund eine Abwra­ck­ent­schä­di­gung für nicht abge­schrie­be­ne Wagen vor­se­hen, über deren Ver­wen­dung der Wagen­hal­ter selbst ent­schei­den kann. Tat­sa­che ist, dass eine hohe Anzahl von Wagen in einem kur­zen Zeit­raum koor­di­niert umge­rüs­tet wer­den muss, damit die Wagen unter­ein­an­der kom­pa­ti­bel blei­ben und die DAK ihren Mehr­wert bald­mög­lichst entfaltet.

Mehr zum Thema fin­den Sie in die­ser Prä­sen­ta­ti­on.

Interoperabilität Schweiz–EU sicherstellen

Interoperabilität Schweiz–EU sicherstellen

Der Gemisch­te Land­ver­kehrs­aus­schuss hat am 24. Juni 2022 die Bedeu­tung har­mo­ni­sier­ter Vor­schrif­ten für den Land­ver­kehr Schweiz–EU gewür­digt. Wir mei­nen: Für nach­hal­ti­ge Inter­ope­ra­bi­li­tät braucht es mehr. Jetzt ist eine koor­di­nier­te Ver­kehrs­po­li­tik gefragt.

1999 hat die Schweiz mit der Euro­päi­schen Union (EU) ein Land­ver­kehrs­ab­kom­men abge­schlos­sen. Die­ses garan­tiert Trans­por­teu­ren von dies- und jen­seits der Schwei­zer Lan­des­gren­zen einen gegen­sei­ti­gen Markt­zu­tritt. Die Vor­schrif­ten für den grenz­über­schrei­ten­den Güter­ver­kehr auf Schie­ne und Stras­se wur­den harmonisiert.

Schweiz teilweise aussen vor

Mit der NEAT baute die Schweiz den euro­päi­schen Schie­nen­kor­ri­dor zur Flach­bahn aus und setz­te ihre Ver­la­ge­rungs­po­li­tik mit der leis­tungs­ab­hän­gi­gen Schwer­ver­kehrs­ab­ga­be (LSVA) sowie Kabotage‑, Nacht- und Sonn­tags­fahr­ver­bot erfolg­reich um. Der Modal­split im alpen­que­ren­den Tran­sit­ver­kehr liegt bei über 70% zuguns­ten der Schie­ne, was als inter­na­tio­na­ler Bench­mark gilt. Die­ser erfreu­li­che Leis­tungs­aus­weis darf jedoch nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Schweiz ver­gli­chen mit Mit­glied­staa­ten aktu­ell über kei­nen voll­wer­ti­gen Markt­zu­gang ver­fügt. Das Schwei­zer Bahn­netz ist noch kein inte­grier­ter Teil des euro­päi­schen Interop-Netzes.

Am Landverkehrsabkommen festhalten
Der Gemisch­te Land­ver­kehrs­aus­schuss hat anläss­lich des Halb­jah­res­tref­fens vom 24. Juni 2022 die Bedeu­tung des Abkom­mens betont. Aller­dings blo­ckie­ren unge­lös­te poli­ti­sche Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Schweiz und der EU des­sen Wei­ter­ent­wick­lung. Eine sol­che ist im Rah­men der tech­ni­schen Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets drin­gend erfor­der­lich. Seit 2019 wird die Zusam­men­ar­beit der Schweiz mit der euro­päi­schen Eisen­bahn­agen­tur ERA in einer befris­te­ten Über­gangs­lö­sung gere­gelt. Der Gemisch­te Aus­schuss dis­ku­tier­te eine wei­te­re Ver­län­ge­rung die­ser Über­gangs­lö­sung. Das würde der Schweiz sowohl die ver­fah­rens­mäs­si­ge Ein­bin­dung zu ver­ein­fach­ten Zulas­sun­gen im grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr erleich­tern als auch das fach­li­che Mit­wir­ken an Inno­va­ti­ons­pro­jek­ten zur Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung der Bah­nen ermög­li­chen.
Bundesrat gefragt
Wir vom VAP sind über­zeugt, dass der Schwei­zer Bahn­gü­ter­ver­kehr den Markt­zu­gang aus­bau­en muss und den Anschluss an die euro­päi­sche Inno­va­ti­on nicht ver­pas­sen darf. Mit die­sem Credo hat Stän­de­rat Josef Ditt­li am 9. Juni 2022 die Inter­pel­la­ti­on 22.3566 ein­ge­reicht. Damit for­dert er den Bun­des­rat auf, die fol­gen­den Fra­gen zu beantworten: 
  1. Wie will der Bun­des­rat die not­wen­di­ge Wei­ter­füh­rung der Bahn­pa­ke­te im Rah­men des Land­ver­kehrs­ab­kom­mens EU–CH sicherstellen?
  2. Wie will der Bun­des­rat die Umset­zung der tech­ni­schen Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets in der Schweiz errei­chen und den frei­en grenz­über­schrei­ten­den Bahn­ver­kehr nach­hal­tig sichern?
  3. Wie will der Bun­des­rat die bal­di­ge volle Mit­glied­schaft der Schweiz in der euro­päi­schen Eisen­bahn­agen­tur ERA erreichen?
  4. Wie will der Bun­des­rat den Schwei­zer Ein­sitz im EU-RISC als wich­ti­ges Füh­rungs- und Ent­schei­dungs­gre­mi­um sicher­stel­len und vervollständigen?
Vollständige Interoperabilität sicherstellen
Für die Wirt­schaft im All­ge­mei­nen und für unse­re Mit­glie­der im Beson­de­ren ist es ent­schei­dend, dass bis­he­ri­ge Errun­gen­schaf­ten nach­hal­tig gesi­chert wer­den. Wir erach­ten es als abso­lut not­wen­dig, dass die Schweiz bald­mög­lichst als gleich­wer­ti­ger Part­ner in zen­tra­len euro­päi­schen Gre­mi­en ver­tre­ten ist und dass die Ver­kehrs­po­li­tik im grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr koor­di­niert wird. 
Zukunft Schienengüterverkehr in der Fläche

Zukunft Schienengüterverkehr in der Fläche

Schienengüterverkehr zukunftsfähig gestalten

Der bun­des­rät­li­che Bericht «Zukünf­ti­ge Aus­rich­tung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che»[1] vom März 2022 lie­fert eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit, das Schwei­zer Schie­nen­gü­ter-Ver­kehrs­sys­tem mit sei­nem inter­mo­da­len Wett­be­werb und sys­tem­über­grei­fen­den Pro­zes­sen als Gan­zes neu zu den­ken. Eine holis­ti­sche Neu­kon­zep­ti­on setzt nicht nur bei der (Anschub-)Finanzierung des EWLV oder bei der DAK, son­dern bei sämt­li­chen Pro­zes­sen, Anreiz­in­stru­men­ten, Markt­me­cha­nis­men und Schnitt­stel­len der mul­ti­mo­da­len Güter­lo­gis­tik in der Schweiz an.

Ziel muss ein eigen­wirt­schaft­li­ches, markt­wirt­schaft­li­ches Schie­nen­gü­ter-Ver­kehrs­sys­tem sein, das auf der Basis von intra­mo­da­lem Wett­be­werb alle Güter­bah­nen dis­kri­mi­nie­rungs­frei ein­be­zieht und den Ver­la­dern als zuver­läs­si­ger Part­ner zur Seite steht. In die­sem Kon­text muss eine all­fäl­li­ge Finan­zie­rung nach dem bewähr­ten Modell im Tran­sit­ver­kehr in ers­ter Linie den Kun­den aller Güter­bah­nen zugu­te­kom­men und erfolgs­ab­hän­gi­ge, wett­be­werbs­neu­tra­le Anrei­ze ohne jede Dis­kri­mi­nie­rung bie­ten. Nur so und nur mit gebün­del­ten Kräf­ten kön­nen sich Inno­va­tio­nen und Inves­ti­tio­nen der pri­va­ten Wirt­schaft in den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ent­fal­ten. Und nur so lässt sich der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Flä­che zukunfts­fä­hig gestalten.

Bundesrat erwägt langfristige finanzielle Unterstützung

Gemäss dem Bericht will der Bun­des­rat den Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) in Zukunft auf­recht­erhal­ten und schliesst eine lang­fris­ti­ge finan­zi­el­le Unter­stüt­zung nicht aus. Nach der Defi­ni­ti­on des Bun­des­am­tes für Ver­kehr (BAV) umfasst der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Flä­che den Ver­kehr von Wagen­grup­pen im unbe­glei­te­ten kom­bi­nier­ten Ver­kehr (UKV) und in kon­ven­tio­nel­len Bahn­gü­ter­wa­gen, die für den Haupt­lauf gebün­delt werden.

Die Ver­wal­tungs­rä­te der SBB AG und der SBB Cargo AG schät­zen in ihrem Finanz­be­richt 2021[2] eine Sub­ven­tio­nie­rung ihres Schie­nen­gü­ter­an­ge­bots als nötig und wahr­schein­lich ein. Bun­des­rat und Bun­des­be­trie­be sind sich also offen­bar einig dar­über, dass eine finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che nötig ist. Aller­dings stüt­zen sie sich zur Beur­tei­lung von Volu­men und Finan­zier­bar­keit ein­zig auf Anga­ben von SBB Cargo ab. Die rest­li­chen, mehr­heit­lich pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­ten Güter­bah­nen blei­ben in die­ser Betrach­tung aus­sen vor. Unse­rer Ansicht nach braucht es hier drin­gend eine neue Sichtweise.

Neue Perspektive einnehmen

Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Flä­che wird von SBB Cargo seit der Bahn­re­form I von 1999 im Mono­pol betrie­ben – wenig erfolg­reich, wie eine Bilanz 25 Jahre nach dem Par­la­ments­ent­scheid zeigt. Das muss sich ändern: Die schweiz­weit akti­ven Güter­bah­nen und ihre Kun­den kön­nen mit ver­ein­ten Kräf­ten und unter der Füh­rung der Inter­es­sen­ge­mein­schaft Wagen­la­dungs­ver­kehr (IGWLV)[3] den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Schweiz neu konzipieren.

Abbildung 1, Seite 51 im Bericht «Zukünftige Ausrichtung des Schienengüterverkehrs in der Fläche»

Abbil­dung 1, Seite 51 im Bericht «Zukünf­ti­ge Aus­rich­tung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Fläche»

Für die Wei­ter­ent­wick­lung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che wer­den im Bericht zwei Stoss­rich­tun­gen (Abbil­dung 1) vor­ge­stellt: die eine beinhal­tet die Ein­stel­lung des EWLV, die ande­re die finan­zi­el­le För­de­rung des EWLV. Dies ist aus Sicht VAP eine zu enge Sicht. Es ist ein Per­spek­ti­ven­wech­sel in zwei­er­lei Hin­sicht not­wen­dig: Ers­tens müs­sen die Akteu­re ihr Rol­len­ver­ständ­nis neu defi­nie­ren und ihre Pro­zes­se über­den­ken. Zwei­tens braucht es einen neu­tra­len Blick auf die finan­zi­el­le Situa­ti­on. Denn weder die anvi­sier­ten tech­ni­schen Fort­schrit­te (Stich­wort digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung DAK), noch die reine Innen­sicht von SBB Cargo kön­nen eine Neu­ord­nung her­bei­füh­ren. Diese soll­te denn auch im Mit­tel­punkt der aktu­el­len Zukunfts­dis­kus­si­on ste­hen. Die im Bericht gezeig­te Orga­ni­sa­ti­ons­form (Abbil­dung 2) stellt eine gedank­li­che Absprung­ba­sis dar, um wei­te­re Vari­an­ten von Stoss­rich­tun­gen auszuarbeiten.

Abbildung 2, Seite 50 im Bericht «Zukünftige Ausrichtung des Schienengüterverkehrs in der Fläche»

Abbil­dung 2, Seite 50 im Bericht «Zukünf­ti­ge Aus­rich­tung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Fläche»

Faktenbasiert entscheiden

Um den Finan­zie­rungs­be­darf des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che zu beur­tei­len, braucht es als Grund­la­ge zwin­gend eine Ana­ly­se der Wirt­schaft­lich­keit durch exter­ne neu­tra­le Sach­ver­stän­di­ge. Soll­te der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Flä­che tat­säch­lich unren­ta­bel sein, gilt es zu unter­schei­den, ob dafür die Mono­pol­stel­lung von SBB Cargo oder aber das Sys­tem an sich ver­ant­wort­lich ist. Die neu­tra­le Dritt­par­tei muss zudem prü­fen, ob Eigen­wirt­schaft­lich­keit, wie es das Güter­trans­port­ge­setz (GüTG[4]) for­dert, der­zeit über­haupt ange­strebt wird. Erst bei Vor­lie­gen einer detail­lier­ten Ist-Ana­ly­se kann das Par­la­ment über ent­spre­chen­de Mass­nah­men befinden.

Finanzierung befristen

Erweist sich eine finan­zi­el­le För­de­rung zwei­fel­los als ange­zeigt, so ist sie als befris­te­te Finan­zie­rung für eine fun­da­men­ta­le Neu­kon­zep­ti­on zu betrach­ten – nicht als Dau­er­sub­ven­tio­nie­rung. Eine zeit­lich limi­tier­te Anschub­fi­nan­zie­rung kann den Auf­bau eines wett­be­werbs­ori­en­tier­ten Schie­nen­gü­ter-Ver­kehrs­sys­tems so lange unter­stüt­zen, bis des­sen gleich­zei­ti­ge Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung und die Inbe­trieb­nah­me neuer Netz­ele­men­te aus dem Aus­bau­schritt 2035 abge­schlos­sen sind. Eine dau­er­haf­te För­de­rung hin­ge­gen würde die markt­wirt­schaft­li­chen Anrei­ze für Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Eigen­wirt­schaft­lich­keit des EWLV aus­he­beln und eine Wei­ter­ent­wick­lung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Schweiz verunmöglichen.

 

[1] «Zukünf­ti­ge Aus­rich­tung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che», Bericht des Bun­des­ra­tes in Erfül­lung des Pos­tu­lats 21.3597 der KVF‑S vom 10. Mai 2021. 1999 hat das Par­la­ment mit der Bahn­re­form I der SBB Cargo AG das Mono­pol für den Betrieb des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Flä­che über­tra­gen. Des­sen Ver­kehrs­an­teil am Schie­nen­gü­ter­ver­kehr im Binnen‑, Import- und Export­ver­kehr beträgt rund 60%. Die übri­gen 40% ver­keh­ren ziel­rein in Ganz­zü­gen über Anschluss­glei­se und Terminals.

[2] «SBB Finanz­be­richt 2021», Kapi­tel «Bewer­tungs­un­si­cher­hei­ten rund um die Coro­na­pan­de­mie und um das Geschäfts­feld Cargo Schweiz», S. 84

[3] Die Inter­es­sens­ge­mein­schaft Wagen­la­dungs­ver­kehr (IGWLV) wurde 2018 gegrün­det. Sie ver­tritt die eine Inter­es­sen von VöV, SBB Cargo und VAP mit dem Auf­trag, den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Flä­che zu moder­ni­sie­ren und effi­zi­en­ter zu gestal­ten, ent­spre­chend Art. 3a des Güter­trans­port­ge­set­zes. Prä­si­dent: Frank Fur­rer, Gene­ral­se­kre­tär VAP, Vize­prä­si­den­tin: Dési­rée Baer, CEO SBB Cargo –> Berich­te zur IG WLV

[4] «Bun­des­ge­setz über den Güter­trans­port durch Bahn- und Schiff­fahrts­un­ter­neh­men (Güter­trans­port­ge­setz, GüTG)» Art. 2 Abs. 2

Spannender ECM-Erfahrungsaustausch in Olten

Spannender ECM-Erfahrungsaustausch in Olten

Am 20. Mai 2022 fand der 15. ECM-Erfah­rungs­aus­tausch in Olten statt. Dass wir mit die­sem Thema am Puls der Zeit lie­gen, zeig­te uns die aus­ver­kauf­te Veranstaltung.

An die­sem Erfah­rungs­aus­tausch wur­den Infor­ma­tio­nen über den Sta­tus der EU-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung 2019/779 sowie der Stand der aktu­el­len Umset­zung des 4. EU-Eisen­bahn­pa­ke­tes und deren Bedeu­tung für die Schweiz beleuch­tet. Nebst den wei­te­ren The­men ist der ECM-Erfa auch eine wich­ti­ge Platt­form für Dis­kus­sio­nen und Erfahrungsaustausch.

Die nächs­te ECM-ERFA fin­det am Frei­tag, 20. Okto­ber 2023 ab 10.00 Uhr in Olten statt.

Ausgangslage

Eine opti­mier­te Zusam­men­ar­beit dient der Sicherheit.

Für die Sicher­heit der Güter­zü­ge ist das Zusam­men­spiel aller am Trans­port Betei­lig­ten von zen­tra­ler Bedeu­tung. Die­ses Zusam­men­spiel beginnt bei den Absen­dern bzw. Bela­dern, die für einen siche­ren Belad der Güter­wa­gen ver­ant­wort­lich sind, geht wei­ter über die Eisen­bahn­un­ter­neh­men, wel­che den Zug sicher fah­ren sol­len, bis hin zu den Wagen­hal­tern und ECM, wel­che für einen guten tech­ni­schen Zustand der Güter­wa­gen zustän­dig sind.

Für einen siche­ren Trans­port muss diese Kette rei­bungs­los funk­tio­nie­ren, jeder muss in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich seine Auf­ga­ben wahr­neh­men. Gera­de im inter­na­tio­na­len Güter­ver­kehr sind diese ver­schie­de­nen Betei­lig­ten oft über ganz Euro­pa ver­teilt. Dies stellt für die Zusam­men­ar­beit, den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch und damit für die Gewähr­leis­tung der Sicher­heit der Güter­trans­por­te eine zusätz­li­che Hürde dar.

Die Prä­sen­ta­tio­nen der span­nen­den Agen­da ste­hen Ihnen zum Down­load zur Ver­fü­gung.
Bitte beach­ten Sie, dass wir keine Haf­tung für die Rech­te an Bild­ma­te­ri­al und an den Inhal­ten der Prä­sen­ta­tio­nen übernehmen.

  1. EU-Eisen­bahn­pa­ket – Bedeu­tung für die Schweiz | Bau­draz (BAV)
  2. Stand Umset­zung der DVO aus Behör­den­sicht | Lipp­mann (BAV)
  3. Neue Ver­pflich­tun­gen aus Art. 4 der DVO | Peter­hans (UIP)
  4. SAIT der ERA | Roth (SBB PP)
  5. ECM für SBB Per­so­nen­ver­kehr | Fäh (SBB PP)
  6. ECM für eine Meter­spur­bahn | Züger (zb)
  7. Umset­zung der DVO bei einem Fahr­zeug­her­stel­ler | Alt­un­o­va (Stad­ler Service)
  8. Sicher­heits­auf­sicht – Betriebs­kon­trol­len «Güter­zü­ge» | Schüp­fer (BAV)
  9. Erfah­run­gen Zer­ti­fi­zie­rer | Schmidl (Scon­rail) und Bergk (SQS)
  10. Con­di­tio­ned Based Main­ten­an­ce | Buer­mey­er (Rös­ch­CG)
  11. Erfah­rungs­aus­tausch | alle Teilnehmenden
  12. Abstim­mung des wei­te­ren Vor­ge­hens aus Sicht des Sek­tors | Gutz­wil­ler (railbex)

 

Forum Güterverkehr: Die Branche steht zusammen für den Fortschritt im Schienengüterverkehr

Forum Güterverkehr: Die Branche steht zusammen für den Fortschritt im Schienengüterverkehr

Am 3. Mai 2022 fand nach drei Jah­ren end­lich wie­der das belieb­te Forum Güter­ver­kehr statt. Es tra­fen sich die wich­tigs­ten Akteu­re und Ver­tre­ter aus der ver­la­den­den Wirt­schaft aus ganz Euro­pa, um ihr Fach­wis­sen auf­zu­fri­schen und sich mit Kol­le­gen unter­neh­mens­über­grei­fend aus­zu­tau­schen. Die Chan­cen, den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in einem gemein­sa­men Anlauf für die Zukunft fit machen zu kön­nen, ste­hen gut!

Interessante Ansätze

Die Mas­ter­plä­ne Güter­ver­kehr sowie Schie­nen­gü­ter­ver­kehr im Beson­de­ren, die in Deutsch­land und Öster­reich lan­ciert wur­den, geben einen umfas­sen­den Über­blick über die poli­ti­schen Stra­te­gien und Mass­nah­men. Ver­gleich­ba­res fehlt in der Schweiz, statt­des­sen wird noch stark auf die ein­zel­nen Ver­kehrs­trä­ger fokus­siert. Der VAP ver­folgt daher wei­ter­hin eine Gesamt­sicht Güter­ver­kehr und Logis­tik, dies in enger Koope­ra­ti­on mit eco­no­mie­su­is­se und ASTAG. Öster­reich prä­sen­tiert eine Ände­rung im Abfall­wirt­schafts­ge­setz. Die­ses gibt vor, dass Trans­por­te von Abfäl­len mit einem Gesamt­ge­wicht von mehr als zehn Ton­nen, ab einer fest­ge­leg­ten Trans­port­stre­cke (sin­kend zwi­schen 1.1.2023 bis 1.1.2026 von 300, 200, 100 km), zukünf­tig per Bahn oder durch ande­re Ver­kehrs­mit­tel mit gleich­wer­ti­gem oder gerin­ge­rem Schad­stoff oder Treib­haus­gas­po­ten­ti­al (z.B. Antrieb mit­tels Brenn­stoff­zel­le oder Elek­tro­mo­tor) zu erfol­gen haben. Auch im Kan­ton Zürich zei­gen sich ähn­li­che Ent­wick­lun­gen, zum Bei­spiel in der Ver­ord­nung über den Bahn­trans­port von Aus­hub und Gesteins­kör­nung vom 3. Febru­ar 2021. Diese ver­langt, dass ein erheb­li­cher Teil des Aus­hubs per Bahn­trans­port zu erfol­gen hat – oder aber eine Ersatz­ab­ga­be anfällt. Im Ansatz begrüs­sen wir sol­chen Regu­la­ri­en zur Errei­chung der Umwelt­zie­le, jedoch hal­ten wir eine Vor­ga­be der Trans­port­mit­tel­wahl mit­tels sanf­ten Zwangs als wenig ziel­füh­rend. Viel­mehr ist der VAP bestrebt, die Bah­nen fit und für die Ver­la­der attrak­tiv zu machen, so dass eine Bevor­mun­dung nicht nötig ist.

Sehr posi­tiv wer­ten wir daher das gemein­sa­me Inter­es­se, die Digi­ta­li­sie­rung vor­an­zu­trei­ben. Wie nie zuvor ste­hen die Akteu­re der ver­la­den­den Wirt­schaft geschlos­sen für den Fort­schritt. Es ist beein­dru­ckend, wie die ver­schie­de­nen Play­er sich über ganz Euro­pa ver­netzt für die Digi­ta­li­sie­rung ent­schei­den und die­sen Hebel gemein­sam betä­ti­gen wol­len, um den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr für die Zukunft fit zu machen. In ver­schie­de­nen Refe­ra­ten wurde auf­ge­zeigt, dass die Digi­ta­le Auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK), nicht nur erheb­li­che Erleich­te­rung für mecha­ni­sche Arbei­ten bringt, son­dern vor allem Wei­chen­stel­ler für die Kon­nek­ti­vi­tät eines gesam­ten Zuges ist. Dies ist die Vor­aus­set­zung für die für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr so wich­ti­ge Digi­ta­li­sie­rung, wel­che sich in ande­ren Bran­chen schon lange voll­zo­gen hat. Mit effi­zi­en­te­ren und trans­pa­ren­ten Pro­zes­sen kann die Bahn nebst den ande­ren Ver­kehrs­mit­teln wett­be­werbs­fä­hig wer­den. Das Motto ist Col­la­bo­ra­ti­on und Coo­pe­ti­ti­on, wel­ches auch wir vom VAP Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft unterstützen.

VAP-Mit­glie­der kön­nen mit ihrem per­sön­li­chen Login die Prä­sen­ta­tio­nen der Refe­ren­ten hier herunterladen.

Der Ablauf des Forums im Detail

Der Vor­mit­tag dreh­te sich um die Frage «Ver­kehrs­po­li­tik im grü­nen Rausch?». Gil­les Peter­hans, Secre­ta­ry Gene­ral der UIP erläu­ter­te die ver­kehrs­po­li­ti­schen The­men auf euro­päi­scher Ebene. Malte Law­renz, Vor­sit­zen­der des VPI Deutsch­land zeig­te für Deutsch­land den ver­kehrs­po­li­ti­schen Rah­men auf, wie der Schie­ne Prio­ri­tät ein­ge­räumt wer­den soll und wel­cher För­de­rung es bedarf, um den Mas­ter­plan für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr umset­zen zu kön­nen. Frank Petut­s­ch­nig, Gene­ral­se­kre­tär VPI Öster­reich, zeig­te zum sel­ben Thema die Situa­ti­on in Öster­reich auf, wobei dort die Gesamt­sicht des Güter­ver­kehrs, näm­lich eine mög­lichst effi­zi­en­te Wahl des Ver­kehrs­trä­gers hin­sicht­lich Ener­gie­be­darfs pro Ton­nen, im Fokus steht. Dési­rée Baer, CEO SBB Cargo, ergänz­te mit ihrem Refe­rat die Sach­la­ge des ver­kehrs­po­li­ti­schen Rah­mens in der Schweiz und stell­te die Inter­es­sens­ge­sell­schaft Wagen­la­dungs­ver­kehr (IG WLV), der Platt­form zur Koope­ra­ti­on für Bah­nen und Ver­la­der vor.

In der anschlies­sen­den Podi­ums­dis­kus­si­on wurde deut­lich, dass die Wei­chen für die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs auf Inno­va­ti­on gestellt sind und es im nächs­ten Schritt zu defi­nie­ren gilt, wie die Inves­ti­tio­nen finan­ziert wer­den. Klar wurde, dass die Neue­run­gen alle Akteu­re betref­fen und somit ein kol­la­bo­ra­ti­ver Ansatz der rich­ti­ge Weg ist. Koope­ra­ti­on und Wett­be­werb – oder auch Coo­pe­ti­ti­on – sind zwei wei­te­re Schlag­wör­ter, die nicht nur bei den Schie­nen­ak­teu­ren erwünscht sind, son­dern auch im Zusam­men­spiel von Schie­ne und Strasse.

Der Nach­mit­tag glie­der­te sich in die zwei span­nen­den Schlüs­sel­the­men «Inno­va­tio­nen & mög­li­che Umset­zung» und «Digi­ta­li­sie­rung mit kon­kre­ten Mass­nah­men». Jürg Lüt­scher, fach­kun­dig für Inno­va­ti­on und Regu­la­ti­on beim VAP, sprach über die Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Schweiz. Er beton­te, wie wich­tig die Opti­mie­rung der Pro­zes­se und Schnitt­stel­len in Zuge von Inno­va­ti­on ist, der soge­nann­ten Inter­ope­ra­bi­li­tät. Ralf Mar­xen, Head of Exter­nal Tech­ni­cal Affairs bei der Deut­sche Bahn AG refe­rier­te über den Weg zum intel­li­gen­ten Güter­zug: «Von Shift2Rail zu Europe’s Rail». Er zeig­te wich­ti­ge Mei­len­stei­ne zur Inno­va­ti­on auf, wobei die Digi­ta­le Auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK) die Schlüs­sel­funk­ti­on für die Digi­ta­li­sie­rung ein­nimmt und zum Bei­spiel auto­ma­ti­sier­te Vor­gän­ge und Moni­to­ring, wie auch eine punkt­ge­naue Kun­den­kom­mu­ni­ka­ti­on ermög­licht und damit den Ser­vice-Level des Trans­ports von Gütern auf der Schie­ne um ein Viel­fa­ches anhebt. Ste­fan Hagen­lo­cher, Geschäfts­füh­rer HWH und Pro­jekt­lei­ter TIS, der live über Video­ka­nal zuge­schal­tet wurde, zeig­te auf, was der Tech­ni­sche Inno­va­ti­ons­kreis Schie­nen­gü­ter­ver­kehr (TIS) für einen digi­ta­len und wett­be­werbs­fä­hi­gen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr vor­aus­setzt. Er kom­mu­ni­zier­te klar, dass es ohne DAK keine voll­stän­di­ge Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs geben wird und eine Stan­dar­di­sie­rung der tech­ni­schen Aspek­te sowie eine abge­stimm­te Migra­ti­ons­stra­te­gie uner­läss­lich sind.

Die bei­den Wagen­ver­mie­ter Niko Davids, Chief Digi­tal Offi­cer, VTG AG, und Chris­toph Becker, Lei­ter ECM II und Sicher­heits­ma­nage­ment bei Was­co­sa AG, zeig­ten ihre Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gien zur Stär­kung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs auf. Auch ihre Bot­schaft – zumal die bei­den Kon­kur­ren­ten mit ihrem gemein­sa­men Auf­tritt schon ein Zei­chen setz­ten: «Col­la­bo­ra­ti­on und Coo­pe­ti­ti­on: Digi­ta­li­sie­rung ist kein Vor­ha­ben eines Ein­zel­nen! Nur durch akti­ve und offe­ne Zusam­men­ar­beit wird ein Nut­zen für den Sek­tor entstehen!»

Jörg Bisang, Lei­ter Pro­dukt­ma­nage­ment ZKE, beein­druck­te mit den schon heu­ti­gen Mög­lich­kei­ten, wel­che die Digi­ta­li­sie­rung der tech­ni­schen Fahr­zeug­kon­trol­le mit «Way­si­de Intel­li­gence» bringt, und for­der­te EVUs und Wagen­hal­ter auf, diese Mög­lich­kei­ten zu nutzen.

In der abschlies­sen­den Podi­ums­dis­kus­si­on wurde dann auch deut­lich, dass sich alle gemein­sam auf die Migra­ti­on der DAK fokus­sie­ren wol­len, im Sinne einer inter­ope­ra­blen Inno­va­ti­on. Diese Zusam­men­ar­beit betrifft das Gesamt­sys­tem Bahn, des­halb gilt es, nicht als Wett­be­wer­ber zusam­men daran zu arbei­ten, son­dern als Inno­va­ti­ons­team, wel­che sich über ihre Ziel­vor­stel­lun­gen aus­tau­schen. Schnel­le und muti­ge Ent­schei­dun­gen kön­nen eine effi­zi­en­te Umset­zung ermöglichen.

Wir bli­cken auf ein erfolg­rei­ches Forum Güter­ver­kehr zurück, bei dem es alle genos­sen haben, sich end­lich wie­der in der «rea­len Welt» tref­fen und aus­tau­schen zu können.

4. EU-Bahnpaket: Innovationsschub nutzen

4. EU-Bahnpaket: Innovationsschub nutzen

Kli­ma­schutz steht in Euro­pa ganz oben auf der poli­ti­schen Agen­da. Ein hoher Bedarf an Mobi­li­tät von Per­so­nen und an Trans­port von Gütern führt in unse­rer inten­siv indus­tria­li­sier­ten Regi­on seit län­ge­rem zu mas­si­ven kli­ma­schäd­li­chen Emis­sio­nen. Auf dem Weg zu Netto-Null erwar­tet die Poli­tik, dass der Bahn­sek­tor seine Vor­tei­le kon­se­quent nutzt und einen sub­stan­zi­el­len Bei­trag zur res­sour­cen­scho­nen­de­ren Logis­tik leis­tet. Dank Inno­va­ti­on haben wir die Chan­ce, die Pro­duk­ti­on der Güter­ver­keh­re effi­zi­en­ter, ergo kos­ten­güns­ti­ger und kun­den­freund­li­cher nutz­bar zu gestal­ten, und wir erhö­hen oben­drein die Tras­sen­ver­füg­bar­keit auf unse­ren bestehen­den Schienennetzen.

Bahnsektor muss sich digitalisieren

Die Vor­aus­set­zun­gen, die­sen poli­ti­schen Erwar­tun­gen gerecht zu wer­den, sind eigent­lich gut. In Euro­pa exis­tiert ein dich­tes Schie­nen­netz, auf dem die Bahn, ver­gli­chen mit ande­ren Ver­kehrs­trä­gern, gros­se Mas­sen mit nied­ri­gem Ener­gie- und Raum­be­darf bewe­gen kann, die wich­ti­gen Zen­tren sind alle mit­ein­an­der ver­bun­den. Aller­dings sind im Bahn­sek­tor zahl­rei­che Stan­dards und Arbeits­wei­sen mas­siv ver­al­tet. Und die spe­zi­fi­schen Eigen­hei­ten der ein­zel­nen Län­der lau­fen teil­wei­se dia­me­tral aus­ein­an­der. Dies ist ein wesent­li­cher Grund, dass die vom Bahn­sek­tor gefor­der­te Leis­tungs­stei­ge­rung bis­her aus­blieb. Der Bahn­sek­tor kann die hohen poli­ti­schen Erwar­tun­gen – die besag­te Schlüs­sel­rol­le in der Umset­zung der Kli­ma­po­li­tik ein­zu­neh­men – nur dann über­zeu­gend erfül­len, wenn er sich fun­da­men­tal erneu­ert. Dazu benö­tigt er einen sys­tem­über­grei­fen­den Inno­va­ti­ons­schub und har­mo­ni­sier­te, dem tech­ni­schen Stand ent­spre­chen­de hoheit­li­che Regeln.

EU-weit harmonisierte Interoperabilität

Hier kommt die tech­ni­sche Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets ins Spiel. Sie strebt eine sys­te­ma­ti­sche Har­mo­ni­sie­rung im inter­na­tio­na­len Nor­mal­spur­ver­kehr an. Die Mit­glied­staa­ten sind gefor­dert, die Inter­ope­ra­bi­li­täts-Stan­dards kon­se­quent anzu­wen­den und die ent­spre­chen­den Zulas­sungs­ver­fah­ren inter­na­tio­nal zu har­mo­ni­sie­ren. So wer­den die bestehen­den Hür­den für grenz­über­schrei­ten­de Ver­keh­re abge­baut und der Weg für gemein­sa­me euro­päi­sche Inno­va­ti­ons­schrit­te geöff­net. Damit wird die tech­ni­sche Säule ent­schei­dend für erfolg­rei­che Inno­va­tio­nen im euro­päi­schen Bahnsektor.

Diese umfas­sen vier The­men­fel­der und ver­bes­sern in den nächs­ten Jah­ren die Markt­po­si­ti­on des Bahn­ver­kehrs wesentlich:

  • Inter­na­tio­nal har­mo­ni­sier­te hoheit­li­che Vorschriften
  • Grenz­über­schrei­tend kom­pa­ti­ble tech­ni­sche Systeme
  • Inter­na­tio­nal har­mo­ni­sier­te Pro­zes­se für sicher­heits­re­le­van­te Tätigkeiten
  • Gemein­sa­me Akti­vi­tä­ten zur sys­tem­über­grei­fend geführ­ten Weiterentwicklung
Automatisierung wird marktfähig

Europe’s Rail Joint Under­ta­king (EU-Rail) hat mit dem Euro­pean Freight Digi­tal Auto­ma­tic Cou­pler Deli­very Pro­gram (EDDP) eine wich­ti­ge euro­pa­über­grei­fen­de Ent­wick­lung ange­stos­sen. Diese soll die Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung im Güter­ver­kehr ermög­li­chen. Die Ent­wick­lungs­ar­bei­ten sol­len bis 2025 soweit fort­ge­schrit­ten sein, dass digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lun­gen für die anste­hen­de Migra­ti­on des Roll­ma­te­ri­als seri­en­reif ver­füg­bar sind.

Schweiz mittendrin

Sowohl aus wirt­schaft­li­cher als auch aus geo­gra­fi­scher Per­spek­ti­ve ist es sinn­voll, dass sich die Schweiz an den lau­fen­den EU-Akti­vi­tä­ten aktiv und kon­se­quent betei­ligt – im Kon­text des Seil­zie­hens um das insti­tu­tio­nel­le Rah­men­ab­kom­men erst recht. Die aus­ge­lös­te Revi­si­on des Schwei­zer Eisen­bahn­ge­set­zes (EBG) zur auto­no­men Anpas­sung unse­rer hoheit­li­chen Vor­schrif­ten an die eta­blier­ten Interop- und Sicher­heits­richt­li­nie des 4. EU-Bahn­pa­kets ist ein will­kom­me­ner Anstoss dafür, die anvi­sier­ten Inno­va­ti­ons­pa­ke­te jetzt aktiv in Angriff zu neh­men. Der Schwei­zer Bahn­sek­tor soll und wird die­sen Inno­va­ti­ons­schub bald­mög­lichst zu sei­nem Vor­teil nut­zen, um auf dem markt­wirt­schaft­lich hart umkämpf­ten Trans­port­sek­tor auch in Zukunft als kon­kur­renz­fä­hi­ger Part­ner aufzutreten.

Verkehrsverlagerung: Im Transit auf gutem Weg

Verkehrsverlagerung: Im Transit auf gutem Weg

Der bun­des­rät­li­che «Ver­la­ge­rungs­be­richt Juli 2019 – Juni 2021» stellt die Ent­wick­lung beim alpen­que­ren­den Güter­ver­kehr und hin­sicht­lich Umwelt­be­las­tung auf den alpen­que­ren­den Tran­sit­ach­sen dar. Anschlies­send beleuch­tet er den Stand der Umset­zung der Ver­la­ge­rungs­in­stru­men­te und flan­kie­ren­den Mass­nah­men. Dar­auf auf­bau­end schlägt der Bun­des­rat ver­schie­de­ne Mass­nah­men zur Unter­stüt­zung der Ver­la­ge­rung vor. Abschlies­send nimmt er eine Ein­schät­zung zur Wei­ter­füh­rung der Ver­la­ge­rungs­po­li­tik in den kom­men­den Berichts­pe­ri­oden vor.

Erfolgsgeschichte im Transit

Der Ver­la­ge­rungs­be­richt 2021 zeigt, dass die ein­ge­schla­ge­ne Rich­tung bei der Ent­wick­lung im alpen­que­ren­den Güter­ver­kehr stimmt. Moni­to­ring und Bericht­erstat­tung bewäh­ren sich. Trotz­dem bleibt viel zu tun. Die Anzahl der alpen­que­ren­den Fahr­ten schwe­rer Güter­fahr­zeu­ge liegt für das Jahr 2021 bei knapp 900’000. Damit wird die gesetz­li­che Vor­ga­be von 650’000 noch immer deut­lich über­schrit­ten. Ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die anste­hen­de Dekar­bo­ni­sie­rung des Ver­kehrs zur Errei­chung der Kli­ma­zie­le 2050 sind drin­gend wei­te­re Mass­nah­men notwendig.

Viel getan, viel zu tun

Wir vom VAP sind der Ansicht, dass es bis­he­ri­ge Mass­nah­men zu schär­fen und ins­be­son­de­re die finan­zi­el­len För­der­mass­nah­men tech­no­lo­gie­neu­tral aus­zu­wei­ten gilt. Heute erfolgt sie im unbe­glei­te­ten kom­bi­nier­ten Ver­kehr. Ande­re Bahn­pro­duk­ti­ons­for­men wer­den nicht geför­dert. Natür­lich müs­sen wir die Gren­zen der Ver­kehrs­ver­la­ge­rung im Tran­sit akzep­tie­ren und sicher­stel­len, dass hier die Kräf­te gebün­delt wer­den. Den­noch ist es die Auf­ga­be von Poli­tik und Wirt­schaft, das Poten­zi­al für eine wei­ter­füh­ren­de Ver­la­ge­rung im Tran­sit aus­zu­lo­ten. Das haben wir im Fol­gen­den getan.

Potenzial Nr. 1: Multimodalität

Stras­se, Schie­ne und See­weg ergän­zen sich opti­mal. Ver­la­der kön­nen diese Ver­kehrs­trä­ger zu effi­zi­en­ten, mul­ti­mo­da­len Logis­tik­lö­sun­gen kom­bi­nie­ren, wobei der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr als das Rück­grat mul­ti­mo­da­ler Logis­tik­ket­ten gilt. Ent­spre­chend soll­te die För­de­rung der Mul­ti­mo­da­li­tät tech­no­lo­gie­neu­tral erfol­gen. Heute wird vor­wie­gend der unbe­glei­te­te kom­bi­nier­te Ver­kehr geför­dert, nicht aber der kon­ven­tio­nel­le Bahn­gü­ter­ver­kehr. Das Resul­tat: Der Anteil des Wagen­la­dungs­ver­kehrs im Tran­sit sinkt.

Abbildung 1: Entwicklung des Modalsplits im alpenquerenden Güterverkehr 1984 bis 2020

 

Unse­rer Ansicht nach ist das eine ver­pass­te Chan­ce. Denn das «Bun­des­ge­setz über die Ver­la­ge­rung des alpen­que­ren­den Güter­schwer­ver­kehrs von der Stras­se auf die Schie­ne» (GVVG)1 erlaubt die För­de­rung des gesam­ten Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Wir mei­nen, dass alle Kom­bi­na­ti­ons­for­men von Stras­se, Schie­ne und See­weg Teil der mul­ti­mo­da­len Logis­tik sind und finan­zi­ell sowie infra­struk­tu­rell gleich­be­han­delt wer­den müssen.

Potenzial Nr. 2: Qualitätsmonitoring

Aktu­ell ist nur der unbe­glei­te­te kom­bi­nier­te Ver­kehr einem Moni­to­ring unter­stellt. Damit soll fest­ge­stellt wer­den, wie die Qua­li­tät im Tran­sit­ver­kehr dasteht. Im Tran­sit­ver­kehr fin­det hin­ge­gen kein Qua­li­täts­mo­ni­to­ring im Wagen­la­dungs­ver­kehr statt. Auch das sehen wir als zwei­te ver­pass­te Chan­ce. Denn wie gesagt, das GVVG sieht die För­de­rung des gesam­ten Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs vor. Also soll­te die Qua­li­tät aller mul­ti­mo­da­len Trans­por­te über­wacht wer­den. Das gilt für Con­tai­ner, Sat­tel­auf­lie­ger, gedeck­te Wagen, Kes­sel­wa­gen und ande­re gleichermassen.

Abbildung 2: Entwicklung der Pünktlichkeit im alpenquerenden kombinierten Schienengüterverkehr 2019 bis 2021

 

Potenzial Nr. 3: Konnektivität und Produktivität

Das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV), der Ver­band öffent­li­cher Ver­kehr (VöV) und wir vom VAP neh­men die Digi­ta­li­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs im Rah­men eines Gross­pro­jekts in Angriff (vgl. Moti­on «Durch Auto­ma­ti­on Güter auf der Schie­ne effi­zi­en­ter trans­por­tie­ren» von Stän­de­rat und VAP-Prä­si­dent Josef Ditt­li). Mit­hil­fe digi­ta­ler Tech­no­lo­gien kön­nen Sen­dun­gen in Echt­zeit ver­folgt, die Fle­xi­bi­li­tät der Güter­bah­nen erhöht, Tem­pe­ra­tur­kon­trol­len durch­ge­führt, und damit die Qua­li­tät des gesam­ten Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs mas­siv ver­bes­sert wer­den. Die Digi­ta­li­sie­rung erlaubt zudem die digi­ta­le Zug­steue­rung und Zugs­in­te­gri­tät. Sie ermög­licht, dank Ver­zicht auf feste Signa­le, erheb­li­che Kapa­zi­täts­stei­ge­run­gen im bestehen­den Bahn­netz, ohne zusätz­li­che Aus­bau­mass­nah­men. Damit wer­den Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung wesent­li­che Bestand­tei­le einer zukunfts­ori­en­tier­ten Verlagerungspolitik.

Potenzial Nr. 4: Trassenpreise

Die Tras­sen­prei­se wer­den der­zeit nicht ver­ur­sa­cher­ge­recht fest­ge­legt. Mit ande­ren Wor­ten: Der Güter­ver­kehr muss teure Stan­dards für den Per­so­nen­ver­kehr mit­fi­nan­zie­ren. Im inter­na­tio­na­len Ver­gleich lie­gen die Tras­sen­prei­se in der Schweiz sehr hoch und damit aus­ser­halb einer rea­lis­ti­schen Wert­schöp­fung im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr. Nach den tem­po­rä­ren Preis­sen­kun­gen im Rah­men der Covid-Mass­nah­men, bei denen im euro­päi­schen Umfeld der Tras­sen­preis prak­tisch gegen Null ten­dier­te, bleibt der Tras­sen­preis wei­ter­hin deut­lich ent­fernt vom euro­päi­schen Bench­mark. Des­halb erach­ten wir eine dau­er­haf­te Absen­kung der Tras­sen­prei­se als dring­li­che und effi­zi­en­te Fördermassnahme.

Potenzial Nr. 5: Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA)

Zur­zeit wer­den zwei Drit­tel der Erträ­ge aus der LSVA dem Bahn­in­fra­struk­tur­fonds (BIF) gut­ge­schrie­ben. Das ent­spricht jähr­lich einer Mil­li­ar­de Schwei­zer Fran­ken. Wir regen eine Prü­fung der Zweck­bin­dung der LSVA für Aus­bau­ten im Inter­es­se des Güter­ver­kehrs an. Denn obwohl die LSVA das Wachs­tum des Stras­sen­schwer­ver­kehrs begren­zen und die Ver­la­ge­rung des Güter­ver­kehrs auf die Schie­ne för­dern soll, wird die Ver­wen­dung der Ein­nah­men oft für Aus­bau­ten zuguns­ten des Per­so­nen­ver­kehrs beschlos­sen. Zum Ver­gleich: Allein die Nord­um­fah­rung von Zürich kos­tet 1 Mil­li­ar­de Schwei­zer Fran­ken, um Kapa­zi­tä­ten in der Ost-West-Achse zu schlies­sen. Das Bau­pro­jekt wurde im AS 2035 dis­ku­tiert, aber der Bahn­hof Sta­del­ho­fen mit einem ver­gleich­ba­ren Kos­ten­um­fang erhielt den Vorrang.

Potenzial Nr. 6: Zulaufstrecken

Der Ver­kehr auf den Zulauf­stre­cken nimmt lau­fend zu. Um diese für den Güter­ver­kehr attrak­tiv zu gestal­ten, pocht der Bun­des­rat auf der Ein­hal­tung der bestehen­den Aus­bau­ver­ein­ba­run­gen mit den Nach­bar­län­dern. Ergän­zend wurde der Bun­des­rat schon mit der Moti­on 20.3003 Staats­ver­trag für eine links­rhei­ni­sche Neat-Zulauf­stre­cke beauf­tragt, mit­tels eines Staats­ver­trags mit Frank­reich und Bel­gi­en eine leis­tungs­fä­hi­ge links­rhei­ni­sche Alter­na­tiv­rou­te (Flach­bahn) zu rea­li­sie­ren. Diese soll nun prio­ri­tär behan­delt wer­den. Wir befür­wor­ten eine Mit­fi­nan­zie­rung des links­rhei­ni­schen Stre­cken­ab­schnitts Karlsruhe–Basel zur raschen Rea­li­sie­rung einer alter­na­ti­ven Stre­cken­füh­rung. Nur so lässt sich die Qua­li­tät auf der nörd­li­chen Zulauf­stre­cke kurz­fris­tig ver­bes­sern. Die KVF‑N hat sich von die­sen Argu­men­ten über­zeu­gen las­sen und die Moti­on 22.300 «Wei­ter­füh­rung der erfolg­rei­chen Ver­la­ge­rungs­po­li­tik und Gewähr­leis­tung der natio­na­len Ver­sor­gungs­si­cher­heit dank Aus­bau des links­rhei­ni­schen NEAT-Zubrin­gers Wörth-Stras­bourg» eingereicht.

Potenzial Nr. 7: Alternativen

Der Ver­kehrs­ver­la­ge­rung sind natur­ge­mäss gewis­se Gren­zen gesetzt. Ent­spre­chend sind die Kräf­te auf geeig­ne­te Ver­keh­re zu bün­deln. Schie­ne und Stras­se ergän­zen sich. Umwelt­ver­träg­li­che Antriebs­tech­no­lo­gien brin­gen die nach­hal­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung des Ver­kehrs­trä­gers Stras­se ent­schei­dend voran. Darum set­zen wir uns für eine För­de­rung umwelt­scho­nen­der Antrie­be bei Wahl­frei­heit der Hal­ter ein. Durch die Aus­ge­stal­tung der LSVA lies­sen sich umwelt­freund­li­che Tech­ni­ken för­dern und für zehn Jahre Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit garan­tie­ren. Der Gefahr­gut­trans­port über den Sim­plon­pass soll mit einer Bran­chen­lö­sung abge­si­chert wer­den. Mehr dazu lesen Sie im Blog­bei­trag «Gefahr­gut­trans­port am Sim­plon».

Abbildung 3: Alpenquerender Strassengüterverkehr 2019: Anzahl Fahrten nach Quell-/Zielregion

 

An ihrer Sit­zung von Anfang April 2022 wird sich die KVF‑N mit der Frage der zusätz­li­chen För­de­rung des alpen­que­ren­den Güter­ver­kehrs beschäf­ti­gen. Die Ver­wal­tung wird im Auf­trag der Kom­mis­si­on in einem Zusatz­be­richt auf­zei­gen, wel­che Mög­lich­kei­ten neben einer Anpas­sung der Tras­sen­prei­se zur Finan­zie­rung einer sol­chen Mass­nah­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Es steht zu hof­fen, dass diese Zusatz­mass­nah­men bereits tech­no­lo­gie­neu­tral alle Schie­nen­ver­keh­re im Tran­sit berücksichtigen.

1 Vgl. Art 8 GVVG

Wichtiger Gefahrguttransport am Simplon

Wichtiger Gefahrguttransport am Simplon

Gemäss Ver­la­ge­rungs­be­richt vom Novem­ber 2021 erwägt der Bun­des­rat eine Ver­nehm­las­sung zu einem Gefah­ren­gut­trans­port-Ver­bot am Sim­plon. Damit revi­diert er seine im Jahr 2015 dem Par­la­ment abge­ge­be­ne Ein­schät­zung, wonach er den Gefahr­gut­trans­port am Sim­plon­pass als «hin­rei­chend sicher ein­schätzt». Dies erstaunt umso mehr, als das ASTRA seit Jah­ren inten­siv in Sicher­heits­vor­keh­run­gen (Reten­ti­ons­be­cken, Über­hol­ver­bo­te, Not­brems­stre­cke und dgl.) inves­tiert und die Ver­kehrs­sta­tis­tik keine signi­fi­kan­te Zunah­me von Gefahr­gut­trans­por­ten ausweist.

Wir plä­die­ren dafür, dass die Gefahr­gut­si­tua­ti­on in Zusam­men­ar­beit mit den Bran­chen­ver­tre­tern ana­ly­siert und all­fäl­li­ge, geziel­te Ver­bes­se­rungs­po­ten­tia­le genutzt wer­den, und somit auch die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit gewähr­leis­tet bleibt. Im Chlor­trans­port auf der Schie­ne haben sol­che Ver­ein­ba­run­gen bereits gute Fort­schrit­te erzielt.

Ein Ver­bot würde die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung und der Wirt­schaft gefähr­den. Zu berück­sich­ti­gen ist aus­ser­dem, dass zur Erhö­hung der Sicher­heit in den letz­ten Jah­ren sehr viel in die Sim­plon-Stras­se inves­tiert wurde. Gemäss Bun­des­amt für Stras­sen ASTRA gilt der Sim­plon als der best­aus­ge­bau­te Pass­über­gang der Schweiz. Eine umfas­sen­de Argu­men­ta­ti­on lesen Sie im Facts­heet der sci­ence­indus­tries.

Branchen- und Medienanlass DAC4EU Demonstratorzug

Branchen- und Medienanlass DAC4EU Demonstratorzug

Am 25. März 2022 infor­mier­ten das BAV, die SBB, der VAP und der VöV über die Test­pha­se und die weit­rei­chen Vor­tei­le, wel­che sich aus der Digi­ta­len Auto­ma­ti­schen Kupp­lung (DAK) erge­ben. Die Bot­schaft war, dass mit der DAK die Schie­nen für die Digi­ta­li­sie­rung und somit einer bahn­bre­chen­den Inno­va­ti­on im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr gelegt werden.

Seit Herbst 2021 ist erst­mals ein digi­ta­ler Güter­zug zu Test­zwe­cken in Euro­pa unter­wegs. Das Ziel: das Tes­ten der Digi­ta­len Auto­ma­ti­schen Kupp­lung (DAK)
im rea­len Betrieb. Bis Ende März unter­zieht SBB Cargo den Zug einem umfang­rei­chen Test­pro­gramm. Dabei ist sich die Bran­che einig: Die enge natio­na­le Zusam­men­ar­beit und die Abstim­mung in Euro­pa sind wich­ti­ge Fak­to­ren für eine erfolg­rei­che Ein­füh­rung der DAK. Der Test­zug wird finan­ziert vom deut­schen Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Digi­ta­les und Ver­kehr (BMVD).

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