Der VAP fördert den Güterverkehr
auf der Schiene.


 

Der VAP Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft macht sich für markt­ge­rech­te Rah­men­be­din­gun­gen und ein zug­kräf­ti­ges Schwei­zer Güter­bahn­sys­tem stark. Rele­van­te Themen:

Güterverkehrsbranche

  • Was bewegt die Güterverkehrsbranche?
  • Wie gestal­ten wir die Zukunft des Güterverkehrs?
  • Ein Über­blick der Akteu­re des Schienengüterverkehrs.

Netz

Hier fin­den Sie nütz­li­che Infor­ma­tio­nen zu den Schie­nen­we­gen, deren Orga­ni­sa­ti­on und dem Netzzugang.

Finanzierung

Infor­ma­tio­nen zu finan­zi­el­ler För­de­rung und Abga­ben im Güter­ver­kehr.

Standorte

Alles zu Frei­ver­la­den, Ter­mi­nals, Anschluss­gleis­an­la­gen oder auch mul­ti­mo­da­len Logis­tik­hubs.

Interoperabilität

Der VAP enga­giert sich für die Har­mo­ni­sie­rung der Rah­men­be­din­gun­gen, damit Züge mühe­los auf euro­päi­schen Schie­nen­net­zen ver­keh­ren können.

Nachhaltigkeit

Für eine weit­sich­ti­ge Zukunft gilt es ver­schie­de­ne Berei­che nach­hal­tig zu gestalten.

Innovation

Wie kön­nen wir Inno­va­ti­on im Güter­ver­kehr vor­wärts trei­ben?

Betrieb

Zuguns­ten eines fai­ren Wett­be­werbs wol­len wir die Stär­ke aller Ver­kehrs­trä­ger nut­zen und opti­mal kom­bi­nie­ren. Denn so wird die Stre­cke für jeden Ein­zel­nen kür­zer – und wirtschaftlicher.

Veranstaltungen

Hier fin­den Sie wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen und Unter­la­gen zu unse­ren Ver­an­stal­tun­gen Forum Güter­ver­kehr, unse­rer Gene­ral­ver­samm­lung und weiteren.

Spannender ECM-Erfahrungsaustausch in Olten

Spannender ECM-Erfahrungsaustausch in Olten

Am 20. Mai 2022 fand der 15. ECM-Erfah­rungs­aus­tausch in Olten statt. Dass wir mit die­sem Thema am Puls der Zeit lie­gen, zeig­te uns die aus­ver­kauf­te Veranstaltung.

An die­sem Erfah­rungs­aus­tausch wur­den Infor­ma­tio­nen über den Sta­tus der EU-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung 2019/779 sowie der Stand der aktu­el­len Umset­zung des 4. EU-Eisen­bahn­pa­ke­tes und deren Bedeu­tung für die Schweiz beleuch­tet. Nebst den wei­te­ren The­men ist der ECM-Erfa auch eine wich­ti­ge Platt­form für Dis­kus­sio­nen und Erfahrungsaustausch.

Die nächs­te ECM-ERFA fin­det am Frei­tag, 20. Okto­ber 2023 ab 10.00 Uhr in Olten statt.

Ausgangslage

Eine opti­mier­te Zusam­men­ar­beit dient der Sicherheit.

Für die Sicher­heit der Güter­zü­ge ist das Zusam­men­spiel aller am Trans­port Betei­lig­ten von zen­tra­ler Bedeu­tung. Die­ses Zusam­men­spiel beginnt bei den Absen­dern bzw. Bela­dern, die für einen siche­ren Belad der Güter­wa­gen ver­ant­wort­lich sind, geht wei­ter über die Eisen­bahn­un­ter­neh­men, wel­che den Zug sicher fah­ren sol­len, bis hin zu den Wagen­hal­tern und ECM, wel­che für einen guten tech­ni­schen Zustand der Güter­wa­gen zustän­dig sind.

Für einen siche­ren Trans­port muss diese Kette rei­bungs­los funk­tio­nie­ren, jeder muss in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich seine Auf­ga­ben wahr­neh­men. Gera­de im inter­na­tio­na­len Güter­ver­kehr sind diese ver­schie­de­nen Betei­lig­ten oft über ganz Euro­pa ver­teilt. Dies stellt für die Zusam­men­ar­beit, den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch und damit für die Gewähr­leis­tung der Sicher­heit der Güter­trans­por­te eine zusätz­li­che Hürde dar.

Die Prä­sen­ta­tio­nen der span­nen­den Agen­da ste­hen Ihnen zum Down­load zur Ver­fü­gung.
Bitte beach­ten Sie, dass wir keine Haf­tung für die Rech­te an Bild­ma­te­ri­al und an den Inhal­ten der Prä­sen­ta­tio­nen übernehmen.

  1. EU-Eisen­bahn­pa­ket – Bedeu­tung für die Schweiz | Bau­draz (BAV)
  2. Stand Umset­zung der DVO aus Behör­den­sicht | Lipp­mann (BAV)
  3. Neue Ver­pflich­tun­gen aus Art. 4 der DVO | Peter­hans (UIP)
  4. SAIT der ERA | Roth (SBB PP)
  5. ECM für SBB Per­so­nen­ver­kehr | Fäh (SBB PP)
  6. ECM für eine Meter­spur­bahn | Züger (zb)
  7. Umset­zung der DVO bei einem Fahr­zeug­her­stel­ler | Alt­un­o­va (Stad­ler Service)
  8. Sicher­heits­auf­sicht – Betriebs­kon­trol­len «Güter­zü­ge» | Schüp­fer (BAV)
  9. Erfah­run­gen Zer­ti­fi­zie­rer | Schmidl (Scon­rail) und Bergk (SQS)
  10. Con­di­tio­ned Based Main­ten­an­ce | Buer­mey­er (Rös­ch­CG)
  11. Erfah­rungs­aus­tausch | alle Teilnehmenden
  12. Abstim­mung des wei­te­ren Vor­ge­hens aus Sicht des Sek­tors | Gutz­wil­ler (railbex)

 

Forum Güterverkehr: Die Branche steht zusammen für den Fortschritt im Schienengüterverkehr

Forum Güterverkehr: Die Branche steht zusammen für den Fortschritt im Schienengüterverkehr

Am 3. Mai 2022 fand nach drei Jah­ren end­lich wie­der das belieb­te Forum Güter­ver­kehr statt. Es tra­fen sich die wich­tigs­ten Akteu­re und Ver­tre­ter aus der ver­la­den­den Wirt­schaft aus ganz Euro­pa, um ihr Fach­wis­sen auf­zu­fri­schen und sich mit Kol­le­gen unter­neh­mens­über­grei­fend aus­zu­tau­schen. Die Chan­cen, den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in einem gemein­sa­men Anlauf für die Zukunft fit machen zu kön­nen, ste­hen gut!

Interessante Ansätze

Die Mas­ter­plä­ne Güter­ver­kehr sowie Schie­nen­gü­ter­ver­kehr im Beson­de­ren, die in Deutsch­land und Öster­reich lan­ciert wur­den, geben einen umfas­sen­den Über­blick über die poli­ti­schen Stra­te­gien und Mass­nah­men. Ver­gleich­ba­res fehlt in der Schweiz, statt­des­sen wird noch stark auf die ein­zel­nen Ver­kehrs­trä­ger fokus­siert. Der VAP ver­folgt daher wei­ter­hin eine Gesamt­sicht Güter­ver­kehr und Logis­tik, dies in enger Koope­ra­ti­on mit eco­no­mie­su­is­se und ASTAG. Öster­reich prä­sen­tiert eine Ände­rung im Abfall­wirt­schafts­ge­setz. Die­ses gibt vor, dass Trans­por­te von Abfäl­len mit einem Gesamt­ge­wicht von mehr als zehn Ton­nen, ab einer fest­ge­leg­ten Trans­port­stre­cke (sin­kend zwi­schen 1.1.2023 bis 1.1.2026 von 300, 200, 100 km), zukünf­tig per Bahn oder durch ande­re Ver­kehrs­mit­tel mit gleich­wer­ti­gem oder gerin­ge­rem Schad­stoff oder Treib­haus­gas­po­ten­ti­al (z.B. Antrieb mit­tels Brenn­stoff­zel­le oder Elek­tro­mo­tor) zu erfol­gen haben. Auch im Kan­ton Zürich zei­gen sich ähn­li­che Ent­wick­lun­gen, zum Bei­spiel in der Ver­ord­nung über den Bahn­trans­port von Aus­hub und Gesteins­kör­nung vom 3. Febru­ar 2021. Diese ver­langt, dass ein erheb­li­cher Teil des Aus­hubs per Bahn­trans­port zu erfol­gen hat – oder aber eine Ersatz­ab­ga­be anfällt. Im Ansatz begrüs­sen wir sol­chen Regu­la­ri­en zur Errei­chung der Umwelt­zie­le, jedoch hal­ten wir eine Vor­ga­be der Trans­port­mit­tel­wahl mit­tels sanf­ten Zwangs als wenig ziel­füh­rend. Viel­mehr ist der VAP bestrebt, die Bah­nen fit und für die Ver­la­der attrak­tiv zu machen, so dass eine Bevor­mun­dung nicht nötig ist.

Sehr posi­tiv wer­ten wir daher das gemein­sa­me Inter­es­se, die Digi­ta­li­sie­rung vor­an­zu­trei­ben. Wie nie zuvor ste­hen die Akteu­re der ver­la­den­den Wirt­schaft geschlos­sen für den Fort­schritt. Es ist beein­dru­ckend, wie die ver­schie­de­nen Play­er sich über ganz Euro­pa ver­netzt für die Digi­ta­li­sie­rung ent­schei­den und die­sen Hebel gemein­sam betä­ti­gen wol­len, um den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr für die Zukunft fit zu machen. In ver­schie­de­nen Refe­ra­ten wurde auf­ge­zeigt, dass die Digi­ta­le Auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK), nicht nur erheb­li­che Erleich­te­rung für mecha­ni­sche Arbei­ten bringt, son­dern vor allem Wei­chen­stel­ler für die Kon­nek­ti­vi­tät eines gesam­ten Zuges ist. Dies ist die Vor­aus­set­zung für die für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr so wich­ti­ge Digi­ta­li­sie­rung, wel­che sich in ande­ren Bran­chen schon lange voll­zo­gen hat. Mit effi­zi­en­te­ren und trans­pa­ren­ten Pro­zes­sen kann die Bahn nebst den ande­ren Ver­kehrs­mit­teln wett­be­werbs­fä­hig wer­den. Das Motto ist Col­la­bo­ra­ti­on und Coo­pe­ti­ti­on, wel­ches auch wir vom VAP Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft unterstützen.

VAP-Mit­glie­der kön­nen mit ihrem per­sön­li­chen Login die Prä­sen­ta­tio­nen der Refe­ren­ten hier herunterladen.

Der Ablauf des Forums im Detail

Der Vor­mit­tag dreh­te sich um die Frage «Ver­kehrs­po­li­tik im grü­nen Rausch?». Gil­les Peter­hans, Secre­ta­ry Gene­ral der UIP erläu­ter­te die ver­kehrs­po­li­ti­schen The­men auf euro­päi­scher Ebene. Malte Law­renz, Vor­sit­zen­der des VPI Deutsch­land zeig­te für Deutsch­land den ver­kehrs­po­li­ti­schen Rah­men auf, wie der Schie­ne Prio­ri­tät ein­ge­räumt wer­den soll und wel­cher För­de­rung es bedarf, um den Mas­ter­plan für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr umset­zen zu kön­nen. Frank Petut­s­ch­nig, Gene­ral­se­kre­tär VPI Öster­reich, zeig­te zum sel­ben Thema die Situa­ti­on in Öster­reich auf, wobei dort die Gesamt­sicht des Güter­ver­kehrs, näm­lich eine mög­lichst effi­zi­en­te Wahl des Ver­kehrs­trä­gers hin­sicht­lich Ener­gie­be­darfs pro Ton­nen, im Fokus steht. Dési­rée Baer, CEO SBB Cargo, ergänz­te mit ihrem Refe­rat die Sach­la­ge des ver­kehrs­po­li­ti­schen Rah­mens in der Schweiz und stell­te die Inter­es­sens­ge­sell­schaft Wagen­la­dungs­ver­kehr (IG WLV), der Platt­form zur Koope­ra­ti­on für Bah­nen und Ver­la­der vor.

In der anschlies­sen­den Podi­ums­dis­kus­si­on wurde deut­lich, dass die Wei­chen für die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs auf Inno­va­ti­on gestellt sind und es im nächs­ten Schritt zu defi­nie­ren gilt, wie die Inves­ti­tio­nen finan­ziert wer­den. Klar wurde, dass die Neue­run­gen alle Akteu­re betref­fen und somit ein kol­la­bo­ra­ti­ver Ansatz der rich­ti­ge Weg ist. Koope­ra­ti­on und Wett­be­werb – oder auch Coo­pe­ti­ti­on – sind zwei wei­te­re Schlag­wör­ter, die nicht nur bei den Schie­nen­ak­teu­ren erwünscht sind, son­dern auch im Zusam­men­spiel von Schie­ne und Strasse.

Der Nach­mit­tag glie­der­te sich in die zwei span­nen­den Schlüs­sel­the­men «Inno­va­tio­nen & mög­li­che Umset­zung» und «Digi­ta­li­sie­rung mit kon­kre­ten Mass­nah­men». Jürg Lüt­scher, fach­kun­dig für Inno­va­ti­on und Regu­la­ti­on beim VAP, sprach über die Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Schweiz. Er beton­te, wie wich­tig die Opti­mie­rung der Pro­zes­se und Schnitt­stel­len in Zuge von Inno­va­ti­on ist, der soge­nann­ten Inter­ope­ra­bi­li­tät. Ralf Mar­xen, Head of Exter­nal Tech­ni­cal Affairs bei der Deut­sche Bahn AG refe­rier­te über den Weg zum intel­li­gen­ten Güter­zug: «Von Shift2Rail zu Europe’s Rail». Er zeig­te wich­ti­ge Mei­len­stei­ne zur Inno­va­ti­on auf, wobei die Digi­ta­le Auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK) die Schlüs­sel­funk­ti­on für die Digi­ta­li­sie­rung ein­nimmt und zum Bei­spiel auto­ma­ti­sier­te Vor­gän­ge und Moni­to­ring, wie auch eine punkt­ge­naue Kun­den­kom­mu­ni­ka­ti­on ermög­licht und damit den Ser­vice-Level des Trans­ports von Gütern auf der Schie­ne um ein Viel­fa­ches anhebt. Ste­fan Hagen­lo­cher, Geschäfts­füh­rer HWH und Pro­jekt­lei­ter TIS, der live über Video­ka­nal zuge­schal­tet wurde, zeig­te auf, was der Tech­ni­sche Inno­va­ti­ons­kreis Schie­nen­gü­ter­ver­kehr (TIS) für einen digi­ta­len und wett­be­werbs­fä­hi­gen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr vor­aus­setzt. Er kom­mu­ni­zier­te klar, dass es ohne DAK keine voll­stän­di­ge Auto­ma­ti­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs geben wird und eine Stan­dar­di­sie­rung der tech­ni­schen Aspek­te sowie eine abge­stimm­te Migra­ti­ons­stra­te­gie uner­läss­lich sind.

Die bei­den Wagen­ver­mie­ter Niko Davids, Chief Digi­tal Offi­cer, VTG AG, und Chris­toph Becker, Lei­ter ECM II und Sicher­heits­ma­nage­ment bei Was­co­sa AG, zeig­ten ihre Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gien zur Stär­kung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs auf. Auch ihre Bot­schaft – zumal die bei­den Kon­kur­ren­ten mit ihrem gemein­sa­men Auf­tritt schon ein Zei­chen setz­ten: «Col­la­bo­ra­ti­on und Coo­pe­ti­ti­on: Digi­ta­li­sie­rung ist kein Vor­ha­ben eines Ein­zel­nen! Nur durch akti­ve und offe­ne Zusam­men­ar­beit wird ein Nut­zen für den Sek­tor entstehen!»

Jörg Bisang, Lei­ter Pro­dukt­ma­nage­ment ZKE, beein­druck­te mit den schon heu­ti­gen Mög­lich­kei­ten, wel­che die Digi­ta­li­sie­rung der tech­ni­schen Fahr­zeug­kon­trol­le mit «Way­si­de Intel­li­gence» bringt, und for­der­te EVUs und Wagen­hal­ter auf, diese Mög­lich­kei­ten zu nutzen.

In der abschlies­sen­den Podi­ums­dis­kus­si­on wurde dann auch deut­lich, dass sich alle gemein­sam auf die Migra­ti­on der DAK fokus­sie­ren wol­len, im Sinne einer inter­ope­ra­blen Inno­va­ti­on. Diese Zusam­men­ar­beit betrifft das Gesamt­sys­tem Bahn, des­halb gilt es, nicht als Wett­be­wer­ber zusam­men daran zu arbei­ten, son­dern als Inno­va­ti­ons­team, wel­che sich über ihre Ziel­vor­stel­lun­gen aus­tau­schen. Schnel­le und muti­ge Ent­schei­dun­gen kön­nen eine effi­zi­en­te Umset­zung ermöglichen.

Wir bli­cken auf ein erfolg­rei­ches Forum Güter­ver­kehr zurück, bei dem es alle genos­sen haben, sich end­lich wie­der in der «rea­len Welt» tref­fen und aus­tau­schen zu können.

4. EU-Bahnpaket: Innovationsschub nutzen

4. EU-Bahnpaket: Innovationsschub nutzen

Kli­ma­schutz steht in Euro­pa ganz oben auf der poli­ti­schen Agen­da. Ein hoher Bedarf an Mobi­li­tät von Per­so­nen und an Trans­port von Gütern führt in unse­rer inten­siv indus­tria­li­sier­ten Regi­on seit län­ge­rem zu mas­si­ven kli­ma­schäd­li­chen Emis­sio­nen. Auf dem Weg zu Netto-Null erwar­tet die Poli­tik, dass der Bahn­sek­tor seine Vor­tei­le kon­se­quent nutzt und einen sub­stan­zi­el­len Bei­trag zur res­sour­cen­scho­nen­de­ren Logis­tik leis­tet. Dank Inno­va­ti­on haben wir die Chan­ce, die Pro­duk­ti­on der Güter­ver­keh­re effi­zi­en­ter, ergo kos­ten­güns­ti­ger und kun­den­freund­li­cher nutz­bar zu gestal­ten, und wir erhö­hen oben­drein die Tras­sen­ver­füg­bar­keit auf unse­ren bestehen­den Schienennetzen.

Bahnsektor muss sich digitalisieren

Die Vor­aus­set­zun­gen, die­sen poli­ti­schen Erwar­tun­gen gerecht zu wer­den, sind eigent­lich gut. In Euro­pa exis­tiert ein dich­tes Schie­nen­netz, auf dem die Bahn, ver­gli­chen mit ande­ren Ver­kehrs­trä­gern, gros­se Mas­sen mit nied­ri­gem Ener­gie- und Raum­be­darf bewe­gen kann, die wich­ti­gen Zen­tren sind alle mit­ein­an­der ver­bun­den. Aller­dings sind im Bahn­sek­tor zahl­rei­che Stan­dards und Arbeits­wei­sen mas­siv ver­al­tet. Und die spe­zi­fi­schen Eigen­hei­ten der ein­zel­nen Län­der lau­fen teil­wei­se dia­me­tral aus­ein­an­der. Dies ist ein wesent­li­cher Grund, dass die vom Bahn­sek­tor gefor­der­te Leis­tungs­stei­ge­rung bis­her aus­blieb. Der Bahn­sek­tor kann die hohen poli­ti­schen Erwar­tun­gen – die besag­te Schlüs­sel­rol­le in der Umset­zung der Kli­ma­po­li­tik ein­zu­neh­men – nur dann über­zeu­gend erfül­len, wenn er sich fun­da­men­tal erneu­ert. Dazu benö­tigt er einen sys­tem­über­grei­fen­den Inno­va­ti­ons­schub und har­mo­ni­sier­te, dem tech­ni­schen Stand ent­spre­chen­de hoheit­li­che Regeln.

EU-weit harmonisierte Interoperabilität

Hier kommt die tech­ni­sche Säule des 4. EU-Bahn­pa­kets ins Spiel. Sie strebt eine sys­te­ma­ti­sche Har­mo­ni­sie­rung im inter­na­tio­na­len Nor­mal­spur­ver­kehr an. Die Mit­glied­staa­ten sind gefor­dert, die Inter­ope­ra­bi­li­täts-Stan­dards kon­se­quent anzu­wen­den und die ent­spre­chen­den Zulas­sungs­ver­fah­ren inter­na­tio­nal zu har­mo­ni­sie­ren. So wer­den die bestehen­den Hür­den für grenz­über­schrei­ten­de Ver­keh­re abge­baut und der Weg für gemein­sa­me euro­päi­sche Inno­va­ti­ons­schrit­te geöff­net. Damit wird die tech­ni­sche Säule ent­schei­dend für erfolg­rei­che Inno­va­tio­nen im euro­päi­schen Bahnsektor.

Diese umfas­sen vier The­men­fel­der und ver­bes­sern in den nächs­ten Jah­ren die Markt­po­si­ti­on des Bahn­ver­kehrs wesentlich:

  • Inter­na­tio­nal har­mo­ni­sier­te hoheit­li­che Vorschriften
  • Grenz­über­schrei­tend kom­pa­ti­ble tech­ni­sche Systeme
  • Inter­na­tio­nal har­mo­ni­sier­te Pro­zes­se für sicher­heits­re­le­van­te Tätigkeiten
  • Gemein­sa­me Akti­vi­tä­ten zur sys­tem­über­grei­fend geführ­ten Weiterentwicklung
Automatisierung wird marktfähig

Europe’s Rail Joint Under­ta­king (EU-Rail) hat mit dem Euro­pean Freight Digi­tal Auto­ma­tic Cou­pler Deli­very Pro­gram (EDDP) eine wich­ti­ge euro­pa­über­grei­fen­de Ent­wick­lung ange­stos­sen. Diese soll die Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung im Güter­ver­kehr ermög­li­chen. Die Ent­wick­lungs­ar­bei­ten sol­len bis 2025 soweit fort­ge­schrit­ten sein, dass digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lun­gen für die anste­hen­de Migra­ti­on des Roll­ma­te­ri­als seri­en­reif ver­füg­bar sind.

Schweiz mittendrin

Sowohl aus wirt­schaft­li­cher als auch aus geo­gra­fi­scher Per­spek­ti­ve ist es sinn­voll, dass sich die Schweiz an den lau­fen­den EU-Akti­vi­tä­ten aktiv und kon­se­quent betei­ligt – im Kon­text des Seil­zie­hens um das insti­tu­tio­nel­le Rah­men­ab­kom­men erst recht. Die aus­ge­lös­te Revi­si­on des Schwei­zer Eisen­bahn­ge­set­zes (EBG) zur auto­no­men Anpas­sung unse­rer hoheit­li­chen Vor­schrif­ten an die eta­blier­ten Interop- und Sicher­heits­richt­li­nie des 4. EU-Bahn­pa­kets ist ein will­kom­me­ner Anstoss dafür, die anvi­sier­ten Inno­va­ti­ons­pa­ke­te jetzt aktiv in Angriff zu neh­men. Der Schwei­zer Bahn­sek­tor soll und wird die­sen Inno­va­ti­ons­schub bald­mög­lichst zu sei­nem Vor­teil nut­zen, um auf dem markt­wirt­schaft­lich hart umkämpf­ten Trans­port­sek­tor auch in Zukunft als kon­kur­renz­fä­hi­ger Part­ner aufzutreten.

Verkehrsverlagerung: Im Transit auf gutem Weg

Verkehrsverlagerung: Im Transit auf gutem Weg

Der bun­des­rät­li­che «Ver­la­ge­rungs­be­richt Juli 2019 – Juni 2021» stellt die Ent­wick­lung beim alpen­que­ren­den Güter­ver­kehr und hin­sicht­lich Umwelt­be­las­tung auf den alpen­que­ren­den Tran­sit­ach­sen dar. Anschlies­send beleuch­tet er den Stand der Umset­zung der Ver­la­ge­rungs­in­stru­men­te und flan­kie­ren­den Mass­nah­men. Dar­auf auf­bau­end schlägt der Bun­des­rat ver­schie­de­ne Mass­nah­men zur Unter­stüt­zung der Ver­la­ge­rung vor. Abschlies­send nimmt er eine Ein­schät­zung zur Wei­ter­füh­rung der Ver­la­ge­rungs­po­li­tik in den kom­men­den Berichts­pe­ri­oden vor.

Erfolgsgeschichte im Transit

Der Ver­la­ge­rungs­be­richt 2021 zeigt, dass die ein­ge­schla­ge­ne Rich­tung bei der Ent­wick­lung im alpen­que­ren­den Güter­ver­kehr stimmt. Moni­to­ring und Bericht­erstat­tung bewäh­ren sich. Trotz­dem bleibt viel zu tun. Die Anzahl der alpen­que­ren­den Fahr­ten schwe­rer Güter­fahr­zeu­ge liegt für das Jahr 2021 bei knapp 900’000. Damit wird die gesetz­li­che Vor­ga­be von 650’000 noch immer deut­lich über­schrit­ten. Ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die anste­hen­de Dekar­bo­ni­sie­rung des Ver­kehrs zur Errei­chung der Kli­ma­zie­le 2050 sind drin­gend wei­te­re Mass­nah­men notwendig.

Viel getan, viel zu tun

Wir vom VAP sind der Ansicht, dass es bis­he­ri­ge Mass­nah­men zu schär­fen und ins­be­son­de­re die finan­zi­el­len För­der­mass­nah­men tech­no­lo­gie­neu­tral aus­zu­wei­ten gilt. Heute erfolgt sie im unbe­glei­te­ten kom­bi­nier­ten Ver­kehr. Ande­re Bahn­pro­duk­ti­ons­for­men wer­den nicht geför­dert. Natür­lich müs­sen wir die Gren­zen der Ver­kehrs­ver­la­ge­rung im Tran­sit akzep­tie­ren und sicher­stel­len, dass hier die Kräf­te gebün­delt wer­den. Den­noch ist es die Auf­ga­be von Poli­tik und Wirt­schaft, das Poten­zi­al für eine wei­ter­füh­ren­de Ver­la­ge­rung im Tran­sit aus­zu­lo­ten. Das haben wir im Fol­gen­den getan.

Potenzial Nr. 1: Multimodalität

Stras­se, Schie­ne und See­weg ergän­zen sich opti­mal. Ver­la­der kön­nen diese Ver­kehrs­trä­ger zu effi­zi­en­ten, mul­ti­mo­da­len Logis­tik­lö­sun­gen kom­bi­nie­ren, wobei der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr als das Rück­grat mul­ti­mo­da­ler Logis­tik­ket­ten gilt. Ent­spre­chend soll­te die För­de­rung der Mul­ti­mo­da­li­tät tech­no­lo­gie­neu­tral erfol­gen. Heute wird vor­wie­gend der unbe­glei­te­te kom­bi­nier­te Ver­kehr geför­dert, nicht aber der kon­ven­tio­nel­le Bahn­gü­ter­ver­kehr. Das Resul­tat: Der Anteil des Wagen­la­dungs­ver­kehrs im Tran­sit sinkt.

Abbildung 1: Entwicklung des Modalsplits im alpenquerenden Güterverkehr 1984 bis 2020

 

Unse­rer Ansicht nach ist das eine ver­pass­te Chan­ce. Denn das «Bun­des­ge­setz über die Ver­la­ge­rung des alpen­que­ren­den Güter­schwer­ver­kehrs von der Stras­se auf die Schie­ne» (GVVG)1 erlaubt die För­de­rung des gesam­ten Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Wir mei­nen, dass alle Kom­bi­na­ti­ons­for­men von Stras­se, Schie­ne und See­weg Teil der mul­ti­mo­da­len Logis­tik sind und finan­zi­ell sowie infra­struk­tu­rell gleich­be­han­delt wer­den müssen.

Potenzial Nr. 2: Qualitätsmonitoring

Aktu­ell ist nur der unbe­glei­te­te kom­bi­nier­te Ver­kehr einem Moni­to­ring unter­stellt. Damit soll fest­ge­stellt wer­den, wie die Qua­li­tät im Tran­sit­ver­kehr dasteht. Im Tran­sit­ver­kehr fin­det hin­ge­gen kein Qua­li­täts­mo­ni­to­ring im Wagen­la­dungs­ver­kehr statt. Auch das sehen wir als zwei­te ver­pass­te Chan­ce. Denn wie gesagt, das GVVG sieht die För­de­rung des gesam­ten Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs vor. Also soll­te die Qua­li­tät aller mul­ti­mo­da­len Trans­por­te über­wacht wer­den. Das gilt für Con­tai­ner, Sat­tel­auf­lie­ger, gedeck­te Wagen, Kes­sel­wa­gen und ande­re gleichermassen.

Abbildung 2: Entwicklung der Pünktlichkeit im alpenquerenden kombinierten Schienengüterverkehr 2019 bis 2021

 

Potenzial Nr. 3: Konnektivität und Produktivität

Das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV), der Ver­band öffent­li­cher Ver­kehr (VöV) und wir vom VAP neh­men die Digi­ta­li­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs im Rah­men eines Gross­pro­jekts in Angriff (vgl. Moti­on «Durch Auto­ma­ti­on Güter auf der Schie­ne effi­zi­en­ter trans­por­tie­ren» von Stän­de­rat und VAP-Prä­si­dent Josef Ditt­li). Mit­hil­fe digi­ta­ler Tech­no­lo­gien kön­nen Sen­dun­gen in Echt­zeit ver­folgt, die Fle­xi­bi­li­tät der Güter­bah­nen erhöht, Tem­pe­ra­tur­kon­trol­len durch­ge­führt, und damit die Qua­li­tät des gesam­ten Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs mas­siv ver­bes­sert wer­den. Die Digi­ta­li­sie­rung erlaubt zudem die digi­ta­le Zug­steue­rung und Zugs­in­te­gri­tät. Sie ermög­licht, dank Ver­zicht auf feste Signa­le, erheb­li­che Kapa­zi­täts­stei­ge­run­gen im bestehen­den Bahn­netz, ohne zusätz­li­che Aus­bau­mass­nah­men. Damit wer­den Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung wesent­li­che Bestand­tei­le einer zukunfts­ori­en­tier­ten Verlagerungspolitik.

Potenzial Nr. 4: Trassenpreise

Die Tras­sen­prei­se wer­den der­zeit nicht ver­ur­sa­cher­ge­recht fest­ge­legt. Mit ande­ren Wor­ten: Der Güter­ver­kehr muss teure Stan­dards für den Per­so­nen­ver­kehr mit­fi­nan­zie­ren. Im inter­na­tio­na­len Ver­gleich lie­gen die Tras­sen­prei­se in der Schweiz sehr hoch und damit aus­ser­halb einer rea­lis­ti­schen Wert­schöp­fung im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr. Nach den tem­po­rä­ren Preis­sen­kun­gen im Rah­men der Covid-Mass­nah­men, bei denen im euro­päi­schen Umfeld der Tras­sen­preis prak­tisch gegen Null ten­dier­te, bleibt der Tras­sen­preis wei­ter­hin deut­lich ent­fernt vom euro­päi­schen Bench­mark. Des­halb erach­ten wir eine dau­er­haf­te Absen­kung der Tras­sen­prei­se als dring­li­che und effi­zi­en­te Fördermassnahme.

Potenzial Nr. 5: Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA)

Zur­zeit wer­den zwei Drit­tel der Erträ­ge aus der LSVA dem Bahn­in­fra­struk­tur­fonds (BIF) gut­ge­schrie­ben. Das ent­spricht jähr­lich einer Mil­li­ar­de Schwei­zer Fran­ken. Wir regen eine Prü­fung der Zweck­bin­dung der LSVA für Aus­bau­ten im Inter­es­se des Güter­ver­kehrs an. Denn obwohl die LSVA das Wachs­tum des Stras­sen­schwer­ver­kehrs begren­zen und die Ver­la­ge­rung des Güter­ver­kehrs auf die Schie­ne för­dern soll, wird die Ver­wen­dung der Ein­nah­men oft für Aus­bau­ten zuguns­ten des Per­so­nen­ver­kehrs beschlos­sen. Zum Ver­gleich: Allein die Nord­um­fah­rung von Zürich kos­tet 1 Mil­li­ar­de Schwei­zer Fran­ken, um Kapa­zi­tä­ten in der Ost-West-Achse zu schlies­sen. Das Bau­pro­jekt wurde im AS 2035 dis­ku­tiert, aber der Bahn­hof Sta­del­ho­fen mit einem ver­gleich­ba­ren Kos­ten­um­fang erhielt den Vorrang.

Potenzial Nr. 6: Zulaufstrecken

Der Ver­kehr auf den Zulauf­stre­cken nimmt lau­fend zu. Um diese für den Güter­ver­kehr attrak­tiv zu gestal­ten, pocht der Bun­des­rat auf der Ein­hal­tung der bestehen­den Aus­bau­ver­ein­ba­run­gen mit den Nach­bar­län­dern. Ergän­zend wurde der Bun­des­rat schon mit der Moti­on 20.3003 Staats­ver­trag für eine links­rhei­ni­sche Neat-Zulauf­stre­cke beauf­tragt, mit­tels eines Staats­ver­trags mit Frank­reich und Bel­gi­en eine leis­tungs­fä­hi­ge links­rhei­ni­sche Alter­na­tiv­rou­te (Flach­bahn) zu rea­li­sie­ren. Diese soll nun prio­ri­tär behan­delt wer­den. Wir befür­wor­ten eine Mit­fi­nan­zie­rung des links­rhei­ni­schen Stre­cken­ab­schnitts Karlsruhe–Basel zur raschen Rea­li­sie­rung einer alter­na­ti­ven Stre­cken­füh­rung. Nur so lässt sich die Qua­li­tät auf der nörd­li­chen Zulauf­stre­cke kurz­fris­tig ver­bes­sern. Die KVF‑N hat sich von die­sen Argu­men­ten über­zeu­gen las­sen und die Moti­on 22.300 «Wei­ter­füh­rung der erfolg­rei­chen Ver­la­ge­rungs­po­li­tik und Gewähr­leis­tung der natio­na­len Ver­sor­gungs­si­cher­heit dank Aus­bau des links­rhei­ni­schen NEAT-Zubrin­gers Wörth-Stras­bourg» eingereicht.

Potenzial Nr. 7: Alternativen

Der Ver­kehrs­ver­la­ge­rung sind natur­ge­mäss gewis­se Gren­zen gesetzt. Ent­spre­chend sind die Kräf­te auf geeig­ne­te Ver­keh­re zu bün­deln. Schie­ne und Stras­se ergän­zen sich. Umwelt­ver­träg­li­che Antriebs­tech­no­lo­gien brin­gen die nach­hal­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung des Ver­kehrs­trä­gers Stras­se ent­schei­dend voran. Darum set­zen wir uns für eine För­de­rung umwelt­scho­nen­der Antrie­be bei Wahl­frei­heit der Hal­ter ein. Durch die Aus­ge­stal­tung der LSVA lies­sen sich umwelt­freund­li­che Tech­ni­ken för­dern und für zehn Jahre Inves­ti­ti­ons­si­cher­heit garan­tie­ren. Der Gefahr­gut­trans­port über den Sim­plon­pass soll mit einer Bran­chen­lö­sung abge­si­chert wer­den. Mehr dazu lesen Sie im Blog­bei­trag «Gefahr­gut­trans­port am Sim­plon».

Abbildung 3: Alpenquerender Strassengüterverkehr 2019: Anzahl Fahrten nach Quell-/Zielregion

 

An ihrer Sit­zung von Anfang April 2022 wird sich die KVF‑N mit der Frage der zusätz­li­chen För­de­rung des alpen­que­ren­den Güter­ver­kehrs beschäf­ti­gen. Die Ver­wal­tung wird im Auf­trag der Kom­mis­si­on in einem Zusatz­be­richt auf­zei­gen, wel­che Mög­lich­kei­ten neben einer Anpas­sung der Tras­sen­prei­se zur Finan­zie­rung einer sol­chen Mass­nah­me zur Ver­fü­gung ste­hen. Es steht zu hof­fen, dass diese Zusatz­mass­nah­men bereits tech­no­lo­gie­neu­tral alle Schie­nen­ver­keh­re im Tran­sit berücksichtigen.

1 Vgl. Art 8 GVVG

Wichtiger Gefahrguttransport am Simplon

Wichtiger Gefahrguttransport am Simplon

Gemäss Ver­la­ge­rungs­be­richt vom Novem­ber 2021 erwägt der Bun­des­rat eine Ver­nehm­las­sung zu einem Gefah­ren­gut­trans­port-Ver­bot am Sim­plon. Damit revi­diert er seine im Jahr 2015 dem Par­la­ment abge­ge­be­ne Ein­schät­zung, wonach er den Gefahr­gut­trans­port am Sim­plon­pass als «hin­rei­chend sicher ein­schätzt». Dies erstaunt umso mehr, als das ASTRA seit Jah­ren inten­siv in Sicher­heits­vor­keh­run­gen (Reten­ti­ons­be­cken, Über­hol­ver­bo­te, Not­brems­stre­cke und dgl.) inves­tiert und die Ver­kehrs­sta­tis­tik keine signi­fi­kan­te Zunah­me von Gefahr­gut­trans­por­ten ausweist.

Wir plä­die­ren dafür, dass die Gefahr­gut­si­tua­ti­on in Zusam­men­ar­beit mit den Bran­chen­ver­tre­tern ana­ly­siert und all­fäl­li­ge, geziel­te Ver­bes­se­rungs­po­ten­tia­le genutzt wer­den, und somit auch die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit gewähr­leis­tet bleibt. Im Chlor­trans­port auf der Schie­ne haben sol­che Ver­ein­ba­run­gen bereits gute Fort­schrit­te erzielt.

Ein Ver­bot würde die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung und der Wirt­schaft gefähr­den. Zu berück­sich­ti­gen ist aus­ser­dem, dass zur Erhö­hung der Sicher­heit in den letz­ten Jah­ren sehr viel in die Sim­plon-Stras­se inves­tiert wurde. Gemäss Bun­des­amt für Stras­sen ASTRA gilt der Sim­plon als der best­aus­ge­bau­te Pass­über­gang der Schweiz. Eine umfas­sen­de Argu­men­ta­ti­on lesen Sie im Facts­heet der sci­ence­indus­tries.

Branchen- und Medienanlass DAC4EU Demonstratorzug

Branchen- und Medienanlass DAC4EU Demonstratorzug

Am 25. März 2022 infor­mier­ten das BAV, die SBB, der VAP und der VöV über die Test­pha­se und die weit­rei­chen Vor­tei­le, wel­che sich aus der Digi­ta­len Auto­ma­ti­schen Kupp­lung (DAK) erge­ben. Die Bot­schaft war, dass mit der DAK die Schie­nen für die Digi­ta­li­sie­rung und somit einer bahn­bre­chen­den Inno­va­ti­on im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr gelegt werden.

Seit Herbst 2021 ist erst­mals ein digi­ta­ler Güter­zug zu Test­zwe­cken in Euro­pa unter­wegs. Das Ziel: das Tes­ten der Digi­ta­len Auto­ma­ti­schen Kupp­lung (DAK)
im rea­len Betrieb. Bis Ende März unter­zieht SBB Cargo den Zug einem umfang­rei­chen Test­pro­gramm. Dabei ist sich die Bran­che einig: Die enge natio­na­le Zusam­men­ar­beit und die Abstim­mung in Euro­pa sind wich­ti­ge Fak­to­ren für eine erfolg­rei­che Ein­füh­rung der DAK. Der Test­zug wird finan­ziert vom deut­schen Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Digi­ta­les und Ver­kehr (BMVD).

Sachplan Verkehr: Programm mit eingeschränkter Perspektive

Sachplan Verkehr: Programm mit eingeschränkter Perspektive

Die Hintergründe vorab

Auf den Sach­plan Verkehr/Teil Pro­gramm und damit auf die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs wir­ken diver­se Fak­to­ren ein (vgl. Abbil­dung 1). Raum­kon­zept Schweiz, Ver­kehrs­per­spek­ti­ven und Stra­te­gie Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung geben die stra­te­gi­sche Stoss­rich­tung vor. Auf der Umset­zungs­ebe­ne kom­men Richt­plä­ne, Sach­plan Verkehr/Teil Umset­zung, Agglo­me­ra­ti­ons­pro­gram­me sowie die Aus­bau­schrit­te für Schie­ne und Stras­se und wei­te­re Grund­la­gen zum Tragen.


Abbil­dung 1: Ein­bet­tung und Zusam­men­spiel des Sach­plans Ver­kehr, Teil Pro­gramm mit den räum­li­chen und ver­kehr­li­chen Pla­nungs­in­stru­men­ten (Bild­quel­le: Bun­des­amt für Raum­ent­wick­lung ARE, Sach­plan Ver­kehr, Teil Pro­gramm)

Mit der Lang­frist­per­spek­ti­ve BAHN 2050 wird das eid­ge­nös­si­sche Depar­te­ment für Umwelt, Ver­kehr, Ener­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on (UVEK) aus den vor­lie­gen­den Stra­te­gien die für die Bahn rele­van­ten Stoss­rich­tun­gen zum natio­na­len und inter­na­tio­na­len Per­so­nen- und Güter­ver­kehr auf der Schie­ne und zur Eisen­bahn­in­fra­struk­tur als Basis für die nächs­ten STEP-Aus­bau­schrit­te defi­nie­ren. Aller­dings ist BAHN 2050 keine ver­kehrs­trä­ger­über­grei­fen­de Mobilitätsstrategie.

Mit dem Sach­plan Ver­kehr, Teil Pro­gramm, stellt das UVEK die Koor­di­na­ti­on der Ver­kehrs­trä­ger Stras­se, Schie­ne, Luft, Was­ser unter­ein­an­der und mit der Raum­ent­wick­lung sicher. Die räum­li­chen Belan­ge ste­hen dabei im Vor­der­grund. Der Sach­plan Ver­kehr besteht aus einem Teil Pro­gramm, der die Stra­te­gie­ebe­ne adres­siert und vom Bun­des­rat letz­mals am 20. Okto­ber 2021 aktua­li­siert wurde, und aus diver­sen ver­kehrs­trä­ger­be­zo­ge­nen Umsetzungsteilen.

Die Ent­wick­lung von Sied­lun­gen und Ver­kehrs­in­fra­struk­tu­ren gehen Hand in Hand. Die Sied­lungs­struk­tur wirkt sich auf das Ver­kehrs­sys­tem aus – und umge­kehrt. Die Gestalt der Ver­kehrs­net­ze beein­flusst die Stand­ort­wahl von Fir­men und Men­schen, also prä­gen sie den Raum. Die räum­li­chen Mus­ter wie­der­um wir­ken sich auf die Ver­kehrs­flüs­se und die Netz­aus­las­tung aus. Zur Wei­ter­ent­wick­lung des Ver­kehrs­sys­tems und zur Abstim­mung mit der Raum­ent­wick­lung regt das Raum­kon­zept Schweiz vom 15. Dezem­ber 2012 an, Ver­kehrs­trä­ger ent­spre­chend ihren Stär­ken zu kom­bi­nie­ren und Sied­lun­gen in jenen Räu­men zu ent­wi­ckeln, wo bereits eine gute Anbin­dung an den öffent­li­chen Ver­kehr besteht, etwa in Agglo­me­ra­tio­nen, in Städ­ten oder in regio­na­len Zentren.

Für den Güter­ver­kehr wird bis 2040 ein Gesamt­wachs­tum von 45 Pro­zent pro­gnos­ti­ziert. Würde auf den Aus­bau der Schie­nen­in­fra­struk­tur ver­zich­tet, so könn­te sich die Erreich­bar­keit der Städ­te und Zen­tren der Metro­po­li­tan­räu­me ver­schlech­tern. Mit dem STEP Aus­bau­schritt 2035 wird die Finan­zie­rung der Infra­struk­tu­ren vor allem im Ost-West-Kor­ri­dor, der Gen­fer­see­re­gi­on und den Räu­men Zürich und Zen­tral­schweiz sicher­ge­stellt. Zudem wer­den Anla­gen des Güter­ver­kehrs aus­ge­baut. Im Güter­ver­kehr gene­rell und vor allem in der Haupt­ver­kehrs­zeit wer­den zusätz­li­che Kapa­zi­tä­ten geschaf­fen und die Trans­port­ge­schwin­dig­kei­ten erhöht. Das unter­stützt die Anstren­gun­gen für einen eigen­wirt­schaft­li­chen Betrieb ins­be­son­de­re im Güter­ver­kehr in der Fläche.

Am 26. Janu­ar 2022 hat das UVEK den Sach­plan Ver­kehr, Teil Infra­struk­tur Schie­ne (SIS) Die­ser zeigt Ansät­ze zur Lösung von Pro­ble­men im Bereich der Schie­nen­in­fra­struk­tu­ren auf, sieht Mass­nah­men des Bun­des vor und legt dar, wie diese Mass­nah­men unter­ein­an­der und mit ande­ren raum­wirk­sa­men Akti­vi­tä­ten im zeit­li­chen Ablauf koor­di­niert wer­den sol­len. Diese Mass­nah­men betref­fen die fol­gen­den Bereiche:

  • Sach­plan­re­le­van­te Schienenstrecken
  • Umschlags­an­la­gen für den kom­bi­nier­ten Ver­kehr von natio­na­ler Bedeutung
  • Per­so­nen­bahn­hö­fe, Abstell­an­la­gen, Unter­halts- und Ser­vice­an­la­gen des Roll­ma­te­ri­als oder Güter­ver­kehrs­an­la­gen im vom Bund mit­fi­nan­zier­ten Nor­mal- und Schmalspurnetz
  • Über­tra­gungs­lei­tun­gen für die Strom­ver­sor­gung des Schienennetzes
  • Für die Inbe­trieb­nah­me wich­ti­ger Infra­struk­tur­aus­bau­ten not­wen­di­ge Unterwerke
Was wir von der Sache halten

UVEK und Bun­des­amt für Raum­ent­wick­lung (ARE) haben die Über­ar­bei­tung des Sach­plans Ver­kehr, Teil Pro­gramm, am 15. Sep­tem­ber 2020 in die Anhö­rung gege­ben, unse­re Ant­wort fin­den Sie hier. Wir vom VAP sind über­dies im Sound­ing Board zur Erar­bei­tung der Lang­frist­per­spek­ti­ve BAHN 2050 des UVEK ver­tre­ten und konn­ten uns ver­schie­dent­lich in die Arbei­ten ein­brin­gen. Nach­fol­gend haben wir unse­re wich­tigs­ten Anre­gun­gen zur Ver­bes­se­rung des Sach­plans, Teil Pro­gramm für Sie kurzgefasst.


Abbil­dung 2: Der Sach­plan Ver­kehr, Teil Pro­gramm, räumt dem Güter­ver­kehr mehr – wenn auch noch nicht genug – Bedeu­tung ein. (Bild­quel­le: Bun­des­amt für Raum­ent­wick­lung ARE, Sach­plan Ver­kehr, Teil Pro­gramm)

1. Allgemeine Anmerkungen

Der Sach­plan ver­folgt kon­se­quent einen Top-down-Ansatz. Dadurch wer­den poten­zi­el­le, nach­hal­ti­ge Sze­na­ri­en für einen Bot­tom-up-Ansatz aus­ge­klam­mert. Sol­che böten ein grös­se­res Mit­ge­stal­tungs­recht der Kan­to­ne, Gemein­den und betrof­fe­nen pri­va­ten Akteu­re. Die­ser Top-down-Ansatz steht im Wider­spruch zur Erkennt­nis, wonach «die Ange­bots­for­men und die Anbie­ter viel­fäl­tig» seien (vgl. Seite 24). Die defi­ni­ti­ve Fas­sung hält an den Staats­ebe­nen fest und klam­mert die Wirt­schaft aus.

Eines der wich­tigs­ten Ziele ist die Errei­chung der CO2-Vor­ga­ben. Lei­der wer­den im Sach­plan die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen der Ver­kehrs­trä­ger nicht genü­gend abge­bil­det. Etwa die kom­plet­te Abkehr von Ben­zin­mo­to­ren sei­tens der Auto­mo­bil­in­dus­trie ab 2030 oder Ein­satz moderns­ter Ver­kehrs­leit­sys­te­me im Zusam­men­hang mit dem (teil-)autonomen Fah­ren und dadurch bes­se­rer Nut­zung der Infrastruktur.

Vor­schlag VAP: Der «grü­nen» Logis­tik als Rück­grat der Schwei­zer Wirt­schaft und als Basis für einen gesi­cher­ten Wohl­stand der Schwei­zer Bevöl­ke­rung soll­te im Sach­plan bes­ser Rech­nung getra­gen werden.

2. Gegenstromprinzip gefährdet

Der Sach­plan trifft in den Kapi­teln «Ziel­bild Mobi­li­tät und Raum» sowie «Ent­wick­lungs­stra­te­gien und Hand­lungs­grund­sät­ze» höchst detail­lier­te behör­den­ver­bind­li­che Fest­le­gun­gen. Die im Sach­plan eben­so detail­liert beschrie­be­ne ite­ra­ti­ve Zusam­men­ar­beit aller Staats­ebe­nen und das damit ange­spro­che­ne Gegen­strom­prin­zip wer­den dadurch aller­dings mas­siv ein­ge­schränkt. Der Sach­plan ver­folgt einen zen­tra­lis­ti­schen – kei­nen föde­ra­lis­ti­schen – Ansatz ohne gesetz­li­che Grundlage.

Vor­schlag VAP: Der Detail­lie­rungs­grad der behör­den­ver­bind­li­chen Fest­le­gun­gen, Erwä­gun­gen und Erläu­te­run­gen bie­tet wenig Raum für Koope­ra­ti­on im Sinne des Gegen­strom­prin­zips. Zur Erleich­te­rung inter­re­gio­na­ler Stra­te­gien könn­te der Bund eine gesamt­heit­li­che Koor­di­na­ti­on vornehmen.

3. Zielkonflikt öffentlicher Verkehr vs. Schienengüterverkehr

Im Sach­plan fehlt eine detail­lier­te Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Per­so­nen- und Güter­ver­kehr und den damit ein­her­ge­hen­den Her­aus­for­de­run­gen und poten­zi­el­len Zukunfts­lö­sun­gen. Im Wei­te­ren spricht der Sach­plan von öffent­li­chem Ver­kehr als Gegen­satz zu moto­ri­sier­tem Indi­vi­du­al­ver­kehr. Diese Sicht­wei­se greift für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu kurz, da letz­te­rer nicht zum öffent­li­chen Ver­kehr zählt.

Vor­schlag VAP: Die ver­ab­schie­de­te Fas­sung des Sach­plans räumt dem Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zwar einen höhe­ren Stel­len­wert ein. Doch noch immer domi­nie­ren die Über­le­gun­gen zum öffent­li­chen Ver­kehr. Die Ver­tre­ter des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs müss­ten wie die­je­ni­gen des öffent­li­chen Ver­kehrs in die beschrie­be­nen ite­ra­ti­ven Pro­zes­se der Staats­ebe­nen ein­be­zo­gen werden.

4. Privatwirtschaftliche Unternehmen ausgeklammert

Der Sach­plan wurde von Bund, Kan­to­nen, Städten/Gemeinden sowie Ver­tre­tun­gen der Agglo­me­ra­ti­ons­trä­ger­schaf­ten ent­wi­ckelt. Die für den Güter­ver­kehr unver­zicht­ba­re Infra­struk­tur (Umschlags­platt­for­men, Ter­mi­nals, Anschluss­glei­se, Hafen­in­fra­struk­tu­ren an Bin­nen­ge­wäs­sern, Luft­fracht­ter­mi­nals usw.) wird pri­vat­wirt­schaft­lich erstellt und unter­hal­ten. Der Sach­plan fasst diese pri­va­te Infra­struk­tur unter der Wen­dung «Ver­kehrs­dreh­schei­ben und Ent­wick­lungs­schwer­punk­te» zusam­men. Über diese wird der Güter­ver­kehr in mul­ti­mo­da­len Logis­tik­ket­ten abge­wi­ckelt. Trotz­dem ist der Güter­ver­kehr nicht in der vor­ge­schla­ge­nen Typo­lo­gie der Ver­kehrs­dreh­schei­ben ent­hal­ten. Unter «Unter­neh­men» wer­den Unter­neh­men des öffent­li­chen Ver­kehrs ver­stan­den, nicht die pri­vat­wirt­schaft­li­chen Ver­la­der, die die Dreh­schei­ben erstel­len, finan­zie­ren und betrei­ben. Letz­te­re sol­len nicht invol­viert werden.

Vor­schlag VAP: Eine erfolg­rei­che, inno­va­ti­ve, kun­den­ori­en­tier­te und somit nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät bzw. die brei­te Akzep­tanz von Ange­bo­ten lässt sich nur durch Ein­bin­dung der invol­vier­ten pri­va­ten Unter­neh­men rea­li­sie­ren. Diese müs­sen für Fra­gen der Ver­kehrs­len­kung, bes­se­ren Aus­las­tung, Effi­zi­enz­stei­ge­rung und Erhö­hung der Wider­stands­fä­hig­keit der Ver­kehrs­dreh­schei­ben in die Umset­zung der Ziele des Sach­plans ein­be­zo­gen werden.

5. Infrastrukturausbau wenig nachfrageorientiert

Der Vor­schlag einer Prä­zi­sie­rung, wonach vor einem Aus­bau zuerst alle ande­ren Mög­lich­kei­ten für gute Ver­bin­dun­gen aus­ge­schöpft wer­den, macht die Ver­nach­läs­si­gung des Güter­ver­kehrs im Sach­plan über­deut­lich. Von Pro­duk­ti­ons- und Logis­tik­stand­or­ten ist keine Rede. Die Ver­kehrs­dreh­schei­ben des Güter­ver­kehrs blei­ben irrele­vant. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr wird im Sach­plan sehr zurück­hal­tend the­ma­ti­siert und nicht als Ver­kehrs­dreh­schei­be oder Ent­wick­lungs­schwer­punkt wahrgenommen.

Der Vor­schlag, den Güter­ver­kehr im «Kon­zept Güter­trans­port auf der Schie­ne» allei­ne abzu­han­deln, ist unge­nü­gend. Dies aus zwei Grün­den: Der Anteil des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs im Bin­nen­ver­kehr beträgt ledig­lich knapp 20%. Das Kon­zept steht zudem unter dem über­ge­ord­ne­ten Dach des Sach­plans, es feh­len damit die Stu­fen­ge­rech­tig­keit und die Verbindlichkeit.

Vor­schlag VAP: Der Sach­plan Ver­kehr darf den Güter­ver­kehr nicht ver­nach­läs­si­gen und die pri­vat­wirt­schaft­li­chen Haupt­ak­teu­re aus­klam­mern. Ansons­ten erfolgt der Infra­struk­tur­aus­bau nicht nachfrageorientiert.

6. Verbindungsqualität optimieren

Die für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zen­tra­le Ost-West-Achse liegt über­wie­gend im inter­me­diä­ren Sied­lungs­raum. Hier befin­den sich umfang­rei­che Produktions‑, Ver­ar­bei­tungs- und Logis­tik­stand­or­te sowie Ver­kehrs­dreh­schei­ben (Anschluss­glei­se, Ter­mi­nals). Ihre regio­na­le Anbin­dung an den Güter­fern­ver­kehr zwi­schen Agglo­me­ra­tio­nen, aber auch inner­halb oder zwi­schen Agglo­me­ra­ti­ons­gür­teln, wird im Sach­plan nicht beschrie­ben. Ins­be­son­de­re wer­den keine Tan­gen­ti­al­ver­bin­dun­gen unter Umfah­rung der Agglo­me­ra­ti­ons­ker­ne auf­ge­zeigt, obschon eine sol­che zum Bei­spiel mit der Güter­um­fah­rungs­li­nie Zürich in den Hand­lungs­räu­men vor­ge­se­hen ist. Auch für den öffent­li­chen Ver­kehr wer­den keine Tan­gen­ti­al­li­ni­en oder äus­se­re Gür­tel auf­ge­zeigt, obschon die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Über­las­tung der Agglo­me­ra­ti­ons­ker­ne bekannt sind und der Sach­plan von einer mar­kan­ten Ver­kehrs­ver­la­ge­rung ausgeht.

Vor­schlag VAP: Die am öffent­li­chen Ver­kehr ori­en­tier­te Ver­bin­dungs­qua­li­tät ist dif­fe­ren­ziert nach Raum­ty­pen für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu ergän­zen. Eben­so die Umfah­rung der über­las­te­ten Agglo­me­ra­ti­ons­ker­ne durch die Ver­bin­dun­gen des öffent­li­chen Ver­kehrs zwi­schen Agglo­me­ra­tio­nen und inner­halb der Agglo­me­ra­tio­nen via Tan­gen­ti­al­li­ni­en und Umfahrungsgürtel.

7. Gefahrguttransporte gesondert regeln

Der Sach­plan the­ma­ti­siert den Ziel­kon­flikt zwi­schen Umwelt­schutz (Stör­fall­vor­sor­ge, Ver­kehrs­ver­la­ge­rung auf Schie­nen­gü­ter­ver­kehr) und Ver­dich­tung in den Zen­tren unzu­rei­chend. Mit der Ver­dich­tung ver­än­dert sich die Risi­ko­ein­schät­zung im Gefahr­gut­trans­port. So kön­nen risi­ko­sen­ken­de Mass­nah­men zur Auf­recht­erhal­tung bestehen­der Ver­keh­re nötig wer­den. Dabei ist das Ver­ur­sa­cher­prin­zip zu respek­tie­ren, sodass der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr nicht nur auf­recht­erhal­ten, son­dern wie ange­peilt auch erhöht wer­den kann.

Die Pro­ble­ma­tik lässt sich pro­to­ty­pisch anhand eines all­fäl­li­gen Gefah­ren­gut­trans­port-Ver­bots am Sim­plon dar­stel­len. Der Sim­plon ist der best­aus­ge­bau­te Pass­über­gang der Schweiz. Zur Erhö­hung sei­ner Sicher­heit wurde in den letz­ten Jah­ren enorm viel Geld inves­tiert. Nach Arti­kel 4 der «Ver­ord­nung über die Beför­de­rung gefähr­li­cher Güter auf der Stras­se » (SDR) gel­ten für die Beför­de­rung gefähr­li­cher Güter auf der Stras­se auch im natio­na­len Ver­kehr die Bestim­mun­gen des «Über­ein­kom­mens über die inter­na­tio­na­le Beför­de­rung gefähr­li­cher Güter auf der Stras­se» (ADR). Der Bin­nen­ver­kehr am Sim­plon ist men­gen­mäs­sig nicht rele­vant, da es sich hier prak­tisch nur um inter­na­tio­na­len Ver­kehr handelt.

Ver­bes­se­rungs­vor­schlag: Unser Anlie­gen für eine geson­der­te Betrach­tung von Gefahr­gü­tern wurde im Sach­plan auf­ge­nom­men. Aller­dings ohne Hin­weis auf eine Ver­ur­sa­chung und Mehr­wert­ab­schöp­fung, son­dern nur im Sinn einer «vor­aus­schau­en­den» Pla­nung. Der Zusam­men­hang zwi­schen Ver­kehrs­ver­la­ge­rung auf den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr und ver­dich­te­ter Besied­lung bei Gefahr­gut­trans­por­ten ist unter Berück­sich­ti­gung der Umwelt­an­lie­gen dar­zu­stel­len. Dazu braucht es ver­ur­sa­cher­ge­rech­te Lösungen.

 

Den voll­stän­di­gen Wort­laut unse­rer schrift­li­chen Anhö­rungs­ant­wort an Bun­des­rä­tin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga lesen Sie hier.

TR Trans Rail AG – eine multimodale Erfolgsgeschichte

TR Trans Rail AG – eine multimodale Erfolgsgeschichte

Wir vom VAP enga­gie­ren uns für einen wett­be­werbs­fä­hi­gen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr. Inzwi­schen fah­ren meh­re­re pri­va­te EVU und VAP-Mit­glie­der wich­ti­ge Trans­por­te. Gerne stel­len wir diese und ihre Kern­kom­pe­ten­zen vor. Den Anfang machen wir mit der TR Trans Rail AG.

 

Zwi­schen Mitte Sep­tem­ber und Ende Dezem­ber ist Ern­te­zeit für Zucker­rü­ben – eine mul­ti­mo­da­le, logis­ti­sche Her­aus­for­de­rung für alle Betei­lig­ten. Dabei spielt die Bahn ins­be­son­de­re auf mitt­le­ren und län­ge­ren Stre­cken ihre Stär­ken aus und lie­fert gros­se Men­gen ver­läss­lich und pünkt­lich zu den bei­den Wer­ken Aar­berg und Frauenfeld. 

Als lang­jäh­ri­ger Logis­tik­part­ner von Schwei­zer Zucker AG errei­chen die Cargo-Trans­por­te von TR Trans Rail AG jeweils im letz­ten Quar­tal des Jah­res einen Höhe­punkt. Für den Trans­port zu den Zucker­fa­bri­ken wird wäh­rend die­ser Zeit ein kom­ple­xes Logis­tik­pro­jekt hoch­ge­fah­ren. An den Ver­la­de­stel­len wer­den die Bahn­wa­gen von den Bau­ern bela­den und anschlies­send mit der Bahn trans­por­tiert. Seit der Sai­son 2021 ist TR Trans Rail AG im Bereich der Bahn­trans­por­te der allei­ni­ge natio­na­le Logis­tik­part­ner von Schwei­zer Zucker AG, ein wei­te­rer Mei­len­stein in deren Unternehmensgeschichte.

Dank den Erfah­run­gen der letz­ten Sai­sons, einer minu­tiö­sen Pla­nung gepaart mit einer hohen Fle­xi­bi­li­tät, wer­den die Auf­trä­ge rei­bungs­los abge­wi­ckelt. Wenn sich zum Bei­spiel Tro­cken­heit oder virö­se Ver­gil­bung nega­tiv auf Ertrag und Zucker­ge­halt aus­wir­ken, müs­sen ver­schie­de­ne Züge kurz­fris­tig umge­lei­tet wer­den. Nur mit der Fle­xi­bi­li­tät aller Betei­lig­ten ist es mög­lich, die Aus­las­tung der bei­den Werke zu optimieren.

Kurz vor Weih­nach­ten 2021 erreich­te die letz­te Ladung Rüben die Frau­en­fel­der Zucker­fa­brik. 100 Tage lang trans­por­tier­te TR Trans Rail AG mit über 500 Zügen rund 555’000 Ton­nen Rüben zu den Zucker­fa­bri­ken in Aar­berg und Frauenfeld.

«Der Trans­port auf der Schie­ne sowie die Zusam­men­ar­beit mit den betei­lig­ten Part­nern funk­tio­nier­te meist rei­bungs­los. Dank den Schie­nen­trans­por­ten konn­ten rund 90’000 Stras­sen­ki­lo­me­ter ein­ge­spart wer­den. Das ent­spricht etwa einer Distanz von zwei Erd­um­run­dun­gen» erklärt Peter Koch, Ver­ant­wort­li­cher für die Zucker­rü­ben­trans­por­te Ost.

 

TR Trans Rail AG setzt auf den VAP, wenn es um übergreifendes Knowhow im Schienengüterverkehr geht.

 André Pel­let: Um unse­re Kun­den bei der Suche nach neuen Trans­port­lö­sun­gen für ihre Wagen­la­dun­gen zu unter­stüt­zen, woll­ten wir mehr über deren Bedürf­nis­se, Mög­lich­kei­ten, aber auch Hür­den ken­nen­ler­nen. Ein Geschäfts­part­ner hat uns daher emp­foh­len, uns an den VAP, der uns schon bekannt war, zu wen­den. Der Kon­takt war schnell her­ge­stellt und die Zusam­men­ar­beit star­te­te rasch und unkompliziert

Was wür­den Sie einem Kol­le­gen über den VAP sagen?

André Pel­let, Geschäfts­füh­rer TR Trans Rail AG

Der VAP ist eine über­aus nütz­li­che Platt­form für die ver­lan­den­de Wirt­schaft. Denn nur gemein­sam kön­nen die drin­gen­den The­men des Güter­ver­kehrs auf der Schie­ne ange­gan­gen wer­den.
Das Güter­bahn­sys­tem ist äus­serst kom­plex und daher sehr anspruchs­voll. Jeder Kunde oder Anbie­ter hat unter­schied­li­che Bedürf­nis­se. Aber nur die ganze Ein­heit, gebün­delt in einem Ver­band, hat die Chan­ce die Her­aus­for­de­run­gen zu meistern.

Wo sehen Sie den drin­gends­ten Hand­lungs­be­darf, um den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu fördern?

Der ver­kehrs­po­li­ti­sche Rah­men muss für die Güter­bah­nen stim­men. Die straff orga­ni­sier­te Orga­ni­sa­ti­on Eisen­bahn darf die Fle­xi­bi­li­tät zu guten Trans­port­lö­sun­gen nicht hin­dern und der Auf­wand muss in einem wirt­schaft­li­chen Mass blei­ben. Die immer schlan­ker wer­den­de Infra­struk­tur darf uns nicht wei­ter einschränken.

Was wün­schen Sie sich für die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Schweiz?

Die Eisen­bahn soll­te ver­mehrt als Ein­heit gegen­über der Stras­se auf­tre­ten. Die ver­schie­de­nen Dienst­leis­ter und pri­va­ten Eisen­bahn­un­ter­neh­men haben unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten und jeder könn­te etwas zur Umset­zung und Abwick­lung von Trans­por­ten bei­tra­gen. Die Bah­nen soll­ten sich nicht als Kon­kur­ren­ten sehen, son­dern die ein­zel­nen Stär­ken ein­brin­gen und so gesamt­heit­li­che sowie kun­den­ge­rech­te Lösun­gen anbieten. 

Vie­len Dank für Ihre Ant­wor­ten, André Pellet!

 

Infos zur TR Trans Rail AG:

Als schwei­ze­ri­sches Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men bie­tet TR Trans Rail mit ver­schie­de­nen in- und aus­län­di­schen Part­nern eine brei­te Ange­bots- und Dienst­leis­tungs­pa­let­te an. Dank lang­jäh­ri­ger Erfah­rung sind sie Spe­zia­lis­ten in den Berei­chen Güter­ver­kehr, moder­nen Dienst­leis­tun­gen, Zug­nost­al­gie, Grup­pen-Char­ter­fahr­ten, beglei­te­ten Rei­sen und the­men­be­zo­ge­nen Eventfahrten.

12. VPI-Symposium „Digitale Automatische Kupplung“

12. VPI-Symposium „Digitale Automatische Kupplung“

PRESSEINFO DES VPI Hamburg 
Der Gamechanger für den Schienengüterverkehr ist aufgegleist!
1.250 Teil­neh­me­rIn­nen infor­mier­ten sich am 11. Janu­ar 2022 beim digi­ta­len Event zum Stand der DAK-Ein­füh­rung „Die DAK euro­pa­weit aus­zu­rol­len, ist ein dickes Brett. Die ers­ten Zen­ti­me­ter haben wir geschafft“. Mit die­sen Wor­ten begrüß­te Vor­sit­zen­der Malte Law­renz die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer des 12. VPI-Sym­po­si­ums „Digi­ta­le Auto­ma­ti­sche Kupp­lung“ (DAK) in Ham­burg. Er ver­wies auf die im ver­gan­ge­nen Jahr erfolg­te Eini­gung auf einen ein­heit­li­chen euro­päi­schen Kupp­lungs­stan­dard, die Ver­an­ke­rung der DAK im Koali­ti­ons­ver­trag der Bun­des­re­gie­rung und die Arbeit des Euro­pean DAC Deli­very Pro­gram­me (EDDP) in Brüs­sel. Über 1.250 Teil­neh­men­de hat­ten sich per Live­stream in das Sym­po­si­um zuge­schal­tet – eine Rekord­zahl. Groß war das Inter­es­se an der Ver­an­stal­tung auch im nicht deutsch­spra­chi­gen Aus­land: Mehr als die Hälf­te der Zuschau­en­den ver­folg­te das Sym­po­si­um in der eng­li­schen Simultanübersetzung. 

Das Video ist auf Deutsch und Eng­lisch verfügbar.

Ein Dut­zend Exper­tin­nen und Exper­ten, alle­samt Mit­glie­der des EDDP, berich­te­ten auf dem digi­ta­len Event zum Stand der euro­päi­schen DAK-Dis­kus­si­on in den Fel­dern „Tech­nik“, „Migra­ti­on“, „Kosten/Nutzen“ und „Finan­zie­rung“ und prä­sen­tier­ten aktu­el­le Ergeb­nis­se von Initia­ti­ven wie dem Demons­tra­tor­zug DAC4EU.

Mit der Ver­an­stal­tung bot der VPI dem Sek­tor Gele­gen­heit, Fra­gen an die Ver­tre­ter des EDDP zu stel­len. Beson­ders unter den Nägeln brann­ten Hal­tern, Ver­la­dern und Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men Aspek­te der Migra­ti­on und Finan­zie­rung, aber auch etwa Sicher­heits­fra­gen bei Gefahrguttransporten.

„Das Sym­po­si­um hat sich für alle Betei­lig­ten defi­ni­tiv gelohnt“, resü­mier­te Jens Engel­mann, EDDP Pro­gram­me Mana­ger zum Abschluss der Ver­an­stal­tung. Gern habe man den Stake­hol­dern nicht nur Rede und Ant­wort gestan­den, son­dern nehme umge­kehrt auch wich­ti­ge Klä­rungs­the­men nach Brüs­sel mit, die bei der Gestal­tung des kom­ple­xen Umset­zungs­pro­zes­ses Berück­sich­ti­gung fin­den werden.

Das 12. VPI-Sym­po­si­um fand die­ses Jahr in Koope­ra­ti­on mit dem VPI Öster­reich sowie mit wich­ti­gen DAK-Insti­tu­tio­nen auf euro­päi­scher Ebene statt: Euro­pean DAC Deli­very Pro­gram­me, DAC­ce­le­ra­te und Shift2Rail.

 

Malte Law­rence spricht im Inter­view auf Journalistico.de über den aktu­el­len Stand des DAK-Pro­jekts, wie viel höher die Pro­duk­ti­vi­tät mit der DAK sein wird und wel­che Hür­den es bis dahin noch zu bewäl­ti­gen gibt.

https://journalistico.com/wirtschaft/digitale-automatische-kupplung-das-ebnet-den-weg-fuer-den-intelligenten-gueterzug/

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