NACHHALTIGKEIT

Der VAP ver­steht unter Nach­hal­tig­keit die drei Aspek­te öko­lo­gi­sche Pro­duk­ti­on, sozia­le Arbeits­be­din­gun­gen sowie eine zukunfts­fä­hi­ge Öko­no­mie. Nur wenn nach­hal­ti­ge Lösun­gen gefun­den wer­den, ist die Zukunft gesichert.

Nachhaltige Produktion

Ein Drit­tel der Emis­sio­nen sind auf den Ver­kehr zurück­zu­füh­ren. Wir haben uns hohe Ziele gesetzt, diese Emis­sio­nen zu sen­ken. Der Schie­nen­ver­kehr ist schon jetzt ein sehr umwelt­scho­nen­des Verkehrsmittel.

 

Nachhaltige Arbeitsverhältnisse

Die Sicher­heit und Gesund­heit von Ran­gier­ar­bei­ter wird bei den schwer­fäl­li­gen Abläu­fen und der schwe­ren kör­per­li­chen Arbeit stra­pa­ziert. In abseh­ba­rer Zeit feh­len in die­sem Bereich zahl­rei­che Arbeits­kräf­te, auf Grund der unat­trak­ti­ven Arbeit. Wir kön­nen dies ändern und sozia­le Ver­ant­wor­tung übernehmen.

  • Mit der Digi­ta­len Auto­ma­ti­schen Kupp­lung (DAK) ver­rin­gert sich das Risi­ko für Gesund­heit und Sicher­heit massgeblich

 

Nachhaltige Ökonomie

Nur ein Sys­tem, wel­ches Gewinn erwirt­schaf­tet, ist lang­fris­tig über­le­bens­fä­hig. Um wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben, muss die Güter­bahn ihre Pro­zes­se effi­zi­en­ter gestal­ten, ihre Pro­duk­ti­vi­tät stei­gern und ihre Kapa­zi­tä­ten bes­ser nut­zen. Dies ist unter ande­rem wich­tig, um das pro­gnos­ti­zier­te Wachs­tum von 30% mehr Güter­ver­kehrs­auf­kom­men bis 2050 bes­ser auf­fan­gen zu können.

  • Mit der Auto­ma­ti­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs gibt es einen nach­hal­ti­gen Schub, wel­cher die Markt­fä­hig­keit der Bahn stei­gert und ​auch die Pro­duk­ti­ons­kos­ten senkt.

 

Haben Stahlkolosse als Zugpferde der Wirtschaft ausgedient?

Haben Stahlkolosse als Zugpferde der Wirtschaft ausgedient?

Das Jahr geht dem­nächst zu Ende. Nur zu gerne würde man pünkt­lich zu den Fest­ta­gen mit freu­di­gen Bot­schaf­ten auf­war­ten. Lei­der ist es nicht ein­fach, posi­ti­ve Schlüs­se aus der Ana­ly­se des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs 2025 zu zie­hen. Viel­mehr jagte eine nega­ti­ve Schlag­zei­le die ande­re. Die Frage nach dem zukünf­ti­gen Stel­len­wert der Stahl­ko­los­se, die Jahr für Jahr Mil­lio­nen von Ton­nen an Gütern von A nach B zie­hen, muss erlaubt sein.


Darum geht’s:

  • Mehr Güter heisst nur auf dem Papier mehr Transporte
  • Die Liste der Nega­tiv­bei­spie­le ist lang
  • Die Nach­hal­tig­keits­zie­le der Schweiz ste­hen auf dem Spiel
  • Licht­bli­cke bestä­ti­gen die Regel
  • Agie­ren statt kapitulieren

Mehr Güter heisst nur auf dem Papier mehr Transporte

Eine wach­sen­de Wirt­schaft zieht not­wen­di­ger­wei­se einen höhe­ren Bedarf an Güter­trans­por­ten nach sich. Schliess­lich müs­sen die zusätz­li­chen Güter irgend­wie zum End­kon­su­men­ten gelan­gen. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist dabei unab­ding­bar; schon heute trans­por­tiert er jähr­lich Mil­lio­nen von Ton­nen Güter kli­ma­freund­lich von A nach B.

Gemäss den Pro­gno­sen des Bun­des­amts für Raum­ent­wick­lung (ARE) im Rah­men sei­ner Ver­kehrs­per­spek­ti­ven 2050 ist bis 2050 mit einem Zuwachs des Güter­ver­kehrs um 31 Pro­zent zu rech­nen. In die­ser Zeit soll der Anteil der per Bahn trans­por­tier­ten Güter von 37 auf 39 Pro­zent anstei­gen. Die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr lau­fen sowohl die­sen Per­spek­ti­ven als auch den kla­ren poli­ti­schen Absich­ten im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr dia­me­tral ent­ge­gen: Obwohl der Bedarf an Güter­trans­por­ten steigt, ver­liert die Schie­ne kon­ti­nu­ier­lich an Marktanteilen.

Die Liste der Nega­tiv­bei­spie­le ist lang

Exem­pla­risch für die­sen Abwärts­trend steht die vor­zei­ti­ge Ein­stel­lung der rol­len­den Land­stras­se (Rola). Diese nahm am 11. Dezem­ber 2025 zum letz­ten Mal die Stre­cke von Frei­burg im Breis­gau in Rich­tung Nova­ra (IT) unter die Räder. Die Liste ähn­li­cher Nega­tiv­bei­spie­le lässt sich belie­big fort­set­zen. So etwa mit dem Abbau von acht Ter­mi­nals für den kom­bi­nier­ten Ver­kehr, mit den teils unver­hält­nis­mäs­si­gen Preis­er­hö­hun­gen durch SBB Cargo im Inland oder mit den ein­schnei­den­den und wenig fun­dier­ten Regu­lie­run­gen des BAV im Nach­gang zum Unfall am Gott­hard-Basis­tun­nel. Eben­falls besorg­nis­er­re­gend ist die desas­trö­se Schie­nen­in­fra­struk­tur von Deutsch­land im alpen­que­ren­den unbe­glei­te­ten kom­bi­nier­ten Ver­kehr. Diese schein­ba­ren Ein­zel­fäl­le kumu­lie­ren sich und füh­ren in der Summe zu einem schlei­chen­den und gra­vie­ren­den Rück­gang des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs und somit zu einer Rück­ver­la­ge­rung von Trans­por­ten von der Schie­ne auf die Strasse.

Die Nach­hal­tig­keits­zie­le der Schweiz ste­hen auf dem Spiel

Diese Schwä­chung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs hat auch in ande­ren Berei­chen gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen. So wird etwa das Netto-Null-Kli­ma­ziel des Bun­des immer unrea­lis­ti­scher. Eben­so hat die Stras­se ihre Kapa­zi­täts­gren­zen schon längst erreicht, was sich an der immensen und expo­nen­ti­ell stei­gen­den Zahl von Stau­stun­den zeigt: 2024 waren es über 55’000 Stun­den. Eine Ent­schär­fung ist nicht in Sicht. Im Gegen­teil, denn die Stimm­be­völ­ke­rung hat einen Kapa­zi­täts­aus­bau im Novem­ber 2024 klar abgelehnt.

Licht­bli­cke bestä­ti­gen die Regel

Erfreu­lich sind zahl­rei­che Initia­ti­ven, die die­sen nega­ti­ven Trends ent­ge­gen­lau­fen. Ein sol­ches Licht­blick-Pro­jekt ist die Cargo-S-Bahn von rXp Inter­re­gio­Car­go. Diese über­nimmt Bewähr­tes aus dem kom­bi­nier­ten Ver­kehr und räumt hin­der­li­che Stol­per­stei­ne aus dem Weg. Mit einem ein­fa­chen, durch­dach­ten Sys­tem will die bran­chen­über­grei­fen­de Alli­anz star­ker Unter­neh­men die Güter von der Stras­se auf die Schie­ne ver­la­gern. Beim alpen­que­ren­den kom­bi­nier­ten Ver­kehr macht man eben­falls aus der Not eine Tugend: Unter der Füh­rung des BAV ruft man Per­so­nal grenz­über­schrei­tend zusam­men und prüft inno­va­ti­ve Ansät­ze, um die schwie­ri­ge momen­ta­ne Situa­ti­on mit einer deso­la­ten Bahn­in­fra­struk­tur und den sich abzeich­nen­den Bau­stel­len in Deutsch­land zu über­brü­cken. Posi­tiv zu sehen ist dabei, wie die Bran­chen­ak­teu­re zusam­men­ste­hen und prag­ma­tisch nach Lösun­gen suchen.

Agie­ren statt kapitulieren

Ulrich Maix­ner, Geschäfts­füh­rer der Spe­di­ti­ons­fir­ma Hoyer, zog in der Zuger Zei­tung unlängst einen dra­ma­ti­schen Schluss zur Situa­ti­on im kom­bi­nier­ten Ver­kehr: «Wir ste­hen kurz vor dem Abgrund.» Ganz so dra­ma­tisch ist die Situa­ti­on beim Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Schweiz noch nicht. Aller­dings kann sich die Bran­che ein zwei­tes Jahr 2025 mit einer ähn­li­chen Ansamm­lung von Hiobs­bot­schaf­ten nicht leisten.

 

Bundesrat stärkt Schweizer Schienengüterverkehr

Bundesrat stärkt Schweizer Schienengüterverkehr

An sei­ner Sit­zung vom 19. Novem­ber 2025 hat der Bun­des­rat die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des Bun­des für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Schweiz und für die Güter­schiff­fahrt neu gere­gelt. Die ver­ab­schie­de­te Total­re­vi­si­on der Güter­trans­port­ver­ord­nung (GüTV) und wei­te­re Ver­ord­nungs­an­pas­sun­gen tre­ten am 1. Janu­ar 2026 in Kraft.


Darum geht’s:

  • Bund för­dert Schie­nen­gü­ter­ver­kehr substanziell
  • Zusätz­li­che Anrei­ze für Umschlag und Verlad
  • Pau­schal­bei­trä­ge zur Migra­ti­on auf die DAK
  • Kaum Offer­ten für Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen eingereicht
  • SBB Cargo prescht vor

Bund för­dert Schie­nen­gü­ter­ver­kehr substanziell

Am 21. März 2025 hat das Par­la­ment das revi­dier­te Güter­trans­port­ge­setz (GüTG) ver­ab­schie­det und damit ein umfas­sen­des Mass­nah­men­pa­ket zur Stär­kung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs auf den Weg gebracht. So soll der Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) über acht Jahre finan­zi­ell geför­dert wer­den und mit­tel­fris­tig eigen­wirt­schaft­lich funk­tio­nie­ren. Für die ers­ten vier Jahre hat das Par­la­ment 260 Mil­lio­nen Fran­ken gespro­chen. Im Wei­te­ren stellt es ein­ma­lig 180 Mil­lio­nen Fran­ken für die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK) bereit.

Zusätz­li­che Anrei­ze für Umschlag und Verlad

Das GüTG sieht zudem Umschlags- und Ver­la­de­bei­trä­ge sowie Inves­ti­ti­ons­bei­trä­ge vor. Damit soll der Trans­port von Gütern per Bahn und der Güter­um­schlag zwi­schen der Schie­ne und ande­ren Ver­kehrs­trä­gern geför­dert wer­den. Für Betrei­ber von Anschluss­glei­sen und Ver­la­de­an­la­gen des kom­bi­nier­ten Ver­kehrs rich­tet der Bund ab Janu­ar 2026 soge­nann­te Umschlags- und Ver­la­de­bei­trä­ge aus. Für jeden emp­fan­ge­nen oder ver­sen­de­ten bela­de­nen Güter­wa­gen betra­gen diese pau­schal 40 Fran­ken. Ins­ge­samt ste­hen jähr­lich 50 Mil­lio­nen Fran­ken dafür zur Verfügung.

Die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung ist auf 8000 Wagen pro Anschluss­gleis begrenzt. Die noch in der Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge vor­ge­se­he­ne Unter­gren­ze wurde auf­grund der Rück­mel­dun­gen aus der Ver­nehm­las­sung gestri­chen. Damit erhal­ten auch klei­ne und mitt­le­re Ver­la­der einen Anreiz, ver­stärkt auf die Bahn zu setzen.

Für Umschlags- und Ver­la­de­an­la­gen will der Bun­des­rat die För­de­rung über Inves­ti­ti­ons­bei­trä­ge aus­wei­ten und admi­nis­tra­tiv ver­ein­fa­chen. Mit Pau­schal­bei­trä­gen will er Inves­ti­tio­nen in Umschlag­flä­chen und mobi­le Anla­gen­tei­le zusätz­lich unterstützen.

Pau­schal­bei­trä­ge zur Migra­ti­on auf die DAK

Ein wich­ti­ger Bau­stein für einen effi­zi­en­te­ren und pro­duk­ti­ve­ren Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist die DAK. Zur Aus- und Umrüs­tung von Bahn­wa­gen und Loko­mo­ti­ven rich­tet der Bund Pau­schal­bei­trä­ge pro Fahr­zeug aus. Diese belau­fen sich ins­ge­samt auf 180 Mil­lio­nen Fran­ken. Basie­rend auf dem Feed­back aus der Ver­nehm­las­sung hat sich der Bund ent­schie­den, den Betrag pro Wagen auf 8000 Fran­ken pau­schal und unab­hän­gig von des­sen Alter festzusetzen.

Kaum Offer­ten für Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen eingereicht

Im Som­mer 2025 führ­te das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV) ein Offert­ver­fah­ren zur finan­zi­el­len Unter­stüt­zung von Teil­leis­tun­gen im EWLV-Sys­tem durch. Auf die Aus­schrei­bung hat bis­her nur SBB Cargo reagiert. Das BAV wird bis Ende 2025 zusam­men mit SBB Cargo eine Leis­tungs­ver­ein­ba­rung für den EWLV für die Jahre 2026 bis 2029 erarbeiten.

SBB Cargo prescht vor

Die GüTV steckt den Rah­men ab und stellt die finan­zi­el­len Mit­tel für einen eigen­wirt­schaft­li­chen EWLV bereit. Ziel ist es, mit einem effi­zi­en­te­ren und pro­duk­ti­ve­ren Betrieb bei SBB Cargo, mit aus­ta­rier­ten Preis­er­hö­hun­gen bei den Ver­la­dern und mit den degres­si­ven Sub­ven­tio­nen des Bun­des Eigen­wirt­schaft­lich­keit inner­halb von vier bis acht Jah­ren zu errei­chen. Die­ses Vor­ha­ben und die Ziele der GüTV hat SBB Cargo bereits vor Inkraft­tre­ten der revi­dier­ten Geset­ze und Ver­ord­nun­gen mit Preis­er­hö­hun­gen von teils zwei­stel­li­gen Pro­zent­sät­zen bei den Ver­la­dern torpediert.

Ein sol­ches Vor­ge­hen führt zwangs­läu­fig dazu, dass die Ver­la­der ihre Güter schon bald nicht mehr mit der Bahn, son­dern auf der noto­risch ver­stopf­ten Stras­se trans­por­tie­ren. Die­ser Effekt ent­spricht mit Sicher­heit nicht der Absicht der Poli­tik bei der Ver­ab­schie­dung des GüTG. Es erstaunt daher nicht, dass das Par­la­ment mit der Moti­on 25.4409 von Stän­de­rä­tin Eva Her­zog reagiert hat. Die Kom­mis­si­on für Ver­kehr und Fern­mel­de­we­sen hat die Moti­on am 7. Novem­ber 2025 mit 5 zu 2 Stim­men bei einer Ent­hal­tung angenommen.

 

Alpenquerender Güterverkehr:  Verlagerungsziel rückt in weite Ferne

Alpenquerender Güterverkehr: Verlagerungsziel rückt in weite Ferne

Am 19. Novem­ber 2025 hat der Bun­des­rat den «Bericht über die Ver­kehrs­ver­la­ge­rung Juli 2023 – Juni 2025» kom­mu­ni­ziert. Die­ser bestä­tigt die äus­serst anspruchs­vol­le Situa­ti­on des kom­bi­nier­ten alpen­que­ren­den Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Mit diver­sen Mass­nah­men will der Bun­des­rat den nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen entgegenwirken.


Darum geht’s:

  • Ver­la­ge­rungs­auf­trag verpflichtet
  • Ziel zuneh­mend ver­fehlt, auch fremdverschuldet
  • Bun­des­rat schrei­tet zur Tat
  • Pro­blem erkannt, Auf­ga­be bleibt anspruchsvoll

Ver­la­ge­rungs­auf­trag verpflichtet

Mit dem Ver­la­ge­rungs­auf­trag ver­fügt die Schweiz über ein ein­zig­ar­ti­ges, in der Ver­fas­sung ver­an­ker­tes Instru­ment. Die­ses zwingt die Poli­tik, den alpen­que­ren­den Güter­ver­kehr auf die Schie­ne zu ver­la­gern. Ziel ist der Schutz der Alpen und die Begren­zung der LKW-Fahr­ten durch die Alpentäler.

Ziel zuneh­mend ver­fehlt, auch fremdverschuldet

Lei­der ging der Anteil der auf der Schie­ne trans­por­tier­ten Güter in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich zurück. Das Ver­la­ge­rungs­ziel von 650 000 alpen­que­ren­den Last­wa­gen­fahr­ten wird mit 960’000 Fahr­ten im Jahr 2024 wei­ter­hin klar über­schrit­ten. Ein Kern­pro­blem für diese Ent­wick­lung ist die maro­de Schie­nen­in­fra­struk­tur in den Nach­bar­län­dern, allen voran in Deutsch­land. Zwar geht man die Pro­ble­me vie­ler­orts an, doch wird die Moder­ni­sie­rung der nächs­ten Jahre die Zuver­läs­sig­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs wei­ter verschlechtern.

Bun­des­rat schrei­tet zur Tat

Vor die­sem Hin­ter­grund ist nicht nur die ver­la­den­de Wirt­schaft, son­dern vor allem auch der Bund gefor­dert. Es ist erfreu­lich, dass sich der Bun­des­rat für moder­ne und gut aus­ge­bau­te Zulauf­stre­cken zu den Basis­tun­nels der Neuen Eisen­bahn-Alpen­trans­ver­sa­len (NEAT) ein­setzt. Eben­falls will er mit finan­zi­el­len Anrei­zen die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen aus der Ein­stel­lung der Rol­len­den Land­stras­se (Rola) abfe­dern und die betrof­fe­nen Trans­por­te in den unbe­glei­te­ten kom­bi­nier­ten Ver­kehr über­füh­ren. Wei­ter will er sich für eine rasche Moder­ni­sie­rung der Bahn­in­fra­struk­tur in den Nach­bar­län­dern ein­set­zen, sich für leis­tungs­fä­hi­ge Aus­weich­rou­ten enga­gie­ren und dafür, dass die Akteu­re die Bau­ar­bei­ten inter­na­tio­nal koordinieren.

Pro­blem erkannt, Auf­ga­be bleibt anspruchsvoll

Das in der Ver­fas­sung ver­an­ker­te Ver­la­ge­rungs­ziel wird wei­ter­hin weit ver­fehlt. Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig. In ers­ter Linie lie­gen sie bei der teils maro­den Schie­nen­in­fra­struk­tur in Deutsch­land, wes­halb fast jeder fünf­te Zug aus­fällt. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es begrüs­sens­wert, dass sich der Bun­des­rat der Sache annimmt und hand­fes­te Lösun­gen präsentiert.

Aller­dings bleibt es äus­serst anspruchs­voll, den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in den kom­men­den Jah­ren nach­hal­tig am Lau­fen zu hal­ten, bis die Infra­struk­tur im Aus­land moder­ni­siert ist. Ange­sichts die­ser Her­aus­for­de­run­gen ist es umso ent­schei­den­der, dass die Güter­ver­kehrs­bran­che zusam­men­rückt und sowohl poli­tisch als auch ope­ra­tiv eng koope­riert. Nur so las­sen sich wei­te­re unnö­ti­ge Unweg­sam­kei­ten verhindern.

 

Cargo-S-Bahn: Bewährtes optimieren, Hürden eliminieren

Cargo-S-Bahn: Bewährtes optimieren, Hürden eliminieren

Mit dem Ansatz rXp Inter­re­gio­Car­go will eine bran­chen­über­grei­fen­de Alli­anz aus inno­va­ti­ven und leis­tungs­star­ken Unter­neh­men in den nächs­ten Jah­ren Güter von der noto­risch ver­stopf­ten Stras­se ver­stärkt auf die Bahn ver­la­gern. Das intel­li­gen­te Ver­kehrs­kon­zept nutzt Bewähr­tes und eli­mi­niert Schwach­stel­len des heu­ti­gen Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Wäh­rend sich SBB Cargo immer stär­ker vom kom­bi­nier­ten Ver­kehr zurück­zieht, kommt diese Initia­ti­ve im rich­ti­gen Moment.


Darum geht’s:

  • Über­las­tung der Stras­sen nimmt zu
  • Güter­trans­port auf Kurz- und Mit­tel­stre­cken neu gedacht
  • Fle­xi­bler und kos­ten­güns­ti­ger als der Einzelwagenladungsverkehr
  • Schnell und ein­fach wie die S‑Bahn – nur für Güter
  • Für eine ver­stärk­te Ver­kehrs­ver­la­ge­rung engagiert
  • Zukunfts­träch­ti­ge Sym­bio­se von Stras­se und Schiene

Über­las­tung der Stras­sen nimmt zu

Abb. 1 : Con­tai­ner-Ver­lad vom Lkw auf die Bahn. Quel­le: rXp RailTruck

Die Situa­ti­on auf den Schwei­zer Stras­sen spitzt sich zu: Die Stau­stun­den stei­gen an und die Kli­ma­zie­le des Bun­des rücken zuneh­mend in weite Ferne. Nach dem Nein des Schwei­zer Stimm­volks zum Auto­bahn­aus­bau blei­ben die Eng­päs­se bestehen. Vor die­sem Hin­ter­grund erweist sich die Per­so­nal­su­che der Cami­on­neu­re als zuneh­mend anspruchs­voll, wie es Hans-Peter Drei­er der Drei­er AG an einer Ver­an­stal­tung vom 4. Novem­ber 2025 in Olten ausführte.

Güter­trans­port auf Kurz- und Mit­tel­stre­cken neu gedacht

Da kommt das Ver­kehrs­mo­dell der rXp Inter­re­gio Cargo GmbH wie geru­fen. Mit dem elek­tri­schen Trieb­zug rXp Rail­T­ruck als Kern­stück sol­len Güter, die bis­her auf der Stras­se trans­por­tiert wur­den, den Weg leich­ter auf die Schie­ne fin­den. Der rXp Rail­T­ruck ist für den Fahr­be­trieb rich­tungs­un­ab­hän­gig und soll rein pri­vat rea­li­siert werden.

Fle­xi­bler und kos­ten­güns­ti­ger als der Einzelwagenladungsverkehr

Abb. 2 : Antei­le der Trans­port­stre­cke von Bahn und Strasse.

Das Kon­zept rXp Inter­re­gio­Car­go unter­schei­det sich in eini­gen Punk­ten vom auf­wen­di­gen und bis­her defi­zi­tä­ren Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV). Mit dem rXp Rail­T­ruck lässt sich ein Gross­teil der kos­ten­trei­ben­den Arbei­ten und Auf­wen­dun­gen des EWLV umge­hen. Das erhöht nicht nur die Ren­ta­bi­li­tät, son­dern stei­gert auch die Fle­xi­bi­li­tät erheb­lich. Diese Schlüs­sel­ar­gu­men­te über­zeu­gen Stras­sen­trans­port­un­ter­neh­men wie die Drei­er AG, die sich am Pro­jekt betei­li­gen. Geschäfts­füh­rer Hans-Peter Drei­er sieht das Modell denn auch als Ant­wort auf den ange­kün­dig­ten Rück­zug von SBB Cargo aus dem kom­bi­nier­ten Verkehr.

Schnell und ein­fach wie die S‑Bahn – nur für Güter

Dank des elek­tri­schen Trieb­zugs rXp Rail­T­ruck ent­fal­len auf­wen­di­ge und kost­spie­li­ge Ran­gier­ar­bei­ten – ana­log zur S‑Bahn im Per­so­nen­ver­kehr. Das Ver­la­den der Con­tai­ner oder Wech­sel­brü­cken erfolgt auf Neben- oder Anschluss­glei­sen mit oder ohne Fahr­lei­tung. Das ist mög­lich, weil der rXp Rail­T­ruck dank Bat­te­rie­be­trieb auch auf Glei­sen ohne Fahr­lei­tung ein­setz­bar ist. Das erspart zeit­rau­ben­de Stopps und erhöht die Fle­xi­bi­li­tät des Lok­füh­rers. Das Wagen­ma­te­ri­al wird vom VAP-Mit­glied MFD Rail GmbH zuge­mie­tet und instand­ge­hal­ten. Das Rad muss also auch hier nicht neu erfun­den wer­den, da bewähr­te Kon­zep­te vor­han­den sind.

Für eine ver­stärk­te Ver­kehrs­ver­la­ge­rung engagiert

Die Initi­an­ten von rXp Inter­re­gio­Car­go sehen ihren inno­va­ti­ven Ansatz nicht als Kon­kur­renz zum bis­he­ri­gen Schie­nen­gü­ter­ver­kehr, son­dern als Ergän­zung für eine ver­stärk­te Ver­kehrs­ver­la­ge­rung auf die Bahn. Dank der schlan­ken und kos­ten­op­ti­mier­ten Abwick­lung beim Ver- und Ent­la­den wird es für die Trans­por­teu­re inter­es­sant, Güter auch auf kür­ze­ren Stre­cken mit der Bahn zu transportieren.

Zukunfts­träch­ti­ge Sym­bio­se von Stras­se und Schiene

In einer Zeit, in der sich die Schlag­zei­len über den Abbau des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs meh­ren, sind Licht­bli­cke wie das Ver­kehrs­mo­dell rXp Inter­re­gio­Car­go höchst will­kom­men. Indem das Kon­zept bewähr­te Aspek­te nutzt und Schwä­chen des heu­ti­gen Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs besei­tigt, schafft es ein viel­ver­spre­chen­des Pro­dukt für den inlän­di­schen Güter­trans­port auf der Schie­ne. Fol­gen wei­te­re Stras­sen­spe­di­teu­re dem Vor­bild der Drei­er AG, könn­te die lang ersehn­te Sym­bio­se zwi­schen der Bahn und der Stras­se bald Rea­li­tät werden.

 

SBB Cargo baut Einzelwagenladungsverkehr ab – statt um

SBB Cargo baut Einzelwagenladungsverkehr ab – statt um

Mit dem revi­dier­ten Güter­trans­port­ge­setz (GüTG) woll­te das Par­la­ment den Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) stär­ken. Mit ihrer Preis­po­li­tik tut SBB Cargo exakt das Gegen­teil – im Schnell­zugs­tem­po. Und dies alles, noch bevor das revi­dier­te Gesetz mit der ent­spre­chen­den Ver­ord­nung in Kraft ist.


Darum geht’s:

  • Hor­ren­de Preis­er­hö­hun­gen füh­ren zu Ver­la­ge­rung auf Strasse
  • Ver­la­der waren bereit, mode­rat höhe­re Prei­se zu bezahlen
  • Abbau wider­spricht dem Wil­len des Par­la­ments grundlegend
  • Licht am Hori­zont: Poli­tik nimmt sich der Sache an
  • Bun­des­rat und Par­la­ment müs­sen sofort Not­brem­se ziehen

Hor­ren­de Preis­er­hö­hun­gen füh­ren zu Ver­la­ge­rung auf Strasse

Am 20. Sep­tem­ber 2025 hat SBB Cargo eine Mit­tei­lung publi­ziert, die auf­hor­chen lässt. Darin spre­chen die Ver­ant­wort­li­chen von einer Siche­rung des umwelt­freund­li­chen Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs und von Arbeits­plät­zen in der Schweiz. Lei­der geschieht zur­zeit das Gegen­teil. SBB Cargo hat über die letz­ten Mona­te teils hor­ren­den Preis­er­hö­hun­gen vor­ge­nom­men. Das führt dazu, dass viele Kun­den der ver­la­den­den Wirt­schaft in Zukunft noch stär­ker oder sogar aus­schliess­lich auf den Trans­port auf der Stras­se set­zen. Dies bestä­ti­gen zahl­lo­se Rück­mel­dun­gen aus der VAP-Mit­glied­schaft. Diese ist sich einig: Die Ver­la­der wür­den auch zukünf­tig auf den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr set­zen, aller­dings ist die­ser ange­sichts der von SBB Cargo gefor­der­ten Prei­sen gegen­über der Stras­se nicht mehr län­ger konkurrenzfähig.

Ver­la­der waren bereit, mode­rat höhe­re Prei­se zu bezahlen

Ursprüng­lich woll­te das Par­la­ment den EWLV eigen­wirt­schaft­lich machen. Dazu soll die­ser acht Jahre finan­zi­ell geför­dert wer­den, wobei für die ers­ten vier Jahre 260 Mio. CHF zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Zudem stellt der Bund ein­ma­lig 180 Mio. CHF für die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK) im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr bereit. Der Weg zur Eigen­wirt­schaft­lich­keit war so gedacht: Die Ver­la­der tra­gen mit mode­ra­ten Preis­er­hö­hun­gen, SBB Cargo mit mehr Pro­duk­ti­vi­tät und Effi­zi­enz und der Bund mit der befris­te­ten För­de­rung ihren Teil dazu bei. Dazu hät­ten der VAP und seine Mit­glie­der Hand gebo­ten; die Ver­la­der wären gröss­ten­teils bereit gewe­sen, die­sen Preis für einen eigen­wirt­schaft­li­chen EWLV zu bezahlen.

Nun geschieht ein Abbau des Defi­zits von SBB Cargo fast aus­schliess­lich zulas­ten der Ver­la­der. Für die wenigs­ten Ver­la­der besteht so wei­ter­hin ein Anreiz, auf den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu set­zen. Das führt zu einem ein­schnei­den­den Abbau von Schie­nen­gü­ter­in­fra­struk­tur. Ange­sichts der hohen Anfangs­in­ves­ti­tio­nen dürf­ten sich diese Fir­men in Zukunft kaum je wie­der auf die Schie­ne set­zen, womit der EWLV und somit der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr nach­hal­tig abge­baut wer­den. Für Bun­des­rat und Par­la­ment wird die­ser irrever­si­ble Abbau der Güter­men­gen auf der Schie­ne spä­tes­tens nach vier Jah­ren ersichtlich.

Abbau wider­spricht dem Wil­len des Par­la­ments grundlegend

Die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen ent­spre­chen nicht dem Wil­len des Par­la­ments. Die­ses woll­te den EWLV stär­ken, unter ande­rem um die Dekar­bo­ni­sie­rung des Ver­kehrs vor­an­zu­trei­ben und das Netto-Null-Ziel bis 2050 zu errei­chen. Ohne einen leis­tungs­star­ken EWLV rückt die­ses Ziel in immer wei­te­re Ferne. Und letzt­lich hat auch das Volks-Nein zum Auto­bahn­aus­bau im Novem­ber 2024 dazu bei­getra­gen, dass sich ein Kol­laps auf der Stras­se nur ver­hin­dern lässt, wenn mög­lichst viele Güter auf der Schie­ne trans­por­tiert werden.

Licht am Hori­zont: Poli­tik nimmt sich der Sache an

Erfreu­lich ist, dass die Poli­tik sich der Sache annimmt. So hat Stän­de­rä­tin Eva Her­zog am 25. Sep­tem­ber 2025 die Moti­on 25.4147 «Siche­rung des Leis­tungs­ni­veaus bei SBB Cargo inklu­si­ve Erhalt eines Kern­net­zes im kom­bi­nier­ten Güter­ver­kehr» ein­ge­reicht. Die Moti­on ver­langt, dass SBB Cargo die Prei­se ab 2026 maxi­mal noch um die Teue­rung erhö­hen kann. Dem­nach müss­te SBB Cargo die Eigen­wirt­schaft­lich­keit haupt­säch­lich durch einen pro­duk­ti­ve­ren und effi­zi­en­te­ren Betrieb sicher­stel­len, wie es auch vom Par­la­ment im GüTG gedacht war. Bedau­er­li­cher­wei­se hat SBB Cargo in der Zwi­schen­zeit Tat­sa­chen geschaf­fen: Bereits hat sich ein beträcht­li­cher Teil der Kund­schaft des EWLV von der Schie­ne abgewandt.

Bun­des­rat und Par­la­ment müs­sen sofort Not­brem­se ziehen

Der VAP appel­liert an den Bun­des­rat und ans Par­la­ment, der Pra­xis von SBB Cargo mit Preis­er­hö­hun­gen im teils zwei­stel­li­gen Bereich sofort Ein­halt zu gebie­ten. Die­ses eigen­mäch­ti­ge Vor­ge­hen von SBB Cargo treibt immer mehr Ver­la­der vom EWLV auf die Stras­se – was dem Wil­len der Poli­tik und den Bestre­bun­gen der Schweiz zur Dekar­bo­ni­sie­rung dia­me­tral entgegenläuft.

Digitalisierung der Schiene behebt Nachteile und macht diese zukunftsfähig

Digitalisierung der Schiene behebt Nachteile und macht diese zukunftsfähig

Wie zukunfts­fä­hig ist der Schie­nen­ver­kehr tat­säch­lich? Kann er der Auf­ga­be der poli­tisch ange­streb­ten Ver­kehrs­ver­la­ge­rung gerecht wer­den? Wir mei­nen: Ja, sofern er grund­le­gend trans­for­miert. Eine sys­tem­über­grei­fen­de Digi­ta­li­sie­rung ist ent­schei­dend, damit sich der Bahn­sek­tor als nach­hal­ti­ger Trä­ger muli­mo­da­ler Logis­tik­ket­ten eta­blie­ren kann.

Darum geht’s:

  • Am Anfang war die Mobilität
  • Für die Zukunft gut aufgestellt
  • Sicher­heit bringt wett­be­werbs­hin­der­li­che Nachteile
  • Digi­ta­le Inno­va­ti­on und Inves­ti­ti­on gefragt
 
Am Anfang war die Mobilität

Der Bedarf nach Mobi­li­tät ist in der west­li­chen Indus­trie­ge­sell­schaft über die letz­ten Jahr­zehn­te mas­siv gestie­gen. Das hat den Kon­kur­renz­kampf zwi­schen den Ver­kehrs­trä­gern akzen­tu­iert. Der moto­ri­sier­te Indi­vi­du­al­ver­kehr und der Flug­ver­kehr haben ihre Domi­nanz im Per­so­nen­trans­port kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­baut. Im Güter­trans­port ist der Last­wa­gen zum wich­tigs­ten Ver­kehrs­trä­ger auf­ge­stie­gen, nicht zuletzt dank weg­wei­sen­der Inno­va­tio­nen. Obwohl der Schie­nen­ver­kehr in Euro­pa nur einen gerin­gen Anteil des aktu­el­len Trans­port­be­darfs abdeckt, ist er aus dem Ange­bot nicht weg­zu­den­ken. Müss­te in der Schweiz die Stras­se die Ver­kehrs­leis­tung der Schie­ne über­neh­men, so wäre das Chaos vorprogrammiert.

Für die Zukunft gut aufgestellt

Mobi­li­tät und Treib­haus­gas­emis­sio­nen gehen Hand in Hand. So ist mit der Kli­ma­dis­kus­si­on der scho­nen­de Umgang mit Res­sour­cen in den Fokus der Öffent­lich­keit gerückt. In eini­gen euro­päi­schen Län­dern und in der Schweiz setzt die Poli­tik ver­mehrt auf die emis­si­ons­ar­me Bahn und strebt eine deut­li­che Ver­la­ge­rung der Ver­keh­re auf die Schie­ne an. Da stellt sich die Frage, wie gut der Bahn-sek­tor die­ser Auf­ga­be gewach­sen ist. Der­zeit besticht die Schie­ne durch eini­ge ent­schei­den­de Wettbewerbsvorteile:

  • Schie­nen­ver­kehr wird geplant und gesteu­ert, was das Ange­bot zuver­läs­sig macht.
  • Der Trans­port auf der Schie­ne wird lau­fend über­wacht, wes­halb die Bahn als sichers­ter Ver­kehrs­trä­ger gilt.
  • Dank hohem Elek­tri­fi­zie­rungs­grad ver­ur­sacht Schie­nen­ver­kehr wenig Emis­sio­nen. In der Schweiz fah­ren Züge aus­schliess­lich mit CO2-frei­em Strom.
  • Eine Bahn­tras­se benö­tigt deut­lich weni­ger Flä­che als eine Stras­se. Das ist gera­de in dicht besie­del­ten Gebie­ten entscheidend.
Sicherheit bringt wettbewerbshinderliche Nachteile

Im Grund­satz ist der Bahn­sek­tor also gut für die Zukunft auf­ge­stellt. Doch die hohen Sicher­heits­an­for­de­run­gen an den Schie­nen­ver­kehr wir­ken sich nega­tiv auf des­sen Fle­xi­bi­li­tät und damit Wett­be­werbs­fä­hig­keit aus. Dies in meh­rer­lei Hinsicht:

  • Die meis­ten Bahn­stre­cken sind in fixe Stre­cken­blocks auf­ge­teilt. Ein Zug erhält erst dann grü­nes Licht, wenn der Block vor ihm frei ist. Diese Glie­de­rung in fixe Stre­cken­blö­cke begrenzt die Stre­cken­ka­pa­zi­tät und damit den Takt der mög­li­chen Zugfahrten.
  • Mit infra­struk­tur­sei­ti­gen Achs­zäh­lern wird garan­tiert, dass alle Wagen eines Zuges, die in den Stre­cken­block ein­ge­fah­ren sind, die­sen auch wie­der ver­las­sen haben. Diese Über­wa­chung erhöht zwar die Sicher­heit, ist aber auf­wen­dig und limi­tiert das Durchlaufvermögen.
  • Ver­keh­ren auf einer Stre­cke Per­so­nen- und Güter­zü­ge, so schränkt das die Stre­cken­ka­pa­zi­tät auf­grund der unter­schied­li­chen Fahr- und Brems­dy­na­mi­ken wei­ter ein.
Digitale Innovation und Investition gefragt

Die erwähn­ten Nach­tei­le des Bahn­sek­tors las­sen sich behe­ben. Doch dazu ist eine umfas­sen­de Trans­for­ma­ti­on mit Inno­va­ti­on und Inves­ti­tio­nen nötig, die sys­tem­über­grei­fend und über alle Bran-chen­ak­teu­re hin­weg koor­di­niert erfolgt. Im Mit­tel­punkt eines der­art epo­cha­len Wan­dels ste­hen digi­ta­le Tech­no­lo­gien und ein neu­ar­ti­ger Umgang mit Daten.

  • Zug­be­trieb digi­ta­li­sie­ren: Ein digi­ta­ler Zug­be­trieb kommt ohne Stre­cken­blocks und Signa­le aus und kann bes­ser aus­ge­las­tet wer­den. Der Abstand zwi­schen zwei in die glei­che Rich­tung fah­ren­den Zügen wird in Echt­zeit mit einem kom­mu­ni­ka­ti­ons­ba­sier­ten Zug­leit­sys­tem (Com­mu­ni­ca­ti­on-Based Train Con­trol, CBTC) ermit­telt. Das gewähr­leis­tet zu jedem Zeit­punkt den nöti­gen Sicher­heits­ab­stand, schränkt aber die Stre­cken­ka­pa­zi­tät nicht ein.

 

  • Daten­öko­sys­te­me errich­ten: Schlüs­sel für eine sys­tem­über­grei­fend abge­stimm­te Digi­ta­li­sie­rung ist der Zugang zu hoch­wer­ti­gen Daten aus ers­ter Hand. Davon pro­fi­tie­ren alle Akteu­re inner­halb einer mul­ti­mo­da­len Logis­tik­ket­te. Bestre­bun­gen wie die Wei­ter­ent­wick­lung der Mobi­li­täts­da­ten­in­fra­struk­tur (MODI), die Natio­na­le Daten­ver­net­zungs­in­fra­struk­tur Mobi­li­tät (NADIM) oder das KV4.0 Pro­jekt des deut­schen Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Digi­ta­les und Ver­kehr BMVD gehen in die rich­ti­ge Rich­tung (vgl. «Daten­öko­sys­te­me: Daten tei­len, um ihren Mehr­wert zu ver­dop­peln»).

 

  • Ange­bot fle­xi­bi­li­sie­ren: Umfas­sen­de Inno­va­tio­nen auf Sys­tem­ebe­ne ermög­li­chen wie erläu­tert die Ver­net­zung von Daten. Dadurch wird die Bahn­pro­duk­ti­on deut­lich effi­zi­en­ter und fle­xi­bler und der Güter­ver­kehr kann sein Ange­bot kon­kur­renz­fä­hi­ger aus­ge­stal­ten. Damit tat­säch­lich mar­kant mehr Güter­ver­kehr auf der Schie­ne statt­fin­den kann und sich Eng­päs­se behe­ben las­sen, muss die öffent­li­che Hand aller­dings auch die phy­si­sche Infra­struk­tur ent­spre­chend ausbauen.

 

  • Fach­kräf­te­man­gel adres­sie­ren: Der aktu­el­le Güter­bahn­be­trieb pro­du­ziert höchst per­so­nal­in­ten­siv. Noch wer­den zahl­rei­che Tätig­kei­ten im Gleis­feld manu­ell aus­ge­führt. Viele Mit­ar­bei­ten­de tra­gen Tag für Tag dazu bei, dass die Räder rol­len. Diese Auf­ga­ben sind nicht sel­ten kör­per­lich anstren­gend und gefähr­lich. Im Rah­men des demo­gra­fi­schen Wan­dels gehen viele lang­jäh­ri­ge Bahn­mit­ar­bei­ten­de in den kom­men­den Jah­ren in Pen­si­on. Diese Fach­kräf­te­lü­cke kann die Teil­au­to­ma­ti­sie­rung schlies­sen, etwa durch die Migra­ti­on auf die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung DAK (vgl. Blog­bei­trag «Die Digi­ta­li­sie­rung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs nimmt Fahrt auf»).

 

  • Inter­ope­ra­bi­li­tät stär­ken: Die euro­päi­schen Bah­nen sind nach wie vor stark regu­liert. Trotz der Har­mo­ni­sie­rungs­be­mü­hun­gen der Euro­päi­schen Union schrän­ken zahl­lo­se natio­na­le Vor­schrif­ten für Fahr­zeu­ge und Bahn­per­so­nal den frei­en grenz­über­schrei­ten­den Bahn­ver­kehr immer noch ein. Aller­dings wird die Digi­ta­li­sie­rung auf euro­päi­scher Ebene auf ein­heit­li­chen Stan­dards auf­ge­baut, was die Har­mo­ni­sie­rung begüns­tigt. Umso wich­ti­ger ist es, dass die Ver­kehrs­po­li­tik euro­pa­weit koor­di­niert wird (vgl. Blog­bei­trag «Inter­ope­ra­bi­li­tät Schweiz–EU sicher­stel­len»).
«Verkehrsverlagerung bedingt die Entschlossenheit der obersten Führungscrew»

«Verkehrsverlagerung bedingt die Entschlossenheit der obersten Führungscrew»

Die Coop-Grup­pe hat sich zur Reduk­ti­on von CO2-Emis­sio­nen ver­pflich­tet. Ein zen­tra­ler Bestand­teil die­ser Stra­te­gie ist die Ver­la­ge­rung des Trans­ports auf die Schie­ne. Wie das dem Detail- und Gross­han­dels­kon­zern gelingt und wel­che Her­aus­for­de­run­gen es dabei zu bewäl­ti­gen gibt, erläu­tert Dani­el Hin­ter­mann, Lei­ter Direk­ti­on Logis­tik der Coop-Grup­pe, im Gespräch mit dem VAP. 

 

VAP: Herr Hin­ter­mann, wie ist es der Coop-Grup­pe gelun­gen, zwei Drit­tel des Trans­port­an­teils zwi­schen den Ver­teil­zen­tra­len auf die Schie­ne zu verlagern? 

Dani­el Hin­ter­mann: Das war ein mehr­jäh­ri­ger Pro­zess. Er wurde 2010 mit dem Ent­scheid, eine Güter­ei­sen­bahn zu kau­fen, ange­scho­ben. Damals über­nah­men wir die Rail­ca­re AG als hun­dert­pro­zen­ti­ge Toch­ter­ge­sell­schaft. Wir ban­den das klei­ne Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men schritt­wei­se in die Logis­tik­welt von Coop ein. Heute ist die Rail­ca­re ein inte­grier­ter Bestand­teil unse­rer grup­pen­wei­ten Trans­port­ket­te. Sie ermög­licht es uns, den Schie­nen­trans­port­an­teil wei­ter zu erhöhen.

Wie kam es dazu, dass die Coop-Grup­pe ihr eige­nes Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men hat?

Im 2008 hat Coop ihre Visi­on zur CO2-Neu­tra­li­tät und die Zen­tra­li­sie­rungs­stra­te­gie von Logis­tik und Pro­duk­ti­on ent­wi­ckelt. Um die gesetz­ten Ziele zu errei­chen, such­ten wir neue Ansät­ze in der Trans­port­lo­gis­tik. Mit dem dama­li­gen Kon­zept von Rail­ca­re wur­den wir fündig.

Wel­chen Anteil an Schie­nen­ver­kehr stre­ben Sie an? 

Wir kön­nen uns vor­stel­len, den Bahn­an­teil im Schwei­zer Lie­fer­ver­kehr – also dem Out­bound-Geschäft – von heute 40% auf 50% zu stei­gern. Beim Inbound-Ver­kehr aus Euro­pa und der Schweiz sehen wir ein ähn­li­ches Poten­zi­al. Um diese Ziele zu errei­chen, steht uns ein mehr­jäh­ri­ger, anspruchs­vol­ler Ver­la­ge­rungs­pro­zess bevor.

Was raten Sie ande­ren Unter­neh­men, die den Trans­port von der Stras­se auf die Schie­ne ver­la­gern möchten? 

Mei­nes Erach­tens braucht es die Ent­schlos­sen­heit der obers­ten Füh­rungs­crew, den Ver­kehr aktiv zu ver­la­gern. Das bedingt einen hohen Stan­dar­di­sie­rungs­grad im Equip­ment sowie eine enge Pro­zess­ver­net­zung zwi­schen Ver­la­der und Bahn.

Wie sieht die Zusam­men­ar­beit der Coop-Grup­pe mit dem VAP aus? 

Coop ist seit vie­len Jah­ren Mit­glied im VAP. Wir konn­ten wie­der­holt auf die pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zung des VAP zäh­len, ins­be­son­de­re für Ver­trags­wer­ke, Pro­jekt­be­glei­tung oder tech­ni­sche Emp­feh­lun­gen im Thema Anschlussgleis.

Wel­che Stär­ken schrei­ben Sie dem VAP zu? 

Der VAP ist gera­de beim Wis­sen rund um sinn­vol­le Ver­trä­ge und gel­ten­de Regel­wer­ke stark. Wir schät­zen es, dass die Ver­ant­wort­li­chen jeder­zeit und unkom­pli­ziert erreich­bar sind, prag­ma­tisch vor­ge­hen und pra­xis­na­he sowie umsetz­ba­re Lösun­gen bieten.

Wie wür­den Sie den VAP beschreiben? 

Als eine für die Coop-Grup­pe als Ver­la­de­rin zen­tra­le Wis­sens­platt­form rund um den Schienengüterverkehr.

Wem wür­den Sie eine Zusam­men­ar­beit mit dem VAP empfehlen? 

Allen Ver­la­dern, die Güter mit der Bahn trans­por­tie­ren oder in Zukunft trans­por­tie­ren wollen.

Wo sehen Sie den drin­gends­ten Hand­lungs­be­darf im Schienengüterverkehr? 

In der Digi­ta­li­sie­rung über die gesam­te Trans­port­ket­te hin­weg. Im Wei­te­ren braucht es drin­gend eine Auto­ma­ti­sie­rung auf der letz­ten Meile bezie­hungs­wei­se im Rangierverkehr.

Was wün­schen Sie sich für die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs in der Schweiz? 

Ich wün­sche mir, dass der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr nach­hal­tig wett­be­werbs­fä­hig wird. Dazu muss er den Güter­bah­nen genü­gend Tras­sen zur Ver­fü­gung stel­len. Schliess­lich wün­sche ich mir mehr Dyna­mik bei Pro­zess­ver­än­de­run­gen, zum Bei­spiel wenn es darum geht, Ver­kehrs­strö­me zu ändern.

Was wurde noch nicht gesagt? 

Wir beob­ach­ten eine Ten­denz der Über­re­gu­lie­rung und Tech­no­kra­tie im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr. Das macht die Güter­bah­nen weder siche­rer noch wett­be­werbs­fä­hi­ger. Die­ser Ent­wick­lung soll­ten die betei­lig­ten Akteu­re mit ver­ein­ten Kräf­ten entgegenwirken.

 

Danke, Herr Hin­ter­mann, für das auf­schluss­rei­che Gespräch.

 

 

Dani­el Hin­ter­mann ist seit 2017 Lei­ter Direk­ti­on Logis­tik und Mit­glied der Geschäfts­lei­tung der Coop-Grup­pe. Seine lange Kar­rie­re bei Coop begann 2001 bei Inter­dis­count, 2010 wurde er Lei­ter Logis­tik­re­gi­on Nord­west­schweiz. Seine erste beruf­li­che­Er­fah­rung sam­mel­te der lizen­zier­te Betriebs­wirt­schaf­ter in der Unternehmensberatung.

Die Coop-Grup­pe ist das gröss­te Detail- und Gross­han­dels­un­ter­neh­men der Schweiz. Sie beschäf­tigt 94 790 Mit­ar­bei­ten­de – davon 3417 Ler­nen­de – und unter­hält 2633 Verkaufsstellen/Märkte in der Schweiz und in Euro­pa. Ein Stand­bein ist der Detail­han­del mit den Coop-Super­märk­ten und zahl­rei­chen Fach­for­ma­ten in der Schweiz, das zwei­te bil­den der inter­na­tio­na­le Gross­han­del und die Produktion.

Titus Bütler von der Schweizerischen Post wünscht sich schnelle und pünktliche Güterzüge

Titus Bütler von der Schweizerischen Post wünscht sich schnelle und pünktliche Güterzüge

Titus Büt­ler ist Lei­ter Trans­por­te bei der Post CH AG und ver­ant­wor­tet seit Anfang 2022 sämt­li­che Brief‑, Paket- und Zei­tungs­trans­por­te auf Schie­ne und Stras­se in der Schweiz. Vor­her lei­te­te er über 20 Jahre das Paket­zen­trum Frau­en­feld, wo täg­lich bis zu einer hal­ben Mil­li­on Pake­te ver­ar­bei­tet wer­den. Zudem kon­zi­pier­te er den Netz­aus­bau mit den neuen Paket­zen­tren in Caden­az­zo, Vétroz, Unter­vaz sowie Oster­mun­di­gen. Im Inter­view mit dem VAP erläu­tert er die Bedeu­tung des Schie­nen­ver­kehrs für die Post. 

Darum geht’s:

  • Wie hoch ist der Anteil Bahn im Modal­split bei der Post?
  • Kun­den­nach­fra­ge nach schnel­ler Lie­fe­rung steigt
  • «Pain Points», oder Opti­mie­rungs­po­ten­zi­al im Schienengüterverkehr
  • Schwei­zer Post ist in Euro­pa füh­rend im Trans­port von Gütern auf der Schiene

 

VAP: Herr Bütler, die gelben Züge der Post fallen auf. Immer mehr sind auch gelbe Lkws auf den Strassen zu sehen. Täuscht dieser Eindruck? 

Titus Büt­ler: Unse­re Last­wa­gen mit den gel­ben Con­tai­nern fal­len auf. Unse­re Kun­din­nen und Kun­den ver­lan­gen ver­mehrt eine schnel­le Lie­fe­rung: am Abend abge­holt und am nächs­ten Mor­gen zuge­stellt. Wir spre­chen also nicht von einer 24h-Lie­fe­rung, son­dern von ca. 15 bis 20 Stun­den – und das in jeden Ort der Schweiz, ob Stadt oder Land. Somit ste­hen wir in der gan­zen Sup­p­ly-Chain unter Zeit­druck. Das erschwert die Bün­de­lung von Paket­men­gen, um ganze Züge zu fül­len. Wir wäh­len den Weg über die Schie­ne, wo immer es öko­lo­gisch und öko­no­misch sinn­voll ist. Unge­fähr 50 Pro­zent aller Brie­fe und Pake­te legen bereits heute min­des­tens einen Teil ihrer Reise im Zug zurück. Ein kur­zer Zug mit einem oder zwei Wag­gons macht kei­nen Sinn – auch nicht ökologisch.

Was hindert die Post, die Transporte, die wir auf der Strasse sehen, auf der Schiene durchzuführen? 

Wir sind mit unse­rem Trans­port­part­ner SBB-Cargo daran, wie­der mehr Paket­trans­por­te auf die Schie­ne zu ver­la­gern. Wir benö­ti­gen schnel­le und regel­mäs­si­ge Expresstras­sen. Die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit der Post­zü­ge ist teils unter 50km/h, obwohl wir schnel­les Roll­ma­te­ri­al haben und leich­te Züge fah­ren. Das ist zu langsam.

Wie sehen Sie die Zukunft der Postlogistik, kommt noch mehr auf die Schiene oder auf die Strasse?

Wir wol­len klar mehr Menge auf die Schie­ne brin­gen, vor allem auf der West-Ost-Achse.

Die neu geplanten Center der Post verfügen über keine Bahnanschlüsse. Weshalb?

In den letz­ten Jah­ren haben wir meh­re­re klei­ne Paket­zen­tren in Betrieb genom­men. Ter­mi­nals benö­ti­gen Land, ver­teu­ern das Pro­jekt und ver­zö­gern die Rea­li­sie­rung. Pla­nung und Bau erfolg­ten unter Zeit­druck: Zwi­schen Stand­ort­ent­scheid und Eröff­nung ver­gin­gen teils weni­ger als 2 Jahre. Wo mög­lich nut­zen wir aber Ter­mi­nals in der Nähe, z.B. im Fall von Caden­az­zo, den Ter­mi­nal der SBB. Die Pake­te von und nach der Süd­schweiz rol­len auf der Schiene.

Pakete und Briefe gelten nicht als sogenannte «bahnaffine» Güter. Welche Kompetenzen haben Sie als Post, als Verlader, dass diese Güter dennoch per Schienenweg transportiert werden?

Wir sind die ein­zi­ge Post in Euro­pa, wel­che sol­che Güter im gros­sen Stil auf der Schie­ne trans­por­tiert. Vor­aus­set­zung ist, dass der Ein­be­zug der Schie­ne bereits bei der Kon­zep­ti­on berück­sich­tigt wird und – noch wich­ti­ger – dass es eine Infra­struk­tur gibt, wel­che über­haupt schnel­le Güter­zü­ge mit hoher Pünkt­lich­keit zulässt. In unse­rem Team haben wir Fach­per­so­nen, wel­che sich mit dem Schie­nen­gü­ter­ver­kehr sehr gut auskennen.

Die Post hat denselben Eigner wie SBB Cargo. Ist dies für Sie eher eine Chance/Vereinfachung? Wie würden Sie diese Beziehung beschreiben?

Die Trans­por­te wur­den öffent­lich aus­ge­schrie­ben. Die Eig­ner­schaft spielt keine Rolle. Wir haben eine klare Kun­den-Lie­fe­ran­ten-Bezie­hung wie bei ande­ren Trans­port­un­ter­neh­mun­gen auch. Unse­re Anfor­de­run­gen an Pünkt­lich­keit und Ver­läss­lich­keit sind sehr hoch und wir sind mit den Leis­tun­gen von SBB Cargo sehr zufrieden.

Wenn die gute Fee Ihnen einen logistischen Wunsch erfüllen würde, welcher wäre dies?

Ich wünsch­te mir regel­mäs­si­ge und schnel­le Tras­sen auf der West-Ost-Achse.

Wie würden Sie den VAP beschreiben?

Wir sind einer der gröss­ten Anschluss­gleis­be­sit­zer und einer der gröss­ten Bahn­ver­la­der der Schweiz. Der VAP ver­tritt deren berech­tig­te Inter­es­sen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen und ver­netzt die Akteu­re untereinander.

Welche Stärken schreiben Sie dem VAP zu? 

Der VAP ist für die poli­ti­sche Arbeit aller Akteu­re im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr unabdingbar.

Wem würden Sie eine Zusammenarbeit mit dem VAP empfehlen?

Jedes Unter­neh­men, wel­ches Gelei­se oder Wag­gons besitzt oder im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr aktiv ist – sei es als Kunde oder als EVU – pro­fi­tiert vom VAP.

Was noch nicht gesagt wurde:

Unse­re Post­zü­ge sind uns wich­tig. Wir ver­bin­den damit schnell, zuver­läs­sig und öko­lo­gisch die Schweiz. Des­halb legen wir Wert dar­auf, dass nicht das Image der lang­sa­men und oft auch ver­spray­ten Güter­zü­ge auf unse­re Post­zü­ge abfärbt.

 

Herr Bütler, wir bedanken uns für das Gespräch und die interessanten Einblicke.
Strommangel (Teil 4): Notfallmassnahmen werden konkretisiert

Strommangel (Teil 4): Notfallmassnahmen werden konkretisiert

Die Ener­gie­si­cher­heit ist und bleibt eines unse­rer Top­the­men. Der­zeit kon­kre­ti­siert der Bun­des­rat die Bewirt­schaf­tungs­mass­nah­men im Fall eines Strom­man­gels in Form von vor­be­rei­te­ten Ver­ord­nun­gen. Für die kon­zes­sio­nier­ten Unter­neh­mun­gen des öffent­li­chen Ver­kehrs inklu­si­ve Schie­nen­gü­ter­ver­kehr sind beson­de­re Bestim­mun­gen vor­ge­se­hen. Das BAV berei­tet zusam­men mit der Arbeits­grup­pe der Bran­chen­ver­bän­de einen Ver­ord­nungs­ent­wurf für den öffent­li­chen Ver­kehr vor, der VAP ver­tritt die Inter­es­sen des Güterverkehrs. 

Darum geht’s:
  • Bun­des­rat lässt Mass­nah­men­plan für Strom­ver­sor­gungs­si­cher­heit erarbeiten
  • Stu­fen­wei­se Kon­tin­gen­tie­rung soll kri­ti­sche Netz­ab­schal­tun­gen verhindern
  • Nächs­ter Schritt: Erar­bei­tung spe­zi­fi­scher Verordnungsentwürfe
  • Bahn­strom wird nächs­tes Jahr teurer

 

Der Bun­des­rat hat an sei­ner Sit­zung vom 23. Novem­ber 2022 die Bewirt­schaf­tungs­mass­nah­men für den Fall einer Strom­man­gel­la­ge behan­delt. Für die Ver­ord­nungs­ent­wür­fe mit abge­stuf­ten
Mass­nah­men hat er bis am 12. Dezem­ber 2022 eine Ver­nehm­las­sung durch­ge­führt. Die Sys­tem­füh­re­rin Schie­ne nahm für die Bran­che Stellung.

Mit jeder Massnahmenstufe Schlimmeres vermeiden

Der Bun­des­rat stärkt mit den bis­her beschlos­se­nen Mass­nah­men die Strom­ver­sor­gungs­si­cher­heit: Vor­hal­ten von Was­ser­kraft­re­ser­ven, Bereit­stel­len von ther­mi­schen Reser­ve­kraft­wer­ken, Stei­gern der Über­tra­gungs­leis­tung der Strom­net­ze. Zudem will er abge­stuf­te Mass­nah­men zur Sen­kung des Strom­ver­brauchs vor­be­rei­ten. Auf­ru­fe zu spar­sa­mem Strom­ver­brauch und die Ener­gie­spar-Alli­ance der Wirt­schaft sol­len die Unter­neh­men flä­chen­de­ckend dar­auf sensibilisieren.

Soll­te es in der Win­ter­pe­ri­ode zu einem kri­ti­schen Strom­ver­sor­gungs­eng­pass kom­men, regelt der Bun­des­rat die Strom­ver­sor­gung mit zeit­lich begrenz­ten Mass­nah­men. Mit­hil­fe von Ver­fü­gun­gen würde er im Kri­sen­fall geziel­te Ver­brauchs­be­schrän­kun­gen erlas­sen. Das soll die Netz­sta­bi­li­tät und damit die Strom­ver­sor­gung sicher­stel­len. Jede Stufe hat zum Ziel, noch ein­schnei­den­de­re Mass­nah­men zu vermeiden.

Kontingentierung soll Netzabschaltungen verhindern

Der Bun­des­rat sieht die Kon­tin­gen­tie­rung als Schlüs­sel­mass­nah­me zur Ver­hin­de­rung von kri­ti­schen Netz­ab­schal­tun­gen. Um deren Wirk­sam­keit zu gewähr­leis­ten, will er keine Strom­be­zü­ger davon ausnehmen.

Für die kon­zes­sio­nier­ten Unter­neh­men des öffent­li­chen Ver­kehrs (öV) sieht er jedoch beson­de­re Bestim­mun­gen vor. Der öV als Kern­dienst­leis­tung soll mög­lichst lang sicher­ge­stellt wer­den. Damit sein Funk­tio­nie­ren auch bei Strom­eng­päs­sen gewähr­leis­tet wer­den kann, sol­len Mass­nah­men nach dem «Bewirt­schaf­tungs­mo­dell öV» umge­setzt werden.

Bewirtschaftungsmassnahmen für den öV 

In einer Arbeits­grup­pe von VöV, SBB, BAV und VAP haben wir in den letz­ten Mona­ten die abge­stuf­ten Mass­nah­men für den Per­so­nen- und den Güter­ver­kehr erar­bei­tet. Bei einer Strom­kon­tin­gen­tie­rung soll die Güter­lo­gis­tik grund­sätz­lich auf­recht­erhal­ten und ent­spre­chend der Nach­fra­ge­ent­wick­lung mög­lichst zeit­nah ska­liert wer­den. Die Bran­che muss sich dar­auf vor­be­rei­ten, rasch zu reagie­ren. Denn es ist heute nicht vor­her­zu­sa­gen, in wel­chen Berei­chen Nach­fra­ge­rück­gän­ge oder ‑zunah­men ent­ste­hen. Unse­re Arbeits­grup­pe wird auf­grund des «Bewirt­schaf­tungs­mo­dells öV» einen ent­spre­chen­den Ver­ord­nungs­ent­wurf der abge­stuf­ten Bewirt­schaf­tungs­mass­nah­men für den öV erar­bei­ten. Wir vom VAP unter­stüt­zen die erar­bei­te­te Vor­ge­hens­wei­se, vor­wie­gend die beson­de­ren Mass­nah­men für den öV.

Bahnstrom wird teurer

Dass auch der Bahn­strom nicht von plötz­li­chen Tur­bu­len­zen aus­ge­schlos­sen ist, zeigt die jüngs­te Mit­tei­lung der SBB. Hier kün­digt die Ener­gie­spar­te ein gra­vie­ren­des Defi­zit von CHF 180 Mio. für das Jahr 2022 an. Gemäss SBB konn­ten infol­ge anhal­ten­der Tro­cken­heit im Som­mer nicht wie üblich 90% des Bahn­stroms aus haus­ei­ge­nen Was­ser­kraft­wer­ken gewon­nen wer­den. Die SBB muss­ten kurz­fris­tig teu­ren Strom auf dem Markt einkaufen.

Nach Ver­hand­lun­gen mit dem BAV wer­den die SBB den Strom­preis für 2023 um 3 Rap­pen auf 13.5 Rap­pen pro Kilo­watt­stun­de anhe­ben. Das BAV will die höhe­ren Strom­kos­ten im Tras­sen­preis dif­fe­ren­ziert auf die ver­schie­de­nen Ver­kehrs­spar­ten über­wäl­zen. Im Fern­ver­kehr wird der volle Betrag von 3 Rp über­wälzt, im Regio­nal- und Güter­ver­kehr mit 1 Rap­pen ledig­lich ein Teil. Dass der Antrag der SBB auf volle Defi­zit­de­ckung mit 10 Rap­pen Auf­schlag vom BAV nicht bewil­ligt wurde, mag für die Bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men vor­erst eine gute Nach­richt sein. Doch die Unsi­cher­heit wei­te­rer Auf­schlä­ge bleibt, dies wird auch Ein­fluss auf künf­ti­ge Ange­bots­kal­ku­la­tio­nen haben.

Transparenz gefragt

Wir sind der Ansicht, dass die Bereit­stel­lung der elek­tri­schen Ener­gie zu einem plan­ba­ren Kos­ten­satz zen­tral für die künf­ti­ge Ange­bots­ge­stal­tung ist. Die jüngs­ten Preis­tur­bu­len­zen muten schon sehr aben­teu­er­lich an; erst recht, wenn man auf die vie­len Jahre mit posi­ti­ver Bilanz zurück­schaut. Wir erwar­ten eine trans­pa­ren­te Auf­ar­bei­tung der jüngs­ten Ereignisse.

No results found.