WETTBEWERB IM SCHIENENGÜTERVERKEHR

Der VAP Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft setzt sich für ein fai­res, wett­be­werbs­fä­hi­ges Güter­trans­port­sys­tem ein. Wett­be­werb ist ein Schlüs­sel­ele­ment der Marktwirtschaft.

Wettbewerb im Schienengüterverkehr…

..stärkt des­sen Inno­va­ti­ons­kraft und Leistungsfähigkeit.

..stellt die Chan­cen für alle Markt­teil­neh­mer gleich, ob staat­li­che oder pri­vat­wirt­schaft­li­che Unternehmen.

 

Der Schienengüterverkehr basiert noch auf einem über 100 Jahre alten System, das durch schwere Handarbeit und fehlende Digitalisierung geprägt ist.
In den letzten 175 Jahren gab es nur eine Innovation: die Elektrifizierung. 
Dementsprechend gesunken ist die Wettbewerbsfähigkeit. 
Im Gegensatz dazu haben andere Branchen dank Wettbewerb und Digitalisierung grosse Fortschritte gemacht.
Deshalb engagieren wir uns für ein faires, wettbewerbsfähiges Gütertransportsystem.
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Ziele der Weiterentwicklung im Schienengüterverkehr

Durch ver­stärk­ten Wett­be­werb im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr errei­chen wir:

  • Inno­va­ti­on: Neue Geschäfts­mo­del­le und Prozessoptimierung
  • Effek­ti­vi­tät und Effi­zi­enz: Kapa­zi­tä­ten und der Attrak­ti­vi­tät stei­gern sich
  • Qua­li­tät und Fle­xi­bi­li­tät: Bestehen­de Kun­den hal­ten und neue gewinnen

 

Ideenbox

Wir wer­den diese Ideen sam­meln und die viel­ver­spre­chends­ten in einem Spe­zi­al­news­let­ter vorstellen.

EWLV-Rückgang setzt sich fort – wo endet die Talfahrt?

EWLV-Rückgang setzt sich fort – wo endet die Talfahrt?

Der heute publi­zier­te Semes­ter­be­richt des Bun­des­am­tes für Ver­kehr zeigt erneut einen deut­li­chen Rück­gang im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr. Die Zahl der bela­de­nen Wagen ging im ers­ten Halb­jahr 2026 um 8 Pro­zent zurück im Ver­gleich zum Vor­jah­res­se­mes­ter. Für den VAP ist diese Ent­wick­lung ein wei­te­res ernst zu neh­men­des Warn­si­gnal – zumal unklar ist, wo diese Tal­fahrt endet.

Das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV) hat heute den Semes­ter­be­richt zum Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) für das erste Halb­jahr 2026 publi­ziert. Im zwei­ten Quar­tal 2026 lag die Zahl der bela­de­nen Wagen 6 Pro­zent unter dem Vor­jah­res­wert. Damit setz­te sich die nega­ti­ve Ent­wick­lung fort, die sich bereits im ers­ten Quar­tal 2026 mit einem Rück­gang von 10 Pro­zent deut­lich gezeigt hatte. Über das gesam­te erste Halb­jahr wur­den 8 Pro­zent weni­ger bela­de­ne Wagen trans­por­tiert als im Vor­jah­res­zeit­raum. Die Trans­port­leis­tung lag rund 5 Pro­zent tie­fer als im Vorjahreszeitraum.

Die eigent­li­chen Aus­wir­kun­gen ste­hen erst noch bevor

Der aktu­el­le Rück­gang wiegt beson­ders schwer, weil sich die gros­sen Rück­gän­ge im EWLV erst ver­zö­gert in den Trans­port­men­gen zei­gen wer­den. Viele Ver­la­der kön­nen ihre Logis­tik nicht sofort umstel­len und blei­ben kurz­fris­tig auf den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr und den EWLV ange­wie­sen. Die­ses Mus­ter war bereits im alpen­que­ren­den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu beob­ach­ten: Sin­ken­de Qua­li­tät und Ver­läss­lich­keit führ­ten auch dort erst mit Ver­zö­ge­rung zu spür­ba­ren Mengenverlusten.

Umso pro­ble­ma­ti­scher ist die aktu­el­le Neu­aus­rich­tung von SBB Cargo. Per Dezem­ber 2026 sol­len mehr als 50 Bedien­punk­te weg­fal­len. Die betrof­fe­nen Ver­la­der wur­den ohne vor­he­ri­ge Ankün­di­gung vor voll­ende­te Tat­sa­chen gestellt: Infor­miert wurde erst nach dem Abbau­ent­scheid. Ein vor­gän­gi­ger Ein­be­zug der Kund­schaft und eine gemein­sa­me Suche nach weni­ger ein­schnei­den­den Lösun­gen fan­den nicht statt. Gleich­zei­tig berich­ten Kun­den von man­geln­der Pla­nungs­si­cher­heit, feh­len­der Kun­den­ori­en­tie­rung und wenig bis keine Trans­pa­renz bei den Kri­te­ri­en für den Abbau ein­zel­ner Bedienpunkte.

Bun­des­mit­tel müs­sen den EWLV stabilisieren

Mit der Revi­si­on des Güter­trans­port­ge­set­zes hat die Poli­tik bewusst einen län­ge­ren Zeit­raum vor­ge­se­hen, um den EWLV gemein­sam mit den Markt­ak­teu­ren wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und auf nach­hal­ti­ge Beine zu stel­len. Die Poli­tik hat hier­zu auch sub­stan­zi­el­le finan­zi­el­le öffent­li­che Mit­tel gespro­chen. Die aktu­el­le Ent­wick­lung läuft die­sem Ziel dia­me­tral ent­ge­gen. Die auf der Schie­ne trans­por­tier­ten Men­gen sin­ken, wäh­rend gleich­zei­tig die Prei­se stei­gen, die Qua­li­tät abnimmt und das Ange­bot redu­ziert wird. Vie­les wird auf die ohne­hin schon noto­risch über­las­te­te Stras­se ver­la­gert – aus­ge­rech­net weg vom klima- und umwelt­freund­lichs­ten Verkehrsträger.

Auch die ange­streb­te Ver­bes­se­rung der Kos­ten­ef­fi­zi­enz ist nicht ein­ge­tre­ten – ganz im Gegen­teil. Der finan­zi­el­le Auf­wand pro bela­de­nem Wagen stieg im ers­ten Halb­jahr 2026 gegen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum von 893 auf 937 Fran­ken und damit um rund 5 Pro­zent. Aus Sicht des VAP ist dies beson­ders gra­vie­rend, weil gera­de die Kos­ten pro Trans­port­ein­heit für die Ver­la­der ein ent­schei­den­des Kri­te­ri­um dafür sind, ob sie ihre Ver­keh­re auch zukünf­tig wirt­schaft­lich auf der Schie­ne trans­por­tie­ren können.

Auch das BAV selbst beur­teilt die Ent­wick­lung kri­tisch und hält in sei­ner Inter­pre­ta­ti­on des Semes­ter­be­richts fest: «Die Men­gen­ent­wick­lung berei­tet der­zeit Sorge.» Für den VAP unter­streicht diese Ein­schät­zung den drin­gen­den Hand­lungs­be­darf. Jetzt braucht es Kor­rek­tur­mass­nah­men, um den EWLV zu sta­bi­li­sie­ren, das Ver­trau­en der Ver­la­der zurück­zu­ge­win­nen und die poli­tisch gesetz­ten Ziele zu erreichen.

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SBB Cargo: Erfolg misst sich nicht nur am finanziellen Ergebnis

SBB Cargo: Erfolg misst sich nicht nur am finanziellen Ergebnis

Die SBB hat heute ihre Halb­jah­res­zah­len 2026 publi­ziert und spricht auch beim Güter­ver­kehr von einer posi­ti­ven Ent­wick­lung. Der VAP nimmt das ver­bes­ser­te finan­zi­el­le Ergeb­nis zur Kennt­nis. Die ope­ra­ti­ven Ent­wick­lun­gen im Markt und die Rück­mel­dun­gen der ver­la­den­den Wirt­schaft zeich­nen jedoch ein gegen­sätz­li­ches Bild. Auf­fäl­lig ist zudem, dass die SBB für den Güter­ver­kehr – anders als für den Per­so­nen­ver­kehr – kaum ope­ra­ti­ve Kenn­zah­len aus­weist. Gera­de ange­sichts der lau­fen­den Neu­aus­rich­tung wäre Trans­pa­renz über Men­gen­ent­wick­lung, Ver­kehrs­leis­tung und Qua­li­tät zentral.

Die SBB hat heute ihre Halb­jah­res­zah­len 2026 publi­ziert. Im Güter­ver­kehr stieg das Ergeb­nis gegen­über Vor­jahr um 49 Mil­lio­nen Fran­ken auf 2 Mil­lio­nen Fran­ken. Gleich­zei­tig hält die SBB selbst fest, dass die Trans­port­men­gen im Inland rück­läu­fig sind.

Ope­ra­ti­ve Ent­wick­lung bleibt weit­ge­hend im Dunkeln

Wäh­rend die SBB beim Per­so­nen­ver­kehr detail­liert über Rei­sen­den­zah­len, Pünkt­lich­keit und Kun­den­zu­frie­den­heit infor­miert, feh­len für den Güter­ver­kehr ver­gleich­ba­re ope­ra­ti­ve Kenn­zah­len weit­ge­hend. Dabei sind auch die Ver­la­der Kun­den der SBB. Gera­de vor dem Hin­ter­grund der lau­fen­den Neu­aus­rich­tung ist ent­schei­dend, wie sich Men­gen, Ange­bots­qua­li­tät und Kun­den­zu­frie­den­heit im Güter­ver­kehr tat­säch­lich entwickeln.

So zeich­nen die weni­gen öffent­lich ver­füg­ba­ren Zah­len ein kri­ti­sches Bild. Gemäss dem Quar­tals­re­port­ing des Bun­des­amts für Ver­kehr sank die Zahl der bela­de­nen Wagen im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) im ers­ten Quar­tal 2026 im Ver­gleich zum Vor­jah­res­quar­tal von rund 94’000 auf 87’000. Berei­nigt um die Swiss-Split-Ver­­keh­­re, die 2025 noch nicht dem EWLV zuge­rech­net wur­den, ent­spricht dies einem Rück­gang von 12 Prozent.

Rück­mel­dun­gen der Ver­la­der zei­gen eine ande­re Realität

Die­ser vom BAV aus­ge­wie­se­ne Rück­gang deckt sich mit den Rück­mel­dun­gen aus unse­rer Mit­glied­schaft. Diese ste­hen in deut­li­chem Kon­trast zur posi­ti­ven Dar­stel­lung der SBB. Der ange­kün­dig­te Abbau von Bedien­punk­ten, teils mas­si­ve Preis­er­hö­hun­gen, Ein­schrän­kun­gen bei Ran­gier­leis­tun­gen und eine zuneh­mend weni­ger an den Bedürf­nis­sen der Kun­den aus­ge­rich­te­te Pro­duk­ti­on beein­träch­ti­gen die Attrak­ti­vi­tät und Ver­läss­lich­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs spür­bar. Kun­den, die ihre Ver­keh­re bereits heute auf die Stras­se ver­la­gern kön­nen, tun dies zuneh­mend. Jene, die auf­grund ihrer star­ken Abhän­gig­keit vom markt­be­herr­schen­den Anbie­ter kurz­fris­tig keine Alter­na­ti­ve haben, arbei­ten daran, diese Abhän­gig­keit mit­tel­fris­tig zu redu­zie­ren und ande­re Lösun­gen zu schaf­fen. Wo Leis­tun­gen redu­ziert oder nicht mehr ange­bo­ten wer­den und die Kun­den­ori­en­tie­rung ins­ge­samt auf der Stre­cke bleibt, feh­len den betrof­fe­nen Ver­la­dern häu­fig kurz­fris­tig ver­füg­ba­re Alter­na­ti­ven. Damit wer­den bestehen­de Bahn­ver­keh­re gefähr­det und auf die Stras­se ver­la­gert – eine Ent­wick­lung, die den ver­kehrs­po­li­ti­schen Zie­len des Bun­des und der Poli­tik entgegenläuft.

Mehr Trans­pa­renz bei der Neu­aus­rich­tung erforderlich

Die SBB bezeich­net die Neu­aus­rich­tung des EWLV als plan­mäs­sig. Aus Sicht des Ver­bands der ver­la­den­den Wirt­schaft (VAP) fehlt jedoch weit­ge­hend Trans­pa­renz dar­über, wie zen­tra­le Ent­schei­de zustan­de gekom­men sind. Dies zeigt sich exem­pla­risch am ange­kün­dig­ten Abbau von Bedien­punk­ten. Für betrof­fe­ne Unter­neh­men ist viel­fach nicht nach­voll­zieh­bar, anhand wel­cher Kri­te­ri­en Stand­or­te auf­ge­ge­ben wer­den, ob alter­na­ti­ve Lösun­gen etwa mit ande­ren EVU geprüft wur­den und wie den Aus­wir­kun­gen auf Kun­den, Ver­sor­gung, Klima und Ver­kehrs­ver­la­ge­rung Rech­nung getra­gen wird.

Gera­de weil der Bund den EWLV seit Anfang 2026 finan­zi­ell unter­stützt, sind nach­voll­zieh­ba­re Ent­schei­dungs­grund­la­gen und eine trans­pa­ren­te Bericht­erstat­tung über Leis­tung, Qua­li­tät und Mit­tel­ver­wen­dung abso­lut uner­läss­lich. Für den VAP ist des­halb klar: Die Zukunft des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs bemisst sich nicht allein an der Erfolgs­rech­nung von SBB Cargo. Ent­schei­dend ist, ob die Bedürf­nis­se der Kun­den erfüllt, Ver­kehrs­vo­lu­men auf der Schie­ne gehal­ten und ein ver­läss­li­ches, wett­be­werbs­fä­hi­ges Ange­bot sicher­ge­stellt werden.

Wie­der­ein­glie­de­rung erhöht die Anfor­de­run­gen an die Governance

Der VAP nimmt die ange­kün­dig­te Wie­der­ein­glie­de­rung der SBB Cargo AG in die SBB AG per 1. Janu­ar 2027 zur Kennt­nis. Mit der stär­ke­ren Inte­gra­ti­on stei­gen die Anfor­de­run­gen an die Gover­nan­ce und ins­be­son­de­re die Trans­pa­renz. Für den VAP ist zen­tral, dass wei­ter­hin eine klare und über­prüf­ba­re Tren­nung der Finanz­flüs­se gewähr­leis­tet bleibt – ins­be­son­de­re zwi­schen dem staat­lich geför­der­ten EWLV und jenen Berei­chen, in denen die SBB mit pri­va­ten Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men im Wett­be­werb steht. Bun­des­mit­tel müs­sen zweck­ge­bun­den beim geför­der­ten Ange­bot und damit letzt­lich bei den Kun­den wir­ken. Eine direk­te oder indi­rek­te Quer­sub­ven­tio­nie­rung wett­be­werb­li­cher Tätig­kei­ten muss zwin­gend ver­hin­dert werden.

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Steuergelder müssen den EWLV stärken – nicht dessen Abbau finanzieren

Steuergelder müssen den EWLV stärken – nicht dessen Abbau finanzieren

Mit der Revi­si­on des Güter­trans­port­ge­set­zes hat die Poli­tik ein kla­res Ziel for­mu­liert: Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr soll gestärkt und nach­hal­tig wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Dazu gehört auch, dass der Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr mit erheb­li­chen Bun­des­mit­teln unter­stützt wird. Umso unver­ständ­li­cher ist es, dass die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen genau in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung zei­gen. Statt einer Stär­kung erle­ben die ver­la­den­den Betrie­be einen schlei­chen­den Abbau des Ange­bots – finan­ziert mit Steuergeldern.

Die aktu­el­le Ent­wick­lung im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) trifft die ver­la­den­de Wirt­schaft unmit­tel­bar. So sehen sich die Unter­neh­men mit stei­gen­den Prei­sen, sin­ken­der Qua­li­tät und einer gänz­lich feh­len­den Kun­den­ori­en­tie­rung von Sei­ten SBB Cargo kon­fron­tiert. Gleich­zei­tig sol­len zahl­rei­che Bedien­punk­te nicht mehr bedient wer­den. Für viele Ver­la­der bleibt damit keine ande­re Wahl, als ihre Trans­por­te – wo mög­lich kurz­fris­tig, spä­tes­tens aber mit­tel­fris­tig – auf die Stras­se zu ver­la­gern. Dies, obwohl die Stras­se bereits heute auf­grund stark stei­gen­der Stau­stun­den an ihre Kapa­zi­täts­gren­zen stösst.

Steu­er­fi­nan­zier­ter EWLV-Abbau wider­spricht dem poli­ti­schen Auftrag

Die­ser steu­er­fi­nan­zier­te Abbau des EWLV durch SBB Cargo kann weder im Inter­es­se der Poli­tik noch der Gesell­schaft ins­ge­samt sein. So wer­den mit die­ser Stra­te­gie die Ziele der Ver­sor­gungs­si­cher­heit, der Ver­kehrs­ver­la­ge­rung und des Kli­ma­schut­zes vor­sätz­lich unter­gra­ben. Gleich­zei­tig wer­den Steu­er­gel­der zweck­ent­frem­det, indem sie dazu bei­tra­gen, die Ver­la­ge­rung von Trans­por­ten von der Schie­ne auf die Stras­se zu beschleu­ni­gen. Beson­ders stos­send ist der grund­le­gen­de Wider­spruch: Die öffent­li­chen Mit­tel wur­den vom Par­la­ment gespro­chen, um die Ange­bo­te im EWLV zu sichern, den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr (SGV) zu stär­ken und eine Abwan­de­rung auf die Stras­se zu ver­hin­dern. Mit dem Abbau von SBB Cargo finan­zie­ren die öffent­li­chen Mit­tel nun jedoch genau das Gegen­teil, mit der Kon­se­quenz, dass Güter im gros­sen Stil von der Schie­ne auf die Stras­se ver­la­gert werden.

Was ein­mal auf der Stras­se ist, bleibt auf der Strasse

Das Ver­trau­en der ver­la­den­den Wirt­schaft in den SGV wird mit die­sem Vor­ge­hen leicht­fer­tig aufs Spiel gesetzt. Dies geschieht schlei­chend und hat gra­vie­ren­de Fol­gen. Unter­neh­men inves­tie­ren nur dann in Anschluss­glei­se, Ver­la­de­an­la­gen und bahn­be­zo­ge­ne Logis­tik­pro­zes­se, wenn sie auch mit­tel­fris­tig an einen funk­tio­nie­ren­den EWLV glau­ben und auf die­sen zäh­len kön­nen. Geht die­ses Ver­trau­en ver­lo­ren, wird die kapi­tal­in­ten­si­ve Infra­struk­tur zurück­ge­baut und zukünf­tig kaum noch ein­mal auf­ge­baut.  Der Zug ist dann im wahrs­ten Sinne des Wor­tes abgefahren.

Abbau gefähr­det Ver­sor­gungs­si­cher­heit ganz akut

Ein funk­tio­nie­ren­der EWLV ist eine zen­tra­le Vor­aus­set­zung für die Ver­sor­gungs­si­cher­heit, für einen flä­chen­ef­fi­zi­en­ten Trans­port, für die Errei­chung der Kli­ma­zie­le und vor allem für einen wett­be­werbs­fä­hi­gen Wirt­schafts­stand­ort Schweiz. Die Leid­tra­gen­den die­ses Abbaus sind neben den Unter­neh­men vor allem auch die Bevöl­ke­rung ins­ge­samt: durch mehr Schwer­ver­kehr auf den Stras­sen, einer gefähr­de­ten Ver­sor­gungs­si­cher­heit und einer stär­ke­ren Umweltbelastung.

Um den steu­er­geld­fi­nan­zier­ten Abbau des EWLV zu stop­pen, braucht es drin­gend klare poli­ti­sche Leit­plan­ken. Preis­stei­ge­run­gen sind aufs Mini­mum zu redu­zie­ren und ein Ange­bots­ab­bau darf, wenn über­haupt, nur noch mit einer Fol­ge­ab­schät­zung erfol­gen. Öffent­li­che Mit­tel müs­sen kon­se­quent an das Ziel geknüpft wer­den, den SGV zu stär­ken sowie ein kun­den­ori­en­tier­tes und ver­läss­li­ches Ange­bot zu schaf­fen. Ein Abbau des EWLV ent­spricht weder dem poli­ti­schen Auf­trag noch dem Wil­len des Gesetzgebers.

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Schienengüterverkehr: Politik unter Zugzwang

Schienengüterverkehr: Politik unter Zugzwang

Nur ein hal­bes Jahr nach Inkraft­tre­ten des revi­dier­ten Güter­trans­port­ge­set­zes ruft die Ent­wick­lung im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr die Poli­tik erneut auf den Plan. In der Kom­mis­si­on für Ver­kehr und Fern­mel­de­we­sen des Natio­nal­rats (KVF‑N) fand diese Woche eine Anhö­rung zu den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in der Ver­kehrs­ver­la­ge­rung statt. Für den Verband der ver­la­den­den Wirt­schaft kam diese keine Minu­te zu frühInsbeson­dere im EWLV ist der Unmut der Bran­che rie­sig, wobei sich die Frus­tra­ti­on im Wesent­li­chen auf die stark gestie­ge­nen Prei­se bei gleich­zei­ti­gem Qua­li­täts- und Ange­botsrück­gang sowie die feh­lende Kun­den­ori­en­tie­rung von SBB Cargo beziehtDie Poli­tik ist ange­hal­ten, die­ser Situa­ti­on nicht län­ger taten­los zuzusehen.

Das revi­dier­te Güter­trans­port­ge­setz (GüTG) und des­sen Umset­zung stand von Beginn an unter kei­nem guten Stern. So sorg­ten die teils mas­si­ven Preis­er­hö­hun­gen von SBB Cargo noch vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes für viel Unmut in der Bran­che. Bereits dann wurde die Poli­tik ein ers­tes Mal aktiv. Inzwi­schen führt die Poli­tik von SBB Cargo zu rich­tig­ge­hen­der Frus­tra­ti­on in der Bran­che mit der Kon­se­quenz, dass die ver­la­den­de Wirt­schaft wo immer mög­lich Wege sucht, ihre Güter auf die Stras­se zu ver­la­gern. Diese Ent­wick­lung ist alar­mie­rend und es ist nur fol­ge­rich­tig, dass sich die Poli­tik die­sem Thema mit höchs­ter Dring­lich­keit annimmt. Denn die eigent­li­che Gefahr liegt darin, dass sich der Rück­gang im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr erst ver­zö­gert in den Zah­len zei­gen wird. Dort wo die Ver­la­der kurz­fris­tig keine Aus­weich­mög­lich­kei­ten haben, blei­ben die ent­spre­chen­den Ver­keh­re noch auf der Schie­ne – gleich­zei­tig wird wo immer mög­lich auf die Stras­se ver­la­gert und Inves­ti­tio­nen in die LKW-Infra­struk­tur umge­schich­tet. Ist die­ser Schritt ein­mal voll­zo­gen, inves­tiert kaum ein Unter­neh­men erneut in bahn­be­zo­ge­ne Infra­struk­tur – der Zug ist dann im wahrs­ten Sinne des Wor­tes abge­fah­ren. 

Ein sol­cher Kurs wäre nichts ande­res als ein durch Steu­er­gel­der finan­zier­ter Abbau des EWLV. Dies lehnt der VAP ent­schie­den ab. Die Poli­tik ist inzwi­schen im Bild und muss die Umset­zung des GüTG mit grif­fi­gen Mass­nah­men kor­ri­gie­ren. Ziel der öffent­li­chen Unter­stüt­zung war die Stär­kung eines nach­hal­ti­gen Güter­trans­ports auf der Schie­ne – nicht der Abbau von Ange­bot, Ver­trau­en und Kun­den­zu­frie­den­heit. Wird der der­zeit von SBB Cargo ein­ge­schla­ge­ne Abbau­kurs bei­be­hal­ten, fehlt aus Sicht des VAP die Recht­fer­ti­gung für den Ein­satz öffent­li­cher Mittel.

Zu kurze Zusi­che­rung von Ran­gier­leis­tun­gen ver­zerrt den Wettbewerb

Auch aus­ser­halb des EWLV neh­men die Hür­den zu – etwa bei Ganz­zug­ver­keh­ren oder im kom­bi­nier­ten Ver­kehr. Neue Regeln von SBB Cargo, wie die 48-Stun­den-Regel bei Ran­gier­leis­tun­gen erschwe­ren die Plan­bar­keit für pri­va­te Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men (EVU) und Ver­la­der erheb­lich. Wenn SBB Cargo als markt­be­herr­schen­der Anbie­ter pri­va­ten EVU Ran­gier­leis­tun­gen auf der ers­ten und letz­ten Meile erst kurz­fris­tig ver­bind­lich zusi­chert, ent­ste­hen für die pri­va­ten EVU erheb­li­che Wett­be­werbs­nach­tei­le. Für pri­va­te EVU und Ver­la­der wird es dadurch immer schwie­ri­ger, ver­läss­li­che Ange­bo­te auf­zu­bau­en oder bestehen­de Ver­keh­re auf­recht­zu­er­hal­ten. Ein fai­rer Wett­be­werb wird dadurch ver­un­mög­licht. 

VAP bleibt dran

Der VAP begrüsst ange­sichts die­ser Her­aus­for­de­run­gen und Pro­ble­me sehr, dass sich die Poli­tik die­sen The­men mit Hoch­druck annimmt und grif­fi­ge Mass­nah­men prüft. Ein «Wei­ter wie bis­her» dürf­te sich für den Wirt­schafts­stand­ort Schweiz rück­bli­ckend ver­hee­rend aus­wir­ken. Und dies alles in einer Zeit, in der die Vor­tei­le des SGV etwa mit Blick auf die Kli­ma­zie­le, die Flä­chen­ef­fi­zi­enz oder die Ver­sor­gungs­si­cher­heit gefrag­ter sein soll­ten als je zuvor.   

Diese The­men haben für den VAP höchs­te Prio­ri­tät. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­spricht nicht nur der Som­mer heiss zu wer­den, son­dern auch die anste­hen­den Debat­ten zu die­sen The­men. Als VAP wer­den wir diese Som­mer­mo­na­te nicht unge­nutzt ver­strei­chen las­sen, son­dern mit regel­mäs­si­gen Ein­bli­cken zu die­sen The­men am Ball bleiben.

Forum Güterverkehr 2026: Branche bleibt pragmatisch

Forum Güterverkehr 2026: Branche bleibt pragmatisch

Am 12. Mai 2026 kamen rund 120 Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Bran­che zum Forum Güter­ver­kehr 2026 des Ver­ban­des der ver­la­den­den Wirt­schaft (VAP) im Glo­cken­hof in Zürich zusam­men. Im Zen­trum stand die Frage, wie der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Schweiz trotz zuneh­men­dem Druck leis­tungs- und wett­be­werbs­fä­hig blei­ben kann.

Darum geht’s:

  • Wett­be­werbs­fä­hig­keit wird zur Schlüsselfrage
  • Sze­na­rio­ana­ly­se zeigt Handlungsbedarf
  • Poli­tik, Ver­wal­tung und Bran­che im Austausch
  • Inno­va­tio­nen als Teil der Lösung
  • Zwi­schen Rea­li­tät und Aufbruch

Im Zen­trum des Forums stand die Frage, wie der Schwei­zer Schie­nen­gü­ter­ver­kehr trotz stei­gen­der Kos­ten, sin­ken­der Zuver­läs­sig­keit, Kapa­zi­täts­eng­päs­sen und einer unge­lös­ten Haf­tungs­fra­ge leis­tungs- und wett­be­werbs­fä­hig blei­ben kann. Der Tag mach­te deut­lich: Die Bran­che ver­sucht mit Wis­sen, Enga­ge­ment und inno­va­ti­ven Ansät­zen die Schie­ne weiterzuentwickeln.

Wett­be­werbs­fä­hig­keit wird zur Schlüsselfrage

Zum Auf­takt ord­ne­te VAP-Geschäfts­füh­rer Simon Wey die aktu­el­le Lage ein. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist mehr­fach gefor­dert: Im alpen­que­ren­den Ver­kehr neh­men die Last­wa­gen­fahr­ten zu und im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr belas­ten sin­ken­de Zuver­läs­sig­keit, stei­gen­de Kos­ten und Ange­bots­re­duk­tio­nen das Ver­trau­en vie­ler Ver­la­der. Hinzu kom­men Gross­bau­stel­len im Aus­land, regu­la­to­ri­sche Vor­ga­ben als Folge des Unfalls im Gott­hard­ba­sis­tun­nel sowie neue Unsi­cher­hei­ten rund um Haftungsfragen.

Ent­schei­dend ist dabei nicht ein ein­zel­nes Pro­blem, son­dern die Summe die­ser Ent­wick­lun­gen. Sie schwächt die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne schritt­wei­se und erhöht damit das Risi­ko, dass Ver­keh­re dau­er­haft auf die Stras­se abwan­dern. Aus Sicht des VAP braucht es des­halb ver­läss­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, mehr Wett­be­werb und ein Zusam­men­rü­cken der Bran­che, um den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu stärken.

Sze­na­rio­ana­ly­se zeigt Handlungsbedarf

Mit der von INFRAS erar­bei­te­ten «Sze­na­rio­ana­ly­se Schie­nen­gü­ter­ver­kehr» erhielt die Dis­kus­si­on eine fun­dier­te Daten­grund­la­ge. Anne Grei­nus von INFRAS, zeig­te auf, dass die Ver­kehrs­leis­tung auf der Schie­ne zwi­schen 2000 und 2025 um 11 Pro­zent gesun­ken ist, wäh­rend deren Markt­an­teil von 42 auf 37 Pro­zent zurück­ging. Beson­ders betrof­fen sind der Bin­nen­ver­kehr und ins­be­son­de­re der Wagen­la­dungs­ver­kehr, der seit 2008 deut­lich an Volu­men ver­lo­ren hat.

Die Umfra­ge bei den VAP-Mit­glie­dern macht gleich­zei­tig deut­lich: Viele Ver­la­der wol­len wei­ter­hin auf die Schie­ne set­zen. Der Rück­gang ist des­halb nur bedingt Aus­druck feh­len­der Nach­fra­ge oder man­geln­den Ver­trau­ens in die Bahn. Viel­mehr zei­gen die Rück­mel­dun­gen, dass Unter­neh­men ver­läss­li­che Ange­bo­te, plan­ba­re Trans­por­te, kon­kur­renz­fä­hi­ge Prei­se und klare Ver­ant­wort­lich­kei­ten brau­chen. Wo diese Vor­aus­set­zun­gen feh­len, steigt der Druck auf den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr – selbst wenn die Unter­neh­men grund­sätz­lich auf die­ses Ver­kehrs­mit­tel set­zen möchten.

Hier geht’s zur Prä­sen­ta­ti­on von Anne Greinus.

Poli­tik, Ver­wal­tung und Bran­che im Austausch

In den bei­den Podi­ums­dis­kus­sio­nen am Vor­mit­tag wurde deut­lich, wie eng poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen und die All­tags­sor­gen mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Im ers­ten Podi­um dis­ku­tier­ten VAP-Prä­si­dent und Stän­de­rat Josef Ditt­li und Mar­tin von Känel, stell­ver­tre­ten­der Direk­tor des Bun­des­amts für Ver­kehr, unter der Mode­ra­ti­on von Andy Mül­ler über die Schwei­zer Ver­la­ge­rungs­po­li­tik und die Zukunft des Schienengüterverkehrs.

Dabei zeig­te sich, dass die poli­ti­schen Ziele klar sind, ihre Umset­zung aber anspruchs­voll und har­zig bleibt. Von Känel beton­te, dass mit dem Güter­trans­port­ge­setz die not­wen­di­gen poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen wor­den seien; nun sei die Bran­che gefor­dert, diese zu nut­zen. Ditt­li wie­der­um warn­te davor, dass der Ruf nach einer dau­er­haf­ten Sub­ven­tio­nie­rung lau­ter wer­den könn­te, falls der Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr trotz der gespro­che­nen För­der­mit­tel nicht eigen­wirt­schaft­lich werde. Kon­tro­vers dis­ku­tier­te das Duo zudem die ver­schärf­ten Sicher­heits­mass­nah­men des BAV nach dem Unfall im Gott­hard­ba­sis­tun­nel. Der VAP-Prä­si­dent beton­te, dass Sicher­heits­mass­nah­men wich­tig seien, diese jedoch «nicht aus­schliess­lich die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne sen­ken dürf­ten», son­dern nach­weis­lich zur Sicher­heit bei­tra­gen müssten.

Das zwei­te Podi­um brach­te die Sicht der Pra­xis ein. Anne Grei­nus, Mar­tin Hal­ler von Plan­zer, Nico­las Herold von Syn­gen­ta und Bern­hard Kunz von Hupac beleuch­te­ten aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven die Fol­gen eines wei­te­ren Bedeu­tungs­ver­lusts der Schie­ne für Logis­tik, Indus­trie und Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Im Zen­trum stan­den Erfah­run­gen aus dem Markt. Man­geln­de Plan­bar­keit, Qua­li­täts­pro­ble­me und stei­gen­de Kos­ten füh­ren zuneh­mend dazu, dass Güter­zü­ge als Trans­port­mit­tel an Attrak­ti­vi­tät ver­lie­ren. Die Panel­teil­neh­men­den bedau­er­ten zudem, dass viele inno­va­ti­ve Pro­jek­te nicht über die Pilot­pha­se hinauskommen.

Den Abschluss des Vor­mit­tags bil­de­te ein Kurz­in­ter­view mit Alex­an­der Muhm, CEO von SBB Cargo. Im Gespräch mit Andy Mül­ler ging es um die künf­ti­ge Aus­rich­tung von SBB Cargo, die Bedeu­tung des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs und die umstrit­te­nen Haf­tungs­fra­gen. Muhm zeig­te sich dabei offen, die geplan­ten Haf­tungs­re­ge­lun­gen zuguns­ten einer euro­pa­weit abge­stimm­ten Bran­chen­lö­sung zu über­den­ken. Ent­schei­dend ist nun, dass ein struk­tu­rier­ter Pro­zess unter Ein­be­zug aller Akteu­re des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs zur Erar­bei­tung die­ser Lösung auf­ge­setzt wer­den kann.

Inno­va­tio­nen als Teil der Lösung

Der Nach­mit­tag zeig­te, dass die Bran­che des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs nicht nur Pro­ble­me wälzt, son­dern mit gros­sem Enga­ge­ment über kon­kre­te Inno­va­ti­ons­an­sät­ze debat­tiert. Thors­ten Bie­ker von CAAP prä­sen­tier­te Mög­lich­kei­ten für voll­au­to­ma­ti­sier­te Ver­la­de­pro­zes­se und neue Per­spek­ti­ven für den CO₂-Trans­port auf der Schie­ne. Frank Petut­s­ch­nig vom VPI Öster­reich und Mar­tin Deusch vom Fach­ver­band Schie­nen­bah­nen der Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich zeig­ten mit der Initia­ti­ve «natu­rail», wie eine gemein­sa­me Bran­chen­mar­ke und das Zusam­men­rü­cken der Bran­che das öffent­li­che Bild des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs stär­ken können.

Wei­te­re Impul­se kamen von Beat Weg­mül­ler von der rXp Inter­re­gio Cargo GmbH. Er stell­te ein Betriebs­mo­dell für den Kurz- und Mit­tel­stre­cken­be­reich vor. Jas­min Big­don zeig­te auf, warum Inno­va­tio­nen im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr oft nur lang­sam vor­an­kom­men: frag­men­tier­te Struk­tu­ren, feh­len­de Stan­dards und unnö­ti­ge Kom­ple­xi­tät erschwe­ren die Umset­zung. Umso wich­ti­ger sind klare Prio­ri­tä­ten, mehr Auto­ma­ti­sie­rung und digi­ta­le Lösun­gen, die im All­tag Wir­kung entfalten.

Hier geht’s zu den Prä­sen­ta­tio­nen vom Nachmittag.

Zwi­schen Rea­li­tät und Aufbruch

Das Forum Güter­ver­kehr 2026 zeig­te ein dif­fe­ren­zier­tes Bild des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Die­ser steht ange­sichts der man­geln­den Qua­li­tät und Plan­bar­keit sowie der hohen Kos­ten unter erheb­li­chem Druck. Gleich­zei­tig wurde ersicht­lich, dass die Bran­che Lösun­gen sucht, neue Ansät­ze ent­wi­ckelt und bereit ist, stär­ker zusammenzuarbeiten.

Der Tag ende­te nicht mit einer ein­fa­chen Ant­wort, aber mit einer kla­ren Bot­schaft: Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr hat Zukunft. Vor­aus­ge­setzt, es gelingt, Ver­trau­en zurück­zu­ge­win­nen, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu stär­ken und Inno­va­tio­nen im All­tag umzusetzen.

Sicherheit im Schienengüterverkehr funktioniert nur ganzheitlich

Sicherheit im Schienengüterverkehr funktioniert nur ganzheitlich

Der Unfall im Got­t­hard-Basis­­tun­­nel hat ein­drück­lich gezeigt, wie ver­letz­lich ein hoch­kom­ple­xes und euro­pa­weit ver­netz­tes Eisen­bahn­sys­tem ist. Er hat eben­falls ver­deut­licht, dass sich ein hohes Mass an Sicher­heit im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr nur sicher­stel­len lässt, wenn alle Akteu­re in die Ver­ant­wor­tung genom­men wer­den. Dazu braucht es einen ganz­heit­li­chen Ansatz, der die Wahr­schein­lich­keit von Zwi­schen­fäl­len mit einer Viel­zahl von Mass­nah­men tief hält.

Darum geht’s:

  • Wie ist nach­hal­ti­ge Sicher­heit möglich?
  • Ein­fa­che Ant­wor­ten grei­fen zu kurz
  • Kom­ple­xi­tät schlägt Machbarkeit
  • Nicht nur Wagen­hal­ter in der Pflicht
  • Sicher­heit ist kein Einzelauftrag
  • Euro­pä­isch abge­stimm­tes Han­deln erwünscht

 

Wie ist nach­hal­ti­ge Sicher­heit möglich?

Der Unfall im Got­t­hard-Basis­­tun­­nel im August 2023 hat die Eisen­bahn­bran­che – ja die gesam­te Schweiz – auf­ge­rüt­telt. Die mas­si­ven Beschä­di­gun­gen der Infra­struk­tur und die lang­wie­ri­gen Repa­ra­tur­ar­bei­ten führ­ten dazu, dass die wich­tigs­te Nord-Süd-Achse der Schweiz über mehr als ein Jahr nur ein­ge­schränkt zur Ver­fü­gung stand. Die betrieb­li­chen Aus­wir­kun­gen waren weit über den Gott­hard­tun­nel hin­aus spür­bar und war­fen eine zen­tra­le Frage auf: Wie lässt sich Sicher­heit in einem hoch­kom­ple­xen und euro­pa­weit ver­netz­ten Sys­tem nach­hal­tig gewährleisten?

Ein­fa­che Ant­wor­ten grei­fen zu kurz

Eine ein­schnei­den­de Reak­ti­on auf einen fol­gen­schwe­ren Vor­fall ist nach­voll­zieh­bar: Die Sicher­heit soll erhöht, Risi­ken sol­len mini­miert und Wie­der­ho­lun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den. Ent­spre­chend dras­tisch fie­len die Mass­nah­men aus, die das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV) nach Vor­lie­gen des Unfall­be­richts der Sicher­heits­un­ter­su­chungs­stel­le (Sust) ver­füg­te. Aber: Die Mass­nah­men sind wenig fun­diert und zie­len aus­schliess­lich auf die Wagen­hal­ter ab.

Kom­ple­xi­tät schlägt Machbarkeit

Schon bald zeig­te sich, dass sich die neuen BAV-Vor­­­ga­­ben in der vor­ge­se­he­nen Form weder betrieb­lich noch von den Instand­hal­tungs­stel­len kapa­zi­täts­mäs­sig umset­zen lies­sen. Die mas­si­ven Ver­kür­zun­gen der War­­tungs- und Prüf­zy­klen hät­ten dazu geführt, dass tau­sen­de Güter­wa­gen von heute auf mor­gen hät­ten in die War­tung gebracht wer­den müs­sen und nicht mehr ein­setz­bar gewe­sen wären. Das BAV sah sich ver­an­lasst, die ursprüng­li­che Ver­fü­gung anzupassen.

Diese regu­la­to­ri­sche Kurs­kor­rek­tur ver­deut­licht, wie schwie­rig es ist, unter hohem Zeit­druck wirk­sa­me, fun­dier­te und zugleich prak­ti­ka­ble Mass­nah­men für ein hoch­kom­ple­xes Sys­tem zu defi­nie­ren. Sie macht zudem deut­lich, dass sich die Frage der Sicher­heit nicht auf ein­zel­ne Akteu­re oder Ein­zel­mass­nah­men und schon gar nicht auf ein­zel­ne Län­der redu­zie­ren lässt.

Nicht nur Wagen­hal­ter in der Pflicht

Das Güter­bahn­sys­tem endet nicht an der Lan­des­gren­ze. Güter­wa­gen sind über Wochen oder Mona­te hin­weg im gesam­ten euro­päi­schen Netz unter­wegs und wech­seln lau­fend Län­der, Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men und Infra­struk­tur­be­trei­ber. Um in die­ser Dyna­mik Sicher­heit zu gewäh­ren, ist nicht nur soli­des Wagen­ma­te­ri­al ent­schei­dend. Mass­geb­lich sind aus­ser­dem der weit­sich­ti­ge Umgang mit dem Roll­ma­te­ri­al und ein kom­pe­ten­tes Fahr­ver­hal­ten im Betrieb.

Damit kommt den Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men eine Schlüs­sel­rol­le zu. Sie set­zen die Güter­wa­gen im täg­li­chen Betrieb ein, füh­ren Abfahrts- und Sicht­kon­trol­len durch und beein­flus­sen mit der Fahr­wei­se des Lok­per­so­nals und dem betrieb­li­chen Umgang die tat­säch­li­che Belas­tung des Rollmaterials.

Sicher­heit ist kein Einzelauftrag 

Sicher­heit im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr geht aus dem Zusam­men­spiel von Wagen­hal­tern, Instand­hal­tung, Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men und Infra­struk­tur mit ent­spre­chen­den Über­­­wa­chungs- und Detek­ti­ons­sys­te­men her­vor. Wer­den Akteu­re aus die­ser Glei­chung und damit aus der Ver­ant­wor­tung genom­men, gerät deren Inter­ak­ti­on aus dem Gleich­ge­wicht. Regu­la­to­ri­sche Mass­nah­men müs­sen die­ser Tat­sa­che Rech­nung tragen.

Euro­pä­isch abge­stimm­tes Han­deln erwünscht

Gera­de weil der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr euro­pa­weit orga­ni­siert ist, braucht es bei der Sicher­heit eine euro­päi­sche Per­spek­ti­ve. Das Güter­bahn­netz ist inter­na­tio­nal so eng ver­floch­ten, dass natio­na­le Allein­gän­ge die Sicher­heit eher gefähr­den als opti­mie­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es zu begrüs­sen, dass das Joint Net­work Secre­ta­ri­at Ende 2025 Emp­feh­lun­gen vor­ge­legt hat, die eine koor­di­nier­te Wei­ter­ent­wick­lung der Sicher­heits­an­for­de­run­gen anstre­ben. Das BAV tut gut daran, eine euro­pa­wei­te Drauf­sicht ein­zu­neh­men und die in der Schweiz ver­füg­ten Mass­nah­men mit den euro­päi­schen Leit­li­ni­en zu harmonisieren.

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Haben Stahlkolosse als Zugpferde der Wirtschaft ausgedient?

Haben Stahlkolosse als Zugpferde der Wirtschaft ausgedient?

Das Jahr geht dem­nächst zu Ende. Nur zu gerne würde man pünkt­lich zu den Fest­ta­gen mit freu­di­gen Bot­schaf­ten auf­war­ten. Lei­der ist es nicht ein­fach, posi­ti­ve Schlüs­se aus der Ana­ly­se des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs 2025 zu zie­hen. Viel­mehr jagte eine nega­ti­ve Schlag­zei­le die ande­re. Die Frage nach dem zukünf­ti­gen Stel­len­wert der Stahl­ko­los­se, die Jahr für Jahr Mil­lio­nen von Ton­nen an Gütern von A nach B zie­hen, muss erlaubt sein.


Darum geht’s:

  • Mehr Güter heisst nur auf dem Papier mehr Transporte
  • Die Liste der Nega­tiv­bei­spie­le ist lang
  • Die Nach­hal­tig­keits­zie­le der Schweiz ste­hen auf dem Spiel
  • Licht­bli­cke bestä­ti­gen die Regel
  • Agie­ren statt kapitulieren

Mehr Güter heisst nur auf dem Papier mehr Transporte

Eine wach­sen­de Wirt­schaft zieht not­wen­di­ger­wei­se einen höhe­ren Bedarf an Güter­trans­por­ten nach sich. Schliess­lich müs­sen die zusätz­li­chen Güter irgend­wie zum End­kon­su­men­ten gelan­gen. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist dabei unab­ding­bar; schon heute trans­por­tiert er jähr­lich Mil­lio­nen von Ton­nen Güter kli­ma­freund­lich von A nach B.

Gemäss den Pro­gno­sen des Bun­des­amts für Raum­ent­wick­lung (ARE) im Rah­men sei­ner Ver­kehrs­per­spek­ti­ven 2050 ist bis 2050 mit einem Zuwachs des Güter­ver­kehrs um 31 Pro­zent zu rech­nen. In die­ser Zeit soll der Anteil der per Bahn trans­por­tier­ten Güter von 37 auf 39 Pro­zent anstei­gen. Die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr lau­fen sowohl die­sen Per­spek­ti­ven als auch den kla­ren poli­ti­schen Absich­ten im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr dia­me­tral ent­ge­gen: Obwohl der Bedarf an Güter­trans­por­ten steigt, ver­liert die Schie­ne kon­ti­nu­ier­lich an Marktanteilen.

Die Liste der Nega­tiv­bei­spie­le ist lang

Exem­pla­risch für die­sen Abwärts­trend steht die vor­zei­ti­ge Ein­stel­lung der rol­len­den Land­stras­se (Rola). Diese nahm am 11. Dezem­ber 2025 zum letz­ten Mal die Stre­cke von Frei­burg im Breis­gau in Rich­tung Nova­ra (IT) unter die Räder. Die Liste ähn­li­cher Nega­tiv­bei­spie­le lässt sich belie­big fort­set­zen. So etwa mit dem Abbau von acht Ter­mi­nals für den kom­bi­nier­ten Ver­kehr, mit den teils unver­hält­nis­mäs­si­gen Preis­er­hö­hun­gen durch SBB Cargo im Inland oder mit den ein­schnei­den­den und wenig fun­dier­ten Regu­lie­run­gen des BAV im Nach­gang zum Unfall am Gott­hard-Basis­tun­nel. Eben­falls besorg­nis­er­re­gend ist die desas­trö­se Schie­nen­in­fra­struk­tur von Deutsch­land im alpen­que­ren­den unbe­glei­te­ten kom­bi­nier­ten Ver­kehr. Diese schein­ba­ren Ein­zel­fäl­le kumu­lie­ren sich und füh­ren in der Summe zu einem schlei­chen­den und gra­vie­ren­den Rück­gang des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs und somit zu einer Rück­ver­la­ge­rung von Trans­por­ten von der Schie­ne auf die Strasse.

Die Nach­hal­tig­keits­zie­le der Schweiz ste­hen auf dem Spiel

Diese Schwä­chung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs hat auch in ande­ren Berei­chen gra­vie­ren­de Kon­se­quen­zen. So wird etwa das Netto-Null-Kli­ma­ziel des Bun­des immer unrea­lis­ti­scher. Eben­so hat die Stras­se ihre Kapa­zi­täts­gren­zen schon längst erreicht, was sich an der immensen und expo­nen­ti­ell stei­gen­den Zahl von Stau­stun­den zeigt: 2024 waren es über 55’000 Stun­den. Eine Ent­schär­fung ist nicht in Sicht. Im Gegen­teil, denn die Stimm­be­völ­ke­rung hat einen Kapa­zi­täts­aus­bau im Novem­ber 2024 klar abgelehnt.

Licht­bli­cke bestä­ti­gen die Regel

Erfreu­lich sind zahl­rei­che Initia­ti­ven, die die­sen nega­ti­ven Trends ent­ge­gen­lau­fen. Ein sol­ches Licht­blick-Pro­jekt ist die Cargo-S-Bahn von rXp Inter­re­gio­Car­go. Diese über­nimmt Bewähr­tes aus dem kom­bi­nier­ten Ver­kehr und räumt hin­der­li­che Stol­per­stei­ne aus dem Weg. Mit einem ein­fa­chen, durch­dach­ten Sys­tem will die bran­chen­über­grei­fen­de Alli­anz star­ker Unter­neh­men die Güter von der Stras­se auf die Schie­ne ver­la­gern. Beim alpen­que­ren­den kom­bi­nier­ten Ver­kehr macht man eben­falls aus der Not eine Tugend: Unter der Füh­rung des BAV ruft man Per­so­nal grenz­über­schrei­tend zusam­men und prüft inno­va­ti­ve Ansät­ze, um die schwie­ri­ge momen­ta­ne Situa­ti­on mit einer deso­la­ten Bahn­in­fra­struk­tur und den sich abzeich­nen­den Bau­stel­len in Deutsch­land zu über­brü­cken. Posi­tiv zu sehen ist dabei, wie die Bran­chen­ak­teu­re zusam­men­ste­hen und prag­ma­tisch nach Lösun­gen suchen.

Agie­ren statt kapitulieren

Ulrich Maix­ner, Geschäfts­füh­rer der Spe­di­ti­ons­fir­ma Hoyer, zog in der Zuger Zei­tung unlängst einen dra­ma­ti­schen Schluss zur Situa­ti­on im kom­bi­nier­ten Ver­kehr: «Wir ste­hen kurz vor dem Abgrund.» Ganz so dra­ma­tisch ist die Situa­ti­on beim Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Schweiz noch nicht. Aller­dings kann sich die Bran­che ein zwei­tes Jahr 2025 mit einer ähn­li­chen Ansamm­lung von Hiobs­bot­schaf­ten nicht leisten.

 

Bundesrat stärkt Schweizer Schienengüterverkehr

Bundesrat stärkt Schweizer Schienengüterverkehr

An sei­ner Sit­zung vom 19. Novem­ber 2025 hat der Bun­des­rat die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des Bun­des für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Schweiz und für die Güter­schiff­fahrt neu gere­gelt. Die ver­ab­schie­de­te Total­re­vi­si­on der Güter­trans­port­ver­ord­nung (GüTV) und wei­te­re Ver­ord­nungs­an­pas­sun­gen tre­ten am 1. Janu­ar 2026 in Kraft.


Darum geht’s:

  • Bund för­dert Schie­nen­gü­ter­ver­kehr substanziell
  • Zusätz­li­che Anrei­ze für Umschlag und Verlad
  • Pau­schal­bei­trä­ge zur Migra­ti­on auf die DAK
  • Kaum Offer­ten für Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen eingereicht
  • SBB Cargo prescht vor

Bund för­dert Schie­nen­gü­ter­ver­kehr substanziell

Am 21. März 2025 hat das Par­la­ment das revi­dier­te Güter­trans­port­ge­setz (GüTG) ver­ab­schie­det und damit ein umfas­sen­des Mass­nah­men­pa­ket zur Stär­kung des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs auf den Weg gebracht. So soll der Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) über acht Jahre finan­zi­ell geför­dert wer­den und mit­tel­fris­tig eigen­wirt­schaft­lich funk­tio­nie­ren. Für die ers­ten vier Jahre hat das Par­la­ment 260 Mil­lio­nen Fran­ken gespro­chen. Im Wei­te­ren stellt es ein­ma­lig 180 Mil­lio­nen Fran­ken für die digi­ta­le auto­ma­ti­sche Kupp­lung (DAK) bereit.

Zusätz­li­che Anrei­ze für Umschlag und Verlad

Das GüTG sieht zudem Umschlags- und Ver­la­de­bei­trä­ge sowie Inves­ti­ti­ons­bei­trä­ge vor. Damit soll der Trans­port von Gütern per Bahn und der Güter­um­schlag zwi­schen der Schie­ne und ande­ren Ver­kehrs­trä­gern geför­dert wer­den. Für Betrei­ber von Anschluss­glei­sen und Ver­la­de­an­la­gen des kom­bi­nier­ten Ver­kehrs rich­tet der Bund ab Janu­ar 2026 soge­nann­te Umschlags- und Ver­la­de­bei­trä­ge aus. Für jeden emp­fan­ge­nen oder ver­sen­de­ten bela­de­nen Güter­wa­gen betra­gen diese pau­schal 40 Fran­ken. Ins­ge­samt ste­hen jähr­lich 50 Mil­lio­nen Fran­ken dafür zur Verfügung.

Die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung ist auf 8000 Wagen pro Anschluss­gleis begrenzt. Die noch in der Ver­nehm­las­sungs­vor­la­ge vor­ge­se­he­ne Unter­gren­ze wurde auf­grund der Rück­mel­dun­gen aus der Ver­nehm­las­sung gestri­chen. Damit erhal­ten auch klei­ne und mitt­le­re Ver­la­der einen Anreiz, ver­stärkt auf die Bahn zu setzen.

Für Umschlags- und Ver­la­de­an­la­gen will der Bun­des­rat die För­de­rung über Inves­ti­ti­ons­bei­trä­ge aus­wei­ten und admi­nis­tra­tiv ver­ein­fa­chen. Mit Pau­schal­bei­trä­gen will er Inves­ti­tio­nen in Umschlag­flä­chen und mobi­le Anla­gen­tei­le zusätz­lich unterstützen.

Pau­schal­bei­trä­ge zur Migra­ti­on auf die DAK

Ein wich­ti­ger Bau­stein für einen effi­zi­en­te­ren und pro­duk­ti­ve­ren Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist die DAK. Zur Aus- und Umrüs­tung von Bahn­wa­gen und Loko­mo­ti­ven rich­tet der Bund Pau­schal­bei­trä­ge pro Fahr­zeug aus. Diese belau­fen sich ins­ge­samt auf 180 Mil­lio­nen Fran­ken. Basie­rend auf dem Feed­back aus der Ver­nehm­las­sung hat sich der Bund ent­schie­den, den Betrag pro Wagen auf 8000 Fran­ken pau­schal und unab­hän­gig von des­sen Alter festzusetzen.

Kaum Offer­ten für Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen eingereicht

Im Som­mer 2025 führ­te das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV) ein Offert­ver­fah­ren zur finan­zi­el­len Unter­stüt­zung von Teil­leis­tun­gen im EWLV-Sys­tem durch. Auf die Aus­schrei­bung hat bis­her nur SBB Cargo reagiert. Das BAV wird bis Ende 2025 zusam­men mit SBB Cargo eine Leis­tungs­ver­ein­ba­rung für den EWLV für die Jahre 2026 bis 2029 erarbeiten.

SBB Cargo prescht vor

Die GüTV steckt den Rah­men ab und stellt die finan­zi­el­len Mit­tel für einen eigen­wirt­schaft­li­chen EWLV bereit. Ziel ist es, mit einem effi­zi­en­te­ren und pro­duk­ti­ve­ren Betrieb bei SBB Cargo, mit aus­ta­rier­ten Preis­er­hö­hun­gen bei den Ver­la­dern und mit den degres­si­ven Sub­ven­tio­nen des Bun­des Eigen­wirt­schaft­lich­keit inner­halb von vier bis acht Jah­ren zu errei­chen. Die­ses Vor­ha­ben und die Ziele der GüTV hat SBB Cargo bereits vor Inkraft­tre­ten der revi­dier­ten Geset­ze und Ver­ord­nun­gen mit Preis­er­hö­hun­gen von teils zwei­stel­li­gen Pro­zent­sät­zen bei den Ver­la­dern torpediert.

Ein sol­ches Vor­ge­hen führt zwangs­läu­fig dazu, dass die Ver­la­der ihre Güter schon bald nicht mehr mit der Bahn, son­dern auf der noto­risch ver­stopf­ten Stras­se trans­por­tie­ren. Die­ser Effekt ent­spricht mit Sicher­heit nicht der Absicht der Poli­tik bei der Ver­ab­schie­dung des GüTG. Es erstaunt daher nicht, dass das Par­la­ment mit der Moti­on 25.4409 von Stän­de­rä­tin Eva Her­zog reagiert hat. Die Kom­mis­si­on für Ver­kehr und Fern­mel­de­we­sen hat die Moti­on am 7. Novem­ber 2025 mit 5 zu 2 Stim­men bei einer Ent­hal­tung angenommen.

 

Alpenquerender Güterverkehr:  Verlagerungsziel rückt in weite Ferne

Alpenquerender Güterverkehr: Verlagerungsziel rückt in weite Ferne

Am 19. Novem­ber 2025 hat der Bun­des­rat den «Bericht über die Ver­kehrs­ver­la­ge­rung Juli 2023 – Juni 2025» kom­mu­ni­ziert. Die­ser bestä­tigt die äus­serst anspruchs­vol­le Situa­ti­on des kom­bi­nier­ten alpen­que­ren­den Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Mit diver­sen Mass­nah­men will der Bun­des­rat den nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen entgegenwirken.


Darum geht’s:

  • Ver­la­ge­rungs­auf­trag verpflichtet
  • Ziel zuneh­mend ver­fehlt, auch fremdverschuldet
  • Bun­des­rat schrei­tet zur Tat
  • Pro­blem erkannt, Auf­ga­be bleibt anspruchsvoll

Ver­la­ge­rungs­auf­trag verpflichtet

Mit dem Ver­la­ge­rungs­auf­trag ver­fügt die Schweiz über ein ein­zig­ar­ti­ges, in der Ver­fas­sung ver­an­ker­tes Instru­ment. Die­ses zwingt die Poli­tik, den alpen­que­ren­den Güter­ver­kehr auf die Schie­ne zu ver­la­gern. Ziel ist der Schutz der Alpen und die Begren­zung der LKW-Fahr­ten durch die Alpentäler.

Ziel zuneh­mend ver­fehlt, auch fremdverschuldet

Lei­der ging der Anteil der auf der Schie­ne trans­por­tier­ten Güter in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich zurück. Das Ver­la­ge­rungs­ziel von 650 000 alpen­que­ren­den Last­wa­gen­fahr­ten wird mit 960’000 Fahr­ten im Jahr 2024 wei­ter­hin klar über­schrit­ten. Ein Kern­pro­blem für diese Ent­wick­lung ist die maro­de Schie­nen­in­fra­struk­tur in den Nach­bar­län­dern, allen voran in Deutsch­land. Zwar geht man die Pro­ble­me vie­ler­orts an, doch wird die Moder­ni­sie­rung der nächs­ten Jahre die Zuver­läs­sig­keit des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs wei­ter verschlechtern.

Bun­des­rat schrei­tet zur Tat

Vor die­sem Hin­ter­grund ist nicht nur die ver­la­den­de Wirt­schaft, son­dern vor allem auch der Bund gefor­dert. Es ist erfreu­lich, dass sich der Bun­des­rat für moder­ne und gut aus­ge­bau­te Zulauf­stre­cken zu den Basis­tun­nels der Neuen Eisen­bahn-Alpen­trans­ver­sa­len (NEAT) ein­setzt. Eben­falls will er mit finan­zi­el­len Anrei­zen die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen aus der Ein­stel­lung der Rol­len­den Land­stras­se (Rola) abfe­dern und die betrof­fe­nen Trans­por­te in den unbe­glei­te­ten kom­bi­nier­ten Ver­kehr über­füh­ren. Wei­ter will er sich für eine rasche Moder­ni­sie­rung der Bahn­in­fra­struk­tur in den Nach­bar­län­dern ein­set­zen, sich für leis­tungs­fä­hi­ge Aus­weich­rou­ten enga­gie­ren und dafür, dass die Akteu­re die Bau­ar­bei­ten inter­na­tio­nal koordinieren.

Pro­blem erkannt, Auf­ga­be bleibt anspruchsvoll

Das in der Ver­fas­sung ver­an­ker­te Ver­la­ge­rungs­ziel wird wei­ter­hin weit ver­fehlt. Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig. In ers­ter Linie lie­gen sie bei der teils maro­den Schie­nen­in­fra­struk­tur in Deutsch­land, wes­halb fast jeder fünf­te Zug aus­fällt. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es begrüs­sens­wert, dass sich der Bun­des­rat der Sache annimmt und hand­fes­te Lösun­gen präsentiert.

Aller­dings bleibt es äus­serst anspruchs­voll, den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in den kom­men­den Jah­ren nach­hal­tig am Lau­fen zu hal­ten, bis die Infra­struk­tur im Aus­land moder­ni­siert ist. Ange­sichts die­ser Her­aus­for­de­run­gen ist es umso ent­schei­den­der, dass die Güter­ver­kehrs­bran­che zusam­men­rückt und sowohl poli­tisch als auch ope­ra­tiv eng koope­riert. Nur so las­sen sich wei­te­re unnö­ti­ge Unweg­sam­kei­ten verhindern.

 

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