Bundesverwaltungsgericht stoppt Alleingang des BAV
Das Bundesverwaltungsgericht hat die vom Bundesamt für Verkehr angeordneten Sicherheitsmassnahmen für Güterwagen aufgehoben.
Das Bundesverwaltungsgericht hat die vom Bundesamt für Verkehr angeordneten Sicherheitsmassnahmen für Güterwagen aufgehoben.
Am 12. Mai 2026 kamen rund 120 Vertreterinnen und Vertreter der Branche zum Forum Güterverkehr 2026 des Verbandes der verladenden Wirtschaft (VAP) im Glockenhof in Zürich zusammen.
Nur ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des revidierten Gütertransportgesetzes ruft die Entwicklung im Schienengüterverkehr die Politik erneut auf den Plan. In der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats (KVF-N) fand diese Woche eine Anhörung zu den aktuellen Entwicklungen in der Verkehrsverlagerung statt. Für den Verband der verladenden Wirtschaft kam diese keine Minute zu früh. Insbesondere im EWLV ist der Unmut der Branche riesig, wobei sich die Frustration im Wesentlichen auf die stark gestiegenen Preise bei gleichzeitigem Qualitäts- und Angebotsrückgang sowie die fehlende Kundenorientierung von SBB Cargo bezieht. Die Politik ist angehalten, dieser Situation nicht länger tatenlos zuzusehen.
Das revidierte Gütertransportgesetz (GüTG) und dessen Umsetzung stand von Beginn an unter keinem guten Stern. So sorgten die teils massiven Preiserhöhungen von SBB Cargo noch vor Inkrafttreten des Gesetzes für viel Unmut in der Branche. Bereits dann wurde die Politik ein erstes Mal aktiv. Inzwischen führt die Politik von SBB Cargo zu richtiggehender Frustration in der Branche mit der Konsequenz, dass die verladende Wirtschaft wo immer möglich Wege sucht, ihre Güter auf die Strasse zu verlagern. Diese Entwicklung ist alarmierend und es ist nur folgerichtig, dass sich die Politik diesem Thema mit höchster Dringlichkeit annimmt. Denn die eigentliche Gefahr liegt darin, dass sich der Rückgang im Schienengüterverkehr erst verzögert in den Zahlen zeigen wird. Dort wo die Verlader kurzfristig keine Ausweichmöglichkeiten haben, bleiben die entsprechenden Verkehre noch auf der Schiene – gleichzeitig wird wo immer möglich auf die Strasse verlagert und Investitionen in die LKW-Infrastruktur umgeschichtet. Ist dieser Schritt einmal vollzogen, investiert kaum ein Unternehmen erneut in bahnbezogene Infrastruktur – der Zug ist dann im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren.
Ein solcher Kurs wäre nichts anderes als ein durch Steuergelder finanzierter Abbau des EWLV. Dies lehnt der VAP entschieden ab. Die Politik ist inzwischen im Bild und muss die Umsetzung des GüTG mit griffigen Massnahmen korrigieren. Ziel der öffentlichen Unterstützung war die Stärkung eines nachhaltigen Gütertransports auf der Schiene – nicht der Abbau von Angebot, Vertrauen und Kundenzufriedenheit. Wird der derzeit von SBB Cargo eingeschlagene Abbaukurs beibehalten, fehlt aus Sicht des VAP die Rechtfertigung für den Einsatz öffentlicher Mittel.
Zu kurze Zusicherung von Rangierleistungen verzerrt den Wettbewerb
Auch ausserhalb des EWLV nehmen die Hürden zu – etwa bei Ganzzugverkehren oder im kombinierten Verkehr. Neue Regeln von SBB Cargo, wie die 48-Stunden-Regel bei Rangierleistungen erschweren die Planbarkeit für private Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und Verlader erheblich. Wenn SBB Cargo als marktbeherrschender Anbieter privaten EVU Rangierleistungen auf der ersten und letzten Meile erst kurzfristig verbindlich zusichert, entstehen für die privaten EVU erhebliche Wettbewerbsnachteile. Für private EVU und Verlader wird es dadurch immer schwieriger, verlässliche Angebote aufzubauen oder bestehende Verkehre aufrechtzuerhalten. Ein fairer Wettbewerb wird dadurch verunmöglicht.
VAP bleibt dran
Der VAP begrüsst angesichts dieser Herausforderungen und Probleme sehr, dass sich die Politik diesen Themen mit Hochdruck annimmt und griffige Massnahmen prüft. Ein «Weiter wie bisher» dürfte sich für den Wirtschaftsstandort Schweiz rückblickend verheerend auswirken. Und dies alles in einer Zeit, in der die Vorteile des SGV etwa mit Blick auf die Klimaziele, die Flächeneffizienz oder die Versorgungssicherheit gefragter sein sollten als je zuvor.
Diese Themen haben für den VAP höchste Priorität. Vor diesem Hintergrund verspricht nicht nur der Sommer heiss zu werden, sondern auch die anstehenden Debatten zu diesen Themen. Als VAP werden wir diese Sommermonate nicht ungenutzt verstreichen lassen, sondern mit regelmässigen Einblicken zu diesen Themen am Ball bleiben.
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Am 12. Mai 2026 kamen rund 120 Vertreterinnen und Vertreter der Branche zum Forum Güterverkehr 2026 des Verbandes der verladenden Wirtschaft (VAP) im Glockenhof in Zürich zusammen. Im Zentrum stand die Frage, wie der Schienengüterverkehr in der Schweiz trotz zunehmendem Druck leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben kann.
Darum geht’s:
Im Zentrum des Forums stand die Frage, wie der Schweizer Schienengüterverkehr trotz steigender Kosten, sinkender Zuverlässigkeit, Kapazitätsengpässen und einer ungelösten Haftungsfrage leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben kann. Der Tag machte deutlich: Die Branche versucht mit Wissen, Engagement und innovativen Ansätzen die Schiene weiterzuentwickeln.
Wettbewerbsfähigkeit wird zur Schlüsselfrage
Zum Auftakt ordnete VAP-Geschäftsführer Simon Wey die aktuelle Lage ein. Der Schienengüterverkehr ist mehrfach gefordert: Im alpenquerenden Verkehr nehmen die Lastwagenfahrten zu und im Einzelwagenladungsverkehr belasten sinkende Zuverlässigkeit, steigende Kosten und Angebotsreduktionen das Vertrauen vieler Verlader. Hinzu kommen Grossbaustellen im Ausland, regulatorische Vorgaben als Folge des Unfalls im Gotthardbasistunnel sowie neue Unsicherheiten rund um Haftungsfragen.
Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes Problem, sondern die Summe dieser Entwicklungen. Sie schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene schrittweise und erhöht damit das Risiko, dass Verkehre dauerhaft auf die Strasse abwandern. Aus Sicht des VAP braucht es deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, mehr Wettbewerb und ein Zusammenrücken der Branche, um den Schienengüterverkehr zu stärken.
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Mit der von INFRAS erarbeiteten «Szenarioanalyse Schienengüterverkehr» erhielt die Diskussion eine fundierte Datengrundlage. Anne Greinus von INFRAS, zeigte auf, dass die Verkehrsleistung auf der Schiene zwischen 2000 und 2025 um 11 Prozent gesunken ist, während deren Marktanteil von 42 auf 37 Prozent zurückging. Besonders betroffen sind der Binnenverkehr und insbesondere der Wagenladungsverkehr, der seit 2008 deutlich an Volumen verloren hat.
Die Umfrage bei den VAP-Mitgliedern macht gleichzeitig deutlich: Viele Verlader wollen weiterhin auf die Schiene setzen. Der Rückgang ist deshalb nur bedingt Ausdruck fehlender Nachfrage oder mangelnden Vertrauens in die Bahn. Vielmehr zeigen die Rückmeldungen, dass Unternehmen verlässliche Angebote, planbare Transporte, konkurrenzfähige Preise und klare Verantwortlichkeiten brauchen. Wo diese Voraussetzungen fehlen, steigt der Druck auf den Schienengüterverkehr – selbst wenn die Unternehmen grundsätzlich auf dieses Verkehrsmittel setzen möchten.
Hier geht’s zur Präsentation von Anne Greinus.
Politik, Verwaltung und Branche im Austausch
In den beiden Podiumsdiskussionen am Vormittag wurde deutlich, wie eng politische Rahmenbedingungen und die Alltagssorgen miteinander verbunden sind. Im ersten Podium diskutierten VAP-Präsident und Ständerat Josef Dittli und Martin von Känel, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Verkehr, unter der Moderation von Andy Müller über die Schweizer Verlagerungspolitik und die Zukunft des Schienengüterverkehrs.
Dabei zeigte sich, dass die politischen Ziele klar sind, ihre Umsetzung aber anspruchsvoll und harzig bleibt. Von Känel betonte, dass mit dem Gütertransportgesetz die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen worden seien; nun sei die Branche gefordert, diese zu nutzen. Dittli wiederum warnte davor, dass der Ruf nach einer dauerhaften Subventionierung lauter werden könnte, falls der Einzelwagenladungsverkehr trotz der gesprochenen Fördermittel nicht eigenwirtschaftlich werde. Kontrovers diskutierte das Duo zudem die verschärften Sicherheitsmassnahmen des BAV nach dem Unfall im Gotthardbasistunnel. Der VAP-Präsident betonte, dass Sicherheitsmassnahmen wichtig seien, diese jedoch «nicht ausschliesslich die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene senken dürften», sondern nachweislich zur Sicherheit beitragen müssten.
Das zweite Podium brachte die Sicht der Praxis ein. Anne Greinus, Martin Haller von Planzer, Nicolas Herold von Syngenta und Bernhard Kunz von Hupac beleuchteten aus unterschiedlichen Perspektiven die Folgen eines weiteren Bedeutungsverlusts der Schiene für Logistik, Industrie und Versorgungssicherheit. Im Zentrum standen Erfahrungen aus dem Markt. Mangelnde Planbarkeit, Qualitätsprobleme und steigende Kosten führen zunehmend dazu, dass Güterzüge als Transportmittel an Attraktivität verlieren. Die Panelteilnehmenden bedauerten zudem, dass viele innovative Projekte nicht über die Pilotphase hinauskommen.
Den Abschluss des Vormittags bildete ein Kurzinterview mit Alexander Muhm, CEO von SBB Cargo. Im Gespräch mit Andy Müller ging es um die künftige Ausrichtung von SBB Cargo, die Bedeutung des Einzelwagenladungsverkehrs und die umstrittenen Haftungsfragen. Muhm zeigte sich dabei offen, die geplanten Haftungsregelungen zugunsten einer europaweit abgestimmten Branchenlösung zu überdenken. Entscheidend ist nun, dass ein strukturierter Prozess unter Einbezug aller Akteure des Schienengüterverkehrs zur Erarbeitung dieser Lösung aufgesetzt werden kann.
Innovationen als Teil der Lösung
Der Nachmittag zeigte, dass die Branche des Schienengüterverkehrs nicht nur Probleme wälzt, sondern mit grossem Engagement über konkrete Innovationsansätze debattiert. Thorsten Bieker von CAAP präsentierte Möglichkeiten für vollautomatisierte Verladeprozesse und neue Perspektiven für den CO₂-Transport auf der Schiene. Frank Petutschnig vom VPI Österreich und Martin Deusch vom Fachverband Schienenbahnen der Wirtschaftskammer Österreich zeigten mit der Initiative «naturail», wie eine gemeinsame Branchenmarke und das Zusammenrücken der Branche das öffentliche Bild des Schienengüterverkehrs stärken können.
Weitere Impulse kamen von Beat Wegmüller von der rXp Interregio Cargo GmbH. Er stellte ein Betriebsmodell für den Kurz- und Mittelstreckenbereich vor. Jasmin Bigdon zeigte auf, warum Innovationen im Schienengüterverkehr oft nur langsam vorankommen: fragmentierte Strukturen, fehlende Standards und unnötige Komplexität erschweren die Umsetzung. Umso wichtiger sind klare Prioritäten, mehr Automatisierung und digitale Lösungen, die im Alltag Wirkung entfalten.
Hier geht’s zu den Präsentationen vom Nachmittag.
Zwischen Realität und Aufbruch
Das Forum Güterverkehr 2026 zeigte ein differenziertes Bild des Schienengüterverkehrs. Dieser steht angesichts der mangelnden Qualität und Planbarkeit sowie der hohen Kosten unter erheblichem Druck. Gleichzeitig wurde ersichtlich, dass die Branche Lösungen sucht, neue Ansätze entwickelt und bereit ist, stärker zusammenzuarbeiten.
Der Tag endete nicht mit einer einfachen Antwort, aber mit einer klaren Botschaft: Der Schienengüterverkehr hat Zukunft. Vorausgesetzt, es gelingt, Vertrauen zurückzugewinnen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Innovationen im Alltag umzusetzen.
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SBB Cargo will den Einzelwagenladungsverkehr per Dezember 2026 mit einem neuen Produktionsmodell neu ausrichten.
Mit den Bilateralen III wird auch das Landverkehrsabkommen weiterentwickelt. Was bedeutet das für den Schienengüterverkehr? Zentrale Elemente konnten gesichert werden, gleichzeitig besteht in einzelnen Punkten Handlungsbedarf. Hier gilt es, die verbleibenden Spielräume bei der Umsetzung im Inland zu nutzen.
Der Schienengüterverkehr (SGV) ist die tragende Säule der Verlagerung von der Strasse auf die Schiene. Während die Branche ohnehin vor diversen Herausforderungen steht, stellt sie die von SBB Cargo geplante Verlagerung von Haftungsrisiken auf die Kunden vor erhebliche rechtliche, wirtschaftliche und verkehrspolitische Fragen.
Mit den Eckwerten zu Verkehr 2045 stellt der Bundesrat die Weichen für den künftigen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Aus Sicht des VAP ist entscheidend, dass der Schienengüterverkehr dabei von Beginn weg angemessen berücksichtigt wird. Andernfalls geraten Verlagerungsziele und ein funktionierendes Gesamtsystem unter Druck.
Der Unfall im Gotthard-Basistunnel hat eindrücklich gezeigt, wie verletzlich ein hochkomplexes und europaweit vernetztes Eisenbahnsystem ist. Er hat ebenfalls verdeutlicht, dass sich ein hohes Mass an Sicherheit im Schienengüterverkehr nur sicherstellen lässt, wenn alle Akteure in die Verantwortung genommen werden. Dazu braucht es einen ganzheitlichen Ansatz, der die Wahrscheinlichkeit von Zwischenfällen mit einer Vielzahl von Massnahmen tief hält.