Der heute publi­zier­te Semes­ter­be­richt des Bun­des­am­tes für Ver­kehr zeigt erneut einen deut­li­chen Rück­gang im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr. Die Zahl der bela­de­nen Wagen ging im ers­ten Halb­jahr 2026 um 8 Pro­zent zurück im Ver­gleich zum Vor­jah­res­se­mes­ter. Für den VAP ist diese Ent­wick­lung ein wei­te­res ernst zu neh­men­des Warn­si­gnal – zumal unklar ist, wo diese Tal­fahrt endet.

Das Bun­des­amt für Ver­kehr (BAV) hat heute den Semes­ter­be­richt zum Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV) für das erste Halb­jahr 2026 publi­ziert. Im zwei­ten Quar­tal 2026 lag die Zahl der bela­de­nen Wagen 6 Pro­zent unter dem Vor­jah­res­wert. Damit setz­te sich die nega­ti­ve Ent­wick­lung fort, die sich bereits im ers­ten Quar­tal 2026 mit einem Rück­gang von 10 Pro­zent deut­lich gezeigt hatte. Über das gesam­te erste Halb­jahr wur­den 8 Pro­zent weni­ger bela­de­ne Wagen trans­por­tiert als im Vor­jah­res­zeit­raum. Die Trans­port­leis­tung lag rund 5 Pro­zent tie­fer als im Vorjahreszeitraum.

Die eigent­li­chen Aus­wir­kun­gen ste­hen erst noch bevor

Der aktu­el­le Rück­gang wiegt beson­ders schwer, weil sich die gros­sen Rück­gän­ge im EWLV erst ver­zö­gert in den Trans­port­men­gen zei­gen wer­den. Viele Ver­la­der kön­nen ihre Logis­tik nicht sofort umstel­len und blei­ben kurz­fris­tig auf den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr und den EWLV ange­wie­sen. Die­ses Mus­ter war bereits im alpen­que­ren­den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu beob­ach­ten: Sin­ken­de Qua­li­tät und Ver­läss­lich­keit führ­ten auch dort erst mit Ver­zö­ge­rung zu spür­ba­ren Mengenverlusten.

Umso pro­ble­ma­ti­scher ist die aktu­el­le Neu­aus­rich­tung von SBB Cargo. Per Dezem­ber 2026 sol­len mehr als 50 Bedien­punk­te weg­fal­len. Die betrof­fe­nen Ver­la­der wur­den ohne vor­he­ri­ge Ankün­di­gung vor voll­ende­te Tat­sa­chen gestellt: Infor­miert wurde erst nach dem Abbau­ent­scheid. Ein vor­gän­gi­ger Ein­be­zug der Kund­schaft und eine gemein­sa­me Suche nach weni­ger ein­schnei­den­den Lösun­gen fan­den nicht statt. Gleich­zei­tig berich­ten Kun­den von man­geln­der Pla­nungs­si­cher­heit, feh­len­der Kun­den­ori­en­tie­rung und wenig bis keine Trans­pa­renz bei den Kri­te­ri­en für den Abbau ein­zel­ner Bedienpunkte.

Bun­des­mit­tel müs­sen den EWLV stabilisieren

Mit der Revi­si­on des Güter­trans­port­ge­set­zes hat die Poli­tik bewusst einen län­ge­ren Zeit­raum vor­ge­se­hen, um den EWLV gemein­sam mit den Markt­ak­teu­ren wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und auf nach­hal­ti­ge Beine zu stel­len. Die Poli­tik hat hier­zu auch sub­stan­zi­el­le finan­zi­el­le öffent­li­che Mit­tel gespro­chen. Die aktu­el­le Ent­wick­lung läuft die­sem Ziel dia­me­tral ent­ge­gen. Die auf der Schie­ne trans­por­tier­ten Men­gen sin­ken, wäh­rend gleich­zei­tig die Prei­se stei­gen, die Qua­li­tät abnimmt und das Ange­bot redu­ziert wird. Vie­les wird auf die ohne­hin schon noto­risch über­las­te­te Stras­se ver­la­gert – aus­ge­rech­net weg vom klima- und umwelt­freund­lichs­ten Verkehrsträger.

Auch die ange­streb­te Ver­bes­se­rung der Kos­ten­ef­fi­zi­enz ist nicht ein­ge­tre­ten – ganz im Gegen­teil. Der finan­zi­el­le Auf­wand pro bela­de­nem Wagen stieg im ers­ten Halb­jahr 2026 gegen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum von 893 auf 937 Fran­ken und damit um rund 5 Pro­zent. Aus Sicht des VAP ist dies beson­ders gra­vie­rend, weil gera­de die Kos­ten pro Trans­port­ein­heit für die Ver­la­der ein ent­schei­den­des Kri­te­ri­um dafür sind, ob sie ihre Ver­keh­re auch zukünf­tig wirt­schaft­lich auf der Schie­ne trans­por­tie­ren können.

Auch das BAV selbst beur­teilt die Ent­wick­lung kri­tisch und hält in sei­ner Inter­pre­ta­ti­on des Semes­ter­be­richts fest: «Die Men­gen­ent­wick­lung berei­tet der­zeit Sorge.» Für den VAP unter­streicht diese Ein­schät­zung den drin­gen­den Hand­lungs­be­darf. Jetzt braucht es Kor­rek­tur­mass­nah­men, um den EWLV zu sta­bi­li­sie­ren, das Ver­trau­en der Ver­la­der zurück­zu­ge­win­nen und die poli­tisch gesetz­ten Ziele zu erreichen.

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