Die SBB hat heute ihre Halbjahreszahlen 2026 publiziert und spricht auch beim Güterverkehr von einer positiven Entwicklung. Der VAP nimmt das verbesserte finanzielle Ergebnis zur Kenntnis. Die operativen Entwicklungen im Markt und die Rückmeldungen der verladenden Wirtschaft zeichnen jedoch ein gegensätzliches Bild. Auffällig ist zudem, dass die SBB für den Güterverkehr – anders als für den Personenverkehr – kaum operative Kennzahlen ausweist. Gerade angesichts der laufenden Neuausrichtung wäre Transparenz über Mengenentwicklung, Verkehrsleistung und Qualität zentral.
Die SBB hat heute ihre Halbjahreszahlen 2026 publiziert. Im Güterverkehr stieg das Ergebnis gegenüber Vorjahr um 49 Millionen Franken auf 2 Millionen Franken. Gleichzeitig hält die SBB selbst fest, dass die Transportmengen im Inland rückläufig sind.
Operative Entwicklung bleibt weitgehend im Dunkeln
Während die SBB beim Personenverkehr detailliert über Reisendenzahlen, Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit informiert, fehlen für den Güterverkehr vergleichbare operative Kennzahlen weitgehend. Dabei sind auch die Verlader Kunden der SBB. Gerade vor dem Hintergrund der laufenden Neuausrichtung ist entscheidend, wie sich Mengen, Angebotsqualität und Kundenzufriedenheit im Güterverkehr tatsächlich entwickeln.
So zeichnen die wenigen öffentlich verfügbaren Zahlen ein kritisches Bild. Gemäss dem Quartalsreporting des Bundesamts für Verkehr sank die Zahl der beladenen Wagen im Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahresquartal von rund 94’000 auf 87’000. Bereinigt um die Swiss-Split-Verkehre, die 2025 noch nicht dem EWLV zugerechnet wurden, entspricht dies einem Rückgang von 12 Prozent.
Rückmeldungen der Verlader zeigen eine andere Realität
Dieser vom BAV ausgewiesene Rückgang deckt sich mit den Rückmeldungen aus unserer Mitgliedschaft. Diese stehen in deutlichem Kontrast zur positiven Darstellung der SBB. Der angekündigte Abbau von Bedienpunkten, teils massive Preiserhöhungen, Einschränkungen bei Rangierleistungen und eine zunehmend weniger an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtete Produktion beeinträchtigen die Attraktivität und Verlässlichkeit des Schienengüterverkehrs spürbar. Kunden, die ihre Verkehre bereits heute auf die Strasse verlagern können, tun dies zunehmend. Jene, die aufgrund ihrer starken Abhängigkeit vom marktbeherrschenden Anbieter kurzfristig keine Alternative haben, arbeiten daran, diese Abhängigkeit mittelfristig zu reduzieren und andere Lösungen zu schaffen. Wo Leistungen reduziert oder nicht mehr angeboten werden und die Kundenorientierung insgesamt auf der Strecke bleibt, fehlen den betroffenen Verladern häufig kurzfristig verfügbare Alternativen. Damit werden bestehende Bahnverkehre gefährdet und auf die Strasse verlagert – eine Entwicklung, die den verkehrspolitischen Zielen des Bundes und der Politik entgegenläuft.
Mehr Transparenz bei der Neuausrichtung erforderlich
Die SBB bezeichnet die Neuausrichtung des EWLV als planmässig. Aus Sicht des Verbands der verladenden Wirtschaft (VAP) fehlt jedoch weitgehend Transparenz darüber, wie zentrale Entscheide zustande gekommen sind. Dies zeigt sich exemplarisch am angekündigten Abbau von Bedienpunkten. Für betroffene Unternehmen ist vielfach nicht nachvollziehbar, anhand welcher Kriterien Standorte aufgegeben werden, ob alternative Lösungen etwa mit anderen EVU geprüft wurden und wie den Auswirkungen auf Kunden, Versorgung, Klima und Verkehrsverlagerung Rechnung getragen wird.
Gerade weil der Bund den EWLV seit Anfang 2026 finanziell unterstützt, sind nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen und eine transparente Berichterstattung über Leistung, Qualität und Mittelverwendung absolut unerlässlich. Für den VAP ist deshalb klar: Die Zukunft des Schienengüterverkehrs bemisst sich nicht allein an der Erfolgsrechnung von SBB Cargo. Entscheidend ist, ob die Bedürfnisse der Kunden erfüllt, Verkehrsvolumen auf der Schiene gehalten und ein verlässliches, wettbewerbsfähiges Angebot sichergestellt werden.
Wiedereingliederung erhöht die Anforderungen an die Governance
Der VAP nimmt die angekündigte Wiedereingliederung der SBB Cargo AG in die SBB AG per 1. Januar 2027 zur Kenntnis. Mit der stärkeren Integration steigen die Anforderungen an die Governance und insbesondere die Transparenz. Für den VAP ist zentral, dass weiterhin eine klare und überprüfbare Trennung der Finanzflüsse gewährleistet bleibt – insbesondere zwischen dem staatlich geförderten EWLV und jenen Bereichen, in denen die SBB mit privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen im Wettbewerb steht. Bundesmittel müssen zweckgebunden beim geförderten Angebot und damit letztlich bei den Kunden wirken. Eine direkte oder indirekte Quersubventionierung wettbewerblicher Tätigkeiten muss zwingend verhindert werden.


