Nur ein hal­bes Jahr nach Inkraft­tre­ten des revi­dier­ten Güter­trans­port­ge­set­zes ruft die Ent­wick­lung im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr die Poli­tik erneut auf den Plan. In der Kom­mis­si­on für Ver­kehr und Fern­mel­de­we­sen des Natio­nal­rats (KVF‑N) fand diese Woche eine Anhö­rung zu den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in der Ver­kehrs­ver­la­ge­rung statt. Für den Verband der ver­la­den­den Wirt­schaft kam diese keine Minu­te zu frühInsbeson­dere im EWLV ist der Unmut der Bran­che rie­sig, wobei sich die Frus­tra­ti­on im Wesent­li­chen auf die stark gestie­ge­nen Prei­se bei gleich­zei­ti­gem Qua­li­täts- und Ange­botsrück­gang sowie die feh­lende Kun­den­ori­en­tie­rung von SBB Cargo beziehtDie Poli­tik ist ange­hal­ten, die­ser Situa­ti­on nicht län­ger taten­los zuzusehen.

Das revi­dier­te Güter­trans­port­ge­setz (GüTG) und des­sen Umset­zung stand von Beginn an unter kei­nem guten Stern. So sorg­ten die teils mas­si­ven Preis­er­hö­hun­gen von SBB Cargo noch vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes für viel Unmut in der Bran­che. Bereits dann wurde die Poli­tik ein ers­tes Mal aktiv. Inzwi­schen führt die Poli­tik von SBB Cargo zu rich­tig­ge­hen­der Frus­tra­ti­on in der Bran­che mit der Kon­se­quenz, dass die ver­la­den­de Wirt­schaft wo immer mög­lich Wege sucht, ihre Güter auf die Stras­se zu ver­la­gern. Diese Ent­wick­lung ist alar­mie­rend und es ist nur fol­ge­rich­tig, dass sich die Poli­tik die­sem Thema mit höchs­ter Dring­lich­keit annimmt. Denn die eigent­li­che Gefahr liegt darin, dass sich der Rück­gang im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr erst ver­zö­gert in den Zah­len zei­gen wird. Dort wo die Ver­la­der kurz­fris­tig keine Aus­weich­mög­lich­kei­ten haben, blei­ben die ent­spre­chen­den Ver­keh­re noch auf der Schie­ne – gleich­zei­tig wird wo immer mög­lich auf die Stras­se ver­la­gert und Inves­ti­tio­nen in die LKW-Infra­struk­tur umge­schich­tet. Ist die­ser Schritt ein­mal voll­zo­gen, inves­tiert kaum ein Unter­neh­men erneut in bahn­be­zo­ge­ne Infra­struk­tur – der Zug ist dann im wahrs­ten Sinne des Wor­tes abge­fah­ren. 

Ein sol­cher Kurs wäre nichts ande­res als ein durch Steu­er­gel­der finan­zier­ter Abbau des EWLV. Dies lehnt der VAP ent­schie­den ab. Die Poli­tik ist inzwi­schen im Bild und muss die Umset­zung des GüTG mit grif­fi­gen Mass­nah­men kor­ri­gie­ren. Ziel der öffent­li­chen Unter­stüt­zung war die Stär­kung eines nach­hal­ti­gen Güter­trans­ports auf der Schie­ne – nicht der Abbau von Ange­bot, Ver­trau­en und Kun­den­zu­frie­den­heit. Wird der der­zeit von SBB Cargo ein­ge­schla­ge­ne Abbau­kurs bei­be­hal­ten, fehlt aus Sicht des VAP die Recht­fer­ti­gung für den Ein­satz öffent­li­cher Mittel.

Zu kurze Zusi­che­rung von Ran­gier­leis­tun­gen ver­zerrt den Wettbewerb

Auch aus­ser­halb des EWLV neh­men die Hür­den zu – etwa bei Ganz­zug­ver­keh­ren oder im kom­bi­nier­ten Ver­kehr. Neue Regeln von SBB Cargo, wie die 48-Stun­den-Regel bei Ran­gier­leis­tun­gen erschwe­ren die Plan­bar­keit für pri­va­te Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men (EVU) und Ver­la­der erheb­lich. Wenn SBB Cargo als markt­be­herr­schen­der Anbie­ter pri­va­ten EVU Ran­gier­leis­tun­gen auf der ers­ten und letz­ten Meile erst kurz­fris­tig ver­bind­lich zusi­chert, ent­ste­hen für die pri­va­ten EVU erheb­li­che Wett­be­werbs­nach­tei­le. Für pri­va­te EVU und Ver­la­der wird es dadurch immer schwie­ri­ger, ver­läss­li­che Ange­bo­te auf­zu­bau­en oder bestehen­de Ver­keh­re auf­recht­zu­er­hal­ten. Ein fai­rer Wett­be­werb wird dadurch ver­un­mög­licht. 

VAP bleibt dran

Der VAP begrüsst ange­sichts die­ser Her­aus­for­de­run­gen und Pro­ble­me sehr, dass sich die Poli­tik die­sen The­men mit Hoch­druck annimmt und grif­fi­ge Mass­nah­men prüft. Ein «Wei­ter wie bis­her» dürf­te sich für den Wirt­schafts­stand­ort Schweiz rück­bli­ckend ver­hee­rend aus­wir­ken. Und dies alles in einer Zeit, in der die Vor­tei­le des SGV etwa mit Blick auf die Kli­ma­zie­le, die Flä­chen­ef­fi­zi­enz oder die Ver­sor­gungs­si­cher­heit gefrag­ter sein soll­ten als je zuvor.   

Diese The­men haben für den VAP höchs­te Prio­ri­tät. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­spricht nicht nur der Som­mer heiss zu wer­den, son­dern auch die anste­hen­den Debat­ten zu die­sen The­men. Als VAP wer­den wir diese Som­mer­mo­na­te nicht unge­nutzt ver­strei­chen las­sen, son­dern mit regel­mäs­si­gen Ein­bli­cken zu die­sen The­men am Ball bleiben.

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