Blogbeitrag zur VAP‑Generalversammlung vom 3. September 2026
Die diesjährige Generalversammlung des VAP bot weit mehr als die statutarischen Geschäfte. Im Zentrum standen die aktuellen Herausforderungen innerhalb der Branche und die Frage, welche Rahmenbedingungen es für einen leistungsfähigen und wettbewerbsfähigen Schienengüterverkehr braucht.
Wohin fährt der Schweizer Schienengüterverkehr? An Diskussions- und Gesprächsstoff mangelte es an der diesjährigen Generalversammlung des VAP nicht. Denn die Branche muss sich derzeit gleich mehreren grundlegenden Fragen stellen: Wie lässt sich der Einzelwagenladungsverkehr zukunftsfähig gestalten? Wie können faire Wettbewerbsbedingungen und ein barrierefreier Marktzugang geschaffen werden? Und was braucht es künftig für eine Infrastruktur?
Über verkehrspolitische Dossiers hinausgeblickt
VAP-Präsident Josef Dittli rückte in seiner Präsidialrede die Perspektive der verladenden Wirtschaft ins Zentrum. Er strich die Bedeutung eines leistungsfähigen SGV für die Versorgung und den Wirtschaftsstandort Schweiz hervor. Gerade der Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) ist für zahlreiche Unternehmen unverzichtbar. «Die Zukunft des EWLV ist auch eine Frage der Landesversorgung», so Dittli. Die vom Bund gesprochenen Mittel müssten dazu beitragen, den EWLV effizienter und wettbewerbsfähiger zu machen und vor allem Verkehre auf der Schiene zu halten. Umso problematischer sei es, wenn gleichzeitig die Preise stiegen, die Leistungen reduziert würden und die Verlässlichkeit des Angebots für die Kunden abnehme.
Vielfalt und Kundenorientierung gefragt
Angesichts der starken Stellung von SBB Cargo braucht es gemäss Dittli faire Chancen für weitere Anbieter. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Rangierleistungen auf der ersten und letzten Meile. Ohne einen verlässlichen und diskriminierungsfreien Zugang zu diesen Leistungen würde ein fairer Wettbewerb und der Marktzugang für andere Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) massiv erschwert. Kurzfristige Absagen, fehlende Planungssicherheit oder der Rückzug von bereits zugesagten Leistungen gefährdeten deshalb nicht nur einzelne Verkehre, sondern den Wettbewerb im SGV insgesamt. Öffentliche Mittel dürften bestehende Marktstrukturen nicht zementieren, sondern müssten dazu beitragen, dass auch andere Anbieter wettbewerbsfähige Angebote entwickeln können. Entscheidend sei letztlich, ob die Bedürfnisse der Kunden erfüllt und möglichst viele Verkehre auf der Schiene gehalten werden. Denn was einmal auf der Strasse ist, kommt kaum mehr zurück.
Wettbewerb bedingt Marktzugang und Alternativen
Im Referat von Dirk Stahl, CEO von BLS Cargo, wurden in zentralen Punkten deutliche Übereinstimmungen mit der Position des VAP sichtbar. BLS Cargo unterstützt ein sinnvolles EWLV-Netz und dessen Förderung durch den Bund. Gleichzeitig müssten die Subventionen an den Systemanbieter SBB Cargo die Einbindung anderer Bahnen ermöglichen und dürfe den Wettbewerb im Ganzzugverkehr nicht verzerren. Subventionierte Serviceleistungen der letzten Meile müssten diskriminierungsfrei auch Drittanbietern offenstehen. Gerade hier sieht Stahl Handlungsbedarf. Die Einbindung anderer Bahnen sei bisher nicht ausreichend gelungen.
Infrastruktur mit Draufsicht weiterentwickeln
Mit Blick auf Verkehr 45 ist für die Verlader und die privaten EVU entscheidend, dass der SGV bei der Weiterentwicklung des Schweizer Bahnnetzes von Beginn an mitgedacht wird. Bereits heute gerät er zunehmend unter Druck von unterschiedlichster Seite. Der Personenverkehr wächst, beansprucht zusätzliche Trassen und erhält vielerorts Vorrang. «Unser Bahnnetz muss für beide da sein. Deshalb müssen die notwendigen Kapazitäten für den Güterverkehr von Beginn an mitgedacht und langfristig gesichert werden», betonte Dittli. Gleichzeitig darf der Fokus nicht allein auf neuen Ausbauten liegen. Ebenso wichtig sind der Unterhalt und die Leistungsfähigkeit der bestehenden Infrastruktur. Gerade im internationalen SGV zeigt sich zudem, dass eine leistungsfähige Infrastruktur in der Schweiz allein nicht ausreicht. Fehlende Kapazitäten, Baustellen und mangelnde Zuverlässigkeit auf den ausländischen Zulaufstrecken wirken sich unmittelbar auf den Schweizer SGV aus.
Gemeinsames Ziel bei der Sicherheit
Beim Ziel herrscht Einigkeit: Sicherheit hat im SGV höchste Priorität. Sowohl BLS Cargo als auch der VAP und die von ihm vertretenen Wagenhalter unterstützen die im Joint Network Secretariat (JNS) vereinbarten europäischen Massnahmen im Nachgang zum Unfall im Gotthardbasistunnel. Unterschiedliche Akzente setzen sie beim Tempo der Umsetzung. Während BLS Cargo eine möglichst rasche Umsetzung befürwortet, fordert der VAP, zunächst sicherzustellen, dass die dafür notwendigen Werkstattkapazitäten zur Verfügung stehen. Nur so lassen sich die zusätzlichen Kontrollen und Instandhaltungsmassnahmen flächendeckend umsetzen, ohne die Verfügbarkeit von Güterwagen und damit die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des SGV unnötig einzuschränken.
Schiene braucht Wettbewerb und Kundenorientierung
Die Referate und Diskussionen anlässlich der diesjährigen VAP-Generalversammlung machten deutlich: Der Schweizer SGV muss sich wie in einem funktionierenden Markt üblich konsequent an den Bedürfnissen seiner Kunden orientieren. Dafür sind wettbewerbsfähige Angebote, faire Chancen für private Anbieter und eine leistungsfähige Infrastruktur nötig. Der VAP will sich mehr denn je für die Interessen seiner Mitglieder und für wettbewerbsfördernde Rahmenbedingungen einsetzen.


