Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr (SGV) ist die tra­gen­de Säule der Ver­la­ge­rung von der Stras­se auf die Schie­ne. Wäh­rend die Bran­che ohne­hin vor diver­sen Her­aus­for­de­run­gen steht, stellt sie die von SBB Cargo geplan­te Ver­la­ge­rung von Haf­tungs­ri­si­ken auf die Kun­den vor erheb­li­che recht­li­che, wirt­schaft­li­che und ver­kehrs­po­li­ti­sche Fragen. 

Darum geht’s:

  • Stim­mung im SGV schon län­ger angespannt
  • Haf­tungs­ver­schär­fung heizt die Debat­te an
  • Ver­la­den­de Wirt­schaft mit fata­len Fol­gen konfrontiert
  • Im kla­ren Wider­spruch zur Schwei­zer Verkehrspolitik
  • VAP setzt sich für Dia­log und Lösungs­fin­dung ein

Stim­mung im SGV schon län­ger angespannt

Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr (SGV) in der Schweiz steht zuneh­mend unter Druck. Meh­re­re Ent­wick­lun­gen haben die Rah­men­be­din­gun­gen für die Bran­che spür­bar ver­schlech­tert. Vor die­sem Hin­ter­grund sorgt nun eine wei­te­re Mass­nah­me von SBB Cargo für zusätz­li­che Ver­un­si­che­rung: die geplan­te Ver­la­ge­rung von Haf­tungs­ri­si­ken auf die Kun­den. Dies wiegt ins­be­son­de­re im inlän­di­schen SGV schwer. Hier ver­fügt SBB Cargo über eine domi­nie­ren­de Markt­stel­lung. Im Hin­blick auf die begrenz­ten Ange­bo­te ande­rer Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men (EVU) haben ein­sei­ti­ge Anpas­sun­gen von Ver­trags­be­din­gun­gen beson­ders weit­rei­chen­de Fol­gen. Kun­den von SBB Cargo haben kurz­fris­tig kaum Aus­weich­mög­lich­kei­ten und mit­tel- bis län­ger­fris­tig wer­den die Trans­por­te wei­ter von der Schie­ne auf die Stras­se verlagert.

Seit eini­ger Zeit häu­fen sich die nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen ins­be­son­de­re im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr (EWLV), was die ver­la­den­de Wirt­schaft zuneh­mend auf die Stras­se treibt. So hat SBB Cargo zum Bei­spiel die Prei­se für Trans­port­leis­tun­gen noch vor dem Inkraft­tre­ten des revi­dier­ten Güter­trans­port­ge­set­zes (GüTG) teils mas­siv ange­ho­ben, die bedien­ten Anfahrts­punk­te redu­ziert und das Ange­bot bei der Ver­füg­bar­keit bestimm­ter SBB-eige­ner Wagen ver­knappt. Die Summe die­ser Ent­wick­lun­gen schwächt die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne der­art stark, dass sich ver­la­den­de Unter­neh­men immer wei­ter von der Schie­ne abwenden.

Haf­tungs­ver­schär­fung heizt die Debat­te an

Aktu­ell plant SBB Cargo im gesam­ten SGV der Schweiz, bei Trans­por­ten mit Güter­wa­gen frem­der Wagen­hal­ter die Haf­tung auf die Kun­den zu über­tra­gen. Vor­ge­se­hen ist eine ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge Haf­tung der Ver­la­der, ver­bun­den mit einer umfas­sen­den Frei­stel­lung des EVU gegen­über Dritt­an­sprü­chen. Ent­spre­chen­de Rege­lun­gen fin­den sich bereits seit län­ge­rem in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen von SBB Cargo. Diese hat SBB Cargo zu Beginn die­ses Jah­res indi­vi­du­ell an die Kun­den zur Unter­schrift ver­schickt, womit sie in Zukunft ver­bind­li­cher sind.

Diese Haf­tungs­ver­la­ge­rung auf die Ver­la­der in den Ver­wen­dungs­be­stim­mun­gen von Güter­wa­gen frem­der Hal­ter wirft vor allem des­halb gros­se Fra­gen auf, weil mit der Moti­on 24.3823 «Revi­si­on der Risi­ko­haf­tung der Eigen­tü­mer von Güter­wag­gons» bereits Ende 2024 im Bun­des­par­la­ment der Ver­such schei­ter­te, die Haf­tung von den EVU auf die Wagen­hal­ter zu ver­la­gern. Das­sel­be nun am par­la­men­ta­ri­schen Ent­scheid vor­bei den Ver­la­dern auf­zu­la­den, mutet selt­sam an.

Geschäft der ver­la­den­den Wirt­schaft stark betroffen

Schon heute zeich­nen sich für die ver­la­den­de Wirt­schaft ein­schnei­den­de Kon­se­quen­zen auf den Geschäfts­gang ab:

  1. Zusätz­li­che wirt­schaft­li­che Belas­tun­gen: Für Ver­la­der ist die Wahl des Ver­kehrs­trä­gers letzt­lich eine betriebs­wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung. Stei­gen Risi­ken, Kos­ten und Unsi­cher­hei­ten im SGV, redu­ziert dies letzt­lich die Attrak­ti­vi­tät der Schie­ne gegen­über der Stras­se weiter.
  2. Mas­siv höhe­re Haf­tungs­ri­si­ken: Die vor­ge­se­he­ne ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge Haf­tung würde die Risi­ken für Ver­la­der erheb­lich aus­wei­ten. Auch sind sol­che Risi­ken in vie­len Fäl­len nur schwer oder gar nicht versicherbar.
  3. Ver­si­che­rungs­recht­li­che Unsi­cher­hei­ten: Neue Haf­tungs­struk­tu­ren kön­nen zu erheb­li­chen Unsi­cher­hei­ten im Hin­blick auf Ver­si­cher­bar­keit und Finan­zier­bar­keit füh­ren. Neben mög­li­chen Deckungs­lü­cken dro­hen auch stei­gen­de Versicherungsprämien.
  4. Ein­ge­schränk­te Ver­hand­lungs­mög­lich­kei­ten: Auf­grund der quasi-mono­po­lis­ti­schen Markt­stel­lung von SBB Cargo im EWLV haben Ver­la­der kaum Mög­lich­kei­ten, Ver­trags­be­din­gun­gen indi­vi­du­ell zu verhandeln.
  5. Brei­ten­wir­kung im Markt: Ände­run­gen in den Ver­trags­be­din­gun­gen von SBB Cargo wir­ken sich unmit­tel­bar auf einen gros­sen Teil der ver­la­den­den Betrie­be aus, da viele Unter­neh­men teils kurz‑, teils mit­tel­fris­tig auf die Schie­nen­gü­ter­trans­port­leis­tun­gen von SBB Cargo ange­wie­sen sind.

Im kla­ren Wider­spruch zur Schwei­zer Verkehrspolitik

Die Dis­kus­si­on um die Haf­tungs­ver­la­ge­rung tan­giert grund­le­gen­de Ziele der Schwei­zer Ver­kehrs­po­li­tik. Diese strebt ins­be­son­de­re im alpen­que­ren­den Ver­kehr eine kon­se­quen­te Ver­la­ge­rung von Güter­trans­por­ten von der Stras­se auf die Schie­ne an. Aller­dings steht der EWLV bereits seit län­ge­rer Zeit unter Druck. Alter­na­ti­ve Trans­port­an­ge­bo­te sind teils nur begrenzt ver­füg­bar und zusätz­li­che Risi­ken stel­len unwei­ger­lich einen wei­te­ren Belas­tungs­fak­tor für diese Trans­por­te dar.

Eine Schwä­chung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne gegen­über der Stras­se gefähr­det die poli­ti­schen Ver­la­ge­rungs­zie­le. Gera­de im Kon­text der jüngst beschlos­se­nen För­der­mass­nah­men für den EWLV im Rah­men des revi­dier­ten GüTG erscheint eine zusätz­li­che unnö­ti­ge Belas­tung beson­ders wider­sprüch­lich. Immer­hin hat das Par­la­ment erst kürz­lich Sub­ven­tio­nen im gros­sen Mass beschlos­sen, um den EWLV zu sta­bi­li­sie­ren und seine Eigen­wirt­schaft­lich­keit mit­tel­fris­tig zu sichern.

VAP setzt sich für Dia­log und Lösungs­fin­dung ein

Der VAP – Ver­band der ver­la­den­den Wirt­schaft blickt mit Sorge auf diese Ent­wick­lun­gen. Er steht der­zeit im inten­si­ven Aus­tausch mit den betrof­fe­nen Unter­neh­men und setzt sich für Lösun­gen ein, die die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des SGV erhal­ten, die Risi­ken für Ver­la­der in einem trag­ba­ren Rah­men hal­ten und die ver­kehrs­po­li­ti­schen Ziele der Schweiz nicht untergraben.

Gera­de im EWLV ist ein funk­tio­nie­ren­des Zusam­men­spiel zwi­schen EVU, Ver­la­dern und Wagen­hal­tern ent­schei­dend. Unnö­ti­ge Expe­ri­men­te wie das­je­ni­ge mit der Haf­tungs­ver­la­ge­rung beein­träch­ti­gen die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne in beson­de­rem Ausmass.

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