Am 12. Mai 2026 kamen rund 120 Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Bran­che zum Forum Güter­ver­kehr 2026 des Ver­ban­des der ver­la­den­den Wirt­schaft (VAP) im Glo­cken­hof in Zürich zusam­men. Im Zen­trum stand die Frage, wie der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr in der Schweiz trotz zuneh­men­dem Druck leis­tungs- und wett­be­werbs­fä­hig blei­ben kann.

Darum geht’s:

  • Wett­be­werbs­fä­hig­keit wird zur Schlüsselfrage
  • Sze­na­rio­ana­ly­se zeigt Handlungsbedarf
  • Poli­tik, Ver­wal­tung und Bran­che im Austausch
  • Inno­va­tio­nen als Teil der Lösung
  • Zwi­schen Rea­li­tät und Aufbruch

Im Zen­trum des Forums stand die Frage, wie der Schwei­zer Schie­nen­gü­ter­ver­kehr trotz stei­gen­der Kos­ten, sin­ken­der Zuver­läs­sig­keit, Kapa­zi­täts­eng­päs­sen und einer unge­lös­ten Haf­tungs­fra­ge leis­tungs- und wett­be­werbs­fä­hig blei­ben kann. Der Tag mach­te deut­lich: Die Bran­che ver­sucht mit Wis­sen, Enga­ge­ment und inno­va­ti­ven Ansät­zen die Schie­ne weiterzuentwickeln.

Wett­be­werbs­fä­hig­keit wird zur Schlüsselfrage

Zum Auf­takt ord­ne­te VAP-Geschäfts­füh­rer Simon Wey die aktu­el­le Lage ein. Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist mehr­fach gefor­dert: Im alpen­que­ren­den Ver­kehr neh­men die Last­wa­gen­fahr­ten zu und im Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr belas­ten sin­ken­de Zuver­läs­sig­keit, stei­gen­de Kos­ten und Ange­bots­re­duk­tio­nen das Ver­trau­en vie­ler Ver­la­der. Hinzu kom­men Gross­bau­stel­len im Aus­land, regu­la­to­ri­sche Vor­ga­ben als Folge des Unfalls im Gott­hard­ba­sis­tun­nel sowie neue Unsi­cher­hei­ten rund um Haftungsfragen.

Ent­schei­dend ist dabei nicht ein ein­zel­nes Pro­blem, son­dern die Summe die­ser Ent­wick­lun­gen. Sie schwächt die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne schritt­wei­se und erhöht damit das Risi­ko, dass Ver­keh­re dau­er­haft auf die Stras­se abwan­dern. Aus Sicht des VAP braucht es des­halb ver­läss­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, mehr Wett­be­werb und ein Zusam­men­rü­cken der Bran­che, um den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr zu stärken.

Sze­na­rio­ana­ly­se zeigt Handlungsbedarf

Mit der von INFRAS erar­bei­te­ten «Sze­na­rio­ana­ly­se Schie­nen­gü­ter­ver­kehr» erhielt die Dis­kus­si­on eine fun­dier­te Daten­grund­la­ge. Anne Grei­nus von INFRAS, zeig­te auf, dass die Ver­kehrs­leis­tung auf der Schie­ne zwi­schen 2000 und 2025 um 11 Pro­zent gesun­ken ist, wäh­rend deren Markt­an­teil von 42 auf 37 Pro­zent zurück­ging. Beson­ders betrof­fen sind der Bin­nen­ver­kehr und ins­be­son­de­re der Wagen­la­dungs­ver­kehr, der seit 2008 deut­lich an Volu­men ver­lo­ren hat.

Die Umfra­ge bei den VAP-Mit­glie­dern macht gleich­zei­tig deut­lich: Viele Ver­la­der wol­len wei­ter­hin auf die Schie­ne set­zen. Der Rück­gang ist des­halb nur bedingt Aus­druck feh­len­der Nach­fra­ge oder man­geln­den Ver­trau­ens in die Bahn. Viel­mehr zei­gen die Rück­mel­dun­gen, dass Unter­neh­men ver­läss­li­che Ange­bo­te, plan­ba­re Trans­por­te, kon­kur­renz­fä­hi­ge Prei­se und klare Ver­ant­wort­lich­kei­ten brau­chen. Wo diese Vor­aus­set­zun­gen feh­len, steigt der Druck auf den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr – selbst wenn die Unter­neh­men grund­sätz­lich auf die­ses Ver­kehrs­mit­tel set­zen möchten.

Hier geht’s zur Prä­sen­ta­ti­on von Anne Greinus.

Poli­tik, Ver­wal­tung und Bran­che im Austausch

In den bei­den Podi­ums­dis­kus­sio­nen am Vor­mit­tag wurde deut­lich, wie eng poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen und die All­tags­sor­gen mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Im ers­ten Podi­um dis­ku­tier­ten VAP-Prä­si­dent und Stän­de­rat Josef Ditt­li und Mar­tin von Känel, stell­ver­tre­ten­der Direk­tor des Bun­des­amts für Ver­kehr, unter der Mode­ra­ti­on von Andy Mül­ler über die Schwei­zer Ver­la­ge­rungs­po­li­tik und die Zukunft des Schienengüterverkehrs.

Dabei zeig­te sich, dass die poli­ti­schen Ziele klar sind, ihre Umset­zung aber anspruchs­voll und har­zig bleibt. Von Känel beton­te, dass mit dem Güter­trans­port­ge­setz die not­wen­di­gen poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen wor­den seien; nun sei die Bran­che gefor­dert, diese zu nut­zen. Ditt­li wie­der­um warn­te davor, dass der Ruf nach einer dau­er­haf­ten Sub­ven­tio­nie­rung lau­ter wer­den könn­te, falls der Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehr trotz der gespro­che­nen För­der­mit­tel nicht eigen­wirt­schaft­lich werde. Kon­tro­vers dis­ku­tier­te das Duo zudem die ver­schärf­ten Sicher­heits­mass­nah­men des BAV nach dem Unfall im Gott­hard­ba­sis­tun­nel. Der VAP-Prä­si­dent beton­te, dass Sicher­heits­mass­nah­men wich­tig seien, diese jedoch «nicht aus­schliess­lich die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne sen­ken dürf­ten», son­dern nach­weis­lich zur Sicher­heit bei­tra­gen müssten.

Das zwei­te Podi­um brach­te die Sicht der Pra­xis ein. Anne Grei­nus, Mar­tin Hal­ler von Plan­zer, Nico­las Herold von Syn­gen­ta und Bern­hard Kunz von Hupac beleuch­te­ten aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven die Fol­gen eines wei­te­ren Bedeu­tungs­ver­lusts der Schie­ne für Logis­tik, Indus­trie und Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Im Zen­trum stan­den Erfah­run­gen aus dem Markt. Man­geln­de Plan­bar­keit, Qua­li­täts­pro­ble­me und stei­gen­de Kos­ten füh­ren zuneh­mend dazu, dass Güter­zü­ge als Trans­port­mit­tel an Attrak­ti­vi­tät ver­lie­ren. Die Panel­teil­neh­men­den bedau­er­ten zudem, dass viele inno­va­ti­ve Pro­jek­te nicht über die Pilot­pha­se hinauskommen.

Den Abschluss des Vor­mit­tags bil­de­te ein Kurz­in­ter­view mit Alex­an­der Muhm, CEO von SBB Cargo. Im Gespräch mit Andy Mül­ler ging es um die künf­ti­ge Aus­rich­tung von SBB Cargo, die Bedeu­tung des Ein­zel­wa­gen­la­dungs­ver­kehrs und die umstrit­te­nen Haf­tungs­fra­gen. Muhm zeig­te sich dabei offen, die geplan­ten Haf­tungs­re­ge­lun­gen zuguns­ten einer euro­pa­weit abge­stimm­ten Bran­chen­lö­sung zu über­den­ken. Ent­schei­dend ist nun, dass ein struk­tu­rier­ter Pro­zess unter Ein­be­zug aller Akteu­re des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs zur Erar­bei­tung die­ser Lösung auf­ge­setzt wer­den kann.

Inno­va­tio­nen als Teil der Lösung

Der Nach­mit­tag zeig­te, dass die Bran­che des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs nicht nur Pro­ble­me wälzt, son­dern mit gros­sem Enga­ge­ment über kon­kre­te Inno­va­ti­ons­an­sät­ze debat­tiert. Thors­ten Bie­ker von CAAP prä­sen­tier­te Mög­lich­kei­ten für voll­au­to­ma­ti­sier­te Ver­la­de­pro­zes­se und neue Per­spek­ti­ven für den CO₂-Trans­port auf der Schie­ne. Frank Petut­s­ch­nig vom VPI Öster­reich und Mar­tin Deusch vom Fach­ver­band Schie­nen­bah­nen der Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich zeig­ten mit der Initia­ti­ve «natu­rail», wie eine gemein­sa­me Bran­chen­mar­ke und das Zusam­men­rü­cken der Bran­che das öffent­li­che Bild des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs stär­ken können.

Wei­te­re Impul­se kamen von Beat Weg­mül­ler von der rXp Inter­re­gio Cargo GmbH. Er stell­te ein Betriebs­mo­dell für den Kurz- und Mit­tel­stre­cken­be­reich vor. Jas­min Big­don zeig­te auf, warum Inno­va­tio­nen im Schie­nen­gü­ter­ver­kehr oft nur lang­sam vor­an­kom­men: frag­men­tier­te Struk­tu­ren, feh­len­de Stan­dards und unnö­ti­ge Kom­ple­xi­tät erschwe­ren die Umset­zung. Umso wich­ti­ger sind klare Prio­ri­tä­ten, mehr Auto­ma­ti­sie­rung und digi­ta­le Lösun­gen, die im All­tag Wir­kung entfalten.

Hier geht’s zu den Prä­sen­ta­tio­nen vom Nachmittag.

Zwi­schen Rea­li­tät und Aufbruch

Das Forum Güter­ver­kehr 2026 zeig­te ein dif­fe­ren­zier­tes Bild des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Die­ser steht ange­sichts der man­geln­den Qua­li­tät und Plan­bar­keit sowie der hohen Kos­ten unter erheb­li­chem Druck. Gleich­zei­tig wurde ersicht­lich, dass die Bran­che Lösun­gen sucht, neue Ansät­ze ent­wi­ckelt und bereit ist, stär­ker zusammenzuarbeiten.

Der Tag ende­te nicht mit einer ein­fa­chen Ant­wort, aber mit einer kla­ren Bot­schaft: Der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr hat Zukunft. Vor­aus­ge­setzt, es gelingt, Ver­trau­en zurück­zu­ge­win­nen, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu stär­ken und Inno­va­tio­nen im All­tag umzusetzen.

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